A N Z E I G E

Erbschaftssteuer - viel zu wenig oder nichts, was dem Staat zusteht?

  • Was denkt ihr über eine Erbschaftssteuer? 49

    1. Sie ist aktuell zu niedrig - es kann nicht sein, dass gigantisch Summen einfach so weitergereicht werden können (23) 47%
    2. Finde es grundästzlich richtig wie es ist - nur bei wirkich exzessiven Vermögen sollte der Staat einen kleinen Teil abgreifen dürfen (7) 14%
    3. Ich bin komplett gegen Erbschaftssteuern - von diesem Geld hat der Staat die Finger zu lassen (19) 39%

    Inspiriert von einer kurzen Diskussion im Linken-Thread, würde ich das Thema gerne einma gesondert hier diskutieren.


    Status Quo


    In Deutschland gelten für Erbschaften vergleichsweise großzügige Freibeträge. Zwischen Ehepartnern können 500.000 EUR völlig steuerfrei vererbt werden und von Eltern zu Kindern immerhin auch noch 400.000 EUR.


    Zusätzlich gelten diese Freibeträge auch für Schenkungen und fallen alle 10 Jahre neu an. D.h., wer rechtzeitig anfängt, sein Vermögen an Nachkommen zu übertragen, der kann noch wesentlich mehr ohne jede Steuer an die Nachkommen weiterreichen. So könnten z.B. innerhalb von 20 Jahren bis zu 1,2 Mio. an ein Kind transferiert werden, ohne dass dafür ein einziger Euro Steuer anfällt. Dazu kommen weitere spezifische Ausnahmen, z.B. bei dem Verberben von Wohnungen, die die Erben selbst beziehen.


    Über die Freigrenzen fallen Steuern progressiv an. Bei Kindern bspw. 7% auf jeden Euro über dem Freibetrag bis 75.000 EUR, dann 11% bis 300.000, dann 19% bis 6.000.000, 23% bis 13.000.000, 27% bis 29.000.000 und für jeden Euro über 29.000.000 schlussendlich der maximale Satz von 30%.

    Laut einer Studie vom DIW werden in diesen Jahren bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr vererbt. Die davon gezahlte Erbschaftssteuer war 2015 bspw. 4,42 Mrd (+ ungefähr eine weitere Milliarde Schenkunssteuer). D.h. dass im Durschnitt etwas mehr als 1% Steuer auf die vererbten (und verschenkten) Vermögen anfielen. Man kann objektiv sagen: Das ist nicht viel.


    Das Argument für eine höhere Erbschaftssteuer


    Befürworter einer höheren Steuer argumentieren vor allem über das Leistungsprinzip: Wie kann es sein, dass erarbeitetes Geld (Einkommen) bereits ab 57.052 Euro mit 42% vesteuert wird, aber geschenktes Geld nahezu steuerfrei kassiert werden darf? Wenn vom Gehalt so massiv abgezogen wird, aber von 400 Mrd. EUR rund 395 Mrd steuerfrei weitergereicht werden, läuft da nicht etwas falsch?


    Wäre es nicht für eine Gesellschaft erstrebenswerter, Leistung mehr zu belohnen als Abstammung? Wer erbt, bekommt etwas einfach so. Wer ein Gehalt bekommt, hat dafür etwas gemacht. Wieso wird bei zweitem massiv abkassiert, beim ersten aber nicht?


    Das ist natürlich auch eine soziale Frage: Muss man es als Gesellschaft durch diese quasi-Steuerfreiheit wirklich unterstützen, dass sich das Vermögen in Familien zentriert und die Frage von Reichtum eine Frage der Abstammung ist?


    Passt das zu einer offenen und fortschrittlichen Gesellschaft, so dynastisch zu denken? Sollte das massive Vermögen aus den Erbschaften nicht genutzt werden, um auch mehr für Bildung und Chancengleichheit zur Verfügung zu haben - oder, um Einkommen zu entlasten?


