A N Z E I G E

Das Thema Benoit und die Zeit nach der Tragödie

  • Zitat

    Original geschrieben von Hulkamaniac:
    Sich selbst den Nacken zu brechen, ist aber auch schlimm. Man stelle sich vor, er hätte das überlebt. Da wäre man doch für immer ein Pflegefall


    Vielleicht wäre dies aber auch besser gewesen. Er hat seine Frau und seinen Sohn umgebracht und sich dann einfach selber aus dem Leben "verabschiedet". Ansonsten hätte er vielleicht eine "gerechte" Strafe bekommen. Ich fand ihn damals als Wrestler toll aber nach seiner Tat kann ich nichts mehr Gutes über den Menschen Benoit sagen.

  • A N Z E I G E
  • Zitat

    Original geschrieben von The Gentleman:
    Ich habe erst letztens zur Todestag der Benoit-Familie wieder alte Archive und Seiten aufgerufen.


    Hier ist mir erneut diese Verschwörungstheorie mit Kevin Sullivan ins Auge gestochen. Vor allem die SMS an Chavo mit seiner Anschrift & dass die Seitentür offen sei, verwirrt mich bis heute noch. Chavo wusste letztendlich wo Chris wohnt.


    Chris Benoit schrieb einem guten Freund, wie er bzw die Polizei am leichtesten in sein Haus gelangen, weil Benoit selber da nicht mehr am Leben sein würde. Was ist daran so abwegig?

  • Ich kann mir bis heute keine Matches von ihm ansehen und verspüre auch keinen Drang! Es gibt sicherlich Wrestler, wo man sagen kann; dass man sie aus den und den Gründen nicht leiden kann, weil man gewisse Dinge über die erfahren hat,sich aber trotzdem Material von ihnen ansehen kann ! Bei Benoit sieht es aber so aus;dass er; seine Frau und das eigene Kind brutal ermordet hat,was auch immer dazu geführt haben mag;dass er zu so etwas in der Lage war! Ich glaube ja,Dass er zum Teil in einer Psychose gegangen war,aber zum Teil war er ja anscheinend auch dazu in der Lage alles zu planen! Aus dem Grund glaube ich; Dass auch viel Boshaftigleit und Kälte mit im Spiel war.


    Ich persönlich kann da nicht mehr zwischen tollem Wrestler und der Person differenzieren,zu der er sich privat entwickelt hat,auch nach 10 Jahren nicht.

  • Wenn ich altes Wrestlingzeug gucke, was immer seltener wird, schaue ich mir auch Chris Benoits Matches, Promos und etc. an. Habe jedoch auch keinen Drang on Demand seine Matches rauszusuchen und anzuschauen. Obwohl ich Benoits Sachen nicht skippe, ist es ein sehr unangenehmes Gefühl, wenn er irgendwo auftauch (z.B. Loose Cannon Brian Pillman Doku).

  • Zitat

    Original geschrieben von Death Clutch:
    Obwohl ich Benoits Sachen nicht skippe, ist es ein sehr unangenehmes Gefühl, wenn er irgendwo auftauch


    So extrem ist es bei mir zum Glück nicht aber ähnlich. Wenn ich dann noch so die ein oder andere Aktion von ihm sehe die er genommen hat bzw. wo er einfach das Pech hatte, dass die gebotched wurde, schwingt da auch so ein Gefühl von "Solche Sachen haben ihn zu dem gemacht was er wurde" mit. Mir fällt da z. B. der Schlag mit der Tür gegen seinen Kopf beim Great American Bash 1996? ein wo er diesen Street Fight mit Kevin Sullivan hatte und danach eine Hälfte vom Kopf komplett blau war.


    Was mich ein wenig stört ist, dass es (gefühlt) nur bei Chris Benoit so einen Aufstand gibt. Andere Wrestler mit ähnlichen Straftaten, die dann vielleicht sogar noch leben und aktiv sind, werden so gut wie nie genannt.


    Aber um nicht nur über sein tragisches Ende zu schreiben, möchte ich daran erinnern, dass er ein absolut großartiger Wrestler war. Ihm fehlte zwar ein bisschen Ausstrahlung und Micwork aber was er im Ring geleistet und erreicht hat, hat er sich verdient!

  • Mehr als Theorien lassen sich eh nicht aufstellen, allerdings muss man mMn trotz allem vorsichtig mit gewissen Urteilen sein. Wenn man sich mal wirklich Zeit nimmt und alle Berichte liest, auch die von Sandra Toffoloni, der Schwester von Nancy Benoit, dann sehe ich die Geschehnisse mit persönlicher Erfahrung einfach aus anderen Augen. Ich selbst habe einen Vater mit Alzheimer Erkrankung, diagnostiziert vor gut 4 Jahren. Vieles von dem, was Sandra Toffoloni erzählt, erkenne ich bei meinem Vater wieder. Bereits Jahre zuvor, bevor eine solche Krankheit in einem untypischen Alter festgestellt wird, lassen sich im Familienkreis unerklärbare Verhaltensänderungen erkennen, die man aber niemals einer solchen Krankheit zuordnen würde, nicht bei den Symptomen und erst recht nicht in diesem Alter.


