Beiträge von Abgas

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    Original geschrieben von Sabu3:16:
    Halte nichts von Laschet aber wie soll er sich sonst im Wahlkampf von Söder abheben? Er muss halt die Gegenseite von Söder verkörpern. Klar der bringt auch nix auf die Reihe und kritisiert mit viel heißer Luft, einen Gegenpol muss Laschet aber bilden.


    Vielleicht sollte man den Druck, den jemand vermeintlich hat, um einen anderen Job zu bekommen nicht als Ausgangspunkt dafür nehmen, ob seine Aussagen zu einer Pandemie legitim sind oder nicht. Wenn er meint sich abgrenzen zu wollen, soll er das da machen, wo die Folgen nicht derart schwer wiegen oder es halt lassen. Ich will keinen Kanzler, der sich auf Teufel komm raus vor der Welt profilieren muss, scheißegal was das für Folgen für andere hat. Und ich glaube das sehen sehr viele so.


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    Original geschrieben von Sonnenwirt:
    Was genau ist daran denn falsch? Er kann sich trotzdem die Ergebnisse der MPK mittragen, aber in die Zukunft gerichtet anderer Meinung sein. Ich sehe da auch keine 180 Grad Kehrtwende, sondern eher eine Weiterentwicklung. Dass die Inzidenzzahlen die einzigen relevanten KPIs sind, die zur Steuerung durch die Krise verwendet werden ist nun mal viel zu billig und einseitig. Dass man sich da um eine Weiterentwicklung Gedanken machen muss ist vollkommen richtig. Das heißt ja nicht zwangsläufig, dass der Lockdown dann sofort aufgehoben wird, sondern einfach das man mehrere Faktoren betrachtet. Also nochmal die Frage: Was ist an seiner Aussage falsch?


    Er kritisiert die Inzidenzen nicht, weil er noch andere Indikatoren über Krankheitsverläufe und Infektionen hinzuziehen will. Was er hier doch ganz offensichtlich macht, ist zu sagen "Wir müssen die Pandemie ab einem gewissen Grad ignorieren damit wieder in Teilen normales Leben stattfinden kann". Das ist insofern falsch als, dass es mit so einem Kurs noch viel länger dauern wird, bis man wieder ein normales Leben hat.

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    Original geschrieben von BadaBing:
    Zumindest ändert sich etwas am politischen Druck, denn es war gar nicht so klug, mit diesen Zahlen zu hantieren, wenn diese nicht tatsächlich ernst gemeint sind. Wenn Deutschland tatsächlich auf 35 kommt, diese Zahl aber von der Politik in der Hoffnung genannt wurde, dass man sie nicht erreicht, steht die Politik vor einem Problem: Sie wollen nicht öffnen, haben es aber versprochen. Wenn sie bei der 35 nicht öffnen, wird es wohl eine neue Dynamik im Land und wohl auch einen großen Aufschwung für die Rechten geben.
    Ich gehe aber auch davon aus, dass man die 35 als utopisches Ziel genannt hat, um den Leuten irgendwas Handfestes zu geben. Lauterbach hat ja direkt nach der Entscheidung gesagt, dass man eigentlich in jedem Falle zulassen müsste. Ohne Impfung wird das einfach nichts. Insoweit stimme ich dir zu: Es geht beim Lockdown nicht um die Nachverfolgbarkeit, sondern um die Unfähigkeit der Menschen die Regeln einzuhalten. Man kann halt nur juristisch nichts mit der Unfähigkeit der Menschheit begründen.
    Es wird auch weiterhin kein Politiker zugeben, dass man den Bürgern nicht vertraut und sie vor sich selbst schützt, also nennt man Zahlen. Aber natürlich kann das auch eine Fehlannahme sein und die Politiker haben bei der Inzidenz 35 ein äußerst gutes Gefühl, was die Pandemiebekämpfung angeht. Hoffen wir, sie wissen, was sie tun.