    Das Argument gegen eine (höhere) Erbschaftssteuer


    Geld das vererbt wird, wurde bereits einmal versteuert. An der Stelle kann man fragen: Warum sollte es also erneut versteuert werden? Hat nicht jede Familie das Recht, das Geld an ihre Kinder oder andere Angehörige zu verschenken? Warum geht das den Staat überhaupt etwas an?


    Zwar greift der Staat auch an anderer Stelle auf bereits versteuertes Geld zu (Mehrwertsteuer, Grunderwerbssteuer, etc.), aber man muss das ja nicht noch weiter ausweiten. Zudem wäre die Motivation für Nachkommen zu sparen mglw. geringer, wenn die Erbschaftssteuer höher wäre. Wenn man für seine Nachkommen spart, ist das nicht die Stelle, an der der Staat auch noch die Hand aufhalten sollte.


    Was denkt ihr?


    (meine Meinung folgt in einem separaten Posting auch noch; ich habe hier erst einmal versucht, das Thema einigermaßen objektiv einzuführen)

  • A N Z E I G E
  • Später eventuell ausführlicher, aber mal grad flott aus dem Büro:


    In meinen Augen muss in jedem Fall etwas an Erbschafts- und Schenkungssteuer getan werden. Die Akkumulation von Vermögen über Generationen hinweg ist a) volkswirtschaftlich nicht sinnvoll und b) enormer sozialer Sprengstoff.
    Ausnehmen würde ich hier u.U. die Ehepartner, die im Zweifel dabei geholfen haben das Vermögen ihres Partners überhaupt erst zu ermöglichen.
    Die Kinder von wohlhabenden oder reichen Menschen profitieren über hervorragende Bedingungen und Möglichkeiten (beste Schulen, keine Notwendigkeit Geld im Studium zu verdienen, Praktika bei Geschäftspartnern vom Papa, Auslandsreisen usw. usf.) schon ausreichend. Außerdem sagt ja auch niemand, dass die Erbschaftssteuer 100% betragen muss. Schwierigkeiten tun sich natürlich bei familiengeführten Betrieben auf, aber auch hier wird es Lösungen geben.
    Der angebliche Einbruch der Motivation von Arbeitnehmern oder Unternehmern viel zu leisten, nur weil die Erbschaftssteuer angehoben wird, ist für mich ein Irrglaube. Zum einen sind diese extrem leistungsbereiten Menschen meistens nicht durch den Gedanken getrieben möglichst viel zu vererben und zum anderen, solang die Erbschatfssteuer unter 100% bleibt, vererbt man ja immer noch mehr je mehr man verdient hat.

    CyBoard Rookie of the Year 2008; CL-Tippspiel Sieger 15/16


    Zwischen dem Leben, wie es ist, und dem Leben, wie es sein sollte, ist ein so gewaltiger Unterschied, dass derjenige, der nur darauf sieht, was geschehen sollte, und nicht darauf, was in Wirklichkeit geschieht, seine Existenz viel eher ruiniert als erhält.(Niccoló Machiavelli)

    Einmal editiert, zuletzt von ()

  • Die Freibeträge sollten nach unten gesetzt werden, ja. Und auch die Steuersätze über dem Freibetrag sind in meinen Augen zu niedrig. Gerade wenn man sich anschaut, ab wann der Maximalsatz greift.


    Ich finde der Freibetrag könnte sich an wirtschaftlichen Größen orientieren, die je nach Entwicklung steigen oder fallen. Spontan würden mir da durchschnittliche Jahresgehälter einfallen, oder das BIP pro Kopf. Eine Zahl an der sich der Freibetrag orientiert und dem aktuellen Wohlstand der Gesellschaft angepasst wird.


    Darüber hinaus sollte man in meinen Augen den Erben (zeitlich befristet) die Möglichkeit geben, das vererbte Geld zu reinvestieren. Sprich es fließt wieder in den Steuerkreislauf ein und vermehrt sich nicht auf den Bankkonten. Wobei ja auch da die Kapitalertragssteuer greift.


