Beiträge von Creature

    Da mögen sich Juristen drüber streiten. Ich gehe erst mal schon von einem relativ weitgehenden Hausrecht des Veranstalters aus. Meine Aussage war nicht, dass es unzulässig, sondern dass es dreist ist, sich derart autoritär gegenüber der eigenen zahlenden Kundschaft aufzuspielen. Es geht nämlich nicht darum, dass sich jemand danebenbenimmt (in die Ecke kotzt, andere Besucher schubst, Bier klaut, am Einlass drängelt,...), sondern eine Äußerung tätigt, die möglicherweise daneben ist. Auch wenn manch Postmoderner diese Grenzen heutzutage gerne mal zu verwischen sucht, sind Handlungen und Äußerungen unterschiedliche Vorgänge. Äußerungen verursachen nahezu nie ein unmittelbares Resultat und sind daher nahezu immer eine Stufe harmloser als jede Handlung. Weswegen es eben ganz besonders autoritäres Verhalten ist, selbst diese regulieren zu wollen. (Das Framework ist hier selbstredend eine Darbietung, bei der grundsätzlich Publikumsinteraktion erwünscht ist. Dass ein Veranstalter bspw. eines klassischen Konzertes Äußerungen jeglicher Art zu unterbinden sucht, ist vollkommen nachvollziehbar, aber auch ein gänzlich anderer Vorgang).

    Wenn die halbe Halle "Glitzerschwuchtel" skandiert [...]

    Das ist eine nicht ganz unspannende hypothetische Überlegung. Griese hat allerdings nach allem, was ich am Wochenende wahrgenommen habe, vollkommen Recht damit: Das würde bei diesem Publikum eher nicht vorkommen. Mir geht es da also schon um einzelne Zwischenrufe - denn auch das ist (war mal?) ein ganz besonderer Reiz beim Wrestling: Alle sind sich einig - und dann grätscht man als Einzelner derb verbal dazwischen.

    Sollen die doch einfach ohne Zuschauer veranstalten Problem gelöst :hase:

    So böse wollte ich eigentlich nicht sein, aber einen großen Unterschied hätte es am Wochenende nicht gemacht. Es gab wenig Zwischenrufe und Involviertheit, dafür viel Abgekulte irgendwelcher Chants und Catchphrases. Das wäre auch gut mit Publikumsstatisten machbar gewesen. :evil:

    Bei den neuen "Sicherheitshinweisen" vor den Events kündigt wXw jetzt an Leute für Chants und Kommentare aus der Halle zu verweisen die rassistisch, homophob, usw. sind.

    Jetzt mal ernsthaft: WTF?!

    Habe mich dazu drüben im Showthread auch schon geäußert. Selbst wenn man meiner Vorstellung, was Wrestling primär ist und sein sollte, nicht folgen mag - zahlendes Publikum wegen Äußerungen (!) (selbst wenn die mal daneben sein sollten) der Halle verweisen zu wollen, ist schon ziemlich dreist.

    Wenn man Al-Ani gegen Cara Noir nicht als Match-of-the-Year-Kandidaten wahrnimmt, kann ich mir das nur durch akute Ermüdungserscheinungen einer zu diesem Zeitpunkt schon viel zu langen Show erklären. Al-Ani ist offenbar immer noch heiß darauf, der restlichen Card die Show zu stehlen, selbst wenn er dafür gegenüber seiner ohnehin konstant guten Leistung nochmal einen Gang hochschalten muss und Cara Noir - was für ein Fighter! Zum ersten Mal gesehen, nach dem Entrance abgetan als jemand, der wohl von seinem interessanten Gimmick lebt, und dann eines besseren belehrt worden, wie viel der Bursche kann. Matchaufbau mit Sinn und Verstand, dennoch blitzschnell, aber ebenso blitzsauber, mehrfach hart wirkender Schlagabtausch, der endlich mal nicht daraus bestand, dass abwechselnd um Schläge gebettelt wurde, sondern immer wieder danach aussah, als gingen die Pferde mit den Kontrahenten durch,... Man muss das gar nicht im einzelnen beschreiben; es war feinstes Wrestling für Liebhaber. Bei jeder anderen Show hätte ich mir die Fingernägel abgeknabbert und an der Stuhlkante gesessen. Hier hatte leider auch ich bereits einigermaßen schlechte Laune bekommen, so dass sich übermäßiger Enthusiasmus nicht einstellen konnte. Aber dennoch: Das war unfassbar gut. Ich find's übrigens auch klasse, dass soetwas heutzutage funktioniert: Da stellt sich mit großer Geste ein geschminkter Ballettänzer mit Theaterglitzer in den Ring, zeigt dann im Kampf absolut überzeugend Härte ohne jeglichen Nonsense, und das Publikum steht hinter ihm. Das wäre vor 20 Jahren noch nicht gegangen und es ist mir wichtig zu betonen, dass ich das für einen großen Gewinn halte.