    Ich zitiere Frau Toffoloni: „Was wirklich spürbar wurde, war sein sich ständig steigerndes Gefühl von Paranoia und Unsicherheit für die Familie. Wenn wir ins Fitnessstudio gegangen sind oder so, wollte er ständig verschiedene Wege dorthin gehen. Der Hinweg am Morgen war immer ein anderer als der abends zurück. Sein Verhalten war vorher komplett anders. Es fand eine große Veränderung seiner Persönlichkeit statt. Aber es war keine verrückte Änderung, die alle anderen bemerken würden, sondern eine, die nur Menschen in seinem direkten Umfeld mitbekommen haben."


    Genau diese Erfahrung mit der schleichenden Persönlichkeitsänderung (u. a. Wutanfälle, paranoide Sorge...) machen wir in der Familie auch. Ihr Argument, „Niemand hat gesagt, er hätte Alzheimer. Der Kerl konnte innerhalb von acht Minuten aus einem Flughafen finden - aus jedem Flughafen", teile ich nicht mit der Annahme, er wäre deswegen nicht an Alzheimer oder einer Alzheimer ähnlichen Krankheit erkrankt. Mein Vater würde auch noch relativ problemlos von Nürnberg nach München kommen und zurück finden bzw. hätte das noch vor ein, zwei Jahren machen können, obwohl sich die Krankheit schon seit etwa 10 Jahren schleichend entwickelt hat, aber wenn es dann darum geht, sich anzuziehen oder ein Brötchen aufzuschneiden, dann scheitert er daran. Was ich sagen will, eine Gehirnerkrankung drückt sich nie nach dem selben Schema aus, sondern jeder Fall ist anders. Für jede Funktion ist ein anderer Teil des Gehirns verantwortlich und selbst heute lassen sich diese Funktionen medizinisch nur oberflächlich zuordnen. Heißt, ein Großteil kann noch perfekt funktionieren (Koordination, Konzentration, gewisse Fähigkeiten die bspw. Benoit zum Ausüben seiner Tätigkeit brauchte, etc.), aber ein anderer Teil des Gehirns ist komplett zerstört bzw. wurde über einen langen Zeitraum immer schlechter. Im Fall Chris Benoit lässt sich ja nicht abstreiten, dass er zum Schluss das Gehirn eines 85-jährigen alten Mannes hatte, der an Alzheimer leidet, denn genau das ergab die Obduktion.


    War das nun der Grund der gewaltvollen Taten von Benoit? Wie anfangs geschrieben, es ist nicht mehr als eine Theorie, die ich aber zumindest für halbwegs plausibel halte und dementsprechend eine nicht kleine Wahrscheinlichkeit zurechne, aber als Fakt kann man das natürlich nicht bezeichnen. Ist Benoit dann möglicherweise selbst Opfer seiner Krankheit und unschuldig an seiner grauenvollen Tat? Sicher nicht, denn selbst wenn diese Theorie stimmen sollte, dann lässt sich nicht abstreiten, dass er kein gesundes Leben (Drogenmissbrauch, Kopfschläge,...) geführt hat und er gewisse Folgen, wenn auch unwissentlich, in Kauf genommen hat.


    Und um eines klar zu sagen: Natürlich kann ich den Fall Chris Benoit nicht mit der Krankheit meines Vaters gleichstellen und natürlich könnte ich niemals meinen Vater eine solche Tat zutrauen, aber gewisse Parallelen lassen sich einfach in Abetracht der Symptome ziehen. Schlussendlich kann niemand verstehen, wie soetwas passieren kann und wie ein Mann, der selbst heute noch von seiner Schwägerin als „freundlicher und rücksichtsvoller Mensch, der sehr ruhig und konzentriert war, der seine Familie liebte und immer für sie da war" bezeichnet wird, zu einer solchen Tat fähig sein kann. Genau das ist es auch, was mich vorsichtig sein lässt und wo es für mich zu einfach ist, von Bösartigkeit und sonstiges zu sprechen. Es ist eine menschliche Tragödie, die sich nie aufklären lassen wird und ich dementsprechend auch kein Urteil fällen kann.

