WWE: Daniel Bryan im großen Interview über sein kurzes WrestleMania-Match gegen Sheamus, die "YES"-Chants, veganes Essen, Tourstress, Vergleich zwischen WWE und Independent Bereich und noch viel mehr! Verfasst von Frollo am 14.04.2012, 19:52 Uhr |
Daniel Bryan gab dem Online-Magazin "GQ" ein sehr interessantes Interview. Dort sprach der ehemalige World Heavyweight Champion u.a. über sein kurzes WrestleMania-Match gegen Sheamus, die "YES"-Chants, veganes Essen, den Tourstress und noch viel, viel mehr. Außerdem vergleicht er auch noch den Independent Bereich mit der WWE. In der Folge präsentiert euch MOONSAULT.de das komplette Interview.
GQ: In den letzten Wochen wurde die Unterstützung vom Publikum immer größer. War dies für dich eine Überraschung?
Daniel Bryan: Yeah, das war wirklich eine Überraschung, besonders die Reaktionen am Montag nach WrestleMania in Miami. Dies habe ich so nicht erwartet. Wie konntest du nur?
Dieser Montag war eben ein besonderer Abend. Was hast du aber an diesem Abend gedacht, als die Chants ausbrachen und diese Chants den ganzen Abend über anhielten?
Ich dachte, dass dies nicht real sei, dass diese Leute alle hinter mir stehen. Aber vielleicht standen diese Leute auch nicht hinter mir? Vielleicht hat es auch einfach nur Spaß gemacht, "YES!" zu chanten. Aber es war verdammt cool. Nach der eigentlichen Show kam ich noch einmal zum Ring und es war ein sehr besonderer Moment für mich, als das Publikum zu 100% hinter mir stand.
Hast du denn eine Idee, warum die Reaktion zu diesem Zeitpunkt so waren?
Gerade in Miami war dies eher eine Antwort auf mein kurzes WrestleMania Match. Viele Leute wollen mich einfach nur ausbuhen, aber sie sind auch ein wenig wie ich. Sie wollen nicht, dass mir etwas schreckliches passiert, wie ein Niederlage innerhalb von 18 Sekunden bei einer WrestleMania. Vor allem die "Hardcore Fans", die nur zu WrestleMania reisen. Sie kommen aus der ganzen Welt um bei WrestleMania dabei zu sein. Viele dieser Leute kennen meine Geschichte, wie lange ich brauchte, um ein Match bei einer WrestleMania zu bestreiten. Und dann war es soweit und ich verlor innerhalb 18 Sekunden. Und so etwas generiert eine Menge Wut.
Teilst du diese Wut?
Natürlich. Ich war schon vier Monate lang der World Heavyweight Champion. Ich wollte zum Ring kommen und die Show stehlen. Ich wurde von Shawn Michaels trainiert und für die Showstealer ist er ja bekannt. Ich hatte schon immer die Denkweise, dass meine wrestlerischen Fähigkeiten genauso gut oder sogar besser als die der WWE Superstars sind. Ich hatte mich echt gefreut, dass ich zum Ring kommen kann, um zu zeigen, was ich kann. Aber daraus wurde leider nichts.
Wie lief denn die Konversation ab, als man dir mitteilte, wie dieses Match enden wird?
Ein wirkliches Gespräch gab es nicht. Dies ist mein Job, verstehst du? Du musst es machen, auch wenn du es nicht magst. Aber dann muss man eben nach draußen gehen und das Beste aus der Sache machen. Ich ging zum Ring und habe den bestmöglichen Entrance abgeliefert. Du musst nur dein Bestes geben, mehr kann man nicht machen.
Das Publikum bekommt nicht immer das, was es auch will. Dafür ist die WWE auch bekannt. Aber nach all dem kann die WWE dies doch nicht einfach ignorieren.
Gut, zum Beispiel war ich in der letzten Wochen nicht bei RAW. Es gab eine Menge "YES!"-Signs, aber ich war nicht da. Es gibt viele Sachen, die bis ins Detail gehen, es war auch eine hektische Show. Aber ja, so etwas kommt schon mal vor.