    Wäre es der Plan der Politik auch trotz 35er Inzidenz weiter die Läden geschlossen zu halten, würde man wohl eher direkt auf das No-Covid Narrativ wechseln. Das würde sich deutlich besser politisch vermarkten lassen als ständig mit anderen, viel abstrakteren Zahlen zu hantieren und dann trotz Zielerreichung einfach nichts zu ändern. Ich glaube man weiß in den Regierungen schon sehr gut, dass zerstörte Hoffnungen und uneingelöste Versprechen sehr viel politischen Frust erzeugen wird, den sie dann am Ende abbekommen.


    Ich habe eher den Eindruck, dass die Bundes- und Landregierungen einfach ziemlich ratlos sind und lediglich hoffen, dass der Sturm bald vorbei ist.


    Ich finde deine Analogie zeigt eher den Wahnsinn dieser ganzen politischen Herangehensweise auf, als dass es sie als vernünftig veranschaulichen würde. Es entbehrt doch jeglicher Vernunft an einer Unfallstelle die Auswahl anhand des Passes zu fällen und nicht anhand des dringenderen Bedarfs. Deine Analogie ist ein Beispiel um gegen diese nationalistische Ordnung zu argumentieren und nicht um sie zu verteidigen.

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    Original geschrieben von ron-cober:
    Der wesentliche Unterschied ist der grenzüberschreitende Verkehr und der Binnenverkehr innerhalb Deutschlands. Damit No-Covid funktionieren kann müsste die EU komplett regional funktionieren. Das tut sie aber nicht und daher ist Deutschland, als Land mit erheblichen Reisedurchsatz gerade nicht für solche Lösungen prädestiniert. Du forderst effektiv alle Grenzen unbegrenzt zu und partiell Dorfgrenzen bilden und komplett schließen.


    Das entspricht keineswegs den Funktionsstrukturen in Deutschland (und Europa) Diese Grundlagen nicht mit einzubeziehen ist einfach naiv.


    Okay, ein große offene Frage bei No Covid ist also, wie man verhindert, dass Menschen ungewünscht aus roten Zonen in grüne Zonen einreisen. Das ist ja absolut legitim, das zu problematisieren. Vielleicht gibt es hier aber auch andere Möglichkeiten als an jedem Zufahrtsweg Polizei oder Militär aufzustellen.


    Die Urheber hinter No Covid haben ein konkreteres Papier ausgearbeitet, wie No Covid funktionieren könnte. Ich hatte bisher leider noch nicht die Zeit mir das vernünftig anzugucken, aber vielleicht gehen daraus ja auch Ansätze hervor: https://www.ifo.de/DocDL/Fuest…V-2_Handlungsoptionen.pdf


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    Ich finde es btw. auch unglaublich unnötig anderen Unwillen oder (weiter oben) mangelnde Intelligenz/mangelndes Verständnis vorzuwerfen, nur weil sie die eigene Auffassung nicht teilen.


    Da hast du natürlich absolut Recht. Sorry, falls das den Eindruck vermittelt hatte. Ich finde es nur generell manchmal schade, wenn Menschen Machbares (das sie sich selbst wünschen würden) nicht angehen wollen, weil die politischen Widerstände schon im Vorfeld für zu groß erachtet werden. Klar, muss man Widerstände miteinbeziehen, aber das darf einen nicht davon abhalten, die beste Lösung zu suchen. Danach kann man immer noch Kompromisse eingehen. Aber diese Haltung wollte ich niemandem individuell vorwerfen, sondern das ist eher eine allgemeine Beobachtung.

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    Original geschrieben von Cody Rhodes:
    Und jetzt vergleichen wir Länder wie Australien (Insel) und China (Menschenrechte interessieren keine Sau) mit einem Land wie Deutschland, welches an zig weitere Länder grenzt. No Covid ist absolute Augenwischerei und nicht möglich.


