Kolumnen: [Lion's Take] Are you serious, bro? Ein Internet-Mark ist Wrestling-Champion von Amerika! [WWE-Aufsteiger Dez. 2011] Verfasst von Lionheart am 02.01.2012, 00:13 Uhr
Zack Ryder im Dezember 2011: Are you serious, bro? Ein Internet-Mark ist Wrestling-Champion von Amerika!
Der Dezember 2011 ist Geschichte und damit ist es für MS.DE-Mitarbeiter Lionheart an der Zeit, zum letzten Mal für das vergangene Kalenderjahr einen „Aufsteiger des Monats“ zu küren. Die Auswahl an Kandidaten war dabei in den letzten vier Wochen so groß wie selten zuvor: Im Dezember überschlugen sich teilweise die Ereignisse bei RAW und SmackDown!. CM Punk gewann zwei Slammys und den Main Event von TLC, Big Show besiegte in einem vierten PPV-Match endlich Mark Henry und wurde dabei zum fünftenmal in seiner Karriere World Champion. Daniel Bryan cashte seinen „MitB“-Koffer doch noch frühzeitig (und nicht erst bei WM28) ein und gewann so seinen ersten WWE World Title. Und Dolph Ziggler stieg am Ende des Monats zum neuen Herausforderer für CM Punk auf. Doch am Ende standen alle diese Superstars im Schatten eines Mannes, der vor knapp einem Jahr als WWE-Edeljobber auf Youtube eine eigene Internet-Show startete. 12 Monate später ist er der WWE-Aufsteiger Dezember 2011“ und der neue WWE US Champion. Wer? Woo Woo Woo … you know it.
Der Aufstieg von Zack Ryder im Jahr 2011 war in vielerlei Hinsicht eine überaus bemerkenswerte Aschenputtel-Geschichte für die seit Jahren etablierten Strukturen im McMahon-Imperium und fand im Dezember im Gewinn der WWE US Championship einen lange nicht mehr für möglich gehaltenen Höhepunkt. Denn dem ehemaligen TagTeam-Partner von Curt Hawkings gelang etwas, was in Stamford eigentlich viele Jahre als verpönt galt: Er wurde „over“, ohne dass es die Mächtigen der Promotion eigentlich geplant hatten. Der Siegeszug der neuen Medien und die Macht der allgegenwärtigen „Social Networks“ machte dies am Ende möglich, obwohl Ryder lange Zeit überhaupt nicht bei RAW oder SmackDown! zu sehen war. Doch der Reihe nach:
Der heute 26jährige Matthew Cardona aus Long Island, New York, unterschrieb im Februar 2006 einen Development-Vertrag bei der WWE. In der Farm-Liga Deep South Wrestling steckte man ihn schnell mit Bryan Myers (dem späteren Curt Hawkins) in ein TagTeam und nannte die beiden blonden Youngsters „Majors Brothers“. Als Team sollten sie dann bis Mitte 2009 im McMahon-Imperium auf den verschiedensten Stationen zusammenbleiben. In diesen drei Jahren gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass einer von ihnen einmal einen großen Durchbruch als Singles-Star feiern würde. Die Majors Brothers gewannen zunächst die DSW TagTeam Championship von den Untouchables (den späteren „Deuce & Domino“), die sie dann nach dem Vakatieren der Titel 2007 ein zweitesmal erringen konnten. Kurz danach wechselten sie schließlich in die höher angesehene Development-Liga Ohio Valley Wrestling (OVW). Auch dort bookte man sie binnen kürzester Zeit zu einem TagTeam-Title-Run. Im Juni 2007 nahmen die Majors Brothers den amtierenden Champions Bolin Services die Gürtel ab. Bereits im Mai 2007 waren sie aber auch schon ins „Main Roster“ der WWE hochgezogen worden. Als „Major Brothers“ (ohne „s“) debütierten sie im ECW-Kader bei der Dienstagsshow „ECW on SciFi“. Dort gewannen sie allerdings nur ihr erstes TV-Match, danach folgte direkt eine Niederlagenserie. Im Zuge der Tragödie um Chris Benoit, der eigentlich ab Sommer 2007 das ECW-Roster als Champion hätte anführen sollen, mussten die WWE-Writer ihre Energie auf neue Storyline-Ideen um den ECW-Titel konzentrieren. Die „Major Brothers“ waren da schnell wieder vergessen und wurden daher bei der Draft Lottery 2007 im „Supplemental Draft“ auf WWE.com ins SmackDown!-Roster abgegeben. Dort blieben beide Männer als TagTeam monatelang Undercarder, bis sie Ende des Jahres – völlig überraschend – Teil eines großen Heel-Stables wurden.