Was hast du dir für die Zukunft vorgenommen?
Ich will meinem Charakter etwas mehr Aggressivität verleihen. Die World Heavyweight Championship in 18 Sekunden zu verlieren - ob Storyline oder nicht - macht mich wütend. Wenn du vier Monate lang World Champion warst und innerhalb 18 Sekunden die Championship verloren hast...durch einem "Cheap Shot"...würde dies dich auch wütend machen. Die aggressivere Seite meines Charakters will ich schon stärken. Aber wer weiß schon, was in Zukunft alles passieren kann? Ich hoffe natürlich, dass meine Fans immer noch hinter mir stehen werden. Selbst wenn die "YES"-Chants nur Spott sind, will ich, dass die Leute mich so sehen, wie in den letzten Monaten. Als einen Top-Star von SmackDown!.
Mit wem würdest du gerne einmal im Ring arbeiten?
Ich würde ja gerne mal ein gutes Match gegen Sheamus bestreiten [lacht]. Letztes Jahr sollten wir bei WrestleMania um die United States Championship antreten, jedoch wurden wir von der finalen Card gekickt. Dieses Jahr sollten wir um die World Heavyweight Championship antreten, allerdings ging dieses Match nur 18 Sekunden. Wir mögen uns nicht, aber unsere Stile passen sehr gut zusammen. Wir beide arbeiten sehr hart und wollen immer die Show stehlen. Ob es nun bei WrestleMania oder irgendeine Houseshow in Athens, Georgia ist. Wir wollen, dass die Leute im Anschluss über uns reden.
Du und Sheamus habt auch vor ein paar Jahre in einem "Holiday Camp" in England gewrestlet, richtig?
Ja, das ist richtig. Sheamus verbrachte offensichtlich weniger Zeit im Independent Bereich als ich. Aber ich wrestlete für sehr lange Zeit in Turnhallen vor 35 Leuten. Aber ich verbrachte auch viel Zeit in Japan, wo ich im Ring vor 55,000 Leuten stand. Aber ja, vor fünf Jahren hätten wir in einer kleinen Halle vor 40 Leuten wrestlen können.
Wo kommen denn eigentlich die "YES!"-Chantes her? War es deine Idee?
Es war einfach nur "Wie werde ich so unausstehlich wie möglich?". Das "YES!" kommt vom UFC-Fighter Diego Sanchez, ein gewaltiger Fighter, aber er hat auch diese kleinen widerwärtigen Aspekte zu seinem Charakter. Eine Sache, die er immer machte - jetzt aber nicht mehr - war, dass wenn er zum Käfig kam, er immer "YES! YES! YES!" rief. Nicht so wie ich dies mache, sondern als eine Art positive Bestätigung, dass er den Kampf gewinnen kann. Ich dachte mir immer "Ich mag den Kerl, aber das nervt!". Und dann wurde ich der böse Typ, ich fing damit an und es funktionierte. Apropos Diego Sanchez, in seinem letzten Kampf tat er etwas Lächerliches. Er schwang ein Kreuz vor sich hin und her, als wenn er einem Vampir abwehren will. Sollte sich mein Charakter komplett ändern, werde ich dies auch machen [lacht].
Ich liebte deinen Title-Run. Es wäre cool, wenn du noch weitere Gegner besiegt hättest, indem du einfach den Sieg auf irgendeiner Art und Weise stiehlst. Dies war meiner Meinung immer sehr gut gemacht.
Davon war ich auch begeistert. Ich habe allerdings nicht gedacht, dass ich so lange Champion bleiben durfte. Als ich den Titel gewann, dachte ich "Oh, dies ist eh nur eine vorübergehende Sache. Beim Royal Rumble verliere ich den Titel wieder". Aber es stärkte mich, da ich im Main Event stehen konnte und dazu noch einen guten Job machte.
Wie schwer ist es, unterwegs veganes Essen zu finden?