    Wenn z.B. das vererbte Geld in ein Unternehmen investiert wird und dadurch Arbeitsbedingungen verbessert oder Arbeitsplätze geschaffen werden, sollte es steuerfrei vererbt werden. Der Nutzen der Investition ist mehr wert als die einmalige Steuerzahlung.

  • Steuergerechtigkeit ist immer ein schweres Thema, und für mich ist es wichtig zu unterscheiden, was die aktuelle Umsetzung ist und was die Idee dahinter ist.


    Praktisch ist die Erbschaftssteuer, zumindest in meiner kurzen Zeit als Steuerfachanwalt, immer ein Papiertiger gewesen, und man hat gerne gewitzelt, das wer die bezahlt, auch selbst Schuld ist. Praktisch war nichts einfacher als selbige zu vermeiden. Daher können wir uns sicherlich stundenlang darüber unterhalten, was da falsch läuft, und wie man das besser machen kann.


    Mir fehlt gerade etwas die Zeit, werde aber später meine persönliche Meinung noch kundtun, aber grundsätzlich halte ich die Erbschaftssteuer als auch die Vermögenssteuer für eine gute Idee, die maximal mies umgesetzt ist.

    -"Niemand ist perfekt" und "Du bist perfekt, so wie du bist"

    -1980 und 2021 liegen genauso weit auseinander wie 1939 und 1980.

    -"Schon der Begriff Menschenrechte ist rassistisch." (Mr. Spock)

  • Halte ich, ähnlich wie die Grunderwerbsteuer für eine Steuer, die abgeschafft gehört. Mir fehlt immer noch die Berechtigungsgrundlage (bei beiden). Ich frag mich auch, wie eine Erbschaftssteuer die Schere zwischen Arm und Reich schließen soll.

    D O R A

    Unterschicht

    Oberguru und neuerdings auch Hellseher
    Moralische Instanz

  • Zitat

    Original geschrieben von Sonnenwirt:
    Halte ich, ähnlich wie die Grunderwerbsteuer für eine Steuer, die abgeschafft gehört. Mir fehlt immer noch die Berechtigungsgrundlage (bei beiden).

    Naja, "Berechtigungsgrundlage" finde ich immer schwierig. Für sich genommen ist die bei jeder Steuer schwer zu sehen.


    Was ist die Berechtigungsgrundlage, dass der Staat einfach ein Teil meines Gehaltes bekommt? Was ist die Berechtigungsgrundlage, dass ich bei jedem Einkauf einen Zuschlag zahle, der direkt an den Staat geht? Was ist die Berechtigungsgrundlage, dass der Staat 25% meiner Zinsen oder Gewinne auf Wertpapiere bekommt?


    Für sich genommen fällt es mir auch schwer, zu erklären, warum der Staat zu Einkommes-, Mehrwert- oder Abgeltungssteuer berechtigt ist. Dass es irgendeine Form von Steuern jedoch geben muss, da sind wir uns dann vermutlich einig. Also ist die Frage, wo die genommen wird. Irgendwo muss Steuer greifen.


    Und da finde es es ziemlich komisch, dass sie nahezu komplett beim Einkommen genommen wird, aber quasi gar nicht von einer Erbschaft. Beides ist Geld, dass ich von jemand anderem bekomme. Einmal für eine Leistung und einmal als Geschenk.


    Waurm soll man ersteres hoch besteuern und zweiteres gar nicht? Ideologisch halte es für richtig, Leistung mehr zu belohnen als Abstammung. Der Staat macht es aber umgekehrt.


    "Du bekommst ein großes Vermögen von Deinen Eltern geschenkt? Klar, ist Deins - viel Spaß damit"


    "Du bekommst Geld dafür, dass Du arbeitest und eine Leistung vollbringst? Na dann mal bitte her mit einem großen Teil davon!"


