A N Z E I G E

Aktuelle Situation in Afghanistan

  • [Edit für den Kontext]

    Zitat

    Trotz des Vormarsches der Taliban in Afghanistan halten die USA unbeirrt an ihrer Abzugsstrategie fest. Aus Sicht der Regierung in Washington ist die Mission erfolgreich beendet. Was nun passiert, sei Sache der Afghanen.

    https://www.tagesschau.de/ausl…bzug-afghanistan-101.html


    Da haben sich ja die letzten Jahre in Afghanistan gelohnt, wenn man das so sieht.

    RIP European Super League
    18.04.2021 - 20.04.2021

    Einmal editiert, zuletzt von Griese ()

  • A N Z E I G E
  • Kennt sich denn jemand von uns da wirklich aus? Kriegen die Taliban große militärische und finanzielle Unterstützung aus dem Ausland? Ansonsten frage ich mich schon wie das zustande kommt. Die afghanische Armee wurde nun sehr lange ausgebildet und unterstützt, die US-Streitkräfte fliegen immer noch Einsätze gegen die Taliban und man startete erstmal aus einer besseren Position.

    CyBoard Rookie of the Year 2008; CL-Tippspiel Sieger 15/16


    Zwischen dem Leben, wie es ist, und dem Leben, wie es sein sollte, ist ein so gewaltiger Unterschied, dass derjenige, der nur darauf sieht, was geschehen sollte, und nicht darauf, was in Wirklichkeit geschieht, seine Existenz viel eher ruiniert als erhält.(Niccoló Machiavelli)

  • Die Taliban erhalten in der Tat auf zweierlei Weise massive Hilfe aus Pakistan. Zum einen werden sie schon seit den 1990er Jahren vom Geheimdienst und der Armee mit Aufklärungsberichten, Waffenlieferungen und militärischen Einsätzen unterstützt. Als die Taliban Mitte Juli den Grenzposten Spin Boldak eroberten, wollte die afghanische Luftwaffe zur Unterstützung der eigenen Bodentruppen Luftangriffe fliegen. Das pakistanische Militär soll daraufhin gedroht haben, die afghanischen Flugzeuge abzuschießen. Wohlgemerkt: Es ging darum, Grenzanlagen auf afghanischer(!) Seite der Grenze zu bombardieren. Ebenfalls im Juli warf der afghanische Vizepräsident Amrullah Saleh der pakistanischen Luftwaffe vor, in den Grenzregionen bereits Luftangriffe zur Unterstützung der Taliban zu fliegen. Beides wurde von der pakistanischen Regierung bestritten, enge Verbindungen zwischen ihr und den Taliban sind jedoch unzweifelhaft. Zum zweiten haben die Taliban, die sich im Prinzip ausschließlich aus der Volksgruppe der Paschtunen rekrutieren, in Pakistan ein riesiges Reservoir an neuen Kämpfern. Die Durandlinie, die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan, teilt das Siedlungsgebiet der Paschtunen entzwei. Auf pakistansicher Seite leben 40 Mio. Paschtunen, das sind mehr als die Gesamtbevölkerung Afghanistans. Da die Grenze aufgrund des gebirgigen Terrains kaum kontrolliert werden kann, können neue Kämpfer und Ausrüstung quasi ungehindert nach Afghanistan einsickern.



    War ja so zu erwarten gewesen. Man hätte drin bleiben müssen, um das zu verhindern.

    Ich kann die Amerikaner schon verstehen, dass sie nach 20 Jahren des Kämpfens müde sind. Die Art und Weise jedoch wie Donald Trump den Abzug aus Afghanistan begonnen hat (und Joe Biden ihn nun vollendet), ist jedoch fatal. Ohne Rücksprache mit der afghanischen Regierung und ohne ein Friedensabkommen mit den Taliban wurde letztes Jahr der Rückzug verkündet; man konnte den Taliban noch nicht einmal einen temporären Gewaltverzicht für die Zeit des Abzugs bzw. der Friedensverhandlungen abringen. Die Taliban mussten also nur abwarten, bis die amerikanischen Truppen das Land verlassen haben, um ihre Großoffensive zu starten. Warum sollen sie jetzt noch Verhandlungen mit der afghanischen Regierung führen, wo sich das Blatt zu ihren Gunsten gewendet hat? Von einem Isolationisten und Dummkopf wie Trump habe ich nichts anderes erwartet, dass aber ein kluger Außenpolitiker wie Biden diesen Kurs fortsetzt, überrascht mich schon.