Das ist sehr schwer. Morgens finden diverse Interviews statt, so dass ich um 05:45 Uhr in der Hotel Lobby sein musste. Zwischen zwei Interviews haben wir eine Stunde Pause. Und in dieser Stunde einen Laden zu finden, welcher veganes Essen anbietet und auch noch so früh öffnet, ist sehr schwer. Aber wir haben hier in Virginia solch einen Laden gefunden. Schwieriger ist es aber am Abend, nach der Show. Wenn man um 22:30 Uhr fertig ist und noch 250 Meilen fahren muss, ist es sehr schwer. Deshalb bringe ich mein Essen meistens selber mit.
Welche Stadt bietet denn für dich die besten Optionen?
Ich liebe Chicago. Ich liebe aber auch Seattle, weil ich von dort komme und so "meine" Plätze schon kenne. Auch liebe ich Baltimore. Dort gibt es gegenüber vom Flughafen einen veganen Laden, wo ich immer hingehe, wenn wir in Baltimore ankommen. Dort gibt es echte Leckerbissen. Aber in den großen Städten findet man immer einen guten Platz.
Du hörst sehr gerne Indie Rock. Was hörst du derzeit so?
Aktuell bin ich ein ganz großer Fan von Frank Turner. Vor kurzem war er in Las Vegas, wo ich wohne und ich vermisse ihn. Wir hatten am Samstag eine Show und ich musste deshalb am Freitag schon abreisen, wo er in der Stadt war. Er ist aktuell mein Fave. Ich hatte aber auch einmal eine Hit Single mit Kimya Dawson. Sie war für den Soundtrack von "Juno" mitverantwortlich, und sie war ein Teil von Moldy Peaches. Ok, es war jetzt keine Hit Single! [lacht]. Im Song ging es über Captain Lou Albano.
Ist die Musik etwas, was du weiterhin machen möchtest?
Nein, Nein. Ich habe eine schreckliche Stimme. Sie [Kimya Dawson] wollte Lou Albano einen Song widmen. Sie kennt mich, ich bin ein Wrestler und sie liebt das Wrestling. Sie meinte dann "Hey, du bist die Stimme im Hintergrund". Ab und zu rappe ich, aber ich glaube nicht, dass es für die große Karriere reicht.
In der Dokumentation "Wrestling Road Diaries" sieht man dich, wie du früher immer in jeder Stadt diverese Tapes in Secondhand-Shops gekauft hast. Hast du dazu immer noch Zeit?
Es ist schwer, da ich nicht einmal mehr die Zeit dazu habe, mir alle Tapes anzuhören. Sonntags verlasse ich Las Vegas und bin für 25 Tage nicht Zuhause. Im Independent Bereicht wrestlete ich nur zwei oder drei Mal die Woche. Ich ging nach Japan, wo ich natürlich länger abwesend war, aber normalerweise war ich an drei oder vier Tagen Zuhause, wo ich auch die Zeit hatte, mir alles Tapes anzuhören. Jetzt bin ich ständig unterwegs und ich weiß nicht, ob es das Geld wert ist. Ich habe immer um die 250 Dollar im Monat für die Tapes ausgegeben, doch jetzt hätte ich keine Chance, mir alles anzuhören.
Wie schwer sind eigentlich die ganzen Reisen? Macht es dich kaputt?
Es gibt keine Pause, dies ist der schlimmste Teil. Man bekommt keine zwei Wochen Pause, nur um sich mal zu erholen. Bis man sich mal verletzt, und dies will keiner. Es gibt keine Verschnaufpausen. Monday Night RAW ist jeden Montag, also bekommt man nie länger vier Tage frei. Und dies kann sehr anstrengend sein. Aber so ist es eben.
Vermisst du den Independent Bereich, oder bist du in der WWE glücklicher?
