Beiträge von Jesse

    wenn man öfter im Meer is, kanns sein, dass man in dem Zeitraum und vllt auch am nächsten Tag häufiger pinkeln muss?

    Während des Badens und unmittelbar danach, ja. Dafür verantwortlich ist der sogenannte Gauer-Henry-Reflex. Vereinfacht gesagt: Das Blut sammelt sich aus diversen Gründen (v.a. geringere Schwerkraftwirkung und Wasserdruck auf die Adern) vermehrt im Brustraum und das führt dazu, dass der Körper mit Harndrang reagiert, um die zusätzliche Flüssigkeit im Herz zu reduzieren. Sobald du aber aus dem Wasser gehst, normalisiert sich dein Blutkreislauf wieder. Also das Phänomen begrenzt sich auf den Zeitraum des Badens und kurze Zeit danach. Am nächsten Tag ist da nichts mehr.

    Wir gehen immer davon aus, dass wir sie mit unseren Sinnen sehen können und aus den uns bekannten Elementen bestehen.

    Wir kennen alle Elemente, die es natürlich im Universum gibt. Deswegen können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass alles Leben im Universum aus uns bekannten Elementen besteht. Und das Hauptelement wird überall Kohlenstoff sein. Kohlenstoff ist eines von 2 Elementen, das in der Lage ist, ausreichend komplexe und veränderliche Verbindung zu bilden, die für Leben notwendig sind. Das zweite ist Silizium, wobei erstens die Verbindungen viel instabiler sind, was erstmal schlecht für Leben ist und zweitens das alles beim Silizium viel länger dauert und fraglich ist, ob das Universum überhaupt alt genug ist, um bereits komplexes siliziumbasiertes Leben hervorgebracht zu haben (und wenn dann sehr wahrscheinlich nur dort, wo nicht auch die Möglichkeit für kohlenstoffbasiertes Leben, was viel leichter entstehen kann, besteht).


    Was die Wahrnehmbarkeit betrifft: Da kommt es darauf an, wie man das mit den Sinnen definiert. Wir sind jeden Tag umgeben von tausenden Organismen, die wir nicht wahrnehmen, weil sie einfach zu klein sind. Im Mikroskop sehen wir sie aber. Etwas, was wir gar nicht wahrnehmen, würden wir auch nicht als Leben definieren. Eine Eigenschaft von Leben ist, dass es mit seiner Umwelt wechselwirkt. Mindestens diese Wechselwirkungen wären immer beobachtbar. Selbst wenn es Leben gäbe ohne Wechselwirkung mit der Umwelt (aus dunkler Materie z.B.), wäre das ja auch völlig uninteressant für uns und unsere Welt.


    ich nicht, da bin ich flexibel. Ich könnte mir Lebewesen vorstellen, die bei Minus 150 Grad Celsius oder bei über 200 Grad Plus Celsius existieren, die nicht auf Wasser basieren und auch keinen Sauerstoff athmen. Vielleicht gibt es auch gasförmige Einzeller, die in den Tiefen des Weltalls schweben.

    Es gibt Organismen auf der Erde die ohne Sauerstoff auskommen (anaerobe Bakterien) und wir kennen andere Formen der Atmung auf der Erde. Ansonsten kann man sich viel theoretisch vorstellen, aber es gibt halt Naturgesetze und die Chemie, die recht enge Grenzen für die Realität setzen. Gasförmige Einzeller, die im All schweben, sind ziemlich ausgeschlossen (wie sollen sie ohne Materie Stoffwechsel betreiben und sich fortpflanzen?). Was es aber z.B. gibt, ist Staub in Plasma, der sich spiralförmig anordnen kann und in der Lage ist die Strukturen zu teilen und zu reproduzieren. Selbst wenn man das als Leben definieren würde, stellt sich da immer die Frage nach der Relevanz. Genauso wie bei den hypothetischen im Vakuum schwebenden Kleinstlebewesen. Es müssen ja nicht gleich kleine grüne Männchen sein, aber ein bisschen mehr als das sollte es schon sein, damit es für uns einigermaßen interessant ist.

    Gibt natürlich einige. Damits nicht zu lang wird, nenne ich jetzt erstmal nur ein paar (vielleicht poste ich die Tage noch mehr).


    Babe I'm Gonna Leave You


    Original: Anne Bredon (1959)


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    Cover: Led Zeppelin (1969)

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    Man braucht keine übermenschlichen Progonosefähigkeiten im Gebiet alternativer Geschichte, um sicher sagen zu können, dass der Song heute ohne Led Zeppelin völlig in Vergessenheit geraten wäre. Nur der neue Aufbau, das neue Arrangement und Robert Plants typischer ekstatischer Gesang machen die simple Vorlage zu einem großartigen Song.


    Suspicious Minds

    Original: Mark James (1968)

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    Cover: Elvis Presley (1969)

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    Ganz anders als bei "Babe, I'm Gonna Leave You" sind sich Original und Cover hier recht ähnlich. Bei den meisten Elvis-Songs wurde im Vergleich zum Original recht wenig verändert. Bei "Suspicious Minds" haben die kleinen Änderungen aber eine große Wirkung. Ein bisschen Background-Gesang, ein aufgepeppeter Bläsersatz und schon entwickelt der Song einen ganz andere Drive. Vor allem der Taktwechsel im Mittelteil von 4/4 auf 6/8 und zurück ist wesentlich flüssiger als bei Mark James. Ein einzelner eingefügter Snare-Schlag im 6/8-Teil reicht, um ihn für den Zuhörer deutlich greifbarer zu machen, ohne dabei den Effekt der Reduzierung zu verlieren. Dazu passt der Song auch noch perfekt in Elvis' Stimmlage.



