A N Z E I G E

Warum wird nicht gegen die Mietpreisexplosion demonstriert?

  • Das ist so eine Frage, die mich seit langem beschäftigt - weil mich das verwundert, dass da nicht mehr viel mehr Widerstand in der Gesellschaft herrscht. Als ob explodierende Preise irgendwie gottgegeben wären.

    Ich selber wohne in Chemnitz und habe das Glück, dass Chemnitz mittlerweile die Stadt in Deutschland mit der niedrigsten Durchschnittsmiete ist. Das liegt vor allem an der Abwanderung in den letzten Jahrzehnten. 1991 hatte Chemnitz noch 308.000 Einwohner, bis 2009 schrumpfte die Einwohnerzahl auf 240.000. Das heißt, dass irgendwann sehr viel mehr Wohnungen zur Verfügung standen als gebraucht wurden. Zwar wurde hier und da zurückgebaut, aber nie so krass wie in anderen Städten. Plus: Zehntausende Wohnungen sind tatsächlich noch in kommunaler Trägerschaft und auch genossenschaftlich organisierte Vermieter sind hier stark. Sowas wie in Dresden, wo irgendwann mal zehntausende Wohnungen seitens der Stadt an irgendwelche Investoren verscherbelt wurden, ist hier nie geschehen. Konzerne wie Vonovia sind meines Wissens hier nicht mal aktiv. Mittlerweile hat sich die Bevölkerungsentwicklung übrigens beruhigt und liegt im Plus. Aktuell leben hier ca. 250.000 Menschen. Ich schreibe das, weil es gut erklärt, warum die Mieten hier so niedrig sind, wie sie sind.

    Aktuell liegt die Durchschnittsmiete in Chemnitz bei 5,51€ pro Quadratmeter. Hier mal etwas teurer, da etwas billiger. Als krasses Beispiel: aktuell bekommt man bei der städtischen Gebäudewirtschaft eine 4-Raum-Maisionettewohnung mit einer Wohnfläche von 107 Quadratmeter in direkter Nähe zum hießigen Stadtpark für 920€ warm. Frisch sanierter DDR-Neubau, die hier richtig modern geworden sind. In der Regel bekommt man hier gute Drei-Raum-Wohnung in etlichen Stadtteilen für zwischen 500-600€. Wohlgemerkt warm. (Das ist übrigens auch der Grund, warum Chemnitz so gaaanz langsam nen Zuzug von Leuten aus München und anderen Regionen erlebt - für die ist das hier schon alles geschenkt...)

    Ich bin da immer etwas geschockt, wenn ich die Preise von Leuten in anderen Regionen höre. In Erfurt beispielsweise kosten 2-Raum-Wohnungen bereits zwischen 500-600€. In Städten wie Karlsruhe ist man da schon bei 800-1000€ warm für ne 2-Raum-Wohnung mit 50 Quadratmeter, falls man da überhaupt was findet. In anderen Städten sieht das nicht besser aus. Und selbst in kleineren Städten ziehen die Preise immer mehr an. In Weimar ist man schon bei 500€ für solch eine kleine Wohnung, Tendenz steigend. Also ich rede hier nicht mal von Metropolen wie Hamburg oder Köln, sondern das selbst in "normalen" Städten die Preise immer extremer werden.

    Und ich wundere mich da schon, warum es nicht viel mehr Widerstand gibt. Sonst gehen die Leute doch wegen allem möglichen auf die Straße. Was würde wohl passieren, wenn plötzlich 1-2 Millionen Menschen mal ordentlich Druck machen und für bezahlbare Mieten demonstrieren? Warum erlebe ich Leute, die mit einem schlichten "Ist halt so" antworten, wenn ich auf das Thema komme? Ich könnte mir im Leben nicht vorstellen so viel für Miete zu bezahlen. Da geht doch der halbe Bruttolohn drauf?

  • A N Z E I G E
  • Der Grund, warum es noch keine flächendeckenden Demos gibt?


    Wahrscheinlich weil viele Leute die Kröte einfach schlucken, den Großteil des Gehalts in die Miete buttern, sich damit trösten, dass sie kein Auto haben und das Wohnen in der Stadt doch alles schon geil ist, den zweiten Job annehmen, um neben der Miete noch irgendwas zu machen usw. Oder sie ziehen halt aus der Stadt weg und überlassen den Wohnraum Erbreichen und den anderen ewig gleichen Gesichtern der Gentrifizierung, während sie sich dann immer weiter um die Städte herum verteilen.

