A N Z E I G E

Sind Faces und Heels obsolet?

  • Im Jahre 2019 erregte Cody Rhodes bei Twitter unter Wrestling-Fans die Gemüter, als er das Konzept von Faces und Heels als veraltet bezeichnete. Später ruderte er allerdings ein Stück weit zurück. Jetzt haben wir 2021, und ich frage mich mehr und mehr, ob Cody damals schon in weiser Voraussicht recht hatte. Besonders in der WWE, die eigentlich immer für eine klare Trennung von Heels und Faces stand, sehe ich zunehmend eine Verwässerung dieses Konzepts:


    Charlotte Flair spielt eigentlich durchgehend eine Rolle, die sich zwischen Face und Heel bewegt, und springt zwischenzeitlich von Woche zu Woche hin und her. Gleiches kann man aktuell über ihre Fehden-Gegnerin Rhea Ripley behaupten.


    Bray Wyatt ist ein dämonisches Horror-Monster, soll aber anscheinend als Publikumsliebling wahrgenommen werden.


    Randy Orton ist ein pyromanischer Psycho, ist nun allerdings von einer Woche auf die andere in einer sympathischen Comedy-Rolle mit Riddle.


    Bobby Lashley scheint ein Heel zu sein, wurde aber als Held dargestellt, als er The Miz um den WWE Title besiegte.


    Braun Strowman bewegt sich ähnlich wie Charlotte Flair seit Monaten zwischen Face und Heel.


    Sasha Banks scheint ein Face darzustellen, für ihre Fehde gegen Bianca Belair schlüpfte sie allerdings ohne große Story dahinter in die Heel-Rolle.


    Natürlich sind das nur ein paar Beispiele, und gleichzeitig gibt es natürlich auch weiterhin klar definierte Faces und Heels in der WWE. Dennoch ist es für mich auffällig, dass gerade in den prominenten Rollen zunehmend die Grenzen zwischen Faces und Heels verschwimmen.


    Nehmt ihr das auch so wahr? Und wenn ja, wie findet ihr diese Entwicklung?

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  • Das Anti-Helden wie Wyatt auch gleichzeitig Publikumslieblinge sein sollen passiert ja in Fernsehserien (Al Bundy, Dexter) und ist ein Stück weit auch nötig, weil es ein Teil der Leute sehen will und weil einige davon auch ganz gut Merch ziehen.


    Bei einem Strowman ist es einfach nur schlechtes und überhaupt nicht durchdachtes Booking. Charlotte wurde auch nur wegen der Lacey Schwangerschaft wieder Heel, die Versuche sie als Face over zu bringen aber immer wieder misslungen. Aber selbst diese ständigen Turns sind nichts Neues und waren schon bei Vater Ric so.


    Es darf und muss solche Konstellationen geben. Trotzdem braucht es auch immer wieder eine Face/Heel Verteilung um zum Beispiel solche Momente wie Kofi Kingstons Titelgewinn bei WM zu inszenieren. Kofi war der klare Face, Bryan der klare Heel. Für die großen Face Momente braucht es einfach schon immer wieder diese klare Verteilung.

  • Schon 1997 hat Vince McMahon in einem Statement dieses Face/Heel Konzept als veraltet bezeichnet, allerdings war dies keine konkrete Aussage sondern der peinliche Versuch Fans durch eine Beleidigung einer Gehirnwäsche zu unterziehen da er um sein Unternehmen fürchtete.


    Auch wenn die Verteilung heutzutage deutlich anders ist als dies früher der Fall war wird es eine Face/Heel Konstellation im Wrestling wohl immer geben denn ohne diese würde das Wrestling eigentlich keinen Sinn machen. Sieht man sich z.b. den Weitsprungwettbewerb bei Olympia an erfreut man sich an den sportlichen Leistungen, man hegt vielleicht Sympathien für den ein oder anderen Sportler wenn man z.b. sich wünscht dass Carl Lewis den 4 Triumph in Folge holt un damit historisches vollbringt, aber es geht in erster Linie um den Sport. Beim Wrestling hingegen würde ohne eine Gut gegen Böse Geschichte das ganze kaum funktionieren bzw. Interesse erwecken. Irgendeine Verteilung wird es immer geben, egal wie diese aussehen wird, denn rein sportliches Wrestling würde mMn nicht funktionieren, zumindest nicht sehr lange. Man kann immer mal wieder Matches einstreuen in denen es um nichts anderes als die wrestlerische Qualität geht, aber den ganzen "Sport" Wrestling darauf aufzubauen, das wird wohl nicht funktionieren.