Edge hatte bei der Survivor Series 2007 ein überraschendes Comeback gefeiert und verbündete sich im Dezember mit Vickie Guerrero, um Theodore Long als SmackDown!-„General Manager“ zu entmachten. Bei Armageddon 2007 gewann er dann in einem „Triple Threat“-Match tatsächlich den World Title von Batista, nachdem sich die „Major Brothers“ sich als Doppelgänger von Edge verkleidet hatten, in den Ring gesprungen waren und dort für jede Menge Verwirrung gesorgt hatten. Fortan waren die „Major Brothers“ in der WWE Geschichte. Neu auf der Bildfläche waren dagegen die „Edgeheads“: Curt Hawkins und Zack Ryder. Unter neuen Namen zogen sich die beiden TagTeam-Partner weiterhin wie ihr Anführer an und wurden für ein halbes Jahr seine „Rated-R Entourage“:Seine wichtigsten Handlanger in den SmackDown!-Shows. Als Teil von „La Familia“ waren sie zwar oft genug die Prügelknaben des Stables, bekamen dafür aber nun immerhin kostbares Spotlight und wertvolle TV-Zeit in den „Main Event“-Stories der Freitagsshow. Doch obwohl sie Mitte 2008 sogar für kurze Zeit die SmackDown!-TagTeam-Titel gewinnen konnten (als jüngste TagTeam-Champions der WWE aller Zeiten !!!), blieben sie in den Shows trotzdem in den Rollen von Edeljobbern gefangen. Als „La Familia“ im Spätsommer 2008 schließlich zerbrach, verschwanden beide Männer wieder in der Bedeutungslosigkeit. Ihre TagTeam-Titel mussten sie gleich bei ihrer ersten Titelverteidigung „on TV“ wieder abgeben (an Carlito & Primo Colon). Danach verjobbte man sie monatelang in der Undercard, bis man das Team im April 2009 schließlich ganz auflöste und Zack Ryder ins ECW-Roster schickte.
Dieser hatte derweil bereits das erste Mal eine andere Plattform für sich entdeckt, um das WWE-Universe auf sich aufmerksam zu machen: In der Internet-Show „The Dirt Sheet“ der damaligen WWE TagTeam Champions „John Morrison & The Miz“ schaffte es Zack Ryder (zusammen mit Curt Hawkins) zu mehreren Gastauftritten. Die Show, die nicht vom WWE-Kreativteam geschrieben wurde, sondern auf dem Input von Morrison & Miz basierte (und diese dabei beide zu größeren Stars machte), bot den ehemaligen Edgeheads mehrfach Promosegmente und „Redefreiheit“ an, die sie bei SmackDown! nie erhielten. Als die Gastgeber eine ihrer Episoden um das Thema „Beste Catchphrases“ herum aufbauten, fiel ein alberner Zack Ryder mit einem nervigen Slogan auf: „Woo Woo Woo“ jauchzte er – zum Ärger von Curt Hawkins – immer wieder in die Kameras. Auf Youtube kann man diese Perle des Entertainments unter Episode 40 von „The Dirt Sheet“ teilweise immer noch online aufrufen. Morrison & The Miz reagierten darauf belustigt und taten es als einmaligen Joke ab. Ryder blieb aber hartnäckig und versuchte bei weiteren Gastauftritten wie auch bei SmackDown! die neue absurde Catchphrase over zu bringen.