    Kein Gewinn ist es allerdings, wenn man sich bei dem anderen Glitzerträger, Levaniel mit Namen, der sich sein flamboyantes Auftreten mit für meine Begriffe unerträglichem Schleimbolzengegrinse und Positivity-Geschwall garniert (und damit grandiose Heelarbeit leistet, hier aber erstaunlicherweise als Face aufgenommen wird), die Unflätigkeiten, die man gerne gen Ring brüllen würde, verkneifen muss, weil vor Beginn der Show qua Durchsage mit Nachdruck deutlich gemacht wurde, was man vom Publikum unter Androhung eines Hallenverweises alles lieber nicht hören möchte (was auch noch Szenenapplaus bekam! Schöne neue Welt! :nene:). Ohne Frage gäbe es auch denkbare Publikumsrufe, die ich lieber nicht in einer Wrestlinghalle hören möchte, aber ein solches Selbstverständnis, das quasi einen Großteil der traditionellen Beleidigungen ausschließt, weil sich davon jemand auf die Füße getreten fühlen könnte, nimmt dem Wrestling seinen größten Reiz: Sein Transgressionspotential hinsichtlich der niederen Instinkte, die das Publikum für die Dauer der Show ohne Rücksicht auf die gute Kinderstube (eigentlich) ausleben darf. Mag sein, dass beispielsweise das mir zu dem Zeitpunkt auf der Zunge liegende "Glitzerschwuppe" jetzt nicht der Gipfel der reflektierten Würdigung eines Menschen ist; und natürlich bezeichnet der Begriff im Wortsinne etwas, das nur bigotte Menschenfeinde ernsthaft schlimm finden können. Aber es ist eben auch, an die konkret unerträgliche Ringfigur gerichtet, eine plastische, gebräuchliche und angenehm deftige Beleidigung, die dem Geschehen Farbe hätte verleihen können. Ich möchte mir auch nicht den spontanen Ausruf, was denn jemand für ein Affe sei, wenn er sich aufgeblasen benimmt, zweimal überlegen müssen, weil er unangenehme Konnotationen bekommen könnte, wenn der so Angesprochene ausnahmsweise mal dunklere Haut hat. Streng genommen möchte ich, dass beim Wrestling niemand irgendetwas zweimal überlegen muss, sondern dass so eine Show die drei Stunden am Abend sind, wo zwischen primitiver Ablehnung aufgrund von dargebotenen Klischees und der daraus resultierenden unflätigstmöglichen Äußerung überhaupt keine Reflektionsebene existiert, sondern nur viszerale Reaktion; und dass die Rulebreaker es als Ziel ansehen, möglichst viel möglichst echten Hass auf sich zu ziehen. Wrestling ohne einen Überbietungswettbewerb des Publikums, wer die schärfste Beleidigung in den Ring zu werfen bereit ist, hat für mich wenig Reiz. Und insbesondere eine so explizite Durchsage nimmt dem Wrestling seine Gefährlichkeit, seine Aura des Zwielichtigen. Es ist wie sozialpädagogisch betreutes, gezähmtes, konfektioniertes Wrestlinggucken; ganz so als ob am Eingang einer Nachtbar noch ein Wollpulliträger säße, der einem vor dem Gang zum Zapfhahn mit freundlichem Lächeln und Klaps auf die Schulter erzählen würde, dass zu viel Alkohol ja gar nicht so gut sei, aber man sich ja bestimmt auch gar nicht betrinken wolle.

    So, Rant over.

    Wo wir von dem Affen sprachen: Im konkreten Fall habe ich Francis Kaspin nicht so benannt, obwohl er sich eine Beleidigung durch sein schnackerhaftes Verhalten im Ring durchaus verdient gehabt hätte. Damit möchte ich übrigens ein großes Lob aussprechen und kann die Kritik an seiner Leistung hier nicht so recht verstehen. Mag sein, dass so ein Smooth-Talker nicht unbedingt in eine Offiziellen-Rolle gehört, okay. Aber wenn einer an diesem Abend am Mikrophon seinen Charakter bis in die letzte Fingerspitze überzeugend gelebt hat, dann Kaspin. Man muss sich seitens der Liga nur überlegen, was man mit ihm anstellt, weil er als stark eigenwilliger Charakter sicher sowohl Face- als auch Heelreaktionen ziehen wird. Aber vielleicht ist so eine Vielschichtigkeit in der Rolle des sportlichen Leiters gar nicht so unspannend. Ich mag ihn unsympathisch gefunden haben, obwohl er hier offenbar als Sympathieträger auftreten sollte; aber ich habe ihn so unsympathisch gefunden, dass ich keine Zweifel daran hatte, dass der Typ auch zu Hause mit seinen Kumpels so unerträglich aufgeblasen daherredet. Das kriegen in modernen Zeiten immer wenige Aktive hin und ist damit eine bemerkenswerte Leistung: Dass man trotz eines expressiven Gimmicks denkt: "Der ist einfach so."

    Auch Tischer halte ich für deutlich besser, als er hier wegkommt. Hinter dem überragenden Al-Ani/Cara Noir-Match stand er für meine Begriffe in den Top-Matches Nummer 2 und 3 (#2: Ambition-Halbfinale gegen Fast Time Moodo; #3: Finale gegen Bobby Gunns; der Vollständigkeit halber: #4: Moodo/Maze, #5: Heisenberg/Harras, #6: Gunns/Maggot, Rest war Grütze), hat die Starpower dank seines WWE-Aufenthalts, sieht nach was aus und mag vielleicht keine guten gescripteten Promos halten können, kommt aber dafür am Mikrophon natürlich rüber, was ich deutlich wichtiger finde. Merke: Wer nach einem Kampf einen perfekten Text runterspricht, agiert nicht gut, sondern aufgesetzt. Wer außer Atem um Worte ringt, verhält sich situationsangemessen.

