A N Z E I G E

Warum dürfen Faces nicht tappen?

  • Gerade erst heute Nacht, im Match Del Rio - Sheamus, habe ich mir mal wieder diese Frage gestellt.
    Sheamus ist eine gefühlte Ewigkeit im Cross-Armbreaker gefangen, aber wen wundert's?
    - Er gibt einfach nicht auf.
    In jedem Match, vorallem bei PPV's ist damit zu rechnen, dass der Face nicht tappen wird. Entweder er rettet sich in die Seile oder schafft es mit aller Kraft den Gegner hochzuheben und ihm einen Move zu verpassen.
    Es ist einfach keinen Meter spannend. Bei mir regt sich da nichts.
    Selbst bei Finishern gehe ich davon aus, dass der Face wieder auskickt. Allgemein kann ein Face nur unfair überwunden werden. Sie sind unfehlbar solange sie Faces sind.
    Sowas wie Charakterentwicklung scheint es in der WWE anscheinend einfach nicht zu geben. Anstatt, dass man Leute mal tappen lässt und nach einer längeren Fehde oder Matchserie eine Lösung für die Submission entwickeln lässt, geben Faces einfach nie auf. Würde der selbe Wrestler in der Woche darauf allerdings vom Face zum Heel turnen, könnte man damit rechnen, dass er es nicht mehr schaffen würde sich zu befreien.
    Diese Extremen Unterschiede machen die Wrestler heutzutage einfach völlig unglaubwürdig. Faces können alles <> Heels sind schwache Angsthasen.


    Wie ich oben schon geschrieben habe, würde meiner Meinung nach ein Face der anfangs aufgibt, aber nach mehreren Wochen einen Konter für die Submission entwickelt mehr over kommen, als ein Face der eh nie aufgibt und mit dem man nicht mitfiebern muss.


    Könnt ihr euch als Zuschauer mit einem "normal Sterblichen" denn nicht auch mehr identifizieren als mit einem Unbesiegbaren?


    Oder sagt ihr "Ein Face der aufgibt ist völlig zerstört und wird von den Fans nicht mehr angenommen".
    Denkt ihr die Kinder z.b. würden den Face dann weniger cool finden oder ihn noch mehr anfeuern?
    Als Beispiel kann ich hier nur Randy Orton nennen, der als einziger Face seit gefühlten Jahren mal wieder aufgegeben hat. Heute erinnert sich whs. schon keiner mehr daran.


    Seid ihr trotzdem der Meinung, das was die WWE praktiziert ist richtig und unabdingbar so?


    Mich würde eure Meinung zu diesem Thema mal interessieren :)

  • A N Z E I G E
  • Hm, das ist nicht auf "Faces" eingeschränkt, sondern mehr auf die jeweilige Rolle.


    Sheamus und Cena sind Typen, die niemals aufgeben. Das ist ihr Gimmick, das verkörpern sie auch im Ring. Sie gehen keiner Schlacht aus dem Weg, flüchten nicht vor dem Gegner. Dann gehen sie lieber vor Schmerzen ohnmächtig (wie Sheamus gegen Bryan bei Extreme Rules). Dieses "Nicht aufgeben" ist ein Charakterzug. Wenn du ein anderes Beispiel möchtest, wären da ja Bruce Willis in seinen Die Hard-Filmen oder Rocky Balboa (der das auch intensiv thematisiert) passende Beispiele, die es auch zum Teil in der Realität gibt. Und wie schon einige Male gesagt: Wrestling hat sehr viel mit Filmkunst und Theater zu tun. Und da beim WWE-Wrestling etwa 4-6 Serien gleichzeitig laufen, sich ineinander vermischen gibts da halt auch Seriencharaktere, die man möglicherweise nicht so mag. Das ist quasi wie ein Dr. House, der plötzlich bei Greys Anatomy Diagnosen stellt. Würde nicht funktionieren (zumindest nicht lange).


    Das geht schon fast etwas am Thema vorbei, aber ich vermute, das das auch ein Problem von vielen mit Sheamus und Cena ist: Irgendwo beneidet man diese Leute (nicht alle, auch nicht unbedingt bewusst). Sie bleiben sich treu, verkraften selbst härteste Niederschläge und Demütigungen und gehen trotzdem weiter und nehmen nicht den easy-way-out und hören auf oder ändern ihre Art. Sie sind quasi moralische Idole, als solche möglicherweise unnahbar.
    Für die meisten Menschen, speziell solche, die sich halt gerne "von einfacheren Dingen" unterhalten lassen (ich beziehe mich da zu 100% mit ein), ist diese Einstellung schwer nachvollziehbar. Gewissermaßen verlieren diese Leute den Bezug zu dem entsprechenden Superstar, weil sie sich nicht darin sehen können. Dafür aber in Leuten wie Punk, Bryan oder Ziggler. Against-all-odds-Typen, die verlieren, die sich anstrengen, die sich aber auch mal verbiegen, weil sie nicht mit dem klarkommen, was auf sie einschlägt.