Als er im Frühjahr 2009 schließlich ins ECW-Roster geschickt wurde, durfte er sich erstmals in der WWE als Singles Wrestler versuchen. Dafür unterzog er sich einen Gimmick-Wechsel und änderte daher auch radikal sein Aussehen. Mir kurzen Haaren, sonnengebräunter Haut, einer übergroßen Sonnenbrolle und einem übergroßen Stirnband verkörperte er fortan einen arroganten Comedy-Heel, der meistens in seinem Verhalten nicht merkt, wie peinlich und nervtötend er auf andere Menschen wirkt. Seinen hohen Nervfaktor versuchte er auch weiterhin mit seiner Catchphrase zu steigern, die nun stets mit einem „You know it!“ abgeschlossen wurde. „Woo Woo Woo … you know it!“ wurde so zumindest auf Sci-Fi in den ECW-Shows schon im Jahr 2009 zu einer geflügelten Wortfolge. Da die einstündige Sendung des dritten WWE-Rosters von den großen Writing-Teams kaum noch Beachtung fand, bot sie gerade in ihren letzten zwei Jahren viele Möglichkeiten für junge Talente, sich wöchentlich ausprobieren und weiterentwickeln zu können. Zack Ryder nutzte diese Chance für sich aus und gewann im ECW-Kader in der zweiten Jahreshälfte immer mehr an Bedeutung als Midcard-Heel. Mit Rosa Mendez bekam er zudem sogar ein Valet an die Seite gestellt. Im Herbst gewann dann er eine Battle Royal und durfte daher eine Woche später ECW Champion Christian um dessen Titel herausfordern. Im Winter geriet er dann in eine Auseinandersetzung mit ECW-Ikone Tommy Dreamer. Diese führte u.a. dazu, dass Ryder am 29.12.2009 ein „Loser leaves town“-Match gegen Dreamer gewinnen durfte und damit quasi (in den Storylines) dafür verantwortlich war, dass der „Innovator of Violence“ die WWE für immer verlassen musste.
So schienen die Chancen für ein erfolgreiches Jahr 2010 eigentlich gut zu stehen, doch im Februar war die ECW plötzlich Geschichte, um Platz für die neue Talentshow „NXT“ zu machen. Das ECW-Roster wurde aufgelöst und alle Mitglieder willkürlich in den RAW- oder SmackDown!-Kader verschoben. Zack Ryder landete bei Monday Night RAW im Haifischbecken und fand dort im Frühjahr überraschend trotzdem seine Nische. Zwar wrestlete er oftmals nur bei Superstars, bekam aber dennoch immer wieder kleinere Storylines. Nachdem er sich von Rosa Mendes getrennt hatte, gewann er für kurze Zeit die Gunst von Alicia Fox, um gegen Evan Bourne & Gail Kim zu fehden. Ende Mai wurde er aber von seiner neuen Verbündeten bei RAW verraten, nachdem „Guest Host“ Ashton Kutcher ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hatte. Langsam schaffte Zack Ryder es also auch bei RAW, als „kleine Nervensäge“ over zu werden. Die Writer der Montagsshow registrierten dies immer häufiger und setzten ihn daher nun auch öfter bei RAW in Matches ein. Am 07.06.2010 gewann er an der Seite von The Miz ein TagTeam-Match gegen John Morrison & R-Truth. Eine Woche später trat er dann bei RAW sogar erstmals in einem Fatal 4 Way um den US Title an: Den Gürtel gewann in diesem Match dann aber am Ende The Miz von Ron Killings. Und im August durfte Zack Ryder dann sogar bei RAW im ersten World Title Match seiner Karriere den amtierenden WWE Champion herausfordern: Sheamus hatte sich ihn während seines zweiten Runs mit dem Titel bewusst als „Challenger“ ausgesucht, um der „30 Tage“-Klausel für Titelverteidigungen gerecht zu werden. Der Celtic Warrior ließ Ryder hier keine Chance: Nach 11 Sekunden war das Match auch schon wieder beendet. Zack Ryder war wieder ein Edeljobber und stand damit im zweitkürzesten „WWE Championship“-Match aller Zeiten. Danach ging es für ihn erst einmal wieder bergab.