    R&S Kick A**

    ManCity verkündet bei Raw die Verpflichtung von Ronaldo, plötzlich erscheint im Simulcast bei Nitro ManU. Dank an A.Maximus!

  • Ich denke es ist einfach schwer geworden echte Heels zu erzeugen. Die Wrestlingfangruppe ist sehr viel kleiner geworden über die letzten Jahre. Aber auch lauter in ihrer Kritik in den Hallen.


    Daher haben es Leute wie Owens, Jericho usw. immens schwer überhaupt noch heat zu erzeugen. Zu schnell reagiert die Kern-Fanschaft mit Anerkennung und Jubel.


    Bei Faces sehe ich das Problem eher bei der WWE als Hauptakteur. Deren Strategie war zuletzt sehr stark auch sofortigen und anhaltenden Payoff ausgelegt. Nahezu kein Heel konnte triumphieren und nahezu immer gewinnt der Face Match um Match.


    Das Konzept würde in meinen Augen auch heute weiter funktionieren, aber es braucht halt auch den Willen es durchzuziehen bis der Wunsch nach einer Heel Niederlage und dem Fce Sieg auch aufgebaut ist.

  • Ist eigentlich eine Wrestling Phrase, aber ein Face/Heel erkennt man wie er im Ring agiert.


    Auch die äußere Umstände spielen eine Rolle wenn der Heel einen Manager/Bodyguard/Gruppierung hat, die für ihn eingreifen.

    "Wrestling ist ähnlich wie Politik oder Religion! Jeder hat seine Meinung, und jeder glaubt, dass er Recht hat." (Shawn Michaels)
    "Wer das Schlechte sucht, wird das Schlechte finden. Wer das Schöne sucht, wird das Schöne finden." (chinesisches Sprichwort)
    "Viele Leute sagen immer vieles, doch das darf man nicht zu ernst nehmen. Ich bin einer, der schaut immer geradeaus." (Niko Kovac)

    Einmal editiert, zuletzt von ()

  • [QUOTE]Original geschrieben von Eden H.:
    [B]Schon 1997 hat Vince McMahon in einem Statement dieses Face/Heel Konzept als veraltet bezeichnet


    So verarltet, dass er daraufhin der größte Heel im gesamten Wrestling geworden ist und mit dem größten Face dieser Zeit eine jahrelange Fehde hatte.


    Austin hatte zwar auch heelish gewirkt, aber er war immer der gute der gegen den bösen Boss kämpfte und damit gab es eine feste trennung in Heel und Face und da gab es nur einen Turn von Austin den Vince McMahon wohl noch bis heute bereut.

  • Zitat

    Original geschrieben von Crazy Crusher:
    [QUOTE]Original geschrieben von Eden H.:
    [B]Schon 1997 hat Vince McMahon in einem Statement dieses Face/Heel Konzept als veraltet bezeichnet


    So verarltet, dass er daraufhin der größte Heel im gesamten Wrestling geworden ist und mit dem größten Face dieser Zeit eine jahrelange Fehde hatte.


    Austin hatte zwar auch heelish gewirkt, aber er war immer der gute der gegen den bösen Boss kämpfte und damit gab es eine feste trennung in Heel und Face und da gab es nur einen Turn von Austin den Vince McMahon wohl noch bis heute bereut.


    Tja, das musst du dann wohl mit ihm diskutieren. ^^
    Wobei, wie gesagt, hinter der Aussage stand nichts außer purer Verzweiflung. Wenn er sich davon steigende Quoten versprochen hätte, hätte er auch behauptet das Heel/Face Konzept wäre die genialste Idee aller Zeiten und man sollte sie in allen Sportarten einführen.