    Mal von mir persönlich gesprochen: Ich habe in meinen letzten 7-8 Jahren so dermaßen viel Scheisse erlebt (größtenteils unverschuldet, aber alles traf mich), das es da auch 2-3 mal Momente gab, wo ich mich fragte, warum ich den Mist noch weitermache. Aber ich mache weiter. Ich sehe mich da tatsächlich ein bisserl mit einem ähnlichen Charakterzug wie Cena. Ich verstehe ihn und seine Einstellung (finde ihn als Wrestler trotzdem eher solala). In Punk sehe ich mich weniger, gerade jetzt bei seinem Heelturn, weil ich diese Meckerei und Jammerei nicht mag. Ich seh ihn trotzdem gern, weil er eben eine Rolle spielt (und das gut und unterhaltsam macht).

  • Das mit der jeweiligen Rolle und den Prinzipien des Charakters mag schon stimmen, aber ich denke es ist ein Unterschied ob man seinen Prinzipien treu bleibt, oder Grenzen überwindet die man realistisch gesehen nicht überwinden kann.
    Und weil du meinst, dass vielleicht einige Leute neidisch sind auf Sheamus und Cena, halte ich das für etwas weit hergeholt denn wir wissen ja alle, dass beide das in echt eben nicht schaffen würden.


    Und zu den Serien: Serien wie Breaking Bad, Mad Men etc. die sehr erfolgreich sind, handeln von Charakteren die Schwächen haben, die Probleme haben, beruflich, familiär, mit sich selbst oder anderen Menschen. Genau diese Umstände oder Eigenschaften schaffen es, dass man sich mit ihnen identifiziert und denkt " das könnte ich auch" oder "das will ich auch mal machen/können/dürfen"


    Auch bei den Superhelden wie Superman (der ja oft in Verbindung mit Cena oder Sheamus gebracht wird) oder Batman ist festzustellen, dass der scheinbar unbesiegbare Superman nicht mehr so beliebt ist wie er es vielleicht mal war, sondern ein Batman, der fehlbar ist und seine Laster hat, oder ein Iron Man/Tony Stark, der trinkt, raucht, sich mit Frauen umgibt, Geld rausschleudert etc.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen solche Personen wirklich bewundern.
    Ich bewundere lieber jmd, der vielleicht aus einem schwächeren Umfeld kommt, trotzdem einen guten Job hat, Geld verdient, einen Sport erfolgreich ausübt und eine tolle Familie hat, als jmd der Sohn eines Doktorpaars ist, einen Porsche fährt, Medizin studiert und dazu noch Leistungssportler ist.Außerdem bei der Arche Suppe verteilt und in seiner Villa obdachlose einquartiert.
    Ich denke die wenigstens finden es bewundernswert wenn jemand zu gestriegelt und gebügelt ist.

  • Ich gehe da durchaus mit dir konform. Die meisten Menschen in einem gewissen Alter sehen lieber die Antihelden oder tragischen Helden, weil sie sich eher darin erkennen bzw. es nachempfinden können. Und du bringst ja mit Superman ein sehr gutes Beispiel für genau so einen Typen, der eben mindestens polarisiert. Superman hat zweifelsohne seine Fans, aber auch eine Menge Leute, die den nicht mehr sehen können oder wollen. Eben aus dem genannten Grund.


    Aber nimm mal eher jüngere Menschen her oder solche, die (viel) mehr Glück im Leben hatten oder tatsächlich einen unerschütterlichen Optimismus haben: Die finden eben Bezug zu den Cenas und Sheamusens der WWE. Gerade Kinder haben es noch nicht so mit Ängsten und Sorgen der Älteren. Die fahren auch mehr auf Superhelden ab und für die ist so ein Grauzonen-Typ wie Punk (oder teilweise halt auch Batman) dann nicht zwingend ihr Idol.


    Und die WWE will diese Idole, praktisch schon teilweise Vorbilder (Cena mehr, Sheamus weniger) eben auch bewahren. Deswegen tappt ein Cena halt nicht, weil das für einen jungen Fan ein halber Weltuntergang sein könnte. Und wenn der "Darsteller" Cena das nicht möchte, um bspw. seiner Karriere neuen/anderen Schwung zu verleihen oder um was anderes mal darzustellen, dann wird man auch nicht einen Heelturn ohne echte Not machen.