    Was mich gestört hat, waren also definitiv nicht die angesprochenen Ringer und auch nicht die Matchqualität ab der ersten Pause - die changierte von da an zwischen gut und überragend. Aber es war doch genug, um mir den Abend insgesamt zu verhageln. Neben dem Rant weiter oben lag das zunächst an der Länge der Show. So ein Turnier hat notwendig schon 7 Kämpfe. Damit ist eine Show an sich gut voll. Es ist absolut unnötig, noch Matches außerhalb der Turnierwertung hinzuzufügen - selbst wenn das bedeutet hätte, hier auf ein hervorragendes Titelmatch zu verzichten. Es nimmt von der Bedeutung des Turniers, wenn die ohnehin schwindende Aufmerksamkeit bei einer solchen Länge auch noch auf mehrere Highlights verteilt werden soll. 4,5 Stunden (über 5 inkl. Warm-Up) ermüden noch den enthusiastischsten Wrestlingfan, insbesondere wenn man diese 5 Stunden auch noch mit aufgesetzter Maske verbringen muss (wofür die wXw an dieser Stelle nichts kann, was sie aber in der Showplanung durchaus berücksichtigen kann) und - noch gravierender - den ersten Teil der Show über nur Belanglosigkeiten bringt.


    Das 4-Way war viel zu schnell und viel zu sloppy, ohne irgendeine Form von Dramaturgie und irgendwann (dankenswerterweise) einfach vorbei. Einen so albernen Spot, bei dem 3 Gegner sich pseudobenommen an den Händen halten, damit einer supermanhaft über zwei Schultern zum dritten springen kann, schreit dermaßen laut "Kooperation", dass ich ihn hoffentlich niemals wieder erleben muss. Das First Blood Match war viel zu harmlos und hätte einiges mehr an Chaos vertragen können - nicht vom Booking, sondern von den Aktionen her. NoDQ-/Streetfight/etc.-Regeln leben davon, dass man das Gefühl hat, hier haben weder die Ringer sich noch die Offiziellen die Ringer unter Kontrolle und gleich geht was zu Bruch. Mensch, die Halle war halb leer, was wäre denn besser gegangen als ein Wurf in die Stuhlreihen? Der Teamkampf war zwar einigermaßen unterhaltsam aber in wrestlerischer Hinsicht konnte sich das Match aufgrund der ständigen Scharmützel der Partner untereinander auch nicht entwickeln. Unverständlich bleibt, warum man mit Leon van Gasteren einen absoluten Catch-Superstar im Kader hat, dem man ausgerechnet im Catch-Cup dann ein Erstrundenaus beschert. Überhaupt: Ich hatte gehofft, man orientiert sich ein wenig am Booking- und Ringstil der großen Zeit. Auch die Iron-Man-Abende mit Stipulations basierten immer auf glaubwürdigen Ringkampf, nur mit einer Extraportion Härte; und vor allem ging es immer um Selling, womit eine durchgängige Geschichte des Abends erzählt wurde. Nach der ersten Runde hatte jeder Weitergekommene ein unterschiedliches Wehwechen, das in der zweiten Runde vom jeweiligen Gegner attackiert wurde, wodurch die zweite Runde immer darum ging, wer seine Verletzung besser im Griff hatte. Vor der Finalrunde waren beide Kontrahenten immer so stehend KO durch ihre Vorrundenkämpfe, dass man dachte, das müsse jetzt schnell vorbeigehen - und dann schleppten sie sich doch noch durch einen Klassiker. Nichts davon kam an diesem Abend vor.

    Und dann die Produktion. Man muss natürlich vor dem Aufwand und dem veranstaltungstechnischen Know-How, dessen es bedarf, um drei Videowände, für jeden Auftritt eine gesondert programmierte Lichtchoreographie, Turnierbaumeinblendungen, Backstageclips, Ringside-Interviews und Livekommentar für die Videoaufzeichnung so fehlerlos zu fahren, den Hut ziehen. Das ist wirklich alles so professionell wie bei der großen WWE. Natürlich kleiner skaliert, aber genauso mühelos. Diesen Aufwand treibt in Wrestlingdeutschland sonst kaum jemand. Also: Respekt. Aber: Ich finde das furchtbar ermüdend und ich schaue amerikanisches Wrestling auch aus diesem Grund nicht mehr. Streng getaktete Abläufe lassen eine Show so furchtbar steril wirken. Und jedes Hype-Video, das mir mit viel Videoeffekt verdeutlichen möchte, wie grandios das Kommende werden wird, lässt bei mir aus jeder genuinen Vorfreude sofort die Luft. Ich will keine Hypevideos mehr sehen und vor allem will ich zwischen den Matches nicht Werbeclips für Merchandise oder die Videoplattform sehen müssen und ich will auch nicht andauernd irgendwelche Post-Match-Interviews mit den ewig gleichen Phrasen hören, geführt von Leuten die perfekt darauf trainiert sind, den inhaltlich hohlen, aber immer auf Excitement modulierten Tonfall dessen zu treffen, was man aus dem Fernsehen kennt. Das gilt wohl heute als professionell und erfordert sicher auch Können - aber ich ertrage das nicht. "Oh my god! What a match! What are your thoughts? What will happen? We will see - next!"

    Insgesamt war ich also spätestens zur ersten Pause derart genervt, dass auch das grandiose Ringgeschehen später mich nicht mehr zu Begeisterungsstürmen bringen konnte.


    Ich war zum ersten Mal bei der wXw. Und auch, wenn das angesichts der ringerischen Fähigkeiten weiter Teile des Stammkaders auch etwas bedauerliches hat:
    Ich werde wohl nicht wiederkommen.