  • Natürlich ist keine psychische Erkrankung wie die andere und bei jedem kommen die Symptome auch unterschiedlich zum Vorschein; allerdings kann man aufgrund der zeitlichen Komponente zwischen dem 1. Mord und seinem Suizid trotzdem Zweifel äußern, ob alles nur aufgrund von psychischen Ausfällen geschehen ist! Nach dem Mord an seiner Frau und dem Sohn hat er ja noch mit der WWE telefoniert und zwischen dem Mord an seiner Frau und dem Kind lag ja wohl auch mindestens eine Nacht! Das würde ja bedeuten,dass er im Zuge von Alzheimer seine Frau ermordet hat,dann wieder klar im Kopf war,am nächsten Morgen wieder verwirrt und in diesem Zustand seinen Sohn umgebracht hat,dann wieder klar,um mit der WWE über den Flug zum PVP zu sprechen, Chavo Guerrero eine Nachricht geschrieben hat, seine Henkersbank gebaut hat,um sich dann im Zuge einer Verwirrtheit das Leben zu nehmen! Mir persönlich liegt einfach zu viel Zeit zwischen dem 1. Zwischenfall und seiner eigenen Hinrichtung, um alles "nur" mit Verwirrtheit zu erklären! Der Mann war ganz gewiss krank und kaputt im Kopf, fragt sich nur in welcher Hinsicht.
    Ich kann mir eher vorstellen, dass er seine Frau im Wahn getötet hat,dann wieder realisiert hat,was da geschehen ist und der Rest aus Verzweiflung geschah. Allerdings sagt Woman 'd Schwester ja, dass er auf seinem Computer schon nach Möglichkeiten gesucht hat,wie man sich das Genick brechen kann. Also liegt es ja schon nahe, dass er zumindest was seine Person angeht,schon länger etwas im Hinterkopf hatte..vielleicht ja tatsächlich durch eine Psychose verursacht. Allerdings habe ich auch kürzlich erst in der Bio von Justin Roberts gelesen, dass Benoit unter dem Einfluss von Alkohol alles andere als ein Chorknabe war und selbigem im Suff am Knöchel verletzt hat, während er nüchtern total nett gewesen sein soll. Ich unterstelle einfach mal,Dass bei ihm immmer eine gewisse Grundaggression vorhanden war.


    Kedome: weil auf'm Papier erst einmal klar ist,Dass er seine Familie auf brutale Weise ausgelöscht hat. Bei welchem noch aktiven ist denn ein ähnlicher Fall bekannt? Außer Snuka,der inzwischen tot ist,und wo die Beweislast auch erdrückend war ist mir kein Fall bekannt (den Fall Bruiser Brody kann man mit Benoit auch schlecht vergleichen).

    Einmal editiert, zuletzt von ()

  • Benoits Kämpfe kann ich immer noch ziemlich unberührt von der späteren Tragödie genießen, zum Zeitpunkt der Aufnahmen hat er diese Taten ja noch nicht begangen. Da ist er für mich genauso ein potenzieller Mörder und Vergewaltiger wie alle anderen auch.

  • Zitat

    Original geschrieben von Awesome One:
    [...] Es fand eine große Veränderung seiner Persönlichkeit statt. Aber es war keine verrückte Änderung, die alle anderen bemerken würden, sondern eine, die nur Menschen in seinem direkten Umfeld mitbekommen haben."


    Genau diese Erfahrung mit der schleichenden Persönlichkeitsänderung (u. a. Wutanfälle, paranoide Sorge...) machen wir in der Familie auch. [...] Was ich sagen will, eine Gehirnerkrankung drückt sich nie nach dem selben Schema aus, sondern jeder Fall ist anders. [...] War das nun der Grund der gewaltvollen Taten von Benoit? [...] Ist Benoit dann möglicherweise selbst Opfer seiner Krankheit und unschuldig an seiner grauenvollen Tat? Sicher nicht, denn selbst wenn diese Theorie stimmen sollte, dann lässt sich nicht abstreiten, dass er kein gesundes Leben (Drogenmissbrauch, Kopfschläge,...) geführt hat und er gewisse Folgen, wenn auch unwissentlich, in Kauf genommen hat.


    Und um eines klar zu sagen: Natürlich kann ich den Fall Chris Benoit nicht mit der Krankheit meines Vaters gleichstellen und natürlich könnte ich niemals meinen Vater eine solche Tat zutrauen, aber gewisse Parallelen lassen sich einfach in Abetracht der Symptome ziehen. [...]