    Changes

    Original: Black Sabbath (1972)

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    Cover: Charles Bradley (2013)

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    "Changes" ist nicht der typische Black-Sabbath-Song, sondern eine nur mit Piano und Mellotron minimalistisch instrumentierte Ballade. Dennoch ist Soul nicht das erste Genre, an das man denken würde, in dem ein Black-Sabbath-Song funktionieren könnte. Doch allein das simple adaptierte Piano-Riff zeigt, dass es hier einfach perfekt passt. Durch die reiche genretypische Instrumentierung mit voller Band und Bläsern kann sich der im Aufbau recht repetitive Song im Verlauf immer weiter steigern und intensiver werden. Während es beim Original bei trauriger Resignation bleibt, entwickelt der Song hier eine ganz neue emotionale Wucht. Hauptverantwortlich dafür natürlich auch die herausragende Vocal-Performance von Charles Bradley, der sich nach dem Tod seiner Mutter den Schmerz aus dem Leib singt.


    Gonna Get Close To You

    Original: Dalbello (1984)

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    Cover: Queensryche (1986)

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    Ein weiterer Grund, warum ein Cover beeindruckend sein kann, ist einfach, weil die Aufgabe so schwierig ist. "Gonna Get Close To You" ist ein einzigartiger Song. Ein verstörender Song über einen Stalker, meilenweit entfernt vom Pop-Mainstream der 80er. Ein herausragender künstlerischer Song, bei dem man sich kaum vorstellen kann, dass er irgendwie anders funktionieren kann – definitiv nicht ohne die dramatische Vocal-Performance von Lisa Dalbello. Geoff Tate aber gelingt die gesangliche Adaption an der sehr engen Grenze zwischen notweniger Kopie und eigener Stilistik. Und das gilt auch für die ganze Band. Man bewegt sich nah genug am Original, damit es in seiner Wirkung funktioniert, bringt dabei aber genug eigene Elemente ein, dass das Ergebnis erkennbar ein Queensryche-Song ist. Dabei geht ein bisschen etwas vom Original verloren, aber dafür kommen andere Aspekte dazu. Die Bedrohlichkeit, die vermittelt wird, unterscheidet sich von der im Original. Die Bedrohung bei Queensryche ist mehr kraftvoll, direkt und unausweichlich, wie ein stetig näher kommendes Monster, während sie bei Dalbello unheilvoll und unberechenbar ist, wie das Monster, das im Nebel lauert, um jederzeit plötzlich aufzutauchen. Beides passt zum Stalking-Motiv und so ergeben sich zwei unterschiedliche Blickwinkel, was die seltene Konstellation erreicht, dass es sich lohnt, Original und Cover beide nacheinander anzuhören.


    Enjoy The Silence

    Original: Depeche Mode (1990)

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    Cover: Tori Amos (2001)

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    Das Gegenteil: Ein "einfaches" Cover. Jeder gute Song funktioniert auch dann noch, wenn man ihn auf das Wesentliche herunter bricht. Und so gibt es zehntausende Cover-Versionen von bekannten Songs aus allen Stilrichtungen, die nur mit Klavier und Stimme arrangiert sind, – auch dutzende weitere von Tori Amos – und das funktioniert auch fast immer, wenn der Song gut ist. "Enjoy the Silence" ist ein guter Song und entsprechend ist es keine Überraschung, dass er als reduzierte Piano-Version bestens funktioniert. Während häufig aber die Lyrics besser zum Originalsound (für den sie geschrieben wurden) passen als zu einer Piano-Ballade, ist es hier umgekehrt. Tori Amos' Version von "Enjoy the Silence" ist still. Wie im Text eine wunderschöne stille Umarmung, die alles hat, was man je gebraucht wird, die aber flüchtig und zerbrechlich ist, weil Worte über sie hereinbrechen, um sie zu zerstören. Diese Zerbrechlichkeit fängt das Cover in seinem Arrangement mit Toris gehauchtem Gesang perfekt ein. Besonders genial ist dabei der Einsatz der zweiten Stimme, die ungewöhnlich, fast dissonant harmonisiert ist und so den drohenden Konflikt durch Worte symbolisch aufgreift.



    Hush

    Original: Billy Joe Royal (1967)

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    Cover: Deep Purple (1968)

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    Über den Text gibt es in dem Fall nicht viel zu philosophieren, der ist in beiden Fällen äußerst banal. Musikalisch ist der Song in beiden Varianten deutlich interessanter. Das Original ist ein Vertreter des Woodstock-Sounds, der durchaus Verwandtschaften mit dem frühen Deep-Purple-Sound aufweist – wo es bei Deep Purple zwar auch starke Einflüsse von klassischer Musik gibt, aber auch von Blues und Psychedelic. Und so fügt sich "Hush" recht nahtlos bei Deep Purple ein und ist gleichzeitig ein Vorläufer des späreren Uriah-Heep-Sounds. Auch wenn es ein eher kurzer Song ist, spiegelt sich die Spielfreude der Band absolut wider und gibt dem Song zusammen mit der coolen Laid-Back-Stimmung ein echtes Upgrade.


    Cry Me A River

    Original: Arthur Hamilton (1953), erste erfolgreiche Veröffentlichung: Julie London (1955)

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    Cover: Dinah Washington (1959)

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    Einige Veröffentlichungen beginnen mit einem Dialog von Washington mit dem Producer, in dem sie fragt, ob sie etwa nach Julie London klingen solle, woraufhin der Producer immer wieder insistiert, sie solle wie Dinah Washington klingen. Genau das tut sie dann auch und singt den Song, der noch zigfach von großartigen Sängerinnen gecovert wurde, so gut wie keine andere. Aber auch das Arrangement mit Streichern gibt dem Song eine neue Dramatik. Dieses Arrangement zusammen mit der bereits im Original angelegten Akkordfolge erschafft dabei den ersten Prototyp für einen James-Bond-Titelsong, noch bevor es den ersten tatsächlichen Bond-Song in diesem Stil gab.