    Wenn Australien eine Insel sein soll, dann ist Europa eine Halbinsel. Was spricht denn dagegen beispielsweise mit grünen, regionalen Zonen zu arbeiten wie von Frau Brinkmann vorgeschlagen? Mal abgesehen davon macht, dieser Quervergleich keinen Sinn. Wenn es in Australien möglich ist, eine Millionenstadt in einen richtigen Lockdown zu versetzen, dann ist das in jeder anderen Demokratie auch möglich, egal ob sich diese Stadt jetzt auf einer "Insel" oder sonstwo befindet. Selbstverständlich ist No Covid umsetzbar, es scheitert unter anderem an Leuten, die schon vorauseilend eine vernünftige Maßnahme ablehnen, weil sie vermeintlich politisch nicht durchsetzbar ist. Das wird dann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung.


    In Südafrika setzt man jetzt übrigens schon den Einsatz von AstraZeneca aus, weil er gegen die Mutation dort kaum Wirkung zeigt.

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    Original geschrieben von ron-cober:
    Die Schlussfolgerung zu "No-Covid" teile ich gleichem Grund nicht - man kann das Leben nicht auf Jahre den jetzigen (oder ähnlichen) Restriktionen unterwerfen und der Maßgabe "es könnten gefährlichere Muten existieren/sich bilden" endlos entlang handeln. Dies führte im Ergebnis tatsächlich zum völligen Stilllegen des Lebens für Jahre, zumindest soweit wir über die Herbst-Frühlingsmonate sprechen.


    Hä? Das ist doch viel mehr die Konsequenz aus "mit dem Virus leben". Die Forderung nach einem konsequenten Lockdown ist keine Forderung nach noch mehr Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Im Gegenteil, das Ziel der Forderung besteht unter Anderem darin, dass wir möglichst schnell alle verlorenen Freiheiten wiederherstellen können. Die Aussage von Leuten wie Melanie Brinkman ist, dass No Covid dazu führen wird, dass man schneller wieder zu einem ursprünglichen Leben zurückkehren kann während man mit dem aktuellen Kurs Restriktionen auf Jahre hinweg hinnehmen muss. In No-Covid Ländern wie Australien und China sind Restaurants und Bars offen und gleichzeitig ist es sicher dort hinzugehen.

    Ernüchterndes, aber wohl realistisches Interview mit Melanie Brinkmann. Ihre Hauptpunkte: Die Impfung ist keine Wunderlösung, durch die Langsamkeit der Impfkampagne und die Durchsetzung resistenter Mutationen, die die Wirkung der Impfungen teilweise wieder aufheben, wird die Epidemie noch jahrelang weitergehen und Opfer fordern. Und zwar wahrscheinlich noch viel mehr als bisher, wenn mit Verweis auf die Impfungen bei hoher Inzidenz wieder gelockert wird (Wie Österreich es gerade in einem riesigen Menschenversuch tut). Um halbwegs unbeschadet durch dieses Jahr zu kommen, ist eine NoCovid-Strategie zwingend nötig, um die Inzidenz noch weit unter das viel zu hohe anvisierte Ziel von 50 zu drücken. Nötig ist eher so 10.


    "SPIEGEL: Aber es wird doch jetzt geimpft, wenn auch noch zu langsam. Wie weit lässt sich damit die Seuche bremsen?


    Brinkmann: Wir kriegen niemals genügend Menschen geimpft, bevor die Mutanten durchschlagen. Dieser Wettlauf ist längst verloren. Alles andere entspringt Wunschdenken, genährt von falschen Versprechungen einiger Politiker. Der Impfstoff ist zwar da, die Produktion läuft, aber es wird dauern, bis alle ihn bekommen. Das Impfen wird uns erst aus der Pandemie befreien, wenn sie weltweit abflaut. Corona wird uns 2022 noch beschäftigen – wahrscheinlich darüber hinaus.


