Beiträge von holic01

    Was an solchen Diskussionen immer ganz interessant ist, dass der ganze Tatbestand von gewissen Akteuren immer gänzlich auf den Kopf gestellt wird, um ein bestimmtes Narrativ zu bedienen. Damit ist Springer natürlich sehr erfolgreich.


    Der Kommentar ist mit Sicherheit kein Skandal und man muss Sandro Wagner nun nicht unterstellen, dass er durch und durch ein Rassist ist. Der Hinweis darauf, dass diese Äußerung unangemessen ist, ist jedoch vollkommen gerechtfertigt. Ein solcher Kommentar ist nun wahrlich kein Hinweis auf eine gefestigte rassistische Geisteshaltung, aber schon durchaus Ausdruck eines unterschwelligen Rassismus, der leider noch gesellschaftlich verwurzelt ist. Weil diese Strukturen in den Köpfen noch immer vorhanden sind, kann einem so ein dummer Spruch ja auch „rausrutschen“. Von alltäglichen Rassismen kann sich vermutlich kaum jemand ausnehmen, da das wie gesagt tief verwurzelt ist. All das macht so einen Spruch aber weder harmlos noch hinnehmbar. Wenn man so etwas Dummes vor einem Millionenpublikum im Fernsehen ausspricht, dann darf man sich über eine negative Reaktion nicht beklagen. Dass ein Sandro Wagner nun das Opfer der vielzitierten Cancel Culture sein soll, verdreht am Ende die Tatsachen. Er wird ja weder zensiert noch gefeuert, sein Arbeitgeber hat ihm lediglich mitgeteilt, dass man so etwas nicht gut findet. Und das ist auch völlig richtig.


    Ganz so nebenbei: auch wenn man die Fußball WM in Katar aufgrund der Begleitumstände furchtbar findet und auch die fehlende Fußballkultur dort belächelt, sollte man als vernunftbegabter Mensch in der Lage sein, dies zu machen, ohne sich einer primitiv-obszönen, mit rassistischen Vorurteilen geschwängerten Ausdrucksweise zu bedienen, die man von NPD Parteitagen kennt. Ganz ehrlich, ich habe es ausprobiert und es funktioniert ... manchmal hilft es, ein wenig über das nachzudenken, was man sagt.


    Die „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Fraktion kommt nun aber natürlich wieder hervor und fabuliert von Sprechverboten und beschwört einen Skandal herauf. Es hat aber nichts mit Zensur zu tun, wenn man von Leuten im Fernsehen verlangt, dass sie darüber nachdenken, bevor sie so einen dummen Spruch raushauen. Und es ist auch kein handfester Skandal, wenn ein paar Leute darauf hinweisen, dass dieser Kommentar saublöd und rassistischer Sprech ist – und auch nicht, wenn der Abreitgeber von mir verlangt, dass ich so eine Ausdrucksweise bitte zukünftig unterlassen solle.

    Unterm Strich funktioniert der Mechanismus aber wieder total gut: man beschwört einen Skandal herauf, der gar keiner ist und punktet damit bei der Klientel, die der Meinung ist, dass man hierzulande nicht mehr alles sagen dürfe – damit aber eigentlich beansprucht, alles unwidersprochen sagen zu dürfen. Dass Springer mit der Skandalisierung dieser Geschichte dann ganz nebenbei auch noch das Märchen eines von linken und grünen Moralwächtern besetzten, öffentlich-rechtlichen Staatsfunks bedienen kann, ist quasi die Kirsche auf der Torte.

    Definitiv bisher eine ganz nette Matchcard, die neben den War Games mit Balor gegen Styles und dem US-Titelmatch bisher schon zwei Kämpfe zu bieten hat, die gut bis sehr gut werden können. Dass ich an dieser Stelle dennoch nicht ganz zufrieden bin, liegt weniger an den Matches an sich, als vielmehr am Zeitpunkt. Die Begegnungen hätte man meines Erachtens nach noch etwas hinauszögern können, um das Survivor Series Gimmick zu bedienen - zumal das diesmal sogar Sinn ergeben hätte, statt arg konstruiert zu wirken.


    Die Fehde zwischen Judgemnt Day und AJ Styles + Anhang wäre doch prädestiniert für ein Ausscheidungsmatch (okay, man hätte jeweils noch Kandidaten hinzufügen müssen). Damit hätte man der Fehde noch zusätzliche Würze verleihen können und hätte zugleich die Charakter udn Fehdenentwicklung vorantreiben können. Dominik Mysterio (immer noch ein blöder Wrestlername!!) macht gerade eine gute Entwicklung durch, sodass man in im Ausscheidungsmatch hätte glänzen lassen können, ohne es zwingend zu übertreiben. Zugleich hätte man meinetwegen noch die Daddy-Storyline aufgreifen können, indem Styles hätte versuchen können Rey Mysterio für den Kampf zu rekrutieren, was aber scheitert, weil Rey sich weigert. Man hätte mehere Stories miteinander verweben können. Balor gegen Styles wäre dann zu einem späteren Zeitpunkt immer noch gut gewesen.


    Das US-Titelmatch könnte man gerne ebenfalls hinauszuögern und die Leute in Ausscheidungsmatches unterbringen können. Der Kampf wird gut, zweifesohne, und Lashley und Rollins gehören ebenso wie Theory ebenfalls auf die Matchcard. Im Sinne der Charakterentwicklung hätte ich aber Gefallen daran gefunden, wenn man Theory nun erstmal anderweitig aufbaut. Und vor allem: um zu wachsen, sollte er unbedingt Singles Matches erhalten und dort seinen großen Triumph haben. Ich kann nicht genau sagen, woran ich mich wirklich störe - aber irgendwie hätte ich die Protagonisten gerne in anderer Konstellation zu einem späterne Zeitpunkt gesehen.


    Auch ein Intercontinental Titelmatch brauche ich nicht zwingend auf der Matchcard. Auch hier wäre es sicherlich ganz nett, wenn man die Fehde zwischen Braun Strowman und Gunther durch diese Matchart ein wenig in die Länge zieht und auf einen echten Showdown hinarbeitet. Gunther und sein Anhang eignen sich ja ohnehin für Tag Team Matches. Warum nicht das Turnier, die Titelambitionen und diese Team Logik miteinander verweben und dadurch die Fehde stärken. Strowman gegen Gunter I kann man dann ja bei Smackdown stattfinden lassen. Unklares Finish und Eingriff vom unterlegenen Turniergegner sind dann der Brückenschlag zum Elimination Match, indem man dann den großen Showdown von Strowman und Gunter anteasern kann, ohne zuviel vorwegzunehmen.


    Man sieht, ich bin Freund von Elimination Matches bei den Survivor Series, weil man damit viel anfangen kann und Fehden, auch schon im Hinbklick auf Wrestlemania, in die Wege leiten kann. Dazu kommen die beiden War Games Matches, mit denen man auch zwei Highlights hat, mit denen man ebenfalls größere Fehden in Gang setzen kann. Spannend wir zu sehen sein, wie die Geschichte um Kevin Owens nun weitergeht. Owens würde sich ja eigentlich perfekt als Wrestlemania Gegner für Roman Reigns eignen, da er als Top Babyface mit Kanten perfekt funktionieren würde. Reigns gegen Owens gab es aber bereits als intensive Fehde, zudem schreibt sich Usos gegen Owens/Zayn quasi von alleine - und würde die Tag Team Titel massiv aufwerten. Das aber wiederum wirkt fast schon zu klein für Kevin Owens und mittlerweile auch für Sami Zayn, der für die Rolle als Sidekick eigentlich viel zu beliebt geworden ist.

    Ehrlicherweise sehe ich derzeit aber auch keine realistischen Herausforderer für Roman Reigns - außervielleicht Drew McIntyre, wenn man auf seine knappe Niederlage aufbauen würden. Reigns spielt derzeit in einer anderen Liga, sodass der Druck auf WWE zunehmend wächst, den Titelwechsel möglichst groß zu gestalten und damit den nächsten Super-Topstar aufzubauen.

    Nur um nochmal kurz diesen Punkt aufzugreifen: Die derzeitige Sicht auf die republikanische Partei und die daraus resultierende Hoffnung, dass die Demokraten eine Wiederwahl von Donald Trump bzw. eines möglichweise noch schlimmeren Kandidaten irgendwie verhindern können, ist mitnichten einer unreflektierten Begeisterung für die Demokraten hier im Forum geschuldet.

    Und die angesprochene Bewertung der Dinge hat wirklich nichts mit einem „Rechts-Links-Denken“ zu tun. Inhaltlich kann man über viele Dinge diskutieren und in solchen Diskursen sind auch konservative bis rechte Positionen zu akzeptieren. Jedoch bestand über Jahre eine gewisse Einigkeit darüber, dass gewisse Punkte kein Teil einer Debatte sein dürfen, weil es sich um fundamentale Rechte handelt, die nicht verhandelbar sind. Mit diesem Konsens haben die MAGA-Republikaner gebrochen. Das setzt sich derzeit weiter fort, indem insbesondere die handverlesenen Trump-Kandidat*innen die Grenzen weiter austesten und dadurch die Demokratie aushöhlen.