    Also was das von Niemanns Gegner Sevian sein soll, will ich echt mal wissen.

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    Er weiß ja auch nicht wie lange Niemann für seinen Zug braucht und wie lange er das schief sitzende Kreuz auf dem König sonst ertragen muss, wenn er wartet. ^^

    Der Inhalt ist schon überraschend. Viele Aussagen, die da gemacht werden, sind einfach völliger Schwachsinn. Es werden Vorwürfe erhoben, für die keinerlei Beweise angeführt werden. Stattdessen wird einfach sowas gesagt wie "etwas anderes anzunehmen, wäre lächerlich". Generell ist die Sprache für eine Klage außergewöhnlich unsachlich bis zu beleidigend. Und dass sie inhaltlich so weit geht, ist auch komisch. Es hätte gereicht, wenn es gegen Carlsens Behauptung gegangen wäre, Niemann hätte beim Sinquefield Cup betrogen. Aber gegen Nakamura, Rensch und chess.com und auch noch die alle zusammen mit einem gemeinsamen Plan, das ist dann schon sehr weitgehend und ein völlig unnötiges Risiko. Allein dass man sich auf die völlig unglaubwürdige Aussage Niemanns festlegt, er hätte online nur in den beiden Fällen gecheatet, in denen er erwischt wurde, ist schon sehr fragwürdig. Chess.com hat Beweise, die von vorne herein darauf ausgelegt sind vor Gericht standzuhalten, die er dann widerlegen muss. Carlsen hat in Bezug auf St. Louis dagegen wahrscheinlich nichts außer seinem persönliche Gefühl. Das sollte leicht anzugreifen sein, aber das Online-Cheating von Chess.com mit konkreten Beweisen, ist eine ganz andere Hausnummer.


    Alles sehr merkwürdig. Das klingt stellenweise mehr wie ein unüberlegter Rant als wie eine seriöse Klageschrift. So viele klar falsche Behauptungen, dazu noch Behauptungen ohne jeden Beweis. Und dann noch gegen alle und alle Anschuldigungen mit der festen Behauptung, er hätte auch online sonst nie gecheatet. Wenn das irgendwo aufgetaucht wäre, hätte ich gesagt, das ist Fake. So habe ich große Zweifel an der Kompetenz seiner Anwälte.

    Geht es bei der Bestimmung des ELO Wertes auch darum mit wie vielen Zügen bzw. wie schnell man seinen Gegner besiegt oder zählt nur der ELO Wert des Gegners als Maßstab auch wenn man erst nach 147 Zügen gewinnt?

    Die Anzahl der Züge ist egal. Es zählt ausschließlich das Ergebnis.


    Der Elo-Gewinn errechnet sich aus dem Vergleich des statistisch zu erwartendem Ergebnis mit dem tatsächlichen. Zunächst wird entsprechend ein Erwartungswert berechnet. Die Formel lautet 10^(RatingA/400) / (10^(RatingA/400) + 10^(RatingB/400). Wenn ich ein Rating von 1600 habe und mein Gegner hat ein Rating von 1800 ergibt sich nach der Formel ein Erwartungswert von 0,24. D.h. bei normaler Schachwertung (1 Punkt für Sieg, 0,5 für Remis, 0 für Niederlage) sollte ich statistisch 0,24 Punkte aus der Partie holen, bzw. realistischer aus 25 Partien 6 Punkte holen (2 Siege, 8 Remis, 15 Niederlagen z.B.). Das ist das statisch durchschnittliche Resultat wenn ein Spieler mit 1600 gegen einen Spieler mit 1800 spielt. Dieser Erwartungswert von 0,24 wird dann mit dem tatsächlichen Resultat verglichen, indem man ihn von diesem abzieht. Also bei einem Sieg 1–0,24 = 0,76; bei Remis 0,5–0,24=0,26; bei Niederlage 0–0,24=–0,24. Das wird dann noch mit einem sogenannte K-Faktor multipliziert, der sich je nach Elo-System unterscheiden kann oder auch innerhalb eines Elo-Systems nach Umständen. Bei der FIDE gibt es 5 unterschiedliche K-Faktoren. In den meisten Fällen beträgt er 20. (10 für Spieler über 2400; 40 für Anfänger und Jugendspieler.) Dieser Faktor wird dann mit dem Vergleich von Resultat und Erwartungswert (also im Beispiel 0,76, 0,26 oder –0,24) multipliziert. Gewinne ich die Partie, kriege ich 20*0,76 = 15,2 Elo-Punkte dazu und habe danach 1615,2. Bei Remis +5,2 Punkte (Rating danach 1605,2), bei Niederlage –4,8 Punkte (Rating danach 1595,2).


    Beim Online-Schach wird häufig nicht das Elo-System, sondern das Glicko-System verwendet. Die Berechnung ist etwas komplizierter und es werden andere statistische Faktoren wie Schwankungen und Genauigkeit der Ratings berücksichtigt (das führt dazu, dass z.B. die Ratingveränderung gegen einen neuen Spieler kleiner sind oder nach eigener längere Inaktivität größer). Das Prinzip ist aber ähnlich und es zählen nur die Ergebnisse.

    Leute, mal wieder bisschen runterkommen. Ich beende an der Stelle die beiden laufenden Diskussionen.


    Was die Diskussion zur Semantik des Wortes "hassen" betrifft, ist nun wirklich alles mehrfach gesagt. Manche verwenden es als Übertreibung für jeden Grad persönlicher Abneigung, manche nur für den höchsten Grad feindschaftlicher Abscheu. Beide Verwendungen sind üblich. Manche stört die Verwendung in der schwächeren Bedeutung, weil sie das Wort wegen seiner Hauptbedeutung als zu stark empfinden, andere nicht. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen und ich sehe keinen Grund sich ewig darüber zu streiten.