In der zweiten Season von NXT wurde er als Mentor eingesetzt. Dort verlor er als erster Mentor der NXT-Geschichte ein Match gegen einen der Teilnehmer der zweiten Staffel: Percy Watson. Sein NXT-Rookie Titus O’Neil wurde zudem gleich als erster eliminiert. Ryder war nun immer mehr ein Comedy-Clown in den Shows, der nur noch gelegentlich bei Superstars eingesetzt wurde. Ende 2010 erhielt er dann sogar einen Slammy: Für die nervtötendenste Catchphrase des Jahres. Immerhin hatte er zwischendurch mit Chris Jericho einen ersten sehr prominenten Fan gewonnen, der ihn am Ende sogar ein zweites Vorwort für sein neues Buch "Undisputed" verfassen ließ. Dennoch wurde Zack Ryder Anfang 2011 aufgrund seines eher geringen Status im Roster schließlich als heißer Entlassungskandidat bei der nächsten Einsparwelle der Company gehandelt.
Doch dann begann im Februar 2011 im Internet ein Phänomen, welches ihn wider Erwarten bei vielen Fans im Gespräch hielt: „Z! True Long Island Story“ – eine von ihm selbst kreierte Youtube-Show, in der er fortan Woche für Woche sein Comedy-Talent unter Beweis stellte.
Hier kann man sich Episode 1 der Show noch einmal ansehen:
Ohne Kontrolle durch ein WWE-Writing-Team konnte Zack Ryder sich so kreativ neu erfinden. In sechs-siebenminütigen Clips nahm der Mann aus Long Island sich selbst immer wieder regelmäßig auf die Schippe und erzählte fiktive Geschichten aus seinem Leben als WWE-Undercarder. Dabei kommentierte er auch immer öfter das aktuelle Geschehen in den WWE-Hauptshows und ernannte sich schließlich im April 2011 zum „Internet Champion“ der WWE.
Sein Gimmick entwickelte sich so quasi auf Youtube weiter: Aus dem arroganten, nervtötenden Heel wurde ein „Internet-Mark“ für das WWE-Produkt, der sich zuhause mit WWE-Fanartikeln eindeckt und sich einen eigenen Spielzeug-Gürtel um die Hüften schnallte. Diese kreative Eigenleistung kam dann im Frühjahr bei immer mehr WWE-Zuschauern an. Im Zeitalter der „Social Networks“ sprach sich schnell herum, was Ryder wöchentlich im Internet produzierte, so dass die Zugriffszahlen auf seinen Youtube-Kanal und „Z! True Long Island Story“ Woche für Woche in die Höhe schnellten. Dass seine Popularität im WWE-Universe stetig zunahm, konnte man dann auch bei WrestleMania 27 erstmals bei einem PPV beobachten: Im prall gefüllten Georgia Dome von Atlanta gab es hörbar lautstarke Jubelrufe, als Zack Ryder auf den Videoleinwänden als Teil eines Backstage-Sketches mit Rapper Snoop Dog eingeblendet wurde.
Die „Ryder Revolution“ hatte begonnen.
Und viele seiner Kollegen im Lockerroom wurden zu Fans von „Z! True Long Island Story“. So gab es in den wöchentlichen Stories seiner Youtube-Show immer häufiger Gastauftritte von WWE-Superstars zu bewundern. John Cena wurde zu einem seiner größten Fans und backstage in der Folge zu einem seiner größten Befürworter. John Morrison & Melina ließen sich für eine Fortsetzungsgeschichte in der Show als regelmäßige Gaststars gewinnen. Und auch die „Non-Wrestling“-Charaktere wie der Vater von Ryder oder sein Kumpel „Big O.“ wurden plötzlich einer immer größer werdenden Zuschauerzahl bekannt gemacht. Mehr als 200.000 User weltweit klickten seinen Youtube-Kanal mittlerweile wöchentlich an, um sich seine Show anzuschauen. Im Frühjahr stand fest: „Ryder ist Kult!“ Seine Fanartikel bei WWEShopzone verkauften sich besser als die T-Shirts von manchen etablierten Superstars. Seine neue Catchphrase - „Take care, spike your hair!“ - war schon bald in aller Munde. Und doch war er immer noch so gut wie nie bei RAW im TV zu sehen. Bei „Superstars“ durfte er noch im Mai regelmäßig für Evan Bourne und Santino Marella jobben. Da er in den Shows der WWE immer noch offiziell ein Heel war, setzte man ihn weiterhin als Kanonenfutter ein, während er im Internet längst als Babyface gefeiert wurde, dem man mehr TV-Zeit wünschte. Damit wurde im Sommer gewissermaßen zu einem Politikum, denn er hatte jene Regel gebrochen, die in den Zeiten des WWE-Monopols schon vielen aufstrebenden Youngsters zum Verhängnis geworden war: „Don’t get over when you’re not supposed to!“ Werde bloß nicht over bei den Fans, wenn das WWE-Office dies gar nicht vorgesehen hatte. Schon manch anderer Superstar war in der Vergangenheit dann besonders hart verjobbt worden, wenn er gegen diese ungeschriebene Regel verstoßen hatte. Ryder sollte in dieser Hinsicht überraschenderweise einen anderen Weg nehmen.