    SPIEGEL: Und bis dahin?


    Brinkmann: Spätestens an Ostern, wenn die über 80-Jährigen hoffentlich geimpft sind, wird der Ruf nach Lockerungen so laut werden, dass möglicherweise wieder geöffnet wird. Und dann würde das Virus durch die jüngeren, bis dahin noch nicht geimpften Altersgruppen rauschen, die keine Immunität haben – und das mit einer Wucht, die man sich gar nicht vorstellen kann. Weil die Mutanten noch infektiöser sind. Nicht zu vergessen das Risiko, dass Varianten auftauchen könnten, gegen die Impfstoffe schlechter wirken. Die Gefahr, dass das passiert, steigt mit der Zahl der Infizierten. Dann fangen wir noch mal ganz von vorn an.


    [...]


    SPIEGEL: Hat die Politik im Herbst also zu viel gehofft und zu spät reagiert?


    Brinkmann: Ja, klar. Alle Wissenschaftler, die sich auskennen, haben die zweite Welle erwartet – es ist nicht so schwer, die Kurven zu verlängern. Mitte Oktober hat mich die Kanzlerin angerufen. Ich habe gesagt: Es ist nicht fünf vor zwölf, Frau Merkel, es ist zwölf. Am Ende haben dann aber wohl viele Ministerpräsidenten nicht mitgespielt. So haben wir wertvolle Zeit verloren. Die Schulen blieben auf, die Mobilität blieb hoch. Allein diese zwei Wochen Verzögerung bis Anfang November haben uns in den letzten drei Monaten etwa 30.000 Menschenleben gekostet. Jetzt, mit den neuen Varianten, passiert wieder das Gleiche.


    SPIEGEL: Dass die Politik zu spät ..?


    Brinkmann: Ich fürchte, ja. Wir alle wollen aus diesem verdammten Lockdown raus – aber die Kanzlerin hat am Dienstag leider verkündet, dass die 50er-Inzidenz weiterhin als Richtschnur dienen soll. Mit diesem Kurs haben wir keine Chance.


    [...]


    SPIEGEL: Auf der anderen Seite stehen Wissenschaftler wie der Epidemiologe Klaus Stöhr, der sagt, im Winter seien die Inzidenzzahlen sowieso nicht auf 10 oder weniger zu drosseln.


    Brinkmann: Das kann er gern stoisch wiederholen. Aber er hat unrecht. In Irland gingen die Zahlen zunächst im Winter herunter; das funktioniert also. Und umgekehrt: In Afrika ist es heiß, aber das Virus wütet trotzdem. Der saisonale Effekt – dazu gibt es eine Studie – macht 20 Prozent aus. Mehr nicht. Außerdem wissen wir aus 15, 16 Ländern weltweit, die die Pandemie unter Kontrolle haben, dass es funktioniert. Nehmen Sie Australien, Neuseeland, Vietnam, Taiwan ...


    SPIEGEL: ... alles Inseln, halten Ihnen Kritiker entgegen, beziehungsweise ...


    Brinkmann: ... autoritäre Regime, ich weiß schon. Ich kenne die Argumentation. Aber man muss doch schauen: Wie haben die das gemacht? Dann kann man immer noch sehen, inwieweit sich deren Strategien übertragen lassen. Und siehe da: In Australien ist die Situation durchaus in Teilen vergleichbar. Auch da hat es heftigen Streit um »No Covid« gegeben, es ging hin und her, aber am Schluss waren alle happy.


    SPIEGEL: Aber schon Deutschland unterteilt sich in 401 Kreise und kreisfreie Städte, alle mit eigenem Corona-Management.