    R&S Kick A**

    ManCity verkündet bei Raw die Verpflichtung von Ronaldo, plötzlich erscheint im Simulcast bei Nitro ManU. Dank an A.Maximus!

  • Einen Kern von Heel und Face wirds aus meiner Sicht immer brauchen. Die Faces bei der WWE müssen einfach Kantiger und nicht mehr so Aalglatt dargestellt werden. Man braucht immer jemanden, mit dem man mitfiebern kann (aktuell Cesaro) und das Heels heute noch funktionieren beweisen Roman Reigns, Bayley oder auch Seth Rollins. Ein Beispiel das sehr antiklimatisch wirkte, da man die Face / Heel Rollenverteilung nicht verstand war Bray Wyatt/Alexa Bliss vs Randy Orton. Auch bei Strowman und Shane hatte ich mit keinem Sympathien.

  • Ja, dass Grundkonzept von glatten Heels und Faces ist überholt und gehört in die 80er. Das hat ja Ende der 90er schon der beste Writer aller Zeiten, Vince Russo, geschafft und mehr Grauzonen bei den Charakteren geschaffen. Natürlich gibt es Leute die eher zu den Guten zählen und Leute die eher negative Reaktionen abbekommen. Aber das sollte nicht verhindern, warum auch mal ein Heel gegen einen Heel fehdet oder Face gegen Face. Es muss nur von der Story her passen.

  • Face vs Face kann man immer bringen. Es ist einfach aufzubauen (z.B. Titelkampf) und es zieht Reaktionen. Heel vs Heel kann ich mich an jeine Matchpaarung erinnern, die gross Emotionen in der Halle zog oder das ein Klassiker war. Ein Verwaschen der Gesinnungen führt aus meiner Sicht nicht zum Erfolg und ich sehe diese Trennung, entgegen Codys Aussage, auch bei AEW nicht. Auch zur Attitude Ära setzte Vince setzte Aussage nicht konsequent um. McMahon war ein klarer Heel und Austin war Face. Jedoch waren die Faces kantiger. Was man jedoch damals machte, waren kurzfristige Face und Heelturns (siehe Big Show 1999) wenn man es für eine Story brauchte. Trotz kurzfristigen Turns, die Face- und Heelgesinnung war für mich klar. Bei manchem Charakter war es mir mit der Zeit egal, ob sie Heel oder Face war, da man durch kurzfristige Turns den Charakteren schadete. Hierzu zähle ich unter anderem einen Val Venis und teilweise auch Al Snow.

  • Zitat

    Original geschrieben von Guru-Kovac:
    Ist eigentlich eine Wrestling Phrase, aber ein Face/Heel erkennt man wie er im Ring agiert.


    Auch die äußere Umstände spielen eine Rolle wenn der Heel einen Manager/Bodyguard/Gruppierung hat, die für ihn eingreifen.


    Darin liegt für mich ein großes Problem im heutigen Produkt. Wie viele Manager sind denn noch richtige Manager und greifen auch mal ein oder legen sich mit dem Publikum an? Die meisten stehen halt rum. Welche Heels brechen denn noch die Regeln dauerhaft in einem Match? Ein Heel in der heutigen Zeit muss ja fast schon einen "alten" Stil worken und ein Match "schlechter" machen, damit er vom Publikum ausgebuht wird. Aber das ist dann auch evtl. nicht die richtige Art, Heat zu erzeugen.


    Dass das Konzept eines Heels auch heute noch funktionieren kann, zeigt MJF. Ich würde mir von allen Beteiligten wünschen, egal von welcher Promotion, dass sie sich so konsequent als Heels oder Babyfaces zeigen. Dazu gehören dann auch weniger Turns, v.a. weniger sinnfreie und kurzfristige Panik-Turns.


    Das Konzept von Gut und Böse ist nicht veraltet - Filme, Serien und Bücher basieren ja auch heute noch auf dem Stilmittel von Protagonist vs. Antagonist. Dass die Helden von heute auch fehlerhaft sind und eine dunkle Seite haben und zeigen, ist eine Seite. Das macht sie aber bei weitem nicht zum Heel.