    Passt für mich nicht.

    Zitat

    Original geschrieben von Sonnenwirt:
    Ich frag mich auch, wie eine Erbschaftssteuer die Schere zwischen Arm und Reich schließen soll.

    Naja, wenn man den Fluss des Vermögens über Generation etwas eindämmt, kommt es logischer Weise mehr darauf an, was jemand in seinem Leben erarbeitet als darauf, was er von seinen Eltern geschenkt bekommt. Dass man damit die Schere schließt, glaube ich nicht, das wäre aber auch gar nicht mein Anspruch. Mein Anspruch ist, hier Steuern auf etwas zu nehmen, bei dem ich es absolut sinnvoll fände, Steuern zu nehmen.


  • Dann ersetze das Wort „Berechtigungsgrundlage“ durch was anderes. Letztlich geht es darum, dass die Familie, die dieses Vermögen hat, es schon mal versteuert hat. Deine Gleichstellung zwischen einem Gehalt und der Familie finde ich persönlich unpassend. Eine Familie gehört rechtlich in so vielen Dingen zusammen, man kann sogar - welch Ironie - steuerlich zusammen veranlagt werden. Aber wenn dann einer stirbt soll das, was er hinterlässt, wie ein Gehalt behandelt werden? In meinen Augen passt das nicht. Für mich ist Familie nun mal nicht „jemand anderes“. Eine Familie ist für mich eine Einheit. Von mir aus kann man dann noch differenzieren zwischen Erbschaften von Dritten (Zb Freunden), aber mehr nicht.

    D O R A

    Unterschicht

    Oberguru und neuerdings auch Hellseher
    Moralische Instanz

  • Zitat

    Original geschrieben von Sonnenwirt:
    Dann ersetze das Wort „Berechtigungsgrundlage“ durch was anderes. Letztlich geht es darum, dass die Familie, die dieses Vermögen hat, es schon mal versteuert hat. Deine Gleichstellung zwischen einem Gehalt und der Familie finde ich persönlich unpassend. Eine Familie gehört rechtlich in so vielen Dingen zusammen, man kann sogar - welch Ironie - steuerlich zusammen veranlagt werden. Aber wenn dann einer stirbt soll das, was er hinterlässt, wie ein Gehalt behandelt werden? In meinen Augen passt das nicht. Für mich ist Familie nun mal nicht „jemand anderes“. Eine Familie ist für mich eine Einheit. Von mir aus kann man dann noch differenzieren zwischen Erbschaften von Dritten (Zb Freunden), aber mehr nicht.

    Das mit dem schon vesteuert habe ich aus Gründen der Vollständigkeit oben ja selbst als Argument angeführt, kann das aber nicht ganz nachvollziehen. Bei der Mehrwertsteuer haben wir ja auch kein Problem damit, dass das auf bereits versteuertes Geld anfällt.


    Ich sage übrigens nicht, dass man Erbschaften genau wie ein Gehalt behandeln soll, aber dass man gar keine Steuern darauf zahlt, wenn einem die Familie einfach etwas schenkt, das empfinde ich nicht als gerecht.


    Es finde es einfach völlig falsch, dass "geschenkt bekommen" steuerlich viel nachsichtiger behandelt wird als "dafür gearbeitet haben".


    Irgendwo muss der Staat etwas wegnehmen - und warum er das gerade bei Geschenken von einer Generation auf die nächste nicht tun sollte, das erschließt sich mir nicht.


    Meiner Auffassung nach sollte Wohlstand vor allem durch das kommen, was man selbst geleistet hat. Und auch wenn es schön ist, wenn einen die Familie dabei unterstützt finde ich es nicht gleichermaßen erstrebenswert, das Leute Wohlstand dadurch bekommen, dass die Eltern und Großeltern einem hintelassen. Und dass der Staat steuerrechtlich genau in die andere Richtung steuert (also gerade das Vermögen derer besonders vermindert, die dafür arbeiten), das finde ich nicht richtig.