    Die Anerkennung der LGBTQ-Bewegung und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen hat nun auch nichts mit Identitäts- oder Minderheitspolitik zu tun, sondern es geht hierbei um fundamentale und unumstößliche Grundrechte. Die Nicht-Anerkennung von Menschen hat nichts mit konservativer Politik zu tun, sodass sich derartige Positionen nicht verteidigen lassen. Und diese Positionen lassen sich auch nicht gegen andere Themen ausspielen. Ich kann diese Werte nicht hintergehen mit dem Verweis, dass es auf anderen Politikfeldern ja gar nicht so schlecht gelaufen sei. Vom Präsidenten der Vereinigten Staaten und seiner Partei muss ich erwarten, dass diese fundamentalen Werte ohne Einschränkungen anerkannt werden.


    Und somit halte ich es auch für unangebracht, wenn man die politische Performance in manchen Themenfeldern getrennt von der handelnden Person bzw. Partei betrachten möchte. Das hat rein gar nichts mit einer objektiven Betrachtung zu tun. Frauen-, homo- und transverachtende Positionen lassen sich vor dem Hintergrund niedriger Arbeitslosenzahlen nicht ausblenden. Demokratieverachtung, der öffentliche Aufruf zum Widerstand gegen Wahlergebnisse, ein ganz offensichtlicher Putschversuch – wie soll man das von der Person trennen? Und wie soll man das von einer Partei trennen, die dies auch noch systematisch unterstützt und vorantreibt?


    Das wäre so, als versuchte man die beachtlichen Leistungen Chinas vom menschenverachtenden und demokratiefeindlichen System der Kommunistischen Partei zu trennen. Oder der vielzitierte Verweis auf die großartigen Autobahnen, die uns die Nationalsozialisten beschert haben. Das muss man ja alles ganz objektiv und unabhängig vom „Rechts-Links-Denken“ bewerten …


    Die reflexartige Hoffnung, dass die Demokraten nicht sämtliche Mehrheiten bescheren und in zwei Jahren wieder den Präsidenten stellen, werden vermutlich schlagartig abnehmen, wenn das Verständnis einer konservativen Politikalternative nicht mehr mit Homophobie, Demokratieverachtung und faschistoiden Ideologien einhergeht. In diesem Sinne würde ich nicht behaupten, dass wir hier in einem Demokraten-Fan-Forum schreiben, sondern es eher ein Demokratie-Fan-Forum ist. Und warum das (zumindest größtenteils) so ist, muss man hoffentlich niemandem erklären.

    Diese inflationär hohe Anzahl an PPVs/PLEs ist nicht mehr zeitgemäß, eine drastische Reduzierung des Kalenders wäre daher mehr als wünschenswert. Die Einführung der Gimmick-Veranstaltungen (abseits der Survivor Series und des Royal Rumble) war eine Katastrophe, da es ein unnötiger Eingriff in die Erzählstruktur war und zugleich der Zauber gewisser Matcharten vollkommen verloren ging. Hell in a Cell, die Elimination Chamber oder TLC waren Matcharten, die man bis zu diesem Zeitpunkt mit besonderen Momenten assoziierte. Dieses Einzigartige hat man den Matcharten genommen, weil sie plötzlich nicht mehr Highlights einer Fehde waren oder - noch besser - der brutale Ausweg aus einer bitteren Rivalität zweier Todfeinde.


    Aufgrund der Vielzahl an TV Stunden und der Möglichkeiten, auch in diesem Rahmen Matches groß und bedeutsam zu präsentieren, ist die Reduzierung der Vereanstaltungen der logische Schritt. Große Titelmatches und Titelwechsel können auch bei Raw oder Smackdown stattfiinden, ohne irgendjemanden dadurch unter Wert zu verkaufen. Riddle gegen Rollins oder der US-Titelgewinn von Seth Rollins waren auch im TV große Momente. Wenn man es schafft, eine gute Balance zwischen TV-Shows und PPVs zu finden, kann das dem Produkt nur gut tun. Auftritte bei "Großveranstaltungen" (oder gar den Big 4) würden hierdurch noch an Bedeutung gewinnen, zumal man durch das Entzerren des Kalenders auch die Möglichkeit hat, solche Matches entsprechend behutsam aufzubauen. Als PPV-Käufer bzw. Network-Abonnent habe ich im Endeffekt ja auch nichts davon, wenn ich innerhalb von drei Monaten fünf Premium Events schauen, bei denen jedoch ein Großteil der Kämpfe identisch ist. Wenn die Reduzierung der Veranstaltung auch mit einem Ende dieser endlosen Rematch-Serien einherginge, wäre das ein großer Gewinn.


    Was die Gestaltung des Veranstaltungskalenders betrifft, würde ich mich als bekennender Traditionalist darüber freuen, wenn man sich früheren Modellen orientieren würde. Höchst erfreulich wäre in diesem Zusammenhang eine Rückkehr des King of the Ring, der im besten Fall das totgelaufende Money in the Bank-Konzept ersetzen könnte. Die Geschichte des King of the Ring ist freilich sehr wechselhaft, weil neben Highlights auch ganz furchtbare Events produziert wurden. Ob dies nun den Zeiten geschuldet war (1995 oder 1999 waren qualitiativ nunmal nicht durchgehend hochwertig) oder Ergebnis des Konzeptes, kann man vortrefflich diskutieren. Ich persönlich finde es aber sehr schön, dass man mit einem Acht-Mann Turnier an EINEM Abend die übliche Eventstruktur aufbricht, eine ganz eigene Dynamik hat und bestenfalls schöne kleine Geschichten erzählen kann. Für den Talentaufbau bringt ein solches Turnier letztlich auch deutlich mehr als der Money in the Bank-Koffer, der in jüngerer und älterer Vergangenheit nur sehr selten zu einer nachhaltigen Entwicklung seiner Träger beigetragen hat. Es bleibt ein Heel-Werkzeug und somit für den Aufbau von Top-Babyfaces eher hinderlich (man denke nur an den antiklimatischen Big E Run). Zudem generiert man damit, vom kurzen Cash-In Jubel abgesehen, keinerlei Impact. Nahezu alle daraus resultierenden Regentschaften der letzten Jahre waren langweilig bis schlecht. Das Potenzial des King of the Ring wäre vergleichsweise größer, weil man sich mit dem Sieger auch nicht so unnötig in eine Sackgasse bookt. Der Turniersieg bietet die Chancen des schnellen Aufstiegs, lässt aber auch Spielraum für eine behutsame Weitentwicklung - oder kann Ausgangspunkt einer ganz eigenen Geschichte sein.


    Wenn man neben dem King of the Ring auch noch die Survivor Series in der ursprünglichen Idee zurückbringt (bzw. nun mit dem War Games-Konzept) und dadurch ebenfalls einen weiteren PPV mit eigener Dynamik etabliert, dann wäre man auf einem sehr guten Weg. Wenn man daneben noch ein paar A- und B-Events hat, kann man sehr gut damit arbeiten (von mir aus könnte man sich auch auf fünf oder sechs Events beschränken). Allerdings müsste man dann auch bei diesen Shows leifern und könnte es sich nicht mehr leisten, den World Champion zu Hause zu lassen oder auf Superstars zu verzichten.

    Ganz ehrlich: ich finde die Idee gar nicht so schlecht, sofern die Umsetzung logisch ist und die Geschichte gut erzählt wird. Für jedem beliebigen PPV wäre ein solches Titelmatch freilich eine Katastrophe, die Ansprüche an die Saudi Arabien-Events sind aber schlichtweg andere und ich kann mich gut damit abfinden, wenn man hierfür andere Wege geht. Es ist nicht notwendig, dass man für dieses fragwürdige PR Spektakel ein großes Main Event Match opfert. Gleichzeitig muss man dem Geldgeber auch was spektakuläres bieten, weil es die Gastgeber so möchten. Logan Paul ist vor diesem Hintergrund die richtige Wahl, weil er kein normaler Newcomer oder Undercarder ist, sondern eine enorme Reichweite hat und dadurch ein guter PR Gag ist, den man in diesem Kontext bringen kann. Saudi Arabien möchte große Namen und etwas Spektakel im Main Event, was sie im Prinzip mit Logan Paul bekommen.


    Nun kann man natürlich zurecht argumentiere, dass jemand nach zwei soliden Matches innerhalb der WWE Logik kein Titelmatch verdient hat - schon gar nicht bei einem großen Premium Live Event. Aber auch hier gilt, dass Paul kein gewöhnlicher Newcomer ist. Und letztlich muss auch nur die Story drumherum stimmen, dann lässt sich innerhalb des WWE Kosmos nahezu alles erklären.


    Am Ende des Tages verdient sich Logan Paul ein solches Match ja auch nicht im sportlichen Wettstreit, sondern er provoziert den Champion. Das passt gut zum Charakter von Logan Paul, es kann aber auch unter Umständen zum Tribal Chief passen, der diesem Rotzlöffel eine Lektion erteilen möchte. Im Aufbau zum Kampf muss man aufpasen, dass die Zuschauer die Rollen akzeptieren und sich nicht auf die Seite von Reigns schlagen. Aber wenn man das gut erzählt, könnte es funktionieren. Auch mit einer deutlichen Niederlage könnte Logan Paul dann am Ende davon profitieren, wenn er als Underdog ein paar Treffer landen kann und er am Ende zwar scheitert, sich aber den Respekt der Leute verdient. Auf der Grundlage könnte man dann den Babyface-Charakter von Logan Paul bei Smackdown weiterentwickeln und ihn dann langsam und behutsam (weiter) aufbauen.