Auf beiden Seiten gibt es positive und negative Aspekte. Ich wollte schon immer in die WWE wegen meinen Leistungen. Im Independent Bereich konnte ich alles machen und ich wollte sehen, wie weit ich damit in der WWE komme. So etwas kann man sehr lange machen und irgendwann kommt der Punkt, wo man genug Geld verdienen möchte, damit man auch etwas nach dem Wrestling davon hat. Oder wo man Geld braucht, um auch mal etwas anderes zu machen. Am meisten vermisse ich aber die Leute. Ich habe und hatte sehr viele Freunde im Independent Bereich. Dies hat sich in den zehn Jahren eben entwickelt. Solche Freundschaften entstehen nicht von heute auf morgen. In der WWE merkt man, dass man hier die Konkurrenz aus dem Weg räumen will. Hier gibt es nur ein paar Top-Spots, der Rest geht meistens leer aus. Hier will man nicht unbedingt Freundschaften schließen, so wie im Independent Bereich.
Aktuell kommen doch immer mehr "IndyGuys" in die WWE. Wie Claudio Castagnoli und Chris Hero.
Ja und darauf bin ich gespannt. Ich hoffe, dass sie mit "On The Road" gehen. Das wäre cool. Aber sie sind immer noch im Developmental Bereich. Wenn man vom Developmental Bereich ins TV kommt, weiß man nie, warum überhaupt. Man könnte auch mehrere Jahre im Developmental Bereich verbringen. Mein Freund Tyler Black, der jetzt als Seth Rollins bekannt ist, würde ich gerne im TV sehen. Für mich wäre dies ziemlich cool, aber wer weiß schon, wann diese Talente in die TV-Shows kommen?
Was war denn deiner Meinung nach dein bestes Match in der WWE?
Ein richtiges Lieblingsmatch habe ich nicht. Ich hatte eine Serie an Matches gegen William Regal, die meisten davon in England, wo die Leute auch hinter William Regal standen und gegen mich waren. Und da war ich noch der gute Typ. Diese Matches liebte ich. William Regal spielte eine große Rolle in meiner Ausbildung. Seit ich 18 Jahre alt war, war er mein Mentor. Für uns war es einfach ein Knaller, gemeinsam in den Ring zu steigen und zu wrestlen, wie nur wir es tun können.
Und wie sah es vor der WWE aus? Lieblingsmatches oder -fehden?
Dies ist sehr schwer. Ich liebte es gegen Nigel McGuinness im Ring zu stehen. Und dieses eine Match fand in England statt, Nigel ist Brite und die Leute liebten ihn. Ich rammte seinem Kopf gegen eine Stange und er blutete heftig. Die Crowd fühlte mit ihm mit. Es war eines dieser Matches, wo man zum Schluss fühlen konnte, dass man die 1,200 anwesenden Leute berührt hat. Auch dies vermisse ich am Independent Wrestling. Die Intimität vom Publikum. Dies war eines meiner Lieblingsmatches.
Du kennst CM Punk schon seit sehr langer Zeit. In der Indy-Szene nanntest du dich "The Best in the World" und er hat dies nun zu seiner Catchphrase gemacht. Hat er dies mit dir vorher noch geklärt?
Nein, hat er nicht [lacht]. Genaugenommen haben wir darüber noch gar nicht gesprochen.
Und darüber bist du nicht sauer?
Nein, überhaupt nicht. Chris Jericho hat mal etwas ähnliches gemacht, nachdem ich dies schon gemacht hatte. Das einzig lustige an dieser Sache ist, dass der Schriftzug auf der Rückseite seines "Best in the World"-Shirts fast identisch mit dem "Best in the World" auf der Rückseite von meinem Ring of Honor Shirts ist. Das ist einfach lustig.
CM Punk benutzt aktuell "Cult of Personality" von Living Colour, wie schon im Independent Bereich, und die WWE hat es für ihn lizenziert. Du hast damals "The Final Countdown" von Europe benutzt. Gab es Gespräche, dass man für dich "The Final Countdown" lizenzieren möchte?
Es gab genau null Gespräche. Man hat es nie erwähnt. Vielleicht ändern sich die Dinge ja noch. Aber weißt du, ich mag den "Ritt der Walküren"-Mix, den ich aktuell habe.
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