  • Mich wundert, dass zumindest ein Drittel hier finden, der Staat sollte Geschenke wirklich komplett steuerfrei behandeln. Ich finde das nicht nur unsolidarisch (reiche Familie können Geld ohne jeden Beitrag über Generation einfach weitergeben), sondern auch ungerecht.


    Folgendes habe ich im anderen Thread schon ausgeführt, möchte es aber nochmal ausbreiten: Man sollte Politik nicht zu persönlich machen, aber wenn ich betrachte, wie Steuern angefallen sind, bis ich mir meine Wohnung gekauft habe, sieht das wie folgt aus:


    1. Schritt: Mein Einkommen, das ich gespart habe, habe ich natürlich versteuert müssen. In einigen Teilen bis zu 42%


    2. Schitt: Auf die Zinsen, Renditen und Wertgewinne von dem, was ich mit diesem Geld angelegt habe, habe ich jeweils noch bis zu 25% Abgeltungssteuer bezahlt


    3. Schritt: Beim Kauf der Wohnung selbst durfte ich noch 6,5% Grunderwerbssteuer bezahlen. Das habe ich mit dem Geld aus Schritt 1 & 2 gemacht


    Und das ist ja kein Sonderfall. Jeder, der sich so etwas selbst erarbeitet, läuft durch diese Steuern hindurch. Das ist - wenn man es sich selbst erarbeitet - der normale Weg zum Wohneigentum.


    Kriegt ein Erbe ohne jede Gegenleitung eine Wohnung vererbt, zahlt der nicht einmal die 6,5% Grunderwerbssteuer. Er kriegt das einfach so und zahlt gar nichts an den Staat. Nicht mal einen einzigen Euro. Wenn Eltern es geschickt machen und zu Lebzeitungen schon Schenkungen durchführen, kann somit sogar ein Haus im Wert von 1,2 Mio. in 3 Etappen über 20 Jahre komplett steuerfrei an ein Kind übertragen werden.


    Wie kann man das denn bitte fair finden?


    Nicht falsch verstehen: Es ist völlig okay, dass man Einkommen versteuert. Ich finde das in der aktuellen Höhe auch in Ordnung. Ich finds auch okay, dass Kapitalerträge versteuert werden. Aber dass all das genutzt wird, um de facto steuerfreie Erbschaften zu subventionieren, finde ich komplett daneben.


    Eine Gesellschaft sollte Abstammung nicht stärker fördern als Leistung. Aktuell tut man das aber. Wer reiche Eltern hat, kriegt ohne Steuern Reichtum geschenkt. Wer sich Geld erabeitet, zahlt eine Menge Steuern. Ganz ehrlich: What the fuck!?!


    Ich bin natürlich nicht für eine 80%-Erbschafts-Steuer oder so etwas. Ich finds auch völlig okay, wenn einige Geld von ihren Eltern kriegen. Schön für sie. Aber warum auf eine Erbschaft von 400k nicht wenigstens 20% oder so anfallen will mir echt nicht in den Kopf.


  • Und genau das sehe ich nicht so. Warum muss der Staat, wenn ich meiner Tochter was hinterlasse, was wegnehmen?


    Zitat


    Meiner Auffassung nach sollte Wohlstand vor allem durch das kommen, was man selbst geleistet hat. Und auch wenn es schön ist, wenn einen die Familie dabei unterstützt finde ich es nicht gleichermaßen erstrebenswert, das Leute Wohlstand dadurch bekommen, dass die Eltern und Großeltern einem hintelassen. Und dass der Staat steuerrechtlich genau in die andere Richtung steuert (also gerade das Vermögen derer besonders vermindert, die dafür arbeiten), das finde ich nicht richtig.