  • Vielen Dank für die Erläuterung! Eine gewisse Unterstützung aus Pakistan war mir bekannt bzw. hatte ich im Hinterkopf, aber das Ausmaß und die Hintergründe (Paschtunen) war mir so nicht präsent.


    Ja, ich finde auch, dass der Abzug der Amerikaner nachvollziehbar, die Art und Weise aber sehr ungeschickt und rücksichtslos war bzw. ist.

    CyBoard Rookie of the Year 2008; CL-Tippspiel Sieger 15/16


    Zwischen dem Leben, wie es ist, und dem Leben, wie es sein sollte, ist ein so gewaltiger Unterschied, dass derjenige, der nur darauf sieht, was geschehen sollte, und nicht darauf, was in Wirklichkeit geschieht, seine Existenz viel eher ruiniert als erhält.(Niccoló Machiavelli)

  • Die Taliban erhalten in der Tat auf zweierlei Weise massive Hilfe aus Pakistan. Zum einen werden sie schon seit den 1990er Jahren vom Geheimdienst und der Armee mit Aufklärungsberichten, Waffenlieferungen und militärischen Einsätzen unterstützt. Als die Taliban Mitte Juli den Grenzposten Spin Boldak eroberten, wollte die afghanische Luftwaffe zur Unterstützung der eigenen Bodentruppen Luftangriffe fliegen. Das pakistanische Militär soll daraufhin gedroht haben, die afghanischen Flugzeuge abzuschießen. Wohlgemerkt: Es ging darum, Grenzanlagen auf afghanischer(!) Seite der Grenze zu bombardieren. Ebenfalls im Juli warf der afghanische Vizepräsident Amrullah Saleh der pakistanischen Luftwaffe vor, in den Grenzregionen bereits Luftangriffe zur Unterstützung der Taliban zu fliegen. Beides wurde von der pakistanischen Regierung bestritten, enge Verbindungen zwischen ihr und den Taliban sind jedoch unzweifelhaft. Zum zweiten haben die Taliban, die sich im Prinzip ausschließlich aus der Volksgruppe der Paschtunen rekrutieren, in Pakistan ein riesiges Reservoir an neuen Kämpfern. Die Durandlinie, die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan, teilt das Siedlungsgebiet der Paschtunen entzwei. Auf pakistansicher Seite leben 40 Mio. Paschtunen, das sind mehr als die Gesamtbevölkerung Afghanistans. Da die Grenze aufgrund des gebirgigen Terrains kaum kontrolliert werden kann, können neue Kämpfer und Ausrüstung quasi ungehindert nach Afghanistan einsickern.



    Ich kann die Amerikaner schon verstehen, dass sie nach 20 Jahren des Kämpfens müde sind. Die Art und Weise jedoch wie Donald Trump den Abzug aus Afghanistan begonnen hat (und Joe Biden ihn nun vollendet), ist jedoch fatal. Ohne Rücksprache mit der afghanischen Regierung und ohne ein Friedensabkommen mit den Taliban wurde letztes Jahr der Rückzug verkündet; man konnte den Taliban noch nicht einmal einen temporären Gewaltverzicht für die Zeit des Abzugs bzw. der Friedensverhandlungen abringen. Die Taliban mussten also nur abwarten, bis die amerikanischen Truppen das Land verlassen haben, um ihre Großoffensive zu starten. Warum sollen sie jetzt noch Verhandlungen mit der afghanischen Regierung führen, wo sich das Blatt zu ihren Gunsten gewendet hat? Von einem Isolationisten und Dummkopf wie Trump habe ich nichts anderes erwartet, dass aber ein kluger Außenpolitiker wie Biden diesen Kurs fortsetzt, überrascht mich schon.

    Die Frage ist da ob Biden da überhaupt noch viel aufhalten konnte oder ob die Planungen und Truppenbewegungen schon so weit waren das man das quasi nur noch zu Ende gebracht hat.