    Ein Logan Paul als Contender wäre also durchaus zu verkraften, vor allem für diesen PR Event in Saudi Arabien. Wenn er nicht völlig aus der Rolle fällt, ist es in Ordnung. Das bietet ja immer noch die Möglichkeit, dass man parallel hierzu einen "echten" Herausforderer aufbaut. Reigns kann dann den nervigen Underdog abschütteln und seine Rolle stärken, während nebenbei eine echte Bedrohung aufgebaut wird. Ob das wieder Drew McIntyre sein muss oder jemand anders, ist vollkommen egal.

    Was erwartest du denn? Beim Wechsel zu 2.0 hat man zwar sofort das Design gewechselt, aber auch nicht gleich alle alten Stars aussortiert. Das hat man dann schon etwas gezogen, siehe Ciampa.

    Das dürfte jetzt genau so laufen. Vielleicht dann mit ein paar CallUps zum Ende hin.

    Vielleicht habe ich mich ein wenig missverständlich ausgedrückt. Mir ging es darum, dass es aus nachvollziehbaren Gründen, wie schon beim Wechsel zu 2.0, keinen harten Cut geben wird/kann, weswegen man trotz der umjubelten „Rückkehr“ zum guten alten NXT – das suggeriert ja zumindest die Optik – nicht mit überzogenen Erwartungshaltungen an die Sache gehen sollte. Man hat nicht die Talentdichte, wie es zu Hochzeiten der Fall war. Man muss ehrlicherweise aber auch sagen, dass die Qualität bereits zum Ende der goldenen Ära deutlich abgenommen hatte.

    Was da ausdünnen des Rosters betrifft, sollte dies weniger durch Callups erfolgen, sondern man sollte sich vielmehr auf einen „interessanteren“ Kandidatenkreis besinnen, um den man die Shows strukturieren möchte. Die bisherige Systematik, einfach möglichst viele Leute in den Shows zu bringen, sodass sich am Ende zumindest irgendjemand durchsetzt, halte ich für wenig zielführend.


    Dass es möglicherweise noch Beförderungen ins Main Roster geben wird, ist natürlich dennoch nicht ausgeschlossen. Wobei der Kandidatenkreis deutlich geringer wird, weil mir nur wenige einfallen, die wirklich bereit sind bzw. für die der Zeitpunkt der richtige wäre. Bron Breakker mag in seiner jetzigen Form „auserzählt“ sein, dennoch sollte man ihm insbesondere in Bezug auf seinen Charakter noch die Chancen zur Weiterentwicklung geben. Ebenfalls „auserzählt“ scheint die Legado del Fantasma – zumal auch die Mitglieder keine Lehrlinge mehr sind, die sich noch weiterentwickeln müssen. Sonst fallen mir nur noch wenige ein, die derzeit für das Main Roster eine wirkliche Bereicherung wären.

    Man muss natürlich die bewegten Bilder abwarten, bevor man das abschließend bewertet. Trotz der Veränderung zum neuen alten NXT gibt es keinen harten Cut, was auch so zu erwarten war. Das ist in Ordnung, wirkt aber auf all jene ernüchtern, die sich die guten alten Zeiten zurückgewünscht haben. Auf Dauer wird sich die Struktur der Show aber vermutlich wieder ein wenig verändern, hoffentlich dünnt man hierfür das Roster ein wenig aus. Für meinen Geschmack sind leider zu viele teilweise nichtssagende Leute dabei, mit denen ich nicht warm werde. NXT ist zwar genau der Ort, an dem sich solche Leute entwickeln sollen, dennoch wirkt manch einer noch nicht bereit - insbesondere was die Charakterentwicklung angeht.


    Vor den bewegten Bildern bleibt wohl nur das Debüt von Ilja Dragunov erwähnenswert. Er ist ein großter Gewinn für das NXT Roster und wird zurecht sofort in den Main Event gebookt. Er hat einen einzigartigen Stil, liefert konstant großartige Matches und hat auch den nötigen Look, um dauerhaft für WWE eine gute Rolle zu spielen. Die Qualität von NXT nimmt damit direkt wieder. Den Champion Bron Breakker bringt man mit der derzeitigen Main Event Konstellation in eine schwierige Situation, weil alle potentiellen Herausforderer - namentlich JD McDonagh, Tyler Bate und Ilja Dragunov - in jeglicher Hinsicht interessanter sind und Breakker damit noch farbloser erscheinen lassen. Vielleich kann man das aber auch als Chance nutzen, um den Champion etwas wachsen zu lassen. Ein Titelverlust mit einer Weiterentwicklung seines eindimensionalen Babyface-Gimmicks würde ihm helfen. Ebenso die Chance, mit diesen Leuten auf hohem Niveau Matches zu worken und sich so auch hier weiterzuentwickeln. Im Ring fände ich die Konstellation von Powerhouse Breakker und dem stiffen, aber körperlich unterlegenen Dragunov sehr spannend. Dragunov hat zudem das Talent, mit nahezu jeden konstant gute Matches zu liefern und könnte auch dem NXT Champion neue Facetten entlocken. Wäre für Breakker ein wichtiger Schritt, zumal ihm meines Erachtens - trotz ansehnlicher Matches gegen bspw. Bate oder Ciampa - noch so ein richtiges Breakthrough Singles Match fehlt.

    Die Änderung der Ausrichtung ist ein logischer Schritt, nachdem die 2.0 Variante ganz offensichtlich nie den Vorstellungen von Triple H entsprochen haben. Am Ende des Tages wird sich aber vermutlich weniger ändern, als manche vielleicht hoffen. Zum einen hatten die Shows seit der Übernahme von Shawn Michaels bereits eine etwas andere Dynamik, zum anderen hat sich die Marktlage seit den Hochzeiten von NXT etwas verändert. Die Show kann und wird wohl kein Sammelbecken für Indystars und -veteranen sein, was auch vollkommen in Ordnung ist. Gerade durch die veränderte Ausrichtung der Main Shows, in denen nun auch Leute die Chance bekommen, die nicht dem McMahon’schen Ideal entsprechen, braucht es das „alte“ NXT nicht mehr als Gegengewicht. Doch auch kleinere Veränderungen und eine gute Mischung aus jungen Wrestlern in der Ausbildung und erfahreneren Veteranen wäre begrüßenswert.


    In der Jubiläumsausgabe sticht natürlich der Titelgewinn von Solo Sikoa hervor, der aufgrund der Berufung ins Main Roster etwas überraschend kommt. Schade für Carmelo Hayes, der ein guter Champion war und in dem Match leider ein wenig unter Wert verkauft wird. Die Matchstory diente aber vor allem dazu, das jüngste Bloodline-Mitglied zu stärken und als Enforcer des Tribal Chiefs zu verkaufen. Das Match dennoch sehr ordentlich.


    Interessant ist dieser Titelgewinn allemal, weil der North American Titel damit quasi auch ins Main Roster wechselt. Das ist natürlich suboptimal, weil der Titel bestenfalls exklusiver Bestandteil des eigenen Brands sein sollte. In dem Fall geht das aber vermutlich in Ordnung, wenn die Idee dahinter ist, die Bloodline weiter zu stärken und um einen weiteren Titelträger zu erweitern. Wenn man solche Cross-Brand Champions nicht zu häufig hat, es nicht zu lange dauert und es in der Konsequenz nicht dazu führt, dass der Titel aus dem NXT Fokus verschwindet, sehe ich darin vorerst kein Problem. Unlängst hatte man ja auch immer wieder Leute aus den Main Roster als Gäste zu NXT geschickt, wodurch man ggf. Fehden verknüpfen kann.

    Ebenfalls ein gutes Match, sogar noch besser als der Main Event, war das Steel Cage Match. Hier treffen aber auch zwei hervorragende Teams aufeinander, um die man die Division hoffentlich weiter auf- und ausbauen wird. Beide Teams erhalten die Chance, sich gut in Szene zu setzen. In dieser Form schadet die Niederlage den Creed Brothers natürlich nicht, sodass sie weiter an der Spitze mitmischen dürften, wenngleich sie zunächst andere Ziele haben werden. Ich kann den Kritikpunkt nachvollziehen, dass man den Eingriff im Laufe der Sendung hätte aufnehmen sollen, um die Story weiterzuerzählen. Das kann man aber auch noch in der kommenden Woche. Die Champions werden dann erstmal neue Gegner brauchen. Nun ist die Tag Team Division bei NXT schon immer gut gewesen, sodass man sich Hoffnungen auf eine Fortführung dieser Tradition machen kann.