    Was die Diskussion zum Thema Gendern betrifft: Das Thema passt nicht wirklich in diesen Thread. Die Diskussion begann mit der Äußerung einer Mehrheitsmeinung, also das Gegenteil dessen, wofür der Thread hier gedacht ist. Wir haben geeignete Stellen, wo man über dieses Thema diskutieren kann (hier z.B.) – allerdings vernünftig und sachlich. Wenn die Diskussion aber wie hier schnell eskaliert und wir mal eben bei transfeindlichen Äußerungen landen, ist das eine Art der Diskussion, die nicht nur in diesem Thread nicht den richtigen Platz hat, sondern nirgends einen Platz.

    Wobei es dabei erstmal nur um online geht. Und dass Niemann nicht nur zufällig die beiden Male online betrogen hat, wo er erwischt wurde, ist ja klar. Also das sagt für sich nicht wahnsinnig viel aus. Sehr viele Großmeister betrügen online, aber nie over the board. Die entscheidende und offene Frage bleibt, ob Niemann over the board betrogen hat. Und dann noch: Hat er in St. Louis gegen Carlsen betrogen?

    Da hast du natürlich Recht, der richtige Normenkatalog ist das Statut des IStGH, unter dem alle angesprochenen Straftaten aber ebenfalls teilweise wortgleich, weil das VStGB in Anlehnung an das IStGH-Statut entworfen wurde, erfasst sind. Dennoch war die Bezeichnung natürlich falsch.

    Wobei eben auch das römische Statut für die beiden Fälle die falsche Adresse ist, nachdem weder Russland noch die USA Teil dieses Statuts sind. Die richtige Norm ist das allgemeine Gewaltverbot der UN-Charta (plus ggf. weitere Konventionen und Resolutionen).


    Die Stoßrichtung des Postings war aber ja eine ganz andere und zielte darauf ab, dass es zum einen dennoch nicht wirklich schlau ist, in der Kommunikation sich immer auf den Begriff des "Angriffkrieges" zu stürzen, da, auch wenn der Irak-Krieg nicht zum Zwecke einer Annexion geführt wurde, er dennoch ohne jede Frage den Tatbestand der Aggression erfüllt und auch völkerrechtlich nicht zu rechtfertigen war. Darum ja auch die Aussage, dass diese komplett unterschiedliche Handhabe, dass bei dem Irak-Krieg große Teile der deutschen Politik und Medienlandschaft am liebsten mitgemacht hätten, während nun zurecht eine fast flächendeckende Verurteilung mit harten Konsequenzen stattfindet, sich rein völkerrechtlich nicht erklären lässt, denn dazu sind die Vorgehen am Ende dennoch zu ähnlich, wenn es auch trotzdem Unterschiede gibt.

    In der Sache kann man das ja diskutieren und unterschiedliche Argumente vorbringen. Ich halte aber dieses Argument mit völkerrechtlichen Rechtssätzen nicht für richtig. Erstens müsste man eben andere völkerrechtliche Aspekte, wie die UN-Resolution gegen den Irak berücksichtigen. Von daher finde ich schon den Begriff "rein völkerrechtlich" schwierig, wenn er am Ende nur die Subsumption unter einen Tatbestand meint. Auch Umstände wie die Resolution sind völkerrechtlich. In der Sache kann man dann natürlich sagen, dass diese Resolution keine Rechtfertigung für eine Aggression war, etc. Aber sie ist ein Aspekt, der auch Teil der völkerrechtliche Betrachtung ist, den man nicht komplett weglassen kann. Und v.a. eben würde ich nicht sagen, dass "rein völkerrechtlich" kein Unterschied besteht, wenn zwei Taten unter denselben Rechtssatz fallen. Deswegen kann es trotzdem auch "rein völkerrechtlich" einen großen Unterschied zwischen zwei unterschiedliche Verletzungen des allgemeinen Gewaltverbots geben. (Und das ist m.E. hier auch der Fall und deswegen lässt sich eine unterschiedliche Beurteilung auch völkerrechtlich erklären.)

    Ja, du hast da ganz grundsätzlich schon recht. Wir reden hier jeweils über Völkerstraftaten nach dem VStGB, also diesem für die wenn die Voraussetzungen vorliegen der IStGH in Den Haag zuständig ist.

    Das VStGB ist kein Völkerrecht, sondern ein deutsches Gesetz. Zuständig sind als erste Instanz die deutschen Oberlandesgerichte. § 13 VStGB (vorher § 80 StGB) ist darüber hinaus nur einschlägig, wenn die Tat entweder von einem Deutschen oder gegen Deutschland verübt wurde (§ 1 S.2 VStGB).


    Deswegen lässt sich da schon am Ende mE klar sagen, beide Kriege sind ganz fürchterliche Verbrechen, der jetzige Krieg in der Ukraine trägt dazu eben auch noch Elemente eines Völkermordes, aufgrund derer man schon nachvollziehbarerweise diesen nochmal etwas schlimmer bewerten kann. Ich tu mich da aber dennoch schwer mit dieser völkerrechtlichen Argumentation, warum dieser Krieg nun zu verurteilen ist, was er zweifelsfrei ist, insbesondere mit der immer wieder genutzten Betonung des Wortes "Angriffskrieg" tut man sich da keinen Gefallen, da wäre es deutlich sinnvoller, wenn man tatsächlich auf die Begrifflichkeit des Völkermordes abstellt, wenn man denn unbedingt so argumentieren möchte. Rein aus einer völkerrechtlichen Sicht ist aber natürlich eigentlich die komplett gegensätzliche Beurteilung der beiden Kriege nicht zu rechtfertigen, auch wenn es, wie gesagt Argumente gibt, mit denen man begründet den Ukraine-Krieg für noch verbrecherischer halten kann.