    Brinkmann: Die Idee ist, dass »No Covid« als Strategie von unten funktioniert: Einzelne Landkreise oder Gemeinden nehmen sich vor, möglichst schnell zur grünen Zone zu werden. Dazu müssen sie nicht ganz runter auf null, 10 ist das Zwischenziel. Dann können erste Lockerungen folgen. Zum Beispiel in Kita und Schule!"


    https://www.spiegel.de/wissens…02-0001-0000-000175196841

    Habe mich dann doch sehr gefreut als ich das heute Morgen gelesen habe. Stafford wurde auch die ganze Zeit bei den Broncos diskutiert und darauf kann ich persönlich gerne verzichten. Insbesondere wenn die Lions in der Lage waren, dafür ein so dickes Paket aufzurufen. Zuletzt hieß es zwar bereits, dass Stafford an einem Ort spielen möchte, wo das Wetter gut ist und auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass potentielle Picks viel wahrscheinlicher wirken, wenn man die ganze Zeit nur Broncos-Medien konsumiert anstatt zu gucken, was sonst so geschrieben wird, aber man weiß ja nie.


    Jetzt entweder Watson traden (was außerhalb der Broncos-Fanbase auch niemand für realistisch halten wird) oder einfach weiter Drew Lock sich entwickeln lassen. :knuddel:

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    Original geschrieben von Robert Downey Jr:
    Das ist halt das Problem. Wer nicht begreift, dass wird alle in einem Boot sitzen, kann auch nicht Teil der Lösung sein.


    Und das ist nur ein klitzekleiner Vorgeschmack auf die Klimakrise, die in wenigen Jahren vorherrschend sein wird. Aber da ist ja schließlich auch nur die Politik schuld und nicht Horst Niklas, der mit seinem SUV-Panzer zum Schrebergarten fährt und seine Ölheizung anheizt. ;) So ganz ohne Regeln und Anreize!


    Ich sitze mit Jens Spahn und Svenja Schulze nicht in einem Boot. Ich habe die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu tragen, sie aber nicht meine. Meine Entscheidungen sind für diese Pandemie und auch für die Klimakrise absolut unerheblich. Wer etwas anderes glaubt, denkt auch, dass seine Stimme bei einer Wahl einen Unterschied für dessen Ausgang machen würde. Auch das ist natürlich ein absoluter Irrglaube, auf dem eine Ordnung aber aufbaut, die die Verantwortung für alle Schweinereien auf dieser Welt, wie etwa der Klimakrise den Konsumenten und einzelnen Individuen zuschiebt.


    Ein durchschnittlicher Franzose hat einen halb so großen Co2-Fußabdruck wie ein durchschnittlicher Deutscher. Woran liegt das? Sind Franzosen so viel tugendhafter unterwegs als die Deutschen? Nein, aber Frankreich gewinnt den allergrößten Teil seiner Energie aus Atomkraft. Ein durchschnittlicher Deutscher wiederum hat einen halb so großen Co2-Fußabdruck wie ein durchschnittlicher Amerikaner. Auch das liegt nicht daran, dass Deutsche im Schnitt nach asketischen Idealen leben, sondern an diversen politischer Entscheidungen: Weil in den USA die öffentlichen Verkehrssysteme bewusst zugrundegerichtet wurden, sodass die allermeisten Menschen mangels brauchbaren ÖPNVs wohl oder übel ständig das Auto benutzen müssen. Weil die in den USA geltenden Baugesetze, Raumplanungsverfahren und eben der Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln Bau oder Kauf eines freistehenden, enorm ressourcenfressenden Einfamilienhauses in Suburbia viel attraktiver machen als in einer ressourcenschonenden städtischen Mietwohnung zu leben.