    Andauernder Kritikpunkt an den Shows bleibt leider weiterhin der Heavyweight Champion. Bron Breakker bleibt leider weiterhin farblos. Seine Herausforderer sind allesamt viel interessanter als der Champion selbst. Breakker selbst ist daran gar nicht wirklich schuld, sondern vielmehr seine angedachte Rolle als überstrahlender Babyface Champion, die er gar nicht ausfüllen kann. Selbst etablierte Superstars und Veteranen haben in der Regel Schwierigkeiten damit, als Langzeit-Babyface-Champions dauerhaft zu bestehen. Wie soll das dann einem Rookie gelingen? Breakker müsste in der Rolle des Jägers sein und bräuchte einen bösen Gegenspieler, an dem er als Babyface wachsen kann. Auch als Heel könnt er funktionieren. Aber so wie bisher zündet er einfach gar nicht.

    Den Rest der Show kann ich nicht einmal so richtig kritisieren. Irgendwie tue ich mich mit einem großen Teil auch nach einem Jahr immer noch schwer, weil man zwar viele (junge) Leute sieht, davon aber leider wenig hängen bleibt. Zugegebenermaßen war das aber auch schon ein Problem am Ende der alten NXT-Ära. Die etwas reduzierte einstündige Version war wesentlich angenehmer. Und ich würde mir auch beim „neuen“ NXT wünschen, eine reduzierte Version zu sehen. Man merkt gerade dem derzeitigen Roster an, dass es insgesamt ein wenig an Substanz fehlt. Man ist zwar sichtlich bemüht Stories zu erzählen und es gibt in vielen Fällen einen roten Faden. Dso richtig warm werde ich mit vielem dennoch nicht. Hier fehlt es am Ende aber vielleicht auch vor allem an einem überzeugenden Champion bzw. zentralen Figuren, die dem ganzen Konstrukt einen Rahmen geben und die dann auch diese Nebenfiguren tragen. Das mag aber nur ein exklusiver Eindruck von mir persönlich sein.

    Keine herausragende Show, die aber dennoch an die letzten Wochen anknüpft, sodass weiterhin der rote Faden der größte Pluspunkt seit der Übernahme von Triple H ist. Über einzelne Rückkehrer oder Stories kann man natürlich auch immer vortrefflich streiten. Insgesamt bleibt der Eindruck aber weiterhin positiv, selbst wenn es keine überragende Raw Ausgabe war, so gab es doch zumindest einen hohen Anteil an gutem Wrestling.


    Ich verzichte auf eine Gesamtbetrachtung und will nur ein paar Punkte hervorheben, die mir bei der Show aufgefallen sind:



    Grundsätzlich ist die Fortführung der Geschichte um Rey Mysterio und seinen Sohn ja sinnvoll und die Idee eines Vater/Sohn Matches auch ganz charmant. Nach viel zu langer Stagnation ist es zudem schön, dass endlich etwas passiert ist. Das Problem bleibt allerdings Dominik Mysterio (der unbedingt einen neuen Namen benötigt), weil er bedauerlicherweise die Ausstrahlung einer kaltgewordenen Kochkartoffel hat. Für eine Geschichte mit viel Spotlight muss er unbedingt an seinen Schwächen arbeiten, vor allem sollte man aber auch versuchen, ihn in Situationen zu bringen, in denen er seine Schwächen kaschieren kann. Weiterer Negativpunkt ist zudem, dass Judgment Day weiterhin keine ernstzunehmende Bedrohung ist. Man hat es verpasst, Priest oder Balor wichtige Siege zu geben bzw. sie auch als Team zu stärken. Dominik Mysterio ist in diesem Zusammenhang auch eher ein Psycho-Spielchen und kein wirklicher Game Changer für das Stable. Einzig Rhea Ripley wirkt in diesem Zusammenhang wirklich stark und hat die Ausstrahlung einer Anführerin. Es wäre wirklich erfreulich, wenn man ihr auch einen entsprechenden Push geben würde.



    Die Rückkehr von Braun Strowman hatte sich ja bereits angedeutet und ist auch erfreulich, da er insgesamt einfach etwas ausstrahlt, was man nicht so oft findet. Im Prinzip hat man hier einen soliden Worker, der nahezu jede Rolle spielen kann – also so etwas, wie The Big Show jahrelang war. Durch seine Größe und Ausstrahlung hat man in Strowman jemanden, den man binnen kürzester Zeit zu einem glaubwürdigen Contender pushen kann. Die kommenden Wochen wird man ihn zunächst wieder als Bedrohung aufbauen, eventuell sehen wir ihn auch irgendwann als (Übergangs-)Gegner für Roman Reigns.


    Über die Art der Rückkehr kann man streiten: ja, es wirkt monströs, wenn er gleich vier Tag Teams auseinandernehmen kann, ohne überhaupt ins Schwitzen zu geraten. Für die Tag Team Division ist das aber sicherlich kein gutes Zeichen. Schade eigentlich, weil man auf einem guten Weg war und Teams wie die Aplha Academy oder auch die Street Profits jüngst in guten Rollen unterwegs waren. Einmalig und zur Inszenierung für das Comeback kann man das sicherlich machen, dennoch sollte man sich lieber bemühen, die Tag Team Szene weiter zu stärken. Unterm Strich hat man hierfür jedoch auch keine Teams „geopfert“, die in jüngster Vergangenheit sehr erfolgreich waren (die Street Profits mal ausgenommen).



    Großer Pluspunkt bleibt weiterhin die Darstellung der Midcard Champions. Wieder einmal wird der Titel in einem tollen Match mit Spotlight verteidigt, das Gold ist umkämpft wie seit Jahren nicht mehr. Mit Lashley hat man einen dominanten Champion, der derzeit seine Rolle wirklich sehr gut spielt. The Miz wurde auch nicht verheizt, war nicht der vollkommen wehrlose Chicken-Heel und wurde daher ganz gut dargestellt. Es wäre natürlich sehr gut, wenn man für Lashley bald einen neuen Herausforderer findet und zugleich die Geschichte um Dexter Lumis und The Miz Fortschritte machen würde. Die Idee ist nett und die Umsetzung war bis hierher spannend, nun muss man aber auch endlich mehr über die Motive erfahren.



    Interessant bleiben derweil die kleinen Dinge in Hintergrund, aus denen sich vielleicht noch was entwickeln kann.


    Da wäre der weiterhin starke Aufbau von Kevin Owens, bei dem ja auch immer ein wenig auf Roman Reigns abgezielt wird. Ich bin gespannt, ob und wie man das aufgreifen wird. Owens wäre es zu gönnen, wobei er natürlich nicht derjenige sein wird, der diese lange Regentschaft beendet. Es könnte ja vorerst auch auf eine Story um Sami Zayn hinauslaufen, vielleicht einen kurzen Tag Team Run als Feel Good Moment? Solange die Wege zum großen Titel versperrt sind, könnte das sogar eine ganz intelligente Lösung sein, wie man die Geschichten verbindet, die Tag Team Division durch Main Event Kaliber stärkt und den Zuschauern dann am Ende zumindest ein kleines Happy End gibt. Und letztlich funktioniert die Kombination aus Zayn und Owens immer, egal in welcher Konstellation.



    Interessant auch die Entwicklung bei Nikki und Doudrop, bei denen sich nach der Niederlage etwas anbahnt. Dabei wäre der Split gar nicht die beste Alternative, da man gerade zahlreiche gute Frauen im Titelrennen hat. Stattdessen würde ich mir wünschen, dass man diese dämlichen Gimmicks aufgibt und beide als ernstzunehmendes Team pusht. Ein festes Team, das zudem noch glaubwürdig ist, wäre für die gerade erst zurückgebrachten Titel wünschenswert. Nikki Cross und Piper Niven, die ihre doofen Gimmicks in die Tonne werfe und als schottisches Bad Ass Team durch die Tag Team Division fegt, hätte doch durchaus Potenzial. Matches gegen die aktuellen Champions, das Team um Bayley oder die dann vielleicht zurückgekehrten Ex-Titelträgerinnen wäre super und würde der Division sehr gut tun.



    Das sind die Dinge, die mir aufgefallen sind. Wie gesagt: der Rest der Show war okay ohne zu überragen. Aber es muss ja auch nicht jede Show so herausragend sein, dass man sich am Ende in überdimensionierten Beiträgen darüber auslassen muss …

    Ich hatte bisher leider noch nicht die Gelegenheit die Show komplett zu schauen. Das werde ich jedoch heute Abend gerne nachholen – und genau das spricht wohl Bände über das derzeitige WWE Programm, dass man nach dem Lesen des Berichts noch Lust darauf hat, sich dies auch in bewegten Bildern anzuschauen. Dass es Triple H gelingt, dieses festgefahrene Produkt innerhalb weniger Wochen wieder aufzupolieren, ist geradezu herausragend. Man muss ja nicht mit allen Personalentscheidungen zufrieden sein, oder jeden Matchausgang großartig finden – das ist bei so verschiedenen Geschmäckern ein Ding der Unmöglichkeit. Aber: Ob man Wrestler X oder Wrestlerin Y mag oder nicht, zumindest hat alles einen roten Faden, es ergibt Sinn und man erkennt die Motivation der einzelnen Akteure. Man hat noch keine alles überstrahlende Story. Das muss aber auch nicht sein, manchmal reichen simple Geschichte, nachvollziehbare Motive und gute Matches auch aus. Bravo!