    Unabhängig davon, dass das VStGB kein Völkerrecht ist, ist die Argumentation in meinen Augen falsch. Nur weil zwei Taten unter den gleichen Straftatbestand fallen, sind sie deswegen noch nicht gleich schwer. Wenn mein Nachbar über den Zaun steigt, um kurz einen in meinen Garten geschossenen Ball zu holen, ist das genauso Hausfriedensbruch wie wenn jemand Fremdes in böser Absicht in mein Haus einbricht. Gleicher Straftatbestand, dennoch zwei völlig unterschiedlich zu bewertende Taten. Dabei gibt es engere Straftatbestände und weitere. Nötigungen können sehr harmlos sein, aber auch sehr gravierend z.B.. Das "Verbrechen der Aggression" (so heißt es nicht nur in § 13 VStGB, sondern auch in Art. 5 Abs. 1 lit. d des Römischen Statuts, bei dem aber auch weder Russland noch die USA Mitglied sind) ist auch wie schon der Titel sagt sehr weit und umfasst unterschiedlichste Aggressionen. Das gleiche gilt für das allgemeine Gewaltverbot in der UN-Charta (Art. 2 Nr. 4), auf dem diese Straftatbestände basieren. Andere völkerrechtliche Verträge differenzieren da viel stärker zwischen unterschiedlichen Aggressionshandlungen. So gibt es z.B. häufig ein Verbot der Annexion, auch als schwerere Verletzung als eine Angriffshandlung zu anderen Zwecken. Die UN hat sich eben dafür entschieden ein allgemeines Gewaltverbot zu machen, unter das dann sowohl leichtere wie auch schwere Verletzungen fallen. Dadurch braucht es kein eigenes Verbot der Annexion, nachdem ein Angriffskrieg mit dem Zweck der Annexion eben auch unter das allgemeine Gewaltverbot fällt. Das heißt aber nicht, dass jeder Verstoß gegen das allgemeine Gewaltverbot gleich ist. Ob man da jetzt Einzeltatbestände einzeln aufschreibt oder alles in ein allgemeines Gewaltverbot zusammenfasst, ist eine willkürliche Entscheidung, aus der für die Beurteilung einzelner Taten gar nichts folgt. Gerade wenn man sehr vieles unter einen Tatbestand zusammenfasst, gibt es selbstverständlich große Unterschiede zwischen unterschiedlichen Taten, die unter die gleiche Bestimmung fallen. Also bereits die Handlung für sich kann sehr unterschiedlich beurteilt werden. Daneben kann man noch diskutieren, inwiefern die UN-Resolution gegen den Irak und Details einen Unterschied in der Beurteilung machen. Aber bereits oberflächlich können selbstverständlich 2 Aggressionshandlungen völkerrechtlich unterschiedlich beurteilt werden und müssen nicht deshalb gleich beurteilt werden, weil sie beide gegen denselben Rechtssatz (das allgemeine Gewaltverbot der UN) verstoßen.

    Jesse: Meinst Du wirklich, dass die Top-Computer so gut sind, dass sie 100 aus 100 gegen jeden Menschen holen? Ich hätte Magnus da mit Weiß einige Remis zugestanden. Aber vielleicht bin ich da noch zu optimistisch.

    Stockfish hat über 3.500 ELO. Das ist natürlich nicht der gleiche ELO-Pool wie bei den menschlichen Spielern und entsprechend nicht mit den FIDE-Ratings vergleichbar. Aber wenn man es trotzdem täte und annehmen würde Carlsen würde gegen einen menschlichen Spieler mit 3.500 FIDE-Rating antreten. Da wäre rein statistisch zu erwarten, dass Carlsen 1 bis 2 Remis in 100 Partien holt (bei 98–99 Niederlagen). Also selbst, wenn das Stockfish-Rating nur vergleichbare 3.500 wären und Stockfish wäre ein Mensch würde Magnus beinahe jedes Spiel verlieren. Aber der Gerät wird nie müde. Von daher würde, selbst wenn es nur 3.500 FIDE-Rating Spielstärke wären, Magnus 100 von 100 verlieren. Tatsächlich ist der ELO-Unterschied zwischen Stockfish und Carlsen noch ein gutes Stück höher als "nur" 700 Punkte. Rein von der Spielstärke her sind das ganz andere Sphären.


    In der Praxis kommt es auf die Einstellungen der Engine an. Eröffnungsbücher und in wie weit die Engine denen folgt, z.B. oder wie tief die Engine Züge berechnet; in Bezug darauf auch die Hardware (wobei gegen einen popeligen Menschen jedes 80-Euro-Smartphone locker ausreicht). V.a. aber der sogenannte Contempt-Wert, der festlegt, was die Engine von Remis hält. Bei einem entsprechenden Wettkampf würde man diesen Wert so einstellen, dass die Engine Remis fast immer vermeidet, auch wenn die Alternative eine objektiv schlechtere Stellung ist. Und wenn das so eingestellt ist, die Engine also immer unbedingt auf Sieg spielt, dann verliert Carlsen auch zu 100% jede Partie ohne den Hauch einer Chance.


    Wenn der Wert dagegen so eingestellt ist, dass die Engine Remis für ein gutes Ergebnis hält, hat Carlsen auch gute Chancen ein Remis zu erreichen. Dazu müsste er die Engine nur in eine Theorievariante bringen, in der es eine Stellungswiederholung für Schwarz gibt, die bei Ablehnung zu einer schlechteren Stellung führt. (Und davon gibt es einige.) Dann nimmt die Engine die Stellungswiederholung an, weil sie 0.0 ist, während der beste Vermeidungszug +0,7 ist. Wenn das so eingestellt ist, braucht es aber auch nicht Magnus, um dann ein Remis gegen Stockfish zu holen. In der richtigen Eröffnungsvariante kann ich das dann auch.


    Wenn aber Stockfish keine Stellungswiederholungen annimmt und Remis vermeidet, ist kein anderes Ergebnis als 100 Siege in 100 Partien denkbar.