    Und wenn man sich dann doch mal ärgert, gibt es ja noch andere, an denen man sich erstmal abreagieren kann, anstatt diese Entwicklung zu hinterfragen, denn evtl. wohnen ja noch Arbeitslose, Migranten oder irgendjemand anderes noch in irgendwelchen Ranzbuden und dann wird erst mal eine Runde nach unten getreten, bevor wir über eine gewisse Raffgier auf Teilen des Immobilienmarktes reden.


    Eine echte Reaktion erwarte ich erst dann, wenn in Städten langsam eine Situation entsteht, in der auch Unternehmen wie McDonalds etc. in Schwierigkeiten kommen, weil man Jobs am unteren Einkommen nicht mehr abdecken kann und niemand Bock hat, für so einen Job in die Stadt zu fahren und sich das Wohnen in der Stadt mit diesen Jobs nicht mehr leisten kann.

  • In meinen Augen liegt das daran, dass die Politik es geschafft hat, dass die Menschen andere Themen höher gewichten oder schlicht andere Feindbilder haben.

    Denn egal, ob man von links, rechts, oben, unten, blau, rot, schwarz, grün etc. pp. auf die aktuelle Politik schaut, fast alle haben andere Themen, an denen sie sich so dermaßen hochziehen, dass dieses essentielle soziale Themen schlicht nicht bzw. fast nicht stattfindet.

    Da ist es mir auch zu einfach, wie mein Vorposter das nur auf jene (rechte) Menschen zu schieben, die dann lieber auf Arbeitslose oder Migranten zeigen. Auf der anderen bzw. linken Seite haben die linken Parteien der Mitte es genauso geschafft, von der "Raffgier auf Teilen des Immobilienmarktes" abzulenken.

  • In meinen Augen liegt das daran, dass die Politik es geschafft hat, dass die Menschen andere Themen höher gewichten oder schlicht andere Feindbilder haben.

    Denn egal, ob man von links, rechts, oben, unten, blau, rot, schwarz, grün etc. pp. auf die aktuelle Politik schaut, fast alle haben andere Themen, an denen sie sich so dermaßen hochziehen, dass dieses essentielle soziale Themen schlicht nicht bzw. fast nicht stattfindet.

    Da ist es mir auch zu einfach, wie mein Vorposter das nur auf jene (rechte) Menschen zu schieben, die dann lieber auf Arbeitslose oder Migranten zeigen. Auf der anderen bzw. linken Seite haben die linken Parteien der Mitte es genauso geschafft, von der "Raffgier auf Teilen des Immobilienmarktes" abzulenken.

    Nur weil ich Arbeitslose und Migranten als Beispiele herangezogen habe, da sie in meinen Augen die typischen Opfer einer "Nach unten Treten"-Mentalität sind, mache ich das Problem nicht zu einem ausschließlich rechten Problem. Ich weiß auch nicht, warum du das da unbedingt hineininterpretieren musst.

    Dass gerade der "Hass" auf Arbeitslose in allen politischen Richtungen verbreitet ist, bedarf glaube ich keine weiteren Erläuterung, ebenso wenig wie der Umstand dass es in vorgeblich linken Lagern eine Fokusverschiebung weg von diesen prekären sozialen Themen gibt.

  • Der Grund, warum es noch keine flächendeckenden Demos gibt?



    Eine echte Reaktion erwarte ich erst dann, wenn in Städten langsam eine Situation entsteht, in der auch Unternehmen wie McDonalds etc. in Schwierigkeiten kommen, weil man Jobs am unteren Einkommen nicht mehr abdecken kann und niemand Bock hat, für so einen Job in die Stadt zu fahren und sich das Wohnen in der Stadt mit diesen Jobs nicht mehr leisten kann.

    Bei dem Rest geb ich dir zwar zu 100% recht, da ich aber Wohnungseigentümer bin, habe ich den Mietmarkt überhaupt nicht im Blick Da ich auch die Bild meide, weiß ich ehrlich gesagt garnicht, wie schlimm es geworden ist und wie schlimm es wohl noch werden wird. gibt es da irgendwie eine Grafik zu? Also in den Städten als auch auf dem Land würde mich interessieren. Also Dörfer mit ~ 10.000 Einwohnern ca.