    Der Satz in Klammern ist in meinen Augen kompletter Humbug. Er zeigt aber, dass wir da eh nicht zusammenkommen werden. Wir haben ja schon nicht das gleiche Empfinden für den Begriff Familie in dem Zusammenhang. Und das ist für mich eben ein essentieller Teil dieser Diskussion.


    Ich habe als (zu dem Zeitpunkt) einer von vier Leuten für die letzte Option gestimmt und wollte, dass die Seite hier sich auch mal zu Wort meldet. Natürlich kannst du das anders empfinden, aber bis auf so Buzzwords wie „Unfair“ und Vergleiche zwischen Äpfel und Birnen kam bei dieser Diskussion (nicht nur in diesem Thread) nicht viel, was mich zum ändern meiner Meinung bewegen könnte.


    Ah geil, in der Zwischenzeit ist das zweite so beliebte Buzzword gefallen: Unsolidarisch. Die beiden Begriffe, oder wie Udo Lattek sie nannte „Neid“ und „Missgunst“ vergiften leider viele Diskussionen und bringen Sie auf eine oftmals übertriebene emotionale Ebene. Schade.

    D O R A

    Unterschicht

    Oberguru und neuerdings auch Hellseher
    Moralische Instanz

  • Zitat

    Original geschrieben von Sonnenwirt:
    Und genau das sehe ich nicht so. Warum muss der Staat, wenn ich meiner Tochter was hinterlasse, was wegnehmen?

    Wenn ich sage "Irgendwo muss der Staat etwas wegnehmen" meine ich damit Steuern im Allgemeinen. Ich denke also schon, dass Du das auch so siehst. Irgendwie muss der Staat und das Sozialsystem ja finanziert werden. Die Frage ist nur, wo er die Steuern wegnehmen soll.


    Du sagst offenbar, dass man das gerne beim Einkommen machen soll, aber nicht bei Erbschaften. Ich finde das falsch, weil das Geschenke für die man nichts geleistet hat steuerrechtlich besser stellt als Dinge, für die man arbeitet. Das missfällt mir.

    Zitat

    Original geschrieben von Sonnenwirt:
    Ah geil, in der Zwischenzeit ist das zweite so beliebte Buzzword gefallen: Unsolidarisch. Die beiden Begriffe, oder wie Udo Lattek sie nannte „Neid“ und „Missgunst“ vergiften leider viele Diskussionen und bringen Sie auf eine oftmals übertriebene emotionale Ebene. Schade.

    Ich finde es falsch, das immer auf diese Eben zu heben. Es geht nicht darum, dass ich Leuten ihr Erbe nicht gönne. Das macht meiner Meinung nach auch keinen Sinn.


    Zum einen erschließt sich mir das schon rein logisch nicht: Wenn ich z.B. für eine Erbschaftssteuer von 20% auch auf die ersten 400k bin (das ist ja die Zahl, die ich genannt habe) - warum sollte damt mein Neid stehen oder fallen? Auf 400k bin ich neidisch, auf 320k nicht mehr, oder wie?


    Im Übrigen wäre das mit dem Neid auch komisch, denn in dem von mir favorisierten Modell würde ich beim Ableben meiner Eltern auch deutlich mehr Steuern auf deren Vermögen zahlen (ich bin Alleinerbe). Zudem habe ich auch eine Tochter, der ich hoffentlich auch mal was vererbe. Insofern weiß nicht, ob das wirklich Sinn macht, anzunehmen, mir würde es hier um Neid gehen.


    Mir gehts pragmatisch darum, dass der Staat irgendwo Steuern einziehen muss. Ich finde es falsch, dass nahezu nur bei Einkommen zu machen, für das die Leute arbeiten. Ich finde es zwar fair, dass Einkommen versteuert werden, aber genau so fair finde ich es auch, wenn Geschenke vesteuert werden. Das Geld sollte meiner Meinung nach aus beidem kommen - nicht nur aus einem.