  • Hier das Zitat von Cody Rhodes, was bei dem Ausgangsposting fehlt.
    Disco Inferno hat Cody Rhodes als Heel bezeichnet bei Twitter und die Antwort war von Cody Rhodes folgende:
    "Tired old tropes are even more insulting to viewer considering I've eben on their TV since I was 20. It ain't black and white, it hasn't been in forever. Circumstances of the match dicate who we cheer for, beautiful thing."
    Quelle: Wrestling Inc.


    Wie bereits in diese Richtung gepostet habe, die Umstände was im Ring passiert entscheidet, auf welche Seite der Fan seine Unterstützung zeigt.


    In diesem Punkt muss der Heel dann aufpassen, das es nicht zu einer Split Crowd kommt, da der Heel im Ring eine starke Leistung zeigt und der Fan vergisst, was der Heel vorgesagt hat.

    "Wrestling ist ähnlich wie Politik oder Religion! Jeder hat seine Meinung, und jeder glaubt, dass er Recht hat." (Shawn Michaels)
    "Wer das Schlechte sucht, wird das Schlechte finden. Wer das Schöne sucht, wird das Schöne finden." (chinesisches Sprichwort)
    "Viele Leute sagen immer vieles, doch das darf man nicht zu ernst nehmen. Ich bin einer, der schaut immer geradeaus." (Niko Kovac)


  • Und an dem Zitat ist etwas wahres dran. Aber auch etwas einschränkendes. Matches wie Hogan vs Rock wo 2 Worker die Heel/Face Rolle on the fly tauschen sind selten im TV Wrestling. Das Narrativ ist Teil einer längeren Planung und das Resultat der vorherigen Absprache.


    Und es ist nebensächlich, denn die Zuschauer des Matches sind bereits da. Daher kommt in meiner Auffassung dem Build-up die größere Bedeutung zu. Hier sollte es schon eine Heel/Face Abgrenzung geben, ansonsten ist das Match sinnfrei oder ein sportlicher Wettbewerb.

  • Das ist für mich leider halt auch ein Grund für das abflauende Interesse. Verkürzt gesagt, hast du früher das Eintrittsgeld bezahlt oder den PPV geordert, um zu sehen, wie der Heel endlich gepflegt eine auf die Fresse kriegt. Und die Heel/Face-Verteilung hatte ja auch unterschiedliche Aufgaben im Ring. Der Heel hat das Match geführt, das Face nach allen Regeln der Kunst malträtiert und im Optimalfall ist beim Comeback/Hot Tag das Hallendach weggeflogen (überspitzt natürlich). Ohne die Verteilung rennen viele Matches halt auch irgendwie mau ab und für mich mit ein Grund, warum kaum mehr Megastars produziert werden bzw. auch so viele Zuseher sich vom Wrestling abgewandt haben. Nichts gegen Grauzonen - aber als Beispiel: Fiend vs. Orton (beide damals eigentlich Heels), für wen soll man da "investieren", mit wem soll man da mitfiebern?
    Für mich ist Wrestling halt auch der alte Kampf Gut gegen Böse. Man stelle sich jetzt Superheldenfilme vor, wo es keine Helden und Gegenspieler gibt, sondern jeder nur Grauzonen hat. Kann man schon bis zu einem gewissen Punkt machen, aber wenn man es übertreibt, dann werden die Filme vermutlich kein Erfolg oder bei dauernder Anwendung wird es halt wohl auch irgendwann einen Einbruch an den Kinokassen geben.

  • Das Problem ist oft - und gerade in der WWE - nicht mal Heel oder Face, sondern das absurde Booking, dass Heels generell viel zu schlecht dargestellt werden, Woche für Woche aufs Maul kriegen, um dann beim PPV ... noch mal eine aufs Maul bekommen.


    Reigns wird als dominanter Heel gut dargestellt - und manchmal kann auch dieser die Gunst der Stunde nutzen und unsauber gewinnen.


    Schaut man sich dann aber an, dass man Leute wie Miz, Morrison, Ziggler, Roode und viele andere Heels als durchwegs Witzfiguren bookt, dann kann es nicht funktionieren. Selbst Lashley braucht zu häufig die Hilfe von wem auch immer warum auch immer. Das schadet dem Charakter nur unnötig.

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