    Ich find's tatsätchlich weiterhin schade und hätte es geliebt, mich während des Turniers nerdig in die Zwischenstandstabellen zu vertiefen. Andererseits ist es schon nicht ganz leicht zu stemmen, wenn man das komplette Turnier mitnehmen möchte. Da hätte es bezüglich Publikumsresonanz vielleicht geholfen, den Fokus ausschließlich auf das Turnier zu legen und Dauerkarten deutlich stärker zu rabattieren. Ich weiß, es ist über 15 Jahre her, aber bei den letzten 10-Tages-Catchturnieren kam man günstigstenfalls für ~150€ dauerhaft ins Zelt. Dass man zu diesem Preisniveau nicht mehr zurückkommen kann, ist vollkommen klar, aber vielleicht ließe sich der Graben zu den jetzt aufgerufenen Preisen für fünf Tage doch noch etwas verkleinern.

    Die EPW hat Slamoween coronabedingt auf 2022 verschoben. Neuer Termin ist nun der 29.10.22.

    Hier die Ankündigung der EPW im Orginal:

    https://www.facebook.com/Europ…ng/posts/4631530926903714


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    Man hätte ja im aufkommenden 2G-Veranstaltungs-Optimismus kaum noch mit Absagen gerechnet. Andererseits scheint Bremen nach wie vor etwas höhere Anforderungen an Veranstalter zu stellen als andere Bundesländer. Zumindest trauen sich dort auch abseits der Wrestling-Szene deutlich weniger aus der Deckung als anderswo.

    Kann den Wahl-O-Mat nicht mehr so recht ernst nehmen, solange Corona-Politik dort überhaupt nicht auftaucht. Ganz egal, wie man zu einzelnen Maßnahmen steht, gibt es zweifellos kein Politikfeld, das das Leben der Bürger in den vergangenen anderthalb Jahren stärker beeinflusst hätte und, wie zu befürchten steht, noch eine Weile beeinflussen wird. Ob man nun eher zur ZeroCovid-Fraktion gehört und dem gesundheitlichen Schutz alle anderen Werte unterzuordnen bereit ist oder der Meinung ist, gesellschaftliche Freiheiten wiegen schwerer als selbst hohe Risiken; ob man für oder gegen eine Impfpflicht ist; 2G, 3G oder gar keine Öffnungen - das sind wesentliche, drängende politische Fragen mit massiven Auswirkungen, die demnach zunächst in den politischen Wettstreit, und dann auch für solch ein Wahlhilfe-Tool abgebildet gehören. Sie auszulassen, ist ungefähr so berechtigt, wie Fragen zum richtigen Umgang mit dem Klimawandel auszulassen in dem Glauben, die richtige Antwort sei ohnehin bekannt und unstrittig.


    Durchgeklickt habe ich mich natürlich trotzdem. Die Top 3 Platzierungen waren 1. SGP, 2. Die Grauen, 3. Die Unabhängigen, alle mit knapp über 60% Übereinstimmung. Der niedrige Prozentwert entspricht immerhin meinem eigenen Befund, dass ich mich kaum noch irgendwo politisch wiederfinde. Auch wenn ich zu Kleinparteien neige, sind die genannten keine, die ich in engere Betracht ziehen würde.


    Ich habe bei den drei vergangenen Bundestagswahlen, zu denen ich stimmberechtigt war, zweimal Piraten gewählt und bin zuletzt, als dort identitätspolitische Strömungen überhand nahmen, zu den Humanisten gewechselt. Bei der Erststimme war es auch mal ein Linken-Kandidat. Mittlerweile bin ich einigermaßen ratlos. Piraten und Humanisten sind mir in einigen Politikbereichen immernoch nahe (Säkularisierung, Datenschutz), allerdings mit ihrem lauten Werben für Zero-/NoCovid-Politik für mich unwählbar geworden (Schwurbler von "Basis" und Konsorten, die mit ihrer Ablehnung der Maßnahmen auch gleich jede Form von Wissenschaftlichkeit aufgeben, weil es sich natürlich bequemer lebt, wenn man das Problem einfach wegdefiniert, und strammrechte AfD-Kameraden, die das sehr richtige Wort vom Primat individueller Freiheit nur solange im Mund führen, wie sich damit Demagogie betreiben lässt, sich dann aber flugs doch wieder nach dem Kollektivismus streng homogener Gesellschaften sehnen, sind es allerdings ebenso). Ich habe das Fremdeln mit autoritären Maßnahmen seitens der Linken und der FDP mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Sozialpolitisch bin ich mit den Linken auch völlig auf Linie und gesellschaftspolitisch ist mir die FDP sympathisch (in dem Sinne, dass - sobald, wie links gefordert, die materielle Ausstattung in der Breite der Gesellschaft hinreichend gewährleistet ist - der Einzelne möglichst tun soll, wonach ihm beliebt, wobei er möglichst wenig von Interessen Dritter oder gar vermeintlich "gemeinsamen Zielen" des Kollektivs behelligt werden soll). Eine solche Kombination sehe ich in der deutschen Parteienlandschaft allerdings gar nicht. Bei der Linken sind abermals die Bauchschmerzen ob der auch dort zunehmenden Identitätspolitik zu groß, bei der FDP regen sie sich massiv, weil ihr die wichtigste Freiheit am Ende doch immer die war, möglichst ungestört Geld verdienen zu können. Am Ende wird es dann vermutlich Die Partei, mit der ich letztes Mal unter Kançlerkandidat Somuncu schon geliebäugelt hatte. Auch dort regt sich mittlerweile mir äußerst Unsympathisches, aber solange der hochgeschätzte Martin Sonneborn noch das Zepter in der Hand hält, machen sich die Bauchschmerzen noch vergleichsweise am geringsten bemerkbar.