  • Zitat

    Original geschrieben von Stingray:
    Wenn ich sage "Irgendwo muss der Staat etwas wegnehmen" meine ich damit Steuern im Allgemeinen. Ich denke also schon, dass Du das auch so siehst. Irgendwie muss der Staat und das Sozialsystem ja finanziert werden. Die Frage ist nur, wo er die Steuern wegnehmen soll.



    Steuern an sich sind ja in Ordnung. Zahlen wir ja auch genug, durch ESt, USt, Grundsteuer - und dann kommen ja noch so Späße wie Soli dazu.


    Zitat


    Du sagst offenbar, dass man das gerne beim Einkommen machen soll, aber nicht bei Erbschaften. Ich finde das falsch, weil es Geschenke für die man nichts geleistet hat damit steuerrechtlich besser stellt als Dinge, für die man arbeitet.


    Ja, dass hast du ja jetzt ungefähr 37 mal geschrieben. Eingegangen auf meinen Punkt, dass ich die Familie als eine Einheit sehe (was das Steuerrecht ja zT auch macht) bist du nicht einmal. Wo ist denn die Logik, dass meine Frau und ich eine Steuererklärung abgeben können, aber wenn dann mein Vermögen (was nur auf dem Papier meins ist, weil wir nun mal eine Familie sind) soll sie das nochmal extra versteuern? Dasselbe mit unserer Tochter: Wir bauen unsere Finanzen natürlich so auf, dass sie was hat und in ihr Erwachsenenleben nicht mit Null startet und wenn es uns mal nicht mehr geben sollte, sie zumindest finanziell eine Hilfe hat - und dabei ist es mir egal, wie alt sie dann ist. Sie ist integraler Bestandteil meines Lebens, viele Entscheidungen hätte und werde ich nicht so treffen, wenn sie nicht wäre. Für mich ist es ein Unding, dass da dann nochmal (Betonung: NOCHMAL) Steuern drauf sollen.


    Aber wie Ahab es gesagt hat: Da ist das einzelne Empfinden nun mal sehr unterschiedlich. Ich habe nur das Gefühl, dass du mich hier bekehren willst. ;)


    Edit: Boah Stingray, mach dich doch mal schlau, als ob der Staat nur (oder nahezu) Steuern von dene erheben würde, die arbeiten. Ich bitte dich, meine Güte....

    D O R A

    Unterschicht

    Oberguru und neuerdings auch Hellseher
    Moralische Instanz

  • Zitat

    Original geschrieben von Sonnenwirt:
    Eingegangen auf meinen Punkt, dass ich die Familie als eine Einheit sehe (was das Steuerrecht ja zT auch macht) bist du nicht einmal. Wo ist denn die Logik, dass meine Frau und ich eine Steuererklärung abgeben können, aber wenn dann mein Vermögen (was nur auf dem Papier meins ist, weil wir nun mal eine Familie sind) soll sie das nochmal extra versteuern? Dasselbe mit unserer Tochter: Wir bauen unsere Finanzen natürlich so auf, dass sie was hat und in ihr Erwachsenenleben nicht mit Null startet und wenn es uns mal nicht mehr geben sollte, sie zumindest finanziell eine Hilfe hat - und dabei ist es mir egal, wie alt sie dann ist. Sie ist integraler Bestandteil meines Lebens, viele Entscheidungen hätte und werde ich nicht so treffen, wenn sie nicht wäre. Für mich ist es ein Unding, dass da dann nochmal (Betonung: NOCHMAL) Steuern drauf sollen.


    Aber wie Ahab es gesagt hat: Da ist das einzelne Empfinden nun mal sehr unterschiedlich. Ich habe nur das Gefühl, dass du mich hier bekehren willst. ;)

    Was heißt bekehren. Ich will es eben diskutieren. Ob Du dann am Ende Deine Meinung überdenkst oder nicht ist Deine Sache. Ebenso wie es meine ist, was ich mit den Argumenten anderer anfange.