    (Interessant wirds dann nur mit Odds. Qualität mehr, 2 Bauern mehr, da hätte Magnus eine Chance. Aber ohne Odds nicht im Ansatz.)

    Wie ist es in einer Situation Dame/Turm gegen 2 Türme. Würdet ihr da aufgeben? Umgekehrt, seit ihr euch sicher, dass ihr das Spiel gewinnen werdet? Wie ist das auf Profi Niveau?

    Das ist am Ende nur eine Variante von Dame gegen Turm. Die Seite mit der Dame kann sehr leicht den Turm gegen einen gegnerischen Turm abtauschen, sodass dann eben nur noch Dame und Turm auf dem Brett sind. Das ist auch die einzige vernünftige Strategie.


    Dame gegen Turm wird fast immer ausgespielt. Es gibt in der Vergangenheit zahlreiche Beispiele, in denen die Seite mit der Dame auch auf hohem GM-Niveau nicht gewonnen hat. Es ist einfach sehr schwierig. Wahrscheinlich von den klassischen Grundendspielen, das, das am schwierigsten zu gewinnen ist. Es kann bei perfektem Spiel mindestens 30 Züge dauern, um das zu gewinnen. Und man hat nur 50. Da ist nicht viel Raum für unpräzises Spiel. Die Seite mit dem Turm hat relativ einfache effektive Verteidigungsstrategien. Ähnlich wie bei Turm gegen Turm+Bauer ist es eine gute Strategie zunächst auf der 3. Reihe zu verteidigen. D.h. der Turm bleibt möglichst auf dritten Reihe (gesehen von seinem König aus auf der Grundreihe). Das ist für die angreifende Seite schon schwierig das aufzulösen (die Dame muss im richtigen Moment zurück ins Zentrum und Gabeln drohen). Wenn die angreifende Seite das schafft, wechselt die verteidigende Seite auf die 2. Reihe mit dem Turm. Und auch das ist wiederum schwierig zu knacken. Es gibt eine bestimmte Position ab da, von der aus Weiß schnell den Turm und damit das Spiel gewinnen kann. Das ist die sogenannte Philidor-Position. Die sieht so aus. Die muss die angreifende Seite kennen und die verteidigende Seite in diese Position zwingen. (Es gibt noch mehr solche Positionen, aber das ist die bekannteste). Ggf. dann noch einmal triangulieren, d.h. wenn die gewünschte Position auftaucht, mit geschickten Schachs dafür sorgen, dass die gleiche Position nochmal auftritt, nur mit dem Gegner am Zug.


    Das ist auf jeden Fall ein Haufen Arbeit für die Seite mit der Dame. Erst den König an den Rand drängen. Dann die Verteidigung auf der 3. Reihe durchbrechen und den gegnerischen Turm auf die 2. Reihe zwingen. Und dort dann den Gegner in die Philidor-Position zwingen. Ggf. triangulieren und dann natürlich wissen, wie man von der Position aus den Turm gewinnt.


    Ich persönlich habe es schon gegen gute Verteidigung gewonnen, aber auch schon nicht gewonnen. Das am Brett ohne Vorwissen zu gewinnen, ist fast unmöglich, wenn der Gegner gut verteidigt. Natürlich kann es auch passieren, dass die Seite mit dem Turm nicht optimal verteidigt und irgendwann eine einfache Gabel übersieht. Aber die Verteidigung für die Turm-Seite ist einfacher als mit der Damen-Seite zu gewinnen. Man muss natürlich immer aufpassen keine Gabeln zuzulassen, aber ansonsten reicht es zu wissen, dass der Turm optimalerweise auf die dritte Reihe gehört und wenn das nicht mehr geht auf die zweite. Das allein reicht in den meisten Fällen aus, um das Remis zu halten gegen einen Gegner, der nicht wirklich weiß, was er tut. Im Optimalfall kenne ich natürlich auch als verteidigende Seite die Philidor-Position (und noch optimaler mehr gefährliche Stellung, wie solche, die zur Philidor-Position führen), um sie möglichst lange zu vermeiden. Aber generell hat die Seite mit dem Turm in der Praxis sehr gute Chance das Remis zu halten. Und wie gesagt, selbst auf höchstem Niveau kommt es gelegentlich vor, dass die Seite mit der Dame nicht gewinnt.


    Also deswegen natürlich ganz klar, niemals aufgeben bei Turm gegen Dame. Umgekehrt würde ich es mit der Dame möglichst vermeiden und erst versuchen, ob mit den Bauern noch was geht, bevor ich Bauern vorschnell abtausche, um zu Dame gegen Turm überzugehen, nur weil das theoretisch gewonnen ist. Gegen einen perfekt verteidigenden Gegner gewinne ich auf jeden Fall nicht 100%, obwohl ich grundsätzlich weiß, wie es geht und ohne Zuglimit auch 100% gewinnen würde. Aber mit 50 Zügen kanns auch mal eng werden. ^^

    hmm ... Die Frage bei Niemann ist ... wie oft hat er angeblich gecheatet bzw den Computer (in welcher Form auch immer) genutzt. Niemand ist schon ein Topspieler, wohl aber keiner der so gut wird wie Ding, Nepo oder Karjakin. Trotzdem kann er ganz oben mitspielen.

    Das ist die Frage. Sollte er tatsächlich in den letzten 3 Jahren viel gecheatet haben und dadurch den Rating-Sprung gemacht haben, ist er möglicherweise nicht besser als auf niedrigem GM-Level.


    ". Trotzdem muss man dies erstmal genauer Prüfen wie z.b. diese Genauigkeit errechnet wurde. Weil 100% ist schlicht unmöglich. Da muss man ja schon im 1. Zug anfangen mit cheaten. Was ich aber nicht glaube , da der Spieler bestimmt erstmal eine Eröffnung spielt die er beherrscht.


    Ich denke bei dieser Analyse wurden nur die letzten 10-20 Züge einer Partie ausgewertet....