    Nachtrag: Nur zur Sicherheit: Das mit dem Neid war auch nicht als böser Vorwurf gemeint. Auch das war nur als eine Art Beispiel gedacht, warum manche Leute _vielleicht_ mit Cena nichts anfangen können.

  • Warum dürfen Faces nicht tappen?


    Mal ganz davon abgesehen das, das eine sehr pauschale Aussage ist da es immer auf verschiedene Aspekte ankommt ob ein Face tappen darf oder nicht, ist deine Frage am ehesten damit beantwortet es dient dem Spannungsaufbau. Fans sollen mit dem Face mitfiebern. Wenn die Faces tappen würden wären die Fans entäuscht und entäuschte Fans bringen kein Geld ein.


    so und um deine Pauschalisierung mal zu belegen: Ob ein face tappt oder nicht hängt von zahlreichen Faktoren ab. z.b. eigenes Gimick Gimick des Gegners Standin Matchart und und und. Gab schon genug Faces die getappt haben.

  • Sogar Bret Hart hat mal getappt, damals in Montreal... oh wait. :D


    Jepp. Es gibt Faces/Gimmicks, die werden vermutlich nie tappen. Bzw. möglicherweise spart man sich sowas auf, damit es dann mehr Bedeutung hat. Sheamus ist da ein gutes Beispiel. Beim MAtch gegen Daniel Bryan, wo dieser ihn bewusst verletzt hat (kayfabe), damit er im Yeslock tappt wurde das schön angeteasert. Sheamus ging aber "lieber" bewusstlos, als aufzugeben. Auch beim Match jetzt gegen Del Rio war das gut gemacht: Sheamus hat sehr deutlich angezeigt, wie kurz er vorm Tappen stand.


    Das ist gut, weil es den jeweiligen Gegner sehr aufwertet, wenn es so dermaßen eng dargestellt wird. Und wenn es dann mal wirklich passieren sollte, ist das ne ziemliche Sensation.

  • Faces tappen auch bzw. tappen es sogar "ehemalige Super Helden" wie Hulk Hogan und Sting, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben z. B. brachte Kurt Angle Hulk Hogan beim KoR 2002 zu tappen.

    "Wrestling ist ähnlich wie Politik oder Religion! Jeder hat seine Meinung, und jeder glaubt, dass er Recht hat." (Shawn Michaels)
    "Wer das Schlechte sucht, wird das Schlechte finden. Wer das Schöne sucht, wird das Schöne finden." (chinesisches Sprichwort)
    "Viele Leute sagen immer vieles, doch das darf man nicht zu ernst nehmen. Ich bin einer, der schaut immer geradeaus." (Niko Kovac)

  • 2002 zum KotR hatte Hogan nicht mehr dieses Standing in der WWE und war "nur" einer der Stars und nicht mehr DER Star. Obwohl ich es zu der damaligen Zeit abgefeiert habe, dass Hogan aufgegeben hat gegen einen aufstrebenden Star.

    "What can I say ... Mamba out."


    Kobe Bean Bryant [23.08.1978 - 26.01.2020] <3 Unvergessen

  • Zitat

    Original geschrieben von Lortleby:
    2002 zum KotR hatte Hogan nicht mehr dieses Standing in der WWE und war "nur" einer der Stars und nicht mehr DER Star. Obwohl ich es zu der damaligen Zeit abgefeiert habe, dass Hogan aufgegeben hat gegen einen aufstrebenden Star.


    Kurt Angle aufstrebender Star im Jahre 2002???

  • Ich muss ja mal sagen dass ich den Thread echt klasse finde und genau deshalb gerne hier bin.
    Als "alter" Wrestling Hase bin ich auf den Sachverhalt irgendwie noch gar nicht bewusst bekommen. Stimme der "Problematik" das Faces in Großen Kämpfen nicht tappen zu.


    Auch finde ich dass das Austappen auch zu einem Face wie Cena sehr gut passen würde.

  • Zitat

    Original geschrieben von Rick Grimes:
    Kurt Angle aufstrebender Star im Jahre 2002???


    Ja. Obwohl er schon den Titel gewonnen hat, wurde er erst im Jahr 2002 richtig etabliert im Main Event. Deswegen mein „aufstrebender Star“

    "What can I say ... Mamba out."


    Kobe Bean Bryant [23.08.1978 - 26.01.2020] <3 Unvergessen

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