  • Das ist natürlich eine berechtigte Frage. Mitte Januar befanden sich noch 2.500 amerikanische Soldaten in Afghanistan, zumindest diese hätte Joe Biden im Land belassen können. Aber wahrscheinlich war die politische Stimmung in den Vereinigten Staaten schon so weit, dass Biden den Abzug durchziehen musste. Es ist aber übrigens auch nicht so, dass die amerikanische Armee komplett aus dem Krieg raus ist, alleine heute Nacht flogen B52-Bomber in der Provinz Kapisa schwere Luftangriffe auf die Taliban.


    Als Ergänzung zu meinem vorherigen Post sei noch gesagt, dass nicht nur die afghanische, sondern auch die amerikanische Regierung davon ausgeht, dass Pakistan die Taliban unterstützt: "Pentagon spokesman John Kirby: We have expressed concern that Pakistan is providing safe havens for Taliban fighters across the border." (vor 14 Stunden)

  • Ich glaube die Stimmung in Amerika war so das alles raus musste was ging auf die Schnelle. Die Frage ist ja auch wieviel von den 2.500 noch wirklich Kampftruppen waren oder nicht mehr nur noch Logistik etc.

    Das die Amerikaner da weiterhin aber bleiben und bombadieren hab ich auch so erwartet. Wahrscheinlich wird der Drohnenkrieg da auch nochmal richtig erhöht und als Talibananführer muss man nach der Matchübernahme wohl aufpassen nichts auf den Deckel zu bekommen. Vermute ich zumindest.

  • Ich kann die Amerikaner schon verstehen, dass sie nach 20 Jahren des Kämpfens müde sind. Die Art und Weise jedoch wie Donald Trump den Abzug aus Afghanistan begonnen hat (und Joe Biden ihn nun vollendet), ist jedoch fatal. Ohne Rücksprache mit der afghanischen Regierung und ohne ein Friedensabkommen mit den Taliban wurde letztes Jahr der Rückzug verkündet; man konnte den Taliban noch nicht einmal einen temporären Gewaltverzicht für die Zeit des Abzugs bzw. der Friedensverhandlungen abringen. Die Taliban mussten also nur abwarten, bis die amerikanischen Truppen das Land verlassen haben, um ihre Großoffensive zu starten. Warum sollen sie jetzt noch Verhandlungen mit der afghanischen Regierung führen, wo sich das Blatt zu ihren Gunsten gewendet hat? Von einem Isolationisten und Dummkopf wie Trump habe ich nichts anderes erwartet, dass aber ein kluger Außenpolitiker wie Biden diesen Kurs fortsetzt, überrascht mich schon.

    Verstehen kann ich die Amerikaner auch. Dann braucht man sich aber nicht darüber wundern, wenn alle Erfolge aus den letzten 20 Jahren nun in wenigen Monaten fallen. Zumal das afghanische Militär so oder so noch lange davon entfernt ist, sich erfolgreich gegen eine dauerhafte Offensive der Taliban wehren zu können. Alleine die afghanische Luftwaffe ist schon extrem schlecht aufgestellt, was sich nun durch die wegfallende logistische Unterstützung der Amerikaner noch verschlechtert hat.

    Das ist natürlich eine berechtigte Frage. Mitte Januar befanden sich noch 2.500 amerikanische Soldaten in Afghanistan, zumindest diese hätte Joe Biden im Land belassen können. Aber wahrscheinlich war die politische Stimmung in den Vereinigten Staaten schon so weit, dass Biden den Abzug durchziehen musste. Es ist aber übrigens auch nicht so, dass die amerikanische Armee komplett aus dem Krieg raus ist, alleine heute Nacht flogen B52-Bomber in der Provinz Kapisa schwere Luftangriffe auf die Taliban.

    Noch sind die Amerikaner ja auch nicht komplett raus aus Afghanistan. Also recht wenig verwunderlich, dass sie auch noch dort agieren. Auch wenn es leider nur wenig bringt.

    Rookie Award 2013
    Nickname Award 2014

    Fußball: FC Schalke 04, UD Las Palmas. American Football: New England Patriots

  • Gehe aber davon aus, dass Afghanistan ein "sicheres Herkunftsland" bleiben wird. Alleine, dass man sich nicht einmal die Mühe macht, die einheimischen Unterstützern der westlichen Truppen zu evakuieren und ihnen Asyl zu gewähren, bevor sie zur Zielscheibe der Taliban werden, ist an brutalster Gleichgültigkeit kaum zu überbieten. Man hat die Menschen gebraucht, als man da war, jetzt braucht man sie halt nicht mehr.

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