    Dass Industriebetriebe technisch leicht implementierbare, weitaus weniger Co2-intensive, aber teurere und damit weniger rentable Produktionsmethoden nicht anwenden müssen, ist Resultat politischer Entscheidungen. Dass die klimatisch katastrophale fossile Energiegewinnung nicht nur nicht verboten, sondern mit Milliardenbeträgen subventioniert wird, ist eine politische Entscheidung. Dass nicht massenhaft neue Wälder gepflanzt werden, sondern die Waldfläche ständig schrumpft, weil Abholzung zur Profitgewinnung erlaubt und oft geradezu gewünscht ist, ist Resultat politischer Entscheidungen. Dass hunderte Millionen Menschen täglich mit einem Auto, in dem 1 oder 2 Personen sitzen, durch die Landschaft fahren (Ein viel, viel schwerwiegenderer Faktor als der Flugverkehr), ist Resultat der politischen Entscheidung, keine ausreichenden öffentlichen Verkehrsmittel zu bauen oder sie, wenn sie vorhanden sind, nicht als günstige öffentliche Infrastruktur anzubieten. Das RWE-Kohlekraftwerk Neurath verursacht höhere Co2-Emissionen als der gesamte innerdeutsche Flugverkehr zusammengenommen. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Die politische Entscheidung, auch nur dieses eine Kraftwerk zu schließen, hätte einen größeren Klimaschutzeffekt, als wenn dutzende Millionen deutsche Normalverbraucher alle die individuelle Konsumentscheidung treffen, keine Inlandsflüge mehr zu buchen. Ob du dir einen SUV kaufst, ist dem Planeten Erde scheißegal. Es ist aber nicht egal, welche Klimapolitik auf diesem Planeten betrieben wird.


    Sicherlich lässt sich das nicht 1:1 auf die Corona-Krise übertragen. Aber auch hier hat die Politik die wesentlichen Zügel in der Hand. Zunächst einmal hat die Bundesregierung fälschlicherweise auf "Flatten the Curve" anstatt auf "Zero Covid" gesetzt. Dann hat Jens Spahn im August verkündet, dass es keinen erneuten Lockdown geben würde und die Bundesregierung hat diesem Irrglaubend folgend ihre Politik darauf ausgerichtet, alles zu lassen wie gehabt. Anstatt die ganze Kohle, die jetzt und in Zukunft für Projekte wie "Galeria Kaufhof retten" draufgeht, in Impfungen zu stecken, wird die EU zur Lachnummer. An Arbeitgeber hat man sich bis heute nicht richtig drangetraut, sondern schickt die Leute lieber weiter ins Großraumbüro und verbietet ihnen stattdessen Nachts ihre Spaziergänge.


    Menschen, die solche Entscheidungen treffen können sind für diese Misere verantwortlich. Wäre alles einfacher und besser wenn die Bevölkerung sich stärker selbst reduzieren würde? Selbstverständlich. Haben die Menschen in der Bundesregierung einen schweren Job, in dem man nicht fehlerfrei bleiben kann? Natürlich. Wer sich aber ständig in die Verantwortungsträger hineinversetzt und sich denkt "puh, vielleicht hätte ich das auch nicht besser entschieden" und lieber seinen Nachbarn für seinen Besuch anpflaumt setzt die falschen Prioritäten. Vor allem aber geht man vom Standpunkt der Vernunft weg, wenn man bereits im vorauseilenden Gehorsam, den Kompromiss mit den Leuten sucht, denen die Toten dieser Pandemie scheißegal sind. Diese Bundesregierung ist nicht dein Freund, dem du mit Empathie und uneingeschränktem Verständnis begegnen kannst. Diese Menschen haben sich ausgesucht diese Bevölkerung zu regieren und Scheiße bauen kann man eben auch, indem man populäre Entscheidungen trifft.


    Edit: Das heißt nicht, dass es vollkommen egal ist, was ich tue. Ich habe immer noch Einfluss darauf, wie gut es mir und meinem Umfeld geht und ein bisschen bin ich auch für deren Umfeld verantwortlich. Mit zunehmendem Abstand schwindet aber was ich hier bewirken kann. Das gleiche gilt für andere Leute aber einfach überhaupt nicht.