    Größter Verdienst von Hunter ist bisher, dass er mit allen Leuten möglichst behutsam umgeht. Am Ende muss jemand gewinnen und ein anderer verlieren. Dass man dabei jedoch niemand lächerlich machen oder begraben muss, zeigt sich Woche für Woche. Das beginnt damit, dass die Leute genügend Zeit bekommen, um auch etwas zu zeigen. Obwohl man Kevin Owens derzeit stark aufbaut, wirft man ihm Chad Gable nicht einfach als Squash Opfer vor. Und auch wenn Aliyah noch lange nicht auf einem Level mit der großartigen Bayley ist, darf sie ein wenig was sagen und wird dann auch nicht binnen einer Minute aus dem Ring gefegt. Man stärkt ihren Charakter als noch etwas grünes Underdog-Babyface, sie wirkt sympathisch und durfte sich trotz Niederlage auf der großen Bühne mit dem derzeitigen Top Heel präsentieren. So geht man behutsam mit seinem Roster um.

    Ähnlich behutsam waren bisher alle Debüts unter Triple H. Natürlich sollte es selbstverständlich sein, dass man den neuen Gesichtern einen bestmöglichen Start liefert und sie gut präsentiert. Das hat in den vergangenen Jahren leider nicht geklappt. Nun sieht man, wie einfach das eigentlich sein könnte. Johnny Gargano hatte somit den bestmöglichen Start. Er darf sich vorstellen und bekommt auch gleich seinen ersten Fehdengegner. Dabei ignoriert man nicht einfach die Vergangenheit, sondern berücksichtigt all das – und denjenigen, die NXT nicht gesehen haben, erklärt man einfach die Motivation der beiden Akteure. Das ist so einfach und erlaubt jedem Neuling, bestmöglich im Main Roster zu starten. Ebenso scheint man bei Dexter Lumis einen Plan zu haben. All das macht diese Leute viel interessanter als eine ganze Reihe von Jobber Matches.


    Einer der wenigen Kritikpunkte meinerseits wäre, dass man die Chance auf den nächsten Schritt bei Damien Priest ein wenig ungenutzt gelassen hat. Klar, Edge ist Hall of Famer und sollte ebenso behutsam gebookt werden, damit ein Sieg über ihn nicht bedeutungslos wird. Man hätte an dieser Stelle aber hervorragend Heat ziehen können. Und wenn es kein Sieg sein muss, wäre ein heftigerer Beatdown am Ende doch ganz nett gewesen, damit Judgment Day als große Bedrohung wirkt. So hat das Stable leider noch kein wichtiges Match gewinnen können, nicht einmal ein richtiges Statement setzen. Mal schauen, wie man diese Fehde nun fortsetzt. Im Grunde genommen ist ja noch die Geschichte mit Rey Mysterio offen, sodass man den Heel Turn seines Sohnes voranbringen kann. Vielleicht ein Tag Team/Intergende Match mit Heel Turn?


    Ohne die Show komplett gesehen zu haben, kann ich mir noch kein abschließendes Urteil erlauben. Auf den ersten Blick macht aber auch Raw wieder einen guten Eindruck. Es gibt viel gutes Wrestling, simple und nachvollziehbare Stories und einen behutsamen Umgang mit den Talenten. Was will man mehr?

    Grundsätzlich vorab: Es ist wirklich beeindruckend, wie stark sich der Eindruck vom WWE-Produkt in den vergangenen Wochen geändert hat, obwohl augenscheinlich nur an kleineren Stellenschrauben gedreht wurde. Hier zeigt sich deutlich, dass der WWE Kader immer über ausreichend Potenzial verfügte, es aber nie annähernd abgerufen wurde. Triple H tut dem Produkt so gut, weil er einfach ein Gespür dafür hat, wie eine Wrestling-Show ablaufen muss. Er nimmt das Produkt ernst, es gibt einen roten Faden in den Shows und er gibt den einzelnen Leuten die Möglichkeit, sich entsprechend ihrer Stärken und Schwächen zu entwickeln. Dass er zudem noch den Wrestlinganteil stark erhöht hat, wirkt sehr erfrischend – gerade bei einer dreistündigen Show wie Raw hat man ja auch ausreichend Zeit für gutes bzw. sehr gutes Wrestling. WWE ist dadurch auf einem guten Weg.


    Nun muss man kein Fan der Judgment Day Fehde oder der einzelnen Protagonisten sein, dennoch muss man anerkennen, dass sich die Geschichte endlich weiterentwickelt. Gerade die Heels konnten in den vergangenen Wochen endlich an Glaubwürdigkeit gewinnen. Die Geschichte um Edge, Rey und seinen Sohn bietet zudem etwas Spannung, weil mehrere Wendungen möglich sind. Der Aufbau für das Match zwischen Priest und Edge stimmt zudem. Auch das ist ein Pluspunkt der vergangenen Wochen: man bekommt es zunehmend besser hin, wichtige Matches auch als solche erscheinen zu lassen. Mit dem Kampf in Toronto hat nun für Priest ein erstes großes Match, durch das er einen wichtigen Schritt nach vorne machen kann.



    Ebenso positiv hervorheben darf man die bisherige Präsentation im Tag Team Turnier der Damen. Die Zusammenstellung ist angesichts des ausgedünnten Rosters zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht zu ändern. Dass man es dennoch ernst meint, zeigt sich an der Tatsache, dass man allen Matches bisher ausreichend Zeit gegeben hat. Etwas Aufmerksamkeit und der Anschein, dass das Gold auch wirklich umkämpft ist, kann dem Standing der Titel nur ganz gut tun.



    Und das ist ein großer Pluspunkt der vergangenen Wochen: gerade die vernachlässigten Titel bekommen wieder Spotlight. Der United States Titel wirkte in den vergangenen drei Wochen wichtiger, als in vielen Jahren davor. Es zeigt sich, dass es ganz einfach ist: Lasst gute Leute in guten Matches um das Gold kämpfen, dann wirkt es gleich viel wertvoller! Lashley ist ein großartiger Champion, das Match gegen AJ Styles war wirklich gut. Einfach toll, was plötzlich um den US-Titel los ist. Es stärkt auch die Shows ungemein, wenn es plötzlich um etwas geht – und man sogar einen Titelwechsel im Hinterkopf haben muss. Ich hoffe, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und sich ggf. auf die Tag Team Division ausweitet, die so ein Spotlight ebenfalls gebrauchen kann.

    Nicht weniger grandios ist selbstverständlich auch die Entwicklung von Drew McIntyre und insbesondere Kevin Owens. Beide Charaktere dürfen endlich wieder glaubwürdig und authentisch sein. Gerade bei Owens ist das grandios, weil das die perfekte Rolle ist. Man bringt ihn wieder als aussichtsreichen Main Eventer in Stellung. Das sich anschließende Match ist sehr stark, schadet durch das logische Finish niemandem und lässt die Tür offen, dass man daran irgendwann noch anknüpfen kann.


    Auch der Rest der Show wirkt so wunderbar logisch aufgebaut und umgesetzt. Man greift kleine und größere Fehde auf, setzt sie fort und lässt keinen dabei lächerlich wirken. Die Erzählweise ist ernst, glaubwürdig und authentisch. Rollins gegen Riddle führt man ebenso sinnvoll fort wie die kleineren Geschichten und Austin Theory und Dolph Ziggler, die Ciampa/Miz Story oder Bayleys-Stable. Selbst Nebenfiguren wie Mustafa Ali und Cedric Alexander bekommen kurz Redezeit um ihr Random Tag Team zu erklären – das sind Kleinigkeiten, durch die jedoch das anschließende Match nicht ganz lieblos wirkt und die den Figuren zumindest ein wenig Kontur gibt. Schön auch, dass Ali und Alexander dann anschließend nicht binnen zwei Minuten gesquasht werden, sondern auch ein wenig Raum bekommen. Daran kann man anknüpfen und sie vielleicht in der dünnen Tag Team Szene berücksichtigen.


    Insgesamt fällt das Fazit somit sehr positiv aus. Die Shows machen Spaß, weil sie frisch wirken, einen roten Faden haben und die Qualität plötzlich sehr hoch ist. Die neue Führung um Triple H geht sehr sorgsam mit den Talenten um und gibt allen die Möglichkeit, sich gut und authentisch zu präsentieren. Zudem hat man das Gefühl, dass wirklich etwas passiert, nachdem man in den Monaten zuvor meist Woche für Woche keine Entwicklung bzw. immer die selben Matches sah.

    Ja, gefühlt entwickelt man sich seit ein paar Wochen in die richtige Richtung. Die Handschrift von Triple H erkennt man bereits in so vielen Kleinigkeiten, die in der Gesamtsumme das Erlebnis für den Zuschauer aber viel angenehmer machen. Entscheidend wird freilich die langfristige Entwicklung sein, die sich ja erst sehr dezent am Horizont abzeichnet. Aber auch hier gibt es nach dem Summer Slam Grund zur Hoffnung.