    Es werden alle Züge nach Ende der Eröffnungstheorie gewertet. Also wenn eine Partie in der Hauptvariante der Berliner Verteidigung nach 20 Zügen Remis endet, wird gar kein Zug bewertet und die Partie erhält dann von ChessBase gar keinen Score. Um einen Score zu erhalten, muss eine gewisse Anzahl von Zügen nach dem Ende der Eröffnungstheorie gespielt werden (das könnten 10 sein, weiß ich jetzt aber nicht sicher) und es werden nur diese Züge in den Score einbezogen. Wenn eine Partie 20 Züge geht und nach 8 Zügen endete die Theorie werden eben diese 12 Züge gewertet. Wenn nach Ende der Theorie 60 Züge gespielt werden, werden 60 Züge gewertet und fließen in den Score ein. Wenn alle Theoriezüge mitzählen würden (so ist es z.B. beim Accuracy-Score von chess.com oder Lichess), wären die Durchschnittswerte natürlich deutlich höher und Partien über 90% wären für Super-GMs eher die Regel als die Ausnahme. Dadurch, dass aber nur Züge nach Verlassen der Theorie gewertet werden, kommt eben selbst Magnus Carlsen in den letzten 3 Jahren nur auf 4 Partien über 90%.



    (Edit:)


    Hat Iglesias diese Analyse selbst erstellt ? Hatte er diese schon länger aktiv ? Das müsste halt alles geprüft werden von FIDE usw.

    Ich weiß es nicht genau. Sie hat auch einen befreundeten Großmeister erwähnt, der zumindest bei der Zusammenstellung der Daten mitgewirkt hat. Erwähnt sie mit Sicherheit irgendwo, weiß es nur nicht mehr. Hier ihr Video dazu:


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    Aber die Daten sind jetzt ja nicht schwer zu erheben. Das kann jeder tun. Die Partien von Niemann sind alle in öffentlichen Datenbanken zugänglich. Man muss dann nur bei jeder Partie einen Knopf in ChessBase drücken und der entsprechende Wert wird ausgegeben. Es gibt auch einige Leute, die das zumindest für die verdächtigen Partien gemacht haben und das gleiche Ergebnis gekriegt haben. Also, ich sehe da keinen Grund an den Daten für sich zu zweifeln. Wie gesagt, man müsste halt noch mehr solche Datensätze mit anderen Spielern erstellen, um mehr Vergleichswerte zu haben und einen richtigen statistischen Vergleich anstellen zu können. Bisher sind es ja nur Stichproben-Abgleiche. (Es gibt durchaus einige Daten auch aus der Vergangenheit, aber das müsste man natürlich alles sauber vergleichen.) Wenn aber eben Carlsen und Erigaisi auf 4 bzw. 2 Partien über 90% kommen und Niemann kommt auf 33 ist das zumindest ein erstes großes Alarmzeichen.


    Was wird aus Carlsen ? Hiess es nicht dass man bei Betrugsvorwürfen, egal ob wahr oder unwahr, von der FIDE ausgeschlossen wird? Oder muss Niemann quasi ihn erstmal anklagen ?

    Die FIDE-Regeln sprechen von falschen oder zumindest unbewiesenen Anschuldigungen. Sollte sich herausstellen, dass die Vorwürfe richtig sind, könnte sich das erledigen. Dann bleibt Carlsens unsportliches Verhalten bei den beiden Turnieren. Aber das ist dann ein Fall für die Ethikkommission der FIDE, die eben über eine Strafe für Carlsen entscheiden muss. Ein Ausschluss von der FIDE wäre aber schon sehr überraschend. Noch nicht einmal Cheater wurden in der Vergangenheit von der FIDE ausgeschlossen. Dass Magnus deswegen ausgeschlossen wird, ist also ausgeschlossen. Im schlimmsten Fall muss er eine Strafe bezahlen oder wird für ein paar Monate gesperrt.

    Zur Erläuterung: Schachcomputer spielen heute deutlich besser als Menschen. Ich würde tippen, dass Carlsen gegen den aktuellen Computer-Weltmeister in 100 Partien 0 Siege einfährt und vielleicht 25 Remis schafft.

    Mit Odds vielleicht. ^^ In normaler Ausgangsstellung sind es natürlich 0 Siege, 0 Remis und 100 Niederlagen.


    Finde es nicht gut, Standard-Werte mit einzelnen Partien zu vergleichen. Und bin kein Fan davon, sowas (und dann noch als Youtube-Video und nicht an die entsprechenden Instanzen) als "Beweise" anzuführen. Ich glaube schon, dass gerade auf diesem Level durchaus mal ne Partie vorkommen kann, wo immer der beste Move gespielt wird. Interessant wäre jetzt zu erfahren, wie genau diese 100% kalkuliert wurden.

    Mit einer alten Standardfunktion von ChessBase. Da wird einfach der beste Zug laut mehreren Engines (mit denen vorher die Partie schon mal gecheckt wurde) mit dem tatsächlich gespieltem Zug verglichen. 100% bedeutet, dass jeder gespielte Zug zumindest von einer Engine als bester Zug in der Stellung gewertet wird. Also, wenn alle aktuellen Engines sagen, es ist ein Fehler, aber Stockfish 7 oder Fritz 4 halten es für den besten Zug, gilt es bereits als Übereinstimmung. Aber es muss eben wirklich jeder Zug von irgendeiner Engine als bester Zug angesehen werden. Wenn die Hälfte der Züge (nach der Eröffnungstheorie) bei irgendeiner Engine als bester Zug gelten, ist der Wert 50%.


    Und mit "Selbst wenn meine Analysen nicht ganz fehlerfrei sind, ändert das nichts am Gesamtergebnis." disqualifiziert sich das Ganze eig schon komplett. Wir reden hier von nem Sport wo es um Centi-Pawns geht, da sollte man schon einsehen, dass es ein Unterschied ist, ob Niemann 100%, 98%, 95% oder 90% genau gespielt hat.