    Gab's hier auch in einer Großraumdisco. Die hatten sich vom Publikumszuspruch her nach etwa 2 flauen Wochen vollkommen von dem Imageschaden erholt. Am Ende ist den Leuten - glücklicherweise - ihr Vergnügen doch wichtiger als die Angst vor einer Ansteckung.

    Wenn's nach mir geht, stellen wir möglichst schnell alles auf 2G um und klemmen uns alle weiteren Einschränkungen. Aber das ist natürlich weder eine Frage für diese Veranstaltung - schon alleine, weil die Verordnung das nicht hergibt, aber auch, weil man nicht plötzlich mit sowas um die Ecke kommen kann, wenn Ungeimpfte sich schon Karten gekauft haben - noch vermutlich eine Diskussion für diesen Rahmen.

    Danke für den Hinweis. Der Ball liegt also im Feld des CCO, das sich bisher noch nicht rechtzeitig um eine Änderung des Hygienekonzepts bemüht hat, obwohl das auch unter der jetzigen Verordnung schon möglich gewesen wäre. Die wXw macht in dem Fall natürlich alles richtig, nicht schon jetzt groß "Vielleicht ohne Maske!" auf die Plakate zu drucken; da hat Tas absolut recht. Im Ergebnis kommt es aber aufs gleiche raus: So ein Event macht unter der Maske deutlich weniger Spaß als ohne. Aber vielleicht haben wir ja noch Glück, und es bewegt sich in den Tagen vor der Show wirklich noch was.

    Und nun noch die ausführlichen Ergebnisse für den Sonntagnachmittag:

    Diesmal begann die Show ganz klassisch mit der Ringerparade. Wie immer kann ich mir den Kommentar nicht verkneifen, dass ich dieses alte Catch-Element gerne dauerhaft wiedersehen würde. Grundsätzlich. Hier konkret wurde es allerdings zur Tortur, weil sich Ringsprecher Milos Szudnik offenbar vorab so gar keine Gedanken gemacht hatte, was er zu den einzelnen Teilnehmern wohl würde sagen wollen. Überhaupt, ein Wort dazu: Wann immer Rob Steamhammer nicht zur Verfügung steht, ist bei der POW am Mikrophon landunter. Das ist ärgerlich, weil eine schlechte Moderation die Aufmerksamkeit des Publikums schneller verliert, als sie von der eigentlichen Attraktion im Ring wiedererlangt werden kann. Szudnik hat am Freitag und Samstag einen okayen Job gemacht - also kannte seine Einsätze und hat sich keine Schnitzer geleistet, bekam allerdings trotz redlichem Bemühen kaum Modulation in die Stimme - als er Sonntag aber auch ein paar Sätze sprechen musste, wurde nur noch Gestotter daraus. Gelernt haben wir in der Parade lediglich, dass alle Wrestler zwar aus [x] kommen, aber "auch hier im Norden wohlbekannt" seien. Wieder und wieder. Und dass Davies weiterhin ein Psycho ist, aber das hat er uns selbst gezeigt, bevor er standesgemäß vorzeitig den Ring verließ.


    Im ersten Match besiegte Hector Bruder Chaos, nachdem letzterer sehr übel vom Seil geholt wurde und sich offenbar dabei eine Schulterverletzung zuzog. Hector setzte noch einen Kneestrike nach und konnte sich damit den Sieg sichern.


    Chris Raaber und Ernst Jäger besiegten Andi Theque und Georg Gwärch durch Schulterfesselung von Jäger an Gwärch. Raaber hatte Gwärch gut vorbereitet, so dass Jäger seine Kilos nur noch für einen Elbow Drop einsetzen musste, um den Sieg einzufahren. Einen Assist durch Raaber benötigte Jäger im Anschluss auch, um sich zur Siegesfeier auf den Seilen halten zu können.


    Vincent Heisenberg besiegte Jester durch Aufgabe. Den siegbringenden Griff konnte ich nicht ganz exakt erkennen. Irgendetwas, das sitzend auf Schulter und Nacken ging, jedenfalls. Das Kampfende kam sehr plötzlich und einige Minuten später kam in der Pause der bereitstehende Krankenwagen vorgefahren, um Jester zu behandeln. Der konnte zwar glücklicherweise noch selbst zu den Sanitätern gehen und musste wohl auch nicht abtransportiert werden, schien sich aber doch eine ernstere Schulterverletzung zugezogen zu haben. Der Kampf war bis dahin sehr sehenswert, wenngleich einseitig zugunsten von Heisenberg.


    Nach der Pause konnte Rage mit einer Art Powerslam Florenz de la Hunt bis drei auf die Matte fesseln. Alex Wonder erzählte vor dem Kampf etwas über Titelambitionen von Rage, man werde schon sehen. Florenz durfte übrigens, nachdem er die letzten beiden Tage noch bedarfsgerecht böser Braunschweiger war, nun den netten Niedersachsen geben, der als Lokalmatador angekündigt wurde. Das eine wie das andere ist albern, insbesondere bei einem, der so unverkennbar Hamburger Dialekt spricht (und überall außerhalb Hannovers auch so angekündigt wird). Einen Braunschweiger Heel in Hannover würde ich zwar sehr begrüßen, aber den müsste man sich dann schon dauerhaft heranziehen. M. de la Hunt hat es allerdings drauf, mit Kleinigkeiten - Blick ins Publikum, Zwinkern - seinen gravitätischen Heel-Auftritt face-tauglich zu machen, ohne das Gimmick aufzugeben und den Mitklatschclown machen zu müssen. Sowas gefällt mir. (Trotzdem, ein bisschen Konsistenz beim Booking, bitte).