    Für sich genommen wusste die Show zu überzeugen, da sie sehr unterhaltsam und kurzweilig war. Positiv war auch, dass man im Vergleich zu anderen Big 4 PPVs der Vergangenheit wieder eine deutlich angenehmere Laufzeit hatte. Diese Endlos-Shows habe ich irgendwann als einen der Hauptgründe ausgemacht, warum ältere Shows deutlich vergnüglicher sind – und ich bleibe dabei, dass man davon wegkommen muss. Daneben wirkte selbstverständlich auch die Atmosphäre dem Summer Slam angemessen. Das Drumherum stimmte also.


    Wie bereits im Vorfeld kritisiert, wirkte die Matchcard insgesamt etwas unrund – vom Gefühl her fehlten einige Protagonisten und Titel, während mit Paul Logan und Pat McAfee gleich zwei Leute auf der Card waren, die nur bedingt auf eine Big 4 Card gehören. Das soll nicht deren Leistung schmälern, die mehr oder weniger überraschend gut war. Paul Logan ist offensichtlich ein Naturtalent, sodass sein Match gegen The Miz exzellent wirkte. Seine Aktionen waren sauber, es gab einen guten Matchfluss und Miz gab sich alle Mühe, den Neuerwerb ins beste Licht zu rücken. Dennoch: so ein Kampf wirkt deplatziert, wenn gleichzeitig Sheamus und Drew McIntyre nach Smackdown ausgelagert werden und Ciampa und Styles nur einen Run In bekommen. Unter neuer Führung darf man nun zumindest darauf hoffen, dass sich der Fokus der Fehde vielleicht auf die Letztgenannten verlagert. Gleiches gilt für Pat McAfee. Ja, er ist over und Baron Corbin hat als loyaler Company Guy so einen Spot eigentlich verdient. Andere Kämpfe hätten die Card aber deutlich runder gemacht und hätten auch einen größeren Nutzen für die Gesamtentwicklung. Gunther gegen Nakamura wäre beispielsweise ein kleines Dreammatch (unter WWE Banner, außerhalb der WWE sicherlich ein ganz großes Dreammatch) und hätte den jungen Push des IC-Champions untermauert.


    Mein Zwischenfazit lautet also, dass ein „großes“ Match in der Mitte der Card die Veranstaltung noch einmal abgerundet hätte. Ob Intercontinental Titel oder #1 Contenders Match oder doch Riddle gegen Rollins (da, das Segment war okay, aber auch keine Entschädigung für ein fehlendes Match), das hätte der Show gutgetan. Aber sei’s drum, es war dennoch in Ordnung. Und vermutlich ist es auch okay, dass die neue Führung keinen harten Cut vollzogen hat und diese bestätigten Matches noch wie geplant durchgezogen hat. Mittelfristig darf man sich wohl rundere Cards erhoffen.


    Alles rund um das Match zwischen Becky Lynch und Bianca Belair wirkte schon ganz klar wie ein Richtungswechsel unter Triple H. Als Opener war der Kampf hervorragend, beide Damen liefern im Ring wieder einmal ab. Dass man sich an dem Match etwas satt gesehen hat und die Rollen beide Frauen auch nicht glücklich geschrieben waren, muss man bei der Bewertung der Qualität einfach ignorieren. Und alles nach dem Kampf wirkte wie die längst überfällige Kurskorrektur: Becky Lynch turnt Face, Bayley kehrt zurück und die Womens Division erhält auf einen Schlag eine qualitative Aufwertung sowie mehr Spotlight. Es keimt Hoffnung auf, dass man sich der Womens Division annähert, die Triple H damals bei NXT aufgebaut hat. Mit Dakota Kai und Io Shirai bekommt die dünne Division endlich mehr Qualität, zudem auch Seriosität. Wenn man sich jetzt noch dazu durchringen könnte, die Titel zu unifizieren und EINE Division zu etablieren, könnte das sehr stark werden. Wenn man es mit den Damen ernst meint, könnte man sogar über die Wiedereinführung der Tag Team Gürtel nachdenken (vielleicht kehrt eine Sasha Banks unter Triple H, ähnlich wie Dakota Kai, auch wieder zurück).


    Den dominanten Sieg von Lashley sehe ich indes etwas zwiespältig: Er ist in seiner Rolle weiterhin überzeugend und man muss ihm eigentlich jeden Erfolg auf großer Bühne gönnen, weil er sich seit seiner Rückkehr toll entwickelt hat. Der perfekte Uppercarder, der ohne Probleme als glaubhafter Contender platziert werden könnte. Austin Theory ist derweil „Opfer“ des typischen Money in the Bank Bookings, was schon seit Jahren jeglichen Reiz verloren hat. Der Koffer hatte seine Berechtigung, ist mittlerweile aber nur noch ein nerviges Element in den Shows – weil alle Szenarien schon tausendmal gezeigt wurden und am Ende niemand wirklich davon profitiert. Ja, Theory macht das smart, aber letztlich kann und will ich ihn mir nicht in der Rolle des Champions vorstellen. Dafür ist er noch nicht weit genug, zudem hat so ein junger Mann auch noch haufenweise Zeit. Statt dieses dämliche Koffer-Booking durchzuziehen (und sich am Ende wundert, dass seine Regentschaft verpufft), sollte man die Mühen lieber in einen konsequenten Aufbau investieren. Wenn es pro Jahr immer einen Überraschungs-Underdog-Champion gibt, hat sich das Gimmick totgelaufen. Warum nicht einfach Theory – wenn man in ihm Championship-Material sieht – zu einem Weniger-überraschenden-dafür-stark-aufgebauten-Heel-Champion machen? Das Roster ist doch voll mit Veteranen und Stars, an denen sich Theory abarbeiten kann, um dann seinen großen Moment zu bekommen – und nicht so einen billigen Moment.


    Insgeheim hatte ich ja immer gehofft, dass Theory den Cash In versaut, weil Edge als Rated R Superstar seine Finger im Spiel hat und dann ganz smart darauf verweist, dass das sein Move sei – lange gute Fehde, Theory darf gegen Edge gut aussehen und erreicht die nächste Stufe. Das wäre meines Erachtens nach deutlich effektiveres Booking und würde Theory mehr bringen als ein Titelgewinn durch den Einsatz des Koffers.


    Die Edge-Geschichte kann aber auch nur der feuchte Traum aus dem Fantasy Booking-Automaten sein. Jedem war nämlich klar, dass Edge gegen Judgment Day zurückkehren und diese nicht ganz so spektakuläre Story fortführen würde. Zunächst zum Match: Der Kampf war in Ordnung, Judgment Day gegen Mysterios reißt leider niemanden vom Hocker. Das liegt an der Bedeutung der Protagonisten, die gegen null tendiert. Der Mysterio-Sprössling lässt weiterhin jede Charakterentwicklung vermissen und bleibt damit die personifizierte Langeweile. Auf der anderen Seite sind Finn Balor und Damien Priest leider maximal unspektakulär. Sie wirken viel zu wenig bedrohlich um ihrem Stable eine große Bedeutung zu geben, zudem verlieren sie regelmäßig. Edge als Gegenspieler ist ganz nett, allerdings agieren sie eigentlich nicht auf Augenhöhe. Mal schauen, ob man nun noch die Kurve kriegt – im Prinzip hatte man dies aber schon mit dem Turn gegen Edge an die Wand gefahren. Das solide Match geht daher etwas unter.


    Das andere Tag Team Match erfüllt seinen Zweck. Usos und Street Profits stehen für Qualität, wenngleich ihr letztes Match noch ein klein wenig besser war. Den Guest Referee hat es eigentlich nicht gebraucht – diese Stipulation ist letztlich auch nur in wenigen Fällen wirklich spannend, wenn es eine Verbindung zu den Protagonisten gibt. Gab es hier nicht, wirkte also ein wenig random. Der Sieg der Usos geht in Ordnung, um die Dominanz der Bloodline zu festigen. Nun braucht es aber unbedingt frische Gegner und auch die Street Profits brauchen ein neues Programm. Einen Split fände ich schade, da man ein hervorragendes Tag Team gegen einen ungewissen Singles Run eintauschen würde. Schön wäre es, wenn man die Division wieder ein wenig beleben und abseits der Champions Fehden und Stories entwickeln würde.


    Das zweite Damen Titelmatch war okay, hatte eine nachvollziehbare Matchstory und war letztlich vor allem dafür da, Ronda Rousey in die gewünschte Position zu bringen. In neuer Rolle sollte sie etwas besser funktionieren. Liv Morgan hingegen bleibt der ultimative Underdog, was für einen Champion immer eine sehr schwierige Rolle ist – bookingtechnisch ist es eine Gratwanderung hinsichtlich der Glaubwürdigkeit und Akzeptanz. Früher oder später muss sich ihre Rolle aber weiterentwickeln. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es ihr aber vorerst zu gönnen, dass sie ein wenig Aufmerksamkeit bekommt.
    Die Gestaltung des Main Events war dann spektakulär. Nachdem man das Match schon oft genug gesehen hat, war das die richtige Entscheidung. Ebenso war es wichtig, dass der Titel mal wieder in einem längeren und intensiven PPV Main Event verteidigt wird. Beide Protagonisten hatten ihre Momente, die Zuschauer sichtlich ihren Spaß und am Ende steht hoffentlich der Abschluss der Reigns gegen Lesnar-Ära. Der misslungenen Cash In war natürlich wichtig, da die Regentschaft von Roman Reigns nicht so billig enden darf.
    Die Titelverteidigung kommt freilich wenig überraschend und ist nur folgerichtig, weil McIntyre gegen Reigns nun für den kommenden Event die größtmögliche Aufmerksamkeit garantiert. Mit der zu erwartenden Kulisse und der echten Spannung wirkt das Match auch schon jetzt groß, man kann daraus sicherlich einiges machen.