  • was genau sollen den Demos gegen die Mietpreisexplosion genau erreichen?


    die Mieten sind überall unterschiedlich

    es gibt bereits eine Mietpreisbremse, die aber leider auch umgangen werden kann


    ein Mietendeckel, wie hier in Berlin der vor allen die Bestandmieter geschützt hätte, wurde durch die CDU mit juristischen Mitteln bekämpft und dann durch das Bundesverfassungsgericht gekippt

    vielen Dank werte CDU!

    letztlich muss man die vom Vermieter verlangte Miete zahlen oder man muss sich was anderes suchen

    so ist leider die Realität



    ein Mietendeckel ist gescheitert

    eine Einheitsmiete wird es auch nicht geben

    massive staatliche Zuschüsse oder ein Soziales Mietenpaket? vergiss es bei der Haushaltslage! zudem ist das mit FDP und Union nicht zu machen


    was wäre also der Zweck einer solchen Demo?


    man kann gegen alles und jeden Protestieren, ändert das aber was am konkreten Fall?


    selbst wenn es solche Demos geben würde, glaubt doch keiner das Vermieter XY dann auch nur einen 1€ mit der Miete runter geht

  • glaubt doch keiner das Vermieter XY dann auch nur einen 1€ mit der Miete runter geht

    Dürfen die auch gar nicht, wenn es den die Mietpreis pro qm² unterschreitet.

    Wenn es also pro qm² hoch ist, können die nicht viel machen außer mitmachen ohne sich strafbar zu machen.

  • Das Problem ist einfach, dass die Nachfrage das Angebot überschreitet.

    Und ein Mietdeckel klingt zwar erst einmal schön für die Mieter, sorgt jedoch auch dafür, dass das Angebot auch nicht mehr wird. Der Staat müsste enorm viel Geld in die Hand nehmen und preisgebundenen Wohnraum selbst als Vermieter zur Verfügung stellen. Das aber wäre ein enormer Aufwand und kostet offensichtlich leider zu viel Geld.

  • Dürfen die auch gar nicht, wenn es den die Mietpreis pro qm² unterschreitet.

    Wenn es also pro qm² hoch ist, können die nicht viel machen außer mitmachen ohne sich strafbar zu machen.

    Wirklich? Fällt das im Gegensatz zum Deckel nicht unter Vertragsfreiheit?

    Lasse mich gern eines besseren belehren, aber dass sich irgendwer strafbar macht, weil er Wohnungen zu billig vermietet habe ich noch nie gehört.

  • Wirklich? Fällt das im Gegensatz zum Deckel nicht unter Vertragsfreiheit?

    Lasse mich gern eines besseren belehren, aber dass sich irgendwer strafbar macht, weil er Wohnungen zu billig vermietet habe ich noch nie gehört.

    Auf die schnelle ergoogelt

    https://www.augsburger-allgeme…ieter-vor-id56312206.html

    https://m.focus.de/immobilien/…estraft_id_201518783.html


    Viel Spielraum gibt es nicht, wenn man es günstig vermieten will.

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  • A N Z E I G E
  • Naja klar, es wird problematisch mit der Finanzierung und kann zu Problemen bei der Steuererklärung geben. Wenn man das erste aber hinbekommt und das zweite ehrlich macht, ist da gar nichts verboten oder gar strafbar. Das war ja die ursprüngliche Aussage.


    Edith: Den letzten Link zur „mieterzone“ bitte rausnehmen, das ist eine unsichere und vierenverseuchte Seite!

  • 66% von der ortsüblichen Miete ist ja immer noch einiges und die würde dauerhaft ja auch weiter runtergehen wenn alle damit runtergehen würden.

  • Meine Gedanken zur Ausgangsfrage:


    Es wird nicht demonstriert, weil diejenigen, die die hohen Mieten nicht zahlen können, meistens gar nicht vor Ort sind. Wie soll ich denn zum Beispiel, als Student, in Potsdam, Heidelberg oder München protestieren, wenn ich dort gar nicht lebe. Das ist erst mal ein sehr praktisches Problem, für alle die zuziehen.


    Ein weiterer Punkt ist, dass es jemand der zwar eine teure Wohnung hat, sehr einfach ist, klar zu machen, dass es einen anderen mit einer NOCH teureren Wohnung gibt. Da baust dann ganz schnell ein schlechtes Gewissen auf, und du kannst jede Bewegung, die sich so formen könnte, sehr leicht unterminieren.

  • Vermutlich weil es irgendwie gelungen ist jegliche Kritik an Staat und staatanahen Instanzen als sozial inakzeptabel zu framen. Unabhängig von irgendwelchen politischen Schubladen ist das aber tatsächlich ein ganz reales und vielfach existenzbedrohendes Problem, das man bei den mittlerweile erreichten Auswüchsen nicht einfach der Marktdynamik überlassen kann.


    Kurz gesagt: Ich wäre für eine Demo definitiv zu haben.

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