    Nein, es sind nicht alle miteinander daran Schuld, dass derartig viele Menschen in Deutschland an Corona erkrankt sind. Die Politik erlässt Regeln, setzt Anreize, stattet die Gesundheitsämter aus, führt Verhandlungen mit anderen Ländern und Impfstoffproduzenten, betreibt Öffentlichkeitsarbeit, etc. Das sind die Mittel, um eine Pandemie einzudämmen. Es ist liberale Verblendung zu glauben, dass Horst Niklas, weil er sich in seinem Schrebergarten mit seinem Nachbarn trifft an der aktuellen Situation genauso Schuld ist wie Jens Spahn.

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    Original geschrieben von DummerZufall:
    Joa, Neuseeland hat aber, soweit ich informiert bin, eine enorm niedrige Exportrate und was da exportiert wird, sind auch keine Industriegüter. Wenn Du aber als deutscher Hersteller für Autoteile oder hochspezialisierte Werkzeuge usw. usf. erstmal 4 bis 8 Wochen dicht machst und die Lieferketten sprengst, kann es Dir gut und gerne passieren, dass Deine Kunden danach weg sind.
    Im ersten Lockdown im März war das noch alles halb so schlimm, da ist auch im Rest der Welt nichts passiert, weder industriell noch konsumtechnisch.


    Es gibt aber auch No-Covid-Länder, die sehr industrialisiert sind und viel exportieren, wie beispielsweise China. Es gibt halt keinen Präzendenzfall, der geographisch, kulturell, herrschaftssystematisch, wirtschaftspolitisch, etc. 1-zu-1 auf Deutschland übertragbar wäre. Das bedeutet aber nicht, dass es hier nicht möglich gewesen wäre oder ist. Denn die einzelnen Beispiele zusammen zeigen doch, dass es auch in Demokratien geht, dass es auch im westlichen Kulturraum geht, dass es auch in Exportnationen möglich ist, etc.

    "Ein harter Lockdown ist ungerecht und unlogisch, er wirkt hysterisch, eigentlich immer verfrüht, und die Maßnahmen ergeben auf den einzelnen bezogen nicht unbedingt Sinn. Aber wenn sich trotzdem alle daran halten, sind sie extrem wirkungsvoll, und hinterher sagt man: Ein Glück, dass wir das durchgezogen haben. Aus den fünf Infizierten sind übrigens schnell mehr als 100 geworden, doch nach einigen Wochen war man erfolgreich zur Zahl Null zurückgekehrt."


    "Gerade, da ich diesen Artikel schreibe, wurde bekannt, dass es wieder eine Corona-Infektion in Neuseeland gibt. Zwar müssen alle Neuseeländer, die heimkehren, in eine 14-tägige staatlich beaufsichtigte Quarantäne, aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie bei so einem infektiösen Virus. Vielleicht wird es also einen neuen Lockdown geben, allerdings bei aller Strenge regional begrenzt, und genau dieses Vorgehen schlagen auch die Autoren des No-Covid-Papiers vor."


    "In Neuseeland wurde das Homeoffice nicht angeraten, es wurde verhängt. Abgesehen von Ärztinnen, Apothekern und Supermarktmitarbeitern war es Menschen schlichtweg untersagt, zur Arbeit zu gehen. Selbst Baustellen lagen brach. Wirtschaftsinteressen und die Sorge um Gesundheit wurden nicht als Gegensätze gesehen, sondern man vertrat die Meinung, dass der Ökonomie nichts mehr hilft als die Beseitigung des Virus. Und tatsächlich steht die neuseeländische Wirtschaft nach starken Einbußen wieder sehr gut da."


    https://www.zeit.de/gesellscha…kaempfung/komplettansicht

    Für den Globalen Süden dürfte das eine Katastrophe sein: Massenimpfungen mit MRNA-Impfstoffen, die erstens viel teurer sind und zweitens extreme Anforderungen an die Kühlketten stellen, dürften in vielen Ländern wohl kaum flächendeckend durchzusetzen sein.

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