    Es kommt drauf an, wo die Fehler gemacht worden sind. Der größte objektive Fehler, den sie gemacht hat, ist am Ende eine falsche Wahrscheinlichkeitsrechnung zu machen. Es gab 5 oder 6 Turniere in Folge, in denen Niemann im Durchschnitt aller Partien über 70% erreicht hat. Und da hat sie dann die Wahrscheinlichkeiten multipliziert, um so zu einer Gesamtwahrscheinlichkeit zu kommen, dass Niemann eben 6 Turniere hintereinander so spielt. Das ist aber mathematisch falsch und führt zumindest nicht zur gewünschten Aussage. (Kann Stingray im Zweifelsfall besser erklären.) Das ändert aber nichts an den Daten für sich (siehe hier) und an dem Fakt, dass Niemann eben 6 Turniere in Folge besser gespielt halt als Magnus zu seinen besten Zeiten. Auch da muss man einschränkend dazu sagen, dass sie natürlich eine Folge von 6 Turnieren von insgesamt 50 oder so willkürlich herausgepickt hat (aber eben immerhin 6 in Folge und nicht völlig beliebige). Aber auch wenn sie später falsche Rechnungen mit den Daten angestellt hat und Daten mit Confirmation Bias ausgewählt hat, bleiben dennoch die Daten für sich, in denen sich viele Verdachtsmomente finden, darunter eben viele Spiele mit 100% Wertung und noch einige mehr mit einer Wertung von über 90%.


    Das Zweite ist dann, dass die Methodik, mit der die Daten erhoben wurden einige Schwächen hat. Aber das spielt nur eine Rolle, wenn man sich allein auf diese Daten für sich bezieht. Entscheidend ist der Vergleich mit anderen Datensätzen. Ob das 100%, 98% oder 90% sind, spielt weniger eine Rolle, wenn Top-Spieler in ihren besten Partien nur auf 85% kommen und generell im Schnitt zwischen 60% und 70% herauskommt. Selbst wenn die 100% als Zahl vielleicht gar nix aussagen und nur durch die Methodik zu Stande kommen, müsste man erwarten, dass es bei anderen Top-Spielern ebenfalls dann einige Partien mit 100% gibt. Sie selbst hat das z.B. für Arjun Erigaisi (aktuell nach Alireza der Top-Jugendspieler und größte Aufsteiger) getan und bei ihm nur eine einzige Partie mit 100% gefunden (die allerdings wohl nur 10 Züge lang war) und eine weitere mit 93%, während der Rest unter 90% lag. (Hier der Datensatz.) Für Magnus Carlsen in den letzten 3 Jahren hat jemand anderes 2 100%-Partien und 2 weitere über 90% gefunden. Bei Niemann waren es in den letzten 3 Jahren 10 Partien mit 100% und 23 weitere mit über 90%. Und einige von diesen Partien gehen über 40 Züge und mehr (was die Wahrscheinlichkeit mit jedem Zug zu treffen natürlich deutlich verringert). Aber egal wie diese Zahl zu Stande kommt und wie aussagekräftig sie ist, stellt sich die Frage, warum es bei Niemann so viele von diesen hohen Werten gibt und bei anderen nicht.


    Auch da müsste man natürlich noch viel mehr Daten erheben von anderen Spielern und vergleichen. Vielleicht haben ja die Leute, die als Vergleich ausgesucht wurden zufällig wenig von diesen Partien gehabt (auch wenn es vermeintlich Spieler sind, bei denen man besonders hohe Werte erwarten würde). Vielleicht hat ja Sam Sevian 15 100%-Werte und bei ihm hat mans nur noch nicht angeschaut. Für ein sauberes wissenschaftliches Ergebnis bräuchte man also viel mehr Daten und müsste die dann wirklich mit sauberen statistischen Methoden auswerten. Aber wenn sich dann ergibt, dass 80% der Top-100-Spieler in den letzten 3 Jahren 0 mal 100% haben, 15% das 1 mal haben, 2% 2 mal und 1% 3 mal und Hans hat's 10 mal, dann ist das vielleicht durch zufällige Verteilung nicht mehr zu erklären. Das gleiche wenn er 33 mal über 90% hatte, während der Schnitt bei 3 mal liegt.


    Dafür spielt es dann keine Rolle, ob der Wert für sich besonders aussagekräftig ist und methodisch besonders gut ist. Selbst wenn das ein sehr schlechter Messwert ist, ist die Methodik bei allen die gleiche und man müsste erwarten, dass bei allen ähnliche Ergebnisse herauskommen im Rahmen einer Normalverteilung. Wenn Niemann da weit außerhalb dessen liegt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass das Zufall ist oder allein durch Schwächen bei der Methodik (die für alle gleich ist) zu erklären ist.


    Also, ja Yosha Iglesias hat bei der Auswertung der Daten statistische Fehler gemacht und ja, wie die Werte zu Stande kommen mit dieser ChessBase-Abgleichfunktion ist nicht perfekt. Dennoch ist es sehr relevant und sehr verdächtig, wenn es da bei Niemanns Datensatz große Auffälligkeiten gibt. Diese Auffälligkeiten sind ja schon in den Grunddaten und entstehen dann nicht erst durch falsche Rechnungen danach. Und egal wie gut der Wert ist, müsste er bei anderen Top-Spielern ähnliche Ergebnisse liefern, tut das aber jedenfalls bei bisherigen Stichproben nicht. Zumal halt auch da wieder dazukommt, dass diese mit Cheating in Korrelation stehenden Werte – wie gut sie auch sein mögen – ausgerechnet bei jemand stark von den normalen Erwartungswerten abweichen, der in der Vergangenheit nachweislich schon betrogen hat.

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