    Im Hauptkampf ging es dann um die Teamkampf-Titel der IPW. Dave Davies und Apu Singh konnten ihre Gürtel wegen interner Unstimmigkeiten nicht verteidigen. Zunächst wurde man sich nicht einig, wer noch im Ring verbleiben darf, dann verweigerte Singh eine Double-Team-Aktion und hatte schlussendlich gar keine Lust mehr. Leon van Gasteren konnte daraufhin Davies nach einem Frogsplash zum Titelgewinn pinnen. Damit sind er und "Rockn Rolla" Philipp Ebner nun neue Champions. Zwischenzeitlich durfte Davies Kopf auch noch Bekanntschaft mit dem eigenen Baseballschläger machen. POW-Präsident Jörg Vespermann trat zunächst verbal nach, ob sich Davies das denn so vorgestellt habe. Auch Singh hatte noch etwas zu sagen, wobei nicht ganz klar wurde, worauf er hinauswollte. Im Zweifel: Champion werden, vermute ich. Und dann kam ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie wichtig Selling ist. Davies blieb lange, wirklich lange, regungslos liegen, der Krankenwagen wurde nochmal herbeigerufen, es wurde Puls gefühlt, das ganze Programm. Der Schlag mit dem Baseballschläger hatte gar nicht besonders überzeugend ausgesehen, und trotzdem war im Publikum auch von gestandenen Fans zu vernehmen, dass sie sich doch nicht so ganz sicher seine, ob das denn gerade so geplant sei. Der Zweifel hielt ungefähr so lange, bis Vespermann meinte, nochmal mit Nachdruck betonen zu müssen, dass so etwas ja wohl zeige, dass es beim Wrestling keine Absprachen gebe. Die Absicht ist natürlich nobel, aber gerade mit dem trotz aller aufgerufenen Catch-Historie eher unterhaltungslastigen Ringprodukt nimmt einem das einfach niemand ab, wenn man es so explizit sagt. Lieber mehr solche Momente schaffen, in denen man sich nicht sicher sein kann - sowohl bei Angles als auch im Ring - und einfach wirken lassen. Das überzeugt mehr als jede Beteuerung.


    Zum Abschluss bedankten sich Vespermann und der örtliche Veranstalter Peter Hoedt nochmal ausführlich beim Steinhuder Publikum und allen Beteiligten. Hoedt kündigte an, nach drei aufwendigen Jahren Open Air in Steinhude nicht noch einmal auf den Platz zurückkehren zu wollen, brachte allerdings die Schraub-Bar in Bückeburg ins Spiel, die Hoedt kürzlich übernommen hat. Vespermann brauchte allerdings noch Überzeugungsarbeit, was in einem Wettspiel um gerade und ungerade Zahlen auf der Seriennummer eines Geldscheins mündete, das niemand so recht verstand. Am Ende war man auch nicht schlauer, aber Hoedt ließ noch ein: "Vielleicht ja noch dieses Jahr", fallen.

    HAZ/NP haben berichtet (Abo erforderlich). Die dort genannten 1000 Zuschauer über das gesamte Wochenende (vermutlich basierend auf Veranstalterangaben) halte ich für zu hoch gegriffen. Den Freitag hatte ich auf 100 Zuschauer geschätzt, Samstag war gut gefüllt mit etwa 350 Zuschauern, Sonntag waren es vielleicht 200, obwohl sicher nochmal so viele immer mal ganz draußen vor den Absperrungen stehenblieben. Leider verstreuten diese sich nach der Aufforderung, sich per App zu registrieren und reinzukommen, immer wieder. Vielleicht hätte man das Schlagwort "kostenlos" nochmal erwähnen sollen.


    Insgesamt habe ich das Wochenende über großen Spaß in Steinhude gehabt. Gerade am Samstag gab es ausgelassene Volksfest-Atmosphäre, die bei einer solchen Open-Air-Veranstaltung jedes Geschehen nochmal massiv aufwertet. Ich hätte aber auch nichts dagegen, zukünftig wieder häufiger überzeugendes, technisches Wrestling zu sehen, wie im Hauptkampf am Freitag, anstatt hauptsächlich lustige Gimmicks und viel Stimmung. Als spontane Rückkehr nach der Seuchenpause ging das allerdings, so wie es war, mehr als in Ordnung.

    Samstag war ich nicht ganz so aufmerksam bei der Sache und habe ein bisschen mehr mit anderen Besuchern geplauscht, deswegen kann ich nicht ganz so viel zu dem Kampfabend sagen und leider auch nicht alle Details beisteuern.