    Bleiben wir aber beim Summer Slam und beim Fazit: Gut und kurzweilig, der Opener und der Main Event waren jeweils auf ihre Art hervorragende Matches. Alles dazwischen war solide bis gut, dennoch wirkte die Card wegen des Fehlens eines weiteren Main Event-Kalibers (Riddle vs. Rollins, Sheamus vs. McIntyre) oder Showstealers (Gunther vs. Nakamura) bisweilen noch ein wenig unrund. Das soll den Gesamteindruck aber nicht sonderlich schmälern, zumal das Booking in die richtige Richtung geht und man einige interessante Entwicklungen angestoßen hat, die man in jüngerer Vergangenheit aufgrund des konservativen Booking Stils so nicht erwartet hat. Sowohl die Wochenshows im Vorfeld als auch der Summer Slam machen Hoffnung, dass es mittelfristig wieder besser wird. Triple H hat offensichtlich ein besseres Gespür für das Business und konnte schon im Kleinen Dinge anstoßen. Nachdem der Summer Slam also ganz gut war, darf man für die kommenden Events, die in Gänze durch die neue Führung aufgebaut und umgesetzt werden, positiv gestimmt sein.

    Ganz ehrlich, das finde ich zu billig. Reigns kämpft ein wenig unfair, aber man war weit entfernt von einem Screwjob-Finish. Wenn man den Maßstab schon so niedrig ansetzt, hätte die letzten Jahrzehnte das halbe Roster gerechtfertigte Ansprüche auf ein Titelmatch/Rematch. Auf so eine billige Art und Weise kann man eine kleine Fehde mal ein wenig in die Länge ziehen, als Storyline-Fundament für die Weiterführung einer Endlos-Fehde ist das aber deutlich zu wenig. Vor allem hätte man gleich daran anknüpfen können/müssen. Auf die Art und Weise wie man das jetzt präsentiert, verpufft das einfach. Natürlich ist Brock Lesnar aufgrund seines Standings und seiner natürlichen Ausstrahlung immer ein Contender, egal wie oft er davor verloren hat. Aber mir als Zuschauer ist das als Mainevent der zweitwichtigsten Veranstaltung des Jahres einfach zu wenig. Zumal man das Prinzip: Lesnar kommt aus dem Nichts und fordert überraschend ein Titelmatch auch schon überstrapaziert hat. Das kann man mal machen, dann wirkt das auch großaertig und toll ... wenn quasi der Tribal Chief keine würdigen Herausfrorderer mehr hat und dann ein Lesnar überraschend zurückkehrt. Ja, das kann man so machen - und dann die Geschichte mit Heyman drumherum, auch vollkommen in Ordnung. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt war diese Geschichte ja auch perfekt erzählt. Nun ist es aber zu Ende erzählt und das Finish bei Wrestlemania bietet keine Grundlage, diese Fehde fortzusetzen.


    Klar, das Match war aus der Not heraus geboren, weil man ursprünglich mit Reigns gegen Orton plante - was in vielerlei Hinsicht ein großartiger Main Event gewesen wäre, zumal sich der Kampf aus der Tag Team Fehde generisch entwickelt hatte und in den Riddle-Push hätte münden können. Das wäre ein lehrbuchhaftes Booking gewesen. Aber selbst wenn man improvosiert und den ursprünglichen Plan über den Haufen werfen muss, sollte man das zumindest so mahen, dass es für die Zuschauer nicht wie ein Notfallplan wirkt. Entweder hätte man Brock Lesnar dann anders in die Geschichte zurückschreiben müssen - oder man hätte einen anderen Herausforderer gewählt, mit dem man eine interessante Story hätte erzählen können.


    Und nicht falsch verstehen: auf dem Papier ist es ja ein Match mit Big Time-Feeling. Die Stipulation lässt zudem Spielraum für ein längeres und interessanteres Match. Aber Wrestling findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern lebt von Emotionen. Und die rufen solche lieblos angesetzten Matches eben nicht hervor. Das ist ja das Problem bei den Events der jüngsten Vergangenheit. Im Ergebnis waren die Veranstaltungen ja immer ganz gut, manchmal sogar überraschend gut. Und ähnliches darf man sich auch vom Summer Slam erhoffen, wo mit den o.g. Riddle gegen Rollins oder Sheamus gegen McIntyre noch gutes Matches hinzukommen werden. Und auch der Rest wird mindestens auf solidem Niveau abliefern. Aber das ist leider vergleichsweise zu wenig, weil es - wie gesagt - von Emotionen lebt.

    Dazu kommt noch, wie in meinem letzten Post erwähnt, dass angesichts der Qualität des Rosters ein paar gute Matches sowie eine solide Midcard eigentlich zu wenig sind - zumindest wenn man das Potenzial betrachtet, dass immer noch vorhanden ist. Nakamura, Gunther, Styles, Balor, Zayn, Owens etc. (und dann sind Leute noch gar nicht genannt, die in den Shows überhaupt keine Rolle spielen) sind großartig und bräuchten mehr Raum um sich zu präsentieren. Klar, die können in der Undercard solide 7-10 Minuten Matches liefern und tun damit niemandem weh ... aber sie könnten so viel mehr. Und das ist schade.

    So ein richtiges Summer Slam Feeling will noch nicht aufkommen, was natürlich an einigen der hier bereits kritisierten Dinge liegt. Ich versuche die gesamte Kritik mal ein wenig zu strukturieren, um damit meine bisherige Meinung zu unterstreichen bzw. zu verdeutlich, womit ich augenblicklich als Fan meine Probleme habe.


    (1) Da wäre zum einen das offensichtlichste Probleme an der bisherigen Matchcard: Einige der Matchpaarungen sind nicht wirklich frisch, mit Theory vs. Lashley und Usos vs. Street Profits hat man sogar Matches, die es bereits in dieser Form vor wenigen Wochen gab (bzw. das Tag Team Match gefühlt schon hundertmal in den letzten Monaten). Ich bin schon so kein Freund unmittelbarer Rematches beim nächsten Event, kann das aber zumindest im Rahmen einer guten Geschichte akzeptieren. Dann muss die Fehde aber auch so aufgebaut sein, eine „Matchserie“ Sinne ergeben und als Zuschauer muss ich dadurch so abgeholt werden, dass ich mir das nächste Match dringlich wünsche. Ist bei diesen Paarungen aber nicht der Fall. Dazu kommt: gerade bei einem der Big 4 sollte man das vermeiden, da hier die Erwartungen noch ein wenig größer sind.


    Brock Lesnar gegen Roman Reigns pervertiert diese Problematik nochmals. Klar, weil man es verpasst hat, auch nur ansatzweise irgendjemanden in Stellung zu bringen, bleibt es die größtmögliche Paarung. Dennoch ist die Geschichte eigentlich zu Ende erzählt, Brock Lesnar hat eigentlich keiner Grund und noch weniger eine Legitimation den Champion noch einmal herauszufordern – und durch die allenfalls partielle Anwesenheit beider Akteure ist ein spannungsgeladener Aufbau kaum möglich. Was waren das großartige Zeiten, als der Champion noch dauerhaft anwesend und der Mittelpunkt der Shows war – und als es noch Contender gab, sodass man das Gefühl eines aufregenden Titelrennens hatte. Der dominante Championship Run von Roman Reigns ist dabei nicht das Problem, sondern der Mangel an Herausforderern – dass auch niemand mehr wirklich den Anspruch erhebt, den Champion zu entthronen. Mit Riddle hatte man das eigentlich ganz solide gemacht, das sollte man nun weiterverfolgen und ihn in die Situation bringen, dass er Reigns bei einem großen Event noch einmal herausfordern darf.


    Dass man angesichts des Superstar-Mangels nach dem Ausfall von Randy Orton auf die Schnelle keinen Herausforderer für Reigns hatte ist nachvollziehbar, dass die Dichte in der Tag Team Division überschaubar ist und man daher mit der ansehnlichen Paarung Usos gegen Street Profits einen No Brainer auswählt ebenso. Das kann man aber nur bedingt als Entschuldigung für diese unkreative Card-Zusammenstellung gelten lassen, da man sich ja selbst in die Situation gebracht hat. Das Talentlevel ist hoch genug, sodass man einigen Leuten einfach nur die Chance geben müsste. Und auch die Tag Team Szene könnte deutlich lebendiger sein, wenn man abseits der Titelmatches auch mal Teams solide präsentieren würde. Man hätte die „Bausteine“ für ein gut strukturiertes Roster, man nutzt es aber nicht ansatzweise. Der Fokus wird auf ein paar Persönchen gerichtet, während alles drum herum nur belanglos ist – und am Ende wundert man sich, wenn niemand zu den Stars aufschließen kann.