Dass er indessen zu einem Politikum geworden war, konnte man eindrucksvoll bei einigen WWE-Shows im Juni beobachten. Sowohl beim PPV in Washington, D.C. – Capitol Punishment – wie auch bei einer RAW-Show in seiner Heimatstadt Long Island gab es lautstarke „WE WANT RYDER“-Sprechchöre zu hören, als das Publikum vom gebotenen Programm gelangweilt war. Immer mehr Fans sprangen auf den Ryder-Zug mit auf, um seinen Namen als Protestbotschaft gegen das ihrer Meinung nach langweilige WWE-Produkt zu instrumentalisieren. Hatten im Sommer 1995 in manchen Städten laute „E-C-DUB“-Chants der damaligen WWF das Fürchten gelehrt, passierte nun ein ähnliches Phänomen auf kleinerer Ebene mit den Sprechchören für Zack Ryder. Man konnte so als Fan ein wenig gegen das WWE-Establishment shooten. Immerhin wurde in Stamford mittlerweile Ryders Status als Publikumsliebling anerkannt. Bei Superstars wurde er im Juni gegen seinen Ex-Partner Primo gestellt, womit man seinen Face Turn auch noch nachträglich im TV etablierte. Dennoch wurde Ryder auch im Juni 2011 noch überwiegend vor dem Mainstream-Publikum versteckt: Gerade einmal drei Kämpfe von ihm schafften es in diesem Monat ins TV. Bei der großen RAW-Show in seiner Heimatstadt ließ man ihn tatsächlich nur bei „Superstars“ auftreten … trotz lautstarker Sprechchören und zahlreicher Plakate für ihn im Publikum. Die vielen Plakate seiner Fans machte Ryder dann auch immer wieder zu einem Thema in seiner Youtube-Show. In der Rubrik „Sign of he week“ belohnte er kreative Fans mit einem fiktiven Award, wenn sie ihm in TV aufgefallen waren. Was natürlich für die Shows danach die nächsten Fans noch mehr dazu animierte, weitere Plakate über ihn kreieren. Ähnlich interaktiv geriet die Rubrik: „Broski of the week!“, in denen Ryder besondere Fanaktionen mit einer ihm eigenen Auszeichnung würdigte. Und so verkaufte er weiherhin jede Menge T-Shirts, ohne besonders oft im TV zu sehen sein.
Dann spielte ein unerwartetes Ereignis Schicksal für den Mann aus Long Island.