    Dass Familie eine schützenswerte Einheit ist, stelle ich gar nicht in Frage. Aber das heißt für mich nicht, dass sie deswegen automatisch riesige Vermögen von einer Generation in die andere transferieren kann. Insofern überzeugt mich der Vergleich mit der Steuergemeinschaft auch nicht. Zum einen bin ich davon auch kein Freund, zum anderen aber ist auch das nur eine Bevorteilung der Familie und keine völlige Abschaffung von Steuern. Es ermöglicht der Famile einen finanziellen Vorteil - den können wir gerne so auch aufs Erbrecht übertragen.


    Meinetwegen soll das Erbe an Kinder oder Ehepartner anders besteuert werden, als Geschenke an Fremde - da gehe ich ja noch mit. Aber muss es faktisch nahezu 0% sein? Das ist der Punkt, den ich nicht einsehe.


    Und bei der Frage, für was so alles Steuern erhoben werden, muss man eben abwägen: Wo ist das fairer und wo weniger fair? Und ich finde es fairer, wenn meine Tocher mal 20-30% auf das von mir vererbte Vermögen bezahlt (sie kriegt ja trotzdem noch eine gute Starthilfe, wenn es bei uns nicht alles noch den Bach runter gehen sollte), als dass sie von ihrem Gehalt einen derart großen Teil immer an den Staat weiterreichen muss.


    Für mich ist das einfach die falsche Botschaft, wenn Geld durch Leistung zum großen Teil abgegeben werden muss, das geschenkte Geld aber nicht.

  • Zitat

    Original geschrieben von Sonnenwirt:
    Edit: Boah Stingray, mach dich doch mal schlau, als ob der Staat nur (oder nahezu) Steuern von dene erheben würde, die arbeiten. Ich bitte dich, meine Güte....

    Hier ist eine Auflistung der Steuereinnahmen des Bundes:


    https://www.destatis.de/DE/The…vor-steuerverteilung.html


    Wie Du siehst ist Lohnsteuer der deutlich größte Block. Und das wird sogar noch deutlicher, wenn man andere Arten der Steuer auf Einkommen (veranlagte Einkommenssteuer, Abgeltungsteuer) mit reinzählt.


    Dass auch Leute, die nicht arbeiten bspw. eine MwSt. zahlen ist klar - aber was hat das damit zu tun, dass ich den mit Abstand größten Steuerblock (Lohnsteuer) gegen einen der kleinsten (Erbschaftssteuer) halte und sage, dass mir das Verhältnis stark missfällt und ich das für eine ungerechte Art der Belastungsverteilung halte?

  • Zitat

    Original geschrieben von Stingray:
    Für mich ist das einfach die falsche Botschaft, wenn Geld durch Leistung zum großen Teil abgegeben werden muss, das geschenkte Geld aber nicht.


    Genauso sehe ich es auch.


    Hinzu kommt die sehr hohe Grenze von 400.000 Euro - und die ersten 400.000 Euro sind grundsätzlich steuerfrei. Alles darüber wird besteuert.


    Bekomme ich also 700.000 Euro vererbt, muss ich auf die 400.000 nix zahlen und meinetwegen vereinfacht 20 % (hoch gegriffen, ich weiß) auf die 300.000 - also bekomme ich de facto immer noch lockere 640.000 als Erbe.
    Geschenkt, ohne jegliche Leistung. Ist das wirklich zu viel dafür, dass ich nichts dafür geleistet habe?


    Wohlgemerkt, ich gehe hierbei von aus, dass die eigene Wohnung nicht Teil der 400.000 ist, was aber denke ich auch der Fall ist. Selbst wenn man im Schloss wohnen sollte.


    Hier trifft es grundsätzlich also niemanden, der am Existenzminimum krebst, sondern nur grundsätzlich recht gut Betuchte. Von daher frage ich mich, ob das in diesen Dimensionen auch nur ansatzweise wehtut.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!

A N Z E I G E