    Die Rumble-Teilnehmer habe ich diesmal nicht mitgeschrieben. Was ich sagen kann: Andi Theque eliminierte zuletzt Davies, der schon wie der Sieger aussah, weil Theque es, ohne eliminiert worden zu sein, vorzog, sich während der Schlussphase des Kampfes im Publikum zu verstecken, bis nur noch Davies übrig blieb. Überhaupt hat sich Theque im Rumble gut verkauft: Als erste Aktion nach dem Einzug hob er erstmal keinen Geringeren als den Bambikiller mühelos übers Seil nach draußen und sorgte somit für dessen Eliminierung. Großes Lob hier übrigens an Ringrichter Ben Böseler, der zuvor gelegentlich Wrestler, die es sich draußen gemütlich machen wollten oder es beim Einzug nicht sehr eilig zu haben schienen, mit Nachdruck in Richtung des Ringes verwies. Das machte das Finish gleich viel wirksamer, weil die Integrität des Regelwerks erstmal etabliert wurde, bevor Theque es dann trickreich überwinden konnte. Bitte immer so machen. Davies war übrigens doppelter Teilnehmer, einmal regulär als Dave Davies und einmal im alten Outfit als Demolition Davies. Man kann so ein Gespaltene-Persönlichkeit-Ding ja machen, aber dann muss man das 1. dem Publikum irgendwie vermitteln und nicht einfach nur Davies einmal mit und einmal ohne Maske rausschicken und 2. darf niemand Offizielles das Offensichtliche nicht sehen, weil es sonst albern wird. Selbstverständlich darf also die sportliche Leitung Davies nicht zweimal antreten lassen, nur weil Davies selbst sich für zwei Personen hält. Das war schon damals mit Foley bei der WWF billig und ist es hier genauso.


    Im zweiten Kampf besiegte Chris Raaber Rage, nachdem Rage versehentlich seine Ringbegleitung Alex Wonder ausknockte. Die entstehende Verwirrung konnte Raaber zu einem Side Slam und der Schulterfesselung nutzen.


    Das Highlight vor der Pause sollte dann das Wetttrinken zwischen Ernst Jäger und Georg Gwärch darstellen. Als Ringrichter wurde dafür passenderweise Andi Theque bestimmt. Getrunken wurde in drei Runden Weizenbier, Jägermeister und der von POW vertriebene Catcherschluck. Ich weiß die Details nicht mehr aber nach je einer Runde für jeden und der dritten Runde unentschieden, setzte Theque ein Sudden Death an, dass durch Schulterfesselung entschieden werden soll. Kaum angekündigt kippt Theque Jäger den Alkohol ins Gesicht, Gwärch rollt Jäger ein und Theque zählt durch. Jörg Vespermann setzt daraufhin noch einen kleinen Shoot ab, indem er Theque rügt, in anderen Ligen könne man sich vielleicht so verhalten, in der POW allerdings nicht. Darum gebe es am Folgetag ein Match: Theque/Gwärch vs. Raaber/Jäger.


    Vincent Heisenberg gegen Florenz de la Hunt endete unentschieden nachdem sich beide Kontrahenten außerhalb des Rings zum Doppel-Countout prügelten.


    Bruder Chaos besiegte Jester - irgendwie. Ich hab' das Finish verpasst, pardon.


    Im Hauptkampf gewannen zunächst Dave Davies und Hector gegen Leon van Gasteren und Rockn Rolla, als Hector Rockn Rolla nach einem Schlag mit dem Baseballschläger pinnen konnte. Vespermann startete den Kampf jedoch wegen grober Unsportlichkeit neu, woraufhin dann schnell ein Pin von Rockn Rolla an Hector zustande kam. Offizielle Sieger damit Rockn Rolla & Leon van Gasteren.



    Weiteres dann zum Sonntag später.

    Die Ergebnisse von Tag 1, Freitag, 27.08.2021:


    Bevor Ringsprecher Milos Szudnik dazu kommt, den ersten Kampf anzusagen, unterbricht Alex Wonder und braucht danach gefühlt (durchaus unterhaltsame) 10 Minuten, um seine Schützlinge Rage und Jester vorzustellen. Ihre Gegner sind Chris "The Bambikiller" Raaber und "Rockn Rolla" Philipp Ebner. Der Kampf endet, nachdem sich Rage und Jester aus dem nichts in die Haare bekommen, was der Rockn Rolla mit einem Splash vom Seil gegen Jester zur Schulterfesselung zu nutzen weiß.


    Georg "Schorschi" Gwärch besiegt den "Jägermeister" Ernst Jäger im Trachtenduell nach einem Cutter per Schulterfesselung unter Zuhilfenahme der Ringseile. Nach dem Kampf gibt es Unstimmigkeiten ob der Regelwidrigkeit des Finishs, woraufhin POW-Präsident Jörg Vespermann für den Folgetag ein Wetttrinken der beiden Kontrahenten ankündigt.


    Florenz de la Hunt besiegt Bruder Chaos, nachdem letzterer nach einem Whip-In beinahe mit dem Ringrichter zusammenstieß. Die Verwirrung konnte de la Hunt für einen Tritt in die Magengegend und einen schnellen Einroller nutzen.


    Nach der Pause bekam es der ordentlich schwer gewordene Vincent Heisenberg mit Dave Davies zu tun. Davies hier zum ersten Mal unmaskiert, mit neuer Musik (Rammstein - Puppe; gibt tatsächlich einen tollen Entrance) und pinkem Baseballschläger, der in den ersten Reihen für das ein oder andere Zusammenzucken sorgt, weil Davies recht überzeugend den Psycho mimt und gelegentlich die Ringpfosten verprügelt. Nachdem er vor dem Kampf noch ausführlich Steinhude beleidigt, ist klar, dass er hier nicht mehr auf Beliebtheitswerte abzielt. Ein paar Fans bleiben ihm dennoch während des Kampfes treu. Nach ansehnlichem Heavyweight-Catch kommt das Ende als Davies zunächst seinen klassischen Backsplash-Finisher zeigen kann, aus dem Heisenberg jedoch auskickt. Erst eine Art Facebuster führt direkt im Anschluss zum Pinfall-Sieg für Davies.