    (2) Das ist das Resultat eines weiteren Kritikpunktes: Man gibt den wirklich wichtigen Akteuren gar nicht den Raum sich zu entwickeln, weil die wichtigen Spots mit fragwürdigen Personen besetzt sind. Pat McAfee gegen Happy Corbin kann man als Ergänzung zu einer wirklich guten Matchcard bringen, oder Logan Paul als Publicity Stunt usw. Davon hat man aber mittlerweile zu viel, während aufstrebende Talente keinen Platz auf den Cards finden. Man erinnere sich nur an Wrestlemania, als US- und IC-Champion nicht vertreten waren. Das ist keine nachhaltige Talententwicklung.


    Nun darf man sich nach den jüngsten Entwicklungen zumindest ein wenig Hoffnung machen, dass es GUNTHER vs. Nakamura auf die Card schaff. Allerdings gilt es auch hier zu befürchten, dass dieses Match beschnitten wird, weil das Drumherum bei anderen Matches zu viel Zeit frisst. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann man der Mid- und Uppercard zuletzt die Chance gegeben hat, bei einem großen Event einen echten Showstealer hinzulegen. Das war früher immer wieder der Fall, wenn Anfang der 2000er Jahre Angle, Jericho, Benoit etc. auf der Card standen, dann hatte man große Lust darauf. Ausreichend Talent wäre vorhanden, IC- und US-Gürtel könnten ähnlich qualitativ hochwertigen Matches und Fehden hervorbringen. Und man könnte die Leute für Größeres in Stellung bringen.


    Mal ganz davon abgesehen, dass man viele Leute auch einfach unter Wert verkauft. Gunther gegen Nakamura ist ja kein Undercard-Filler Match, sondern hier treffen einer der besten Catcher Europas und eine hochdekorierte japanische Legende aufeinander. Unter anderem Banner würde dieser Kampf zurecht als Dream Match firmieren. Ich werde nie verstehen, warum man es nicht auch bei WWE also solches verkauft?! Natürlich will man eigene Leute aufbauen, Stars kreieren, die Leute als eigene Marke etablieren … kann man ja alles machen, muss dafür aber doch nicht die Vergangenheit killen. Gerade davon könnten doch alle profitieren. Ein Nachwuchsstar wie Theory könnte über eine japanische Legende triumphieren und Gunther könnte auf seinen Status verweisen und schon weiter oben angreifen. Andere Companies zeigen doch derzeit, dass es geht.


    Was ich immer wieder sage: die Struktur des Rosters und dadurch die Struktur der Großveranstaltungen stimmt nicht mehr. Man hat keine etablierten Stars, die Übergänge von Contender zu Midcard-Jobber sind fließend. Man lässt vielen keinen Raum um sich zu entwickeln, sodass die Zuschauer keine Bindung aufbauen. Dass es geht, zeigen Leute wie Riddle. Hier hat man vieles richtig gemacht, ihn behutsam aufgebaut – und am Ende dieser Entwicklung ist er ein Star an der Schwelle zum Main Event. Leider ist zu befürchten, dass man ihn wieder fallen lässt bzw. seine Geschichte nicht konsequent bis zum Schluss erzählt.


    Dass Fehlen glaubhafter und etablierter Namen versucht man durch fragwürdige Publicity Stunts zu kompensieren. Sowas kann man mal auf die Matchcard setzen, das muss aber auch ein behutsam eingesetztes Stilmittel sein.




    (3) Zuletzt fällt dann eben mit Blick auf die Card nicht nur das auf, was da ist – sondern insbesondere, das was fehlt. Nun kann man zurecht darauf verweisen, dass noch ein wenig Zeit bis dahin ist und sich ein paar weitere Matches schon abzeichnen. Dennoch finde ich, dass das Grundgerüst eines solchen Big 4 Events schon viel früher stehen müsste. Es fehlen die großen Matches, bei denen man nur darauf wartet, dass sie auf die Card gesetzt werden. Riddle gegen Rollins wäre eine super Paarung, für einen Summer Slam Co-Main Event fehlt aber die Brisanz (zumal Riddle nun eigentlich einen Sieg bräuchte, Rollins aber nicht mehr verlieren darf). Andere Leute fehlen bisher gänzlich: Judgment Day ist tot, AJ Styles dümpelt in der Bedeutungslosigkeit. Am Horizont zeichnet sich Drew McIntyre gegen Sheamus ab. Kann man mal machen, ist aber wenig spannend – weil man weiß, dass es nur darauf hinausläuft McIntyre in Position zu bringen.




    Ich bleibe dabei: insgesamt ist dies für einen Summer Slam schlichtweg zu wenig. Wie man das idealerweise auch bei Wrestlemania machen sollte, müssten die Eckpunkte des Events schon viel früher stehen. Und die Zuschauer müssten auf die großen Matches hinfiebern. Auch wenn man die Kämpfe nicht früher fix macht, müsste für die wichtigen Rostermitglieder ein Weg vorgezeichnet sein. Das sehe ich aber nicht. Damit steht der Summer Slam (wie auch schon Wrestlemania) sinnbildlich für all das, was in der WWE derzeit schiefläuft. Unterm Strich hat man zunehmend das Gefühl, dass man sich auch nicht mehr primär als Wrestling Company begreift, sodass man das kleine 1x1 des Wrestling Bookings gar nicht mehr beachten möchte. Schade!

    Grundsätzlich ist Austin Theory die richtige Wahl für den Koffer, da man damit ein neues Gesicht in Stellung bringt (von dem man offensichtlich der Meinung ist, dass er der nächste Star sein kann). Zudem ist ein Heel für den Koffer letztlich immer die bessere Wahl, weil ein Cash In nunmal nicht zum Aufbau eines Top Babyface passt - Big E hat beispielsweise von dieser Art des Titelgewinns nicht profitiert. Es nimmt jemanden einfache die Chance, auf diesen Moment hinzuarbeiten. Daher war es auch die richtige Entscheidung, dass Riddle hier nicht gewonnen hat, obwohl die Zuschauer heiß auf seinen Sieg waren. Damit bringt man den Jungen doch perfekt in Stellung. Die Niederlage gegen Reigns, bei der er dennoch ganz gut ausgesehen hat. Nun noch einen Anlauf nehmen und auf großer Bühne gewinnen … das wäre ein Superstar Aufbau. Faces müssen scheitern, dann muss man die Leute immer heißer werden lassen und dann muss es den großen fairen Sieg geben - keinen billigen Abstauber. Bei Theory kann das in Edge Manier funktionieren, wobei er dabei nicht zu schwach aussehen darf.


    Kritikwürdig finde ich eher den Zeitpunkt. Eigentlich ist es noch zu früh, in der Midcard war er vorerst bestens aufgehoben. Leider ist das aber das typische Vorgehen bei WWE. Entweder schaffen es die Talente innerhalb eines Jahres an die Spitze oder man schafft es nie bzw. verschwindet in der ewigen Mid-/Undercard-Hölle. Das ist schade, da Zeit eine verdammt wichtige Komponente ist. Auch hier ist Riddle wieder ein gutes Beispiel, der gerade deswegen so over ist, weil er sich langsam aber ganz natürlich entwickeln durfte. Warum lässt man Theory und den anderen nicht auch die Zeit. Gebt den Jungen zunehmend wichtigere Fehden, lasst ihn vereinzelt Erfolge verbuchen, gebt ihm einen guten Midcard-Run - und dann kann man den Push zum Titel vollenden. Die großen Stars der vergangenen Jahre haben doch allesamt gemein, dass die einen generischen Aufbau über längere Zeit hatten (Ausnahme war vielleicht Lesnar) und nicht von null auf hundert an die Spitze geprügelt wurden.


    Zum Rest der Show äußere ich mich vielleicht noch zu einem späteren Zeitpunkt. Im Grunde genommen gibt es auch nicht viel zu sagen. Es war solide, das Tag Team Match sogar sehr gut - umso trauriger, dass man das Potenzial einer guten Tag Team Division seit Ewigkeiten ignoriert.

    Der Event kranke letztlich auch ein wenig daran, dass ohne einen präsenten Champion die Struktur fehlt. Der Titel muss im Mittelpunkt stehen, weil es bei aller Soap Opera der ultimative Preis bleiben muss. Leider ist das Gold weder direkt - also mit einem Match des Champs - noch indirekt präsent. Für den Summer Slam hat man bereits den Herausforderer und niemand will sich so richtig in Position bringen. Ja, der Koffer ist eine Option auf ein Titelmatch, aber eben niemand, der sich selbstbewusst als Herausfordere in Position bringt. Ohne Champion und jene, die es unmittelbar werden wollen, fehlt der WWE in der Präsentation eben derzeit war wichtiges, alles verliert ein wenig an Bedeutung. Schade, dass man dieser Darstellung nicht entgegenwirkt.


    Stattdessen verliert man sich mit Blick auf den Summer Slam in Publicity Stunts wie Logan Paul oder Pat McAffee. Das bringt mittelfristig aber niemanden etwas. Auf einer gut strukturierten Card wäre das verkraftende, wenn der Rest aber eher Beiwerk ist, dann läuft was falsch.

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