    Ich habe ein paar Stellen ausgeschnitten um einen besseren Bezug herstellen zu können. Bei meinem Großvater fing es damit an, dass er morgens um 6 Uhr aufstand und sich für die Arbeit anziehen wollte. Meine Oma wurde dadurch wach und fragte ihn was er da machen würde und mein Opa antwortete wie selbstverständlich "Was denkst Du denn? Ich gehe zur Arbeit". Mein Opa war zu diesem Zeitpunkt schon 84 Jahre und seit über 20 Jahren in Rente. Meine Oma behielt die Nerven und sagte nur, dass Sontag sei und er frei habe. Er schluckte das ohne Widerworte, entkleidete sich und legte sich wieder ins Bett.
    Meine Oma wartete dann ein paar Tage ob sich das wiederholen würde, was es erst nicht tat, aber dann ging sie doch auf meine Eltern zu und gemeinsam haben sie meinen Opa darauf angesprochen. Er konnte sich an den Vorfall nicht erinnern und tat das mit Schlafwandeln ab, was er allerdings noch nie zuvor getan hatte. Nach langem hin und her und vielen Diskussionen hat er sich dann bereit erklärt einen Arzt aufzusuchen und nach einigen Untersuchungen sowie Gesprächen mit dem Arzt stand dann auch recht schnell fest, dass er Alzheimer im Anfangsstadium hatte. Als er die Diagnose bekam brach für ihn eine Welt zusammen und bis heute beschleicht mich das Gefühl, dass dieser Moment dafür gesorgt hat, dass der Krankheitsverlauf noch rasanter vonstatten ging und er sich ab diesem Moment schon aufgegeben hatte.
    Zunächst haben meine Eltern und meine Oma versucht ihn mit häuslicher Pflege am Ball zu halten, damit er in seinem gewohnten Umfeld bleibt und nicht "abgeschoben" wird. Dass funktionierte anfangs noch "gut", aber zehrte unheimlich an den Kräften meiner Oma die selbst schon Anfang 80 war und meine Eltern auch nicht immer vor Ort sein konnten. Nach gut einem Jahr ist mein Opa dann in ein schweineteures Pflegeheim gezogen und ab da ging es richtig bergab. Er wurde aggressiv, hat herum geschrien, Sachen durch die Gegend und nach Personal geworfen, sich absichtlich eingenässt und eingekotet, immer wieder versucht Stiften zu gehen und gegen Ende war es so schlimm, dass er nach meiner Oma und meiner Mutter geschlagen und sie obszön beleidigt und bespuckt hat.
    Der Krankheitsverlauf lief so ab, dass er immer mehr Probleme hatte alltägliche Dinge zu erledigen und das immer mehr vom Pflegepersonal übernommen werden musste. Was allerdings lang zurück liegende Ereignisse betraf, da konnte er von erzählen als sei es gestern gewesen. Er nahm am Eroberungskrieg gegen Frankreich teil, war dort stationiert und wurde '44 nach Düsseldorf verlegt. Er geriet kurzzeitig in alliierte Kriegsgefangenschaft, aber da er nur Soldat war wurde er entlassen und nahm an Aufräum- und Aufbauarbeiten teil. Ab den 50er Jahren hat er bis zur Rente in der Stahlindustrie gearbeitet.
    Er konnte Dörfer in Frankreich beschreiben, Kameraden und Kampfeinsätze benennen, er erinnerte sich selbst an alliiertes Wachpersonal. Wer seine Arbeitskollegen auf der Hütte waren, Maschinen benennen, über Arbeitsabläufe reden... alles so, als wäre alles in Ordnung mit ihm. Aber Zähneputzen oder selbstständig Essen und Trinken? Das war alles nicht mehr möglich.
    Am Ende war er so in sich eingefallen, komplett abgemagert und kraftlos, dass die Aggressionen und Beleidigungen immer mehr abnahmen und dann ganz aufhörten weil er auch immer und immer weniger sprach und zum Schluss nur noch mit leeren Augen durch die Gegend schaute...
    Das Aggressionspotential ist also durchaus plausibel erklärbar mit einer Alzheimer Erkrankung. Dazu muss ich noch schreiben, dass mein Opa nie verwundet wurde im Krieg, sieht man von Explosionen ab die ihm wie vielen anderen Soldaten auch einen bleibenden Hörschaden beschert haben. Aber auch hier kann ich mir vorstellen, dass die Erlebnisse das Gehirn auch ohne direkte körperliche Schäden massiv beeinflussen.
    Deswegen diskutiere ich auch nicht über Benoit, denn das ist mir einfach zuwider. Ich kenne die Umstände nicht, ich war nicht dabei und ich weiß nicht wie es im Kopf von ihm aussah. Da helfen mir dann auch keine Berichte, denn wirklich näher an die Ereignisse bringt einen das auch nicht.


    Da AwesomeOne so offen war, wollte ich auch so offen sein. Ich denke Nutzer die ähnliche Erfahrungen mit Familienmitgliedern gemacht haben, finden sich in unseren Schilderungen wieder.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!

A N Z E I G E