    Im Hauptkampf besiegt Leon van Gasteren Hector per Disqualifikation, nachdem Davies zum Ring kommt und den Baseballschläger an Leon seiner wrestlingtypischen Bestimmung zuführt. Rockn Rolla kommt dem Angegriffenen zu Hilfe und kann die Heels aus dem Ring vertreiben. Vespermann wundert sich aufgebracht, was in den letzten Jahren mit Davies passiert sei und setzt für den Folgetag einen Teamkampf zwischen den beteiligten Fraktionen an. Damit heißt es heute Leon van Gasteren & Rockn Rolla vs. Dave Davies & Hector. Ich habe es nicht selbst beobachtet, aber offenbar soll die während der gesamten Show anwesende Polizei sich kurzzeitig die Handschuhe zum etwaigen Eingreifen angezogen haben, als das Geschehen zum Finish scheinbar außer Kontrolle geriet. Die Lage hatte sich in jedem Fall schnell genug beruhigt, als dass ernsthafte Verwirrung aller Beteiligten hätte entstehen können.


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    Die erste Hälfte war im Ring nichts (Trash-Gimmicks, strukturlose Kämpfe, viel Stimmungsmache), musste sie aber auch nicht (Trash-Gimmicks, viel Stimmungsmache und Gelegenheit zum Rumpöbeln). Unterhaltsam war es allemal, gerade auch angesichts der langen Durststrecke zuvor, und Totalausfälle gab es zumindest dahingehend nicht zu beklagen, dass niemand etwas ausprobierte, was er nicht beherrscht, also auch nichts furchtbar aussah. Leckerbissen gab's dann aber erst nach der Pause. Ich mag klassischen Heavyweight-Catch, wenn er gut gemacht ist. Das war hier der Fall, deswegen wusste mir auch die Heisenberg/Davies-Begegnung zu gefallen. Und Leon van Gasteren - den ich nur deswegen weiterhin nicht bereit bin, anzufeuern, weil ich so Überface-Grinsebacken niemals anfeuern werde - zeigt abermals, dass er ringerisch zur absoluten Spitze im deutschsprachigen Bereich gehört und bereit ist, auch bei solch einer Show die Arbeitsstiefel zu schnüren und den Fans vielleicht keinen Klassiker für die Ewigkeit, aber auf jeden Fall einen Hauptkampf zu liefern, der allein das Eintrittsgeld wert gewesen wäre, und über den sich ärgern darf, wer ihn verpasst hat. Schade, dass er heute im Tag Team feststeckt. Hector gefällt mir übrigens auch immer besser und sieht - auch wenn der Aufbau hier in der Region noch fehlt - ordentlich nach Star aus.


    Das Wetter hat trotz anderslautender Ankündigung gehalten; es wurde sogar nochmal recht schön. Leider hat sich wohl viel Publikum von den Vorhersagen schrecken lassen. Ich habe nicht durchgezählt, aber nach meinem Empfinden waren nicht mehr als 100 Leute auf dem Platz. Die Stimmung war über weite Strecken dennoch gut. Beeindruckender Moment abseits des Wrestlings: In der Abenddämmerung flogen einige Militärmaschinen des nahegelegenen Stützpunkts Wunstorf sehr tief im Landeanflug über das Veranstaltungsgelände hinweg - vermutlich die letzten Evakuierungsflüge aus Afghanistan.

    SPiN-Mark Jr. Laut Listungen der gängigen Datenbanken ist er aktiver Titelträger der POW (Deutschland), EWA (Österreich), WWC (Kuwait, 2018 erstmals ausgekämpft, seither nicht mehr verteidigt), EPW (Italien, zuletzt verteidigt 2017). Außerdem sind von 2017 zwei Titelverteidigungen eines "WGP Titles" in Italien gelistet. Damit könnte einer der "Catch Wrestling World Grand Prix"-Titel gemeint sein, die auf dem Bild zu erkennen sind. Grundsätzlich bestand Raabers Titelsammlung aber immer auch aus einigen obskuren Titeln, die möglicherweise von eher exotischen Veranstaltungsorten mitgebracht wurden, nicht unbedingt regelmäßig verteidigt werden und von hier aus schwer zu recherchieren sind.

    Sportsmann Gute Frage. Die ab morgen gültige niedersächsische Verordnung schreibt die Testung von Kindern unter 6 Jahren oder vor der Einschulung oder wenn sie im Rahmen schulischer Testungen regelmäßig getestet werden nicht vor. Der Veranstalter kann freilich im Rahmen des Hausrechts strengere Maßstäbe anlegen. Aus der Ankündigung der POW geht das nicht eindeutig hervor (hier vollständig im Wortlaut von der Facebook-Seite der POW):


    "Auf der Veranstaltung gilt die 3G-Regel. Wenn ihr vollständig geimpft oder genesen seid, so bitten wir euch um Vorlage des jeweiligen Nachweises am Eingang. Solltet ihr nicht geimpft oder genesen sein, benötigt ihr die Vorlage eines bescheinigten, tagesaktuellen (nicht älter als 24h), negativen PCR oder PoC Schnelltest. Ein selbstdurchgeführter Test ist nicht gültig. An den Strandterassen befindet sich ein Testzentrum."


    Im schlimmsten Fall ist so ein Test aber auch schnell nachgeholt. Das Testzentrum ist kaum 5 Gehminuten entfernt.

    EDIT: Vielleicht nicht ganz unwesentlich: Das Testzentrum in Steinhude ist zwar das ganze Wochenende über geöffnet, schließt allerdings jeweils bereits um 18 Uhr.

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