CM Punk hielt bei Monday Night RAW eine spektakuläre Wutrede und prangerte – stellvertretend für viele langjährigen Kritiker – die diversen Mißstände am WWE-Produkt der letzten Jahre an. Die Promo machte aus ihm innerhalb einer Woche einen Megastar, über den die ganze Wrestling-Welt rund um den Globus diskutierte. Wenige Wochen später gewann der Straight Edge Superstar die WWE Championship bei „Money in the Bank“ in Chicago, einigte sich mit dem WWE-Office auf einen neuen Vertrag und ließ sich darin diverse Mitspracherechte im Kreativteam der WWE reinschreiben. Und wie schon John Cena war auch CM Punk backstage ein riesengroßer Fans von Zack Ryder. Dies sollte am Ende für Ryder eine glückliche Fügung des Schicksals werden. Denn mit dem Durchbruch von CM Punk in der Rolle des Rebellen gegen das „WWE-Establishment“ experimentierte man fortan wesentlich offener mit einigen vorher stets bewusst ignorierten Tabu-Themen. Die „Internet-Lieblinge“ der letzten Jahre sollten tatsächlich eine Chance im Programm bekommen, „Wrestling“ durfte als Wort wieder (häufiger) bei RAW und SmackDown! benutzt werden und Mr. John Laurinaitis, Hassfigur Nr. 1 im World Wide Web und Symbol für die (angeblichen) Mißstände im System „Coporate WWE“ bekam tatsächlich eine große Rolle als Autoritätsfigur in den Shows.
So war es am Ende keine Überraschung, dass auch Zack Ryder vom „Summer of Punk“ profitieren konnte. Ende Juli wurde er zum neuen „Assistenten“ von General Manager Teddy Long bei SmackDown! ernannt, so dass er fortan in diverse Storyline mit eingebunden werden konnte. Die größte bekam er dann aber im September bei WWE RAW. Mit der Hilfe von Hollywood-Star Hugh Jackman konnte er tatsächlich US Champion Dolph Ziggler in einem Non-Title-Match besiegen. Als Publikumsliebling durfte er dann auch noch ausgiebig mit „Wolverine“-Darsteller Jackman im Ring feiern, so dass man fast schon von einem größeren Push für „Long Island Z!“ ausgehen durfte. Doch die danach folgenden zwei Titelmatches bei RAW und bei Vergeance gingen am Ende beide verloren, dank gütiger Mithilfer von Jack Swagger. War dies also schon das Ende seines Pushs?
Weit gefehlt! Denn bereits im November begann man ihn in eine Storyline mit John Cena zu verwickeln. Gegen Awesome Truth half er dem Chaingang Commander als TagTeam-Partner bei RAW als TagTeam-Partner aus. Da The Rock nur für die Survivor Series in die WWE zurückkehrte, durfte er zudem den ganzen Monat über das Houseshow-Programm des RAW-Rosters an der Seite von John Cena in TagTeam-Matches bestreiten. Zack Ryders TV-Bilanz konnte sich sicherlich auch aus diesem Grund erstmals im November richtig sehen lassen:
Zack Ryder im November 2011:
5 Matches on TV
3 Siege
2 Niederlagen
Im Dezember sollte dieser Trend dann auf einen neuen Höhepunkt getrieben werden. Beim ersten RAW in diesem Monat bekam er ein Match gegen John Cena. Dieses verlor er zwar clean, bekam aber danach von John Laurinaitis noch eine zweite Chance auf ein weiteres US-Title-Match gegen Dolph Ziggler. Dafür musste er lediglich World Heavyweight Champion Mark Henry besiegen. Mit Hilfe von John Cena gelang ihm dies dann am Ende tatsächlich auch! Danach gewährte man ihm schließlich den größten Push seiner WWE-Karriere. Im TV verlor er fortan kein Match mehr, auch wenn er mittlerweile regelmäßig sowohl bei RAW wie auch bei SmackDown! wöchentlich in Kämpfen zu sehen war. Ob Jack Swagger oder Cody Rhodes: Sie alle mussten am Ende den Job für den Internet Champion der WWE machen. Und im Opener des letzten WWE-PPVs 2011 – WWE TLC – war es dann tatsächlich soweit: Zack Ryder dufte Dolph Ziggler in einem 10minütigen Titelmatch die US Championship abnehmen. Clean. Die Ryder-Revolution hatte ihren Höhepunkt erreicht. Ein Internet-Mark war Wrestling-Champion von (Nord-)Amerika! Woo Woo Woo …
Am Ende stand sein Aufstieg in diesem Jahr wie kaum ein zweiter für eine neue Bereitschaft von Vince McMahon wieder neue Wege & Experimente einzugehen. Und die diversen „Social Networks“ für mehr Interaktion mit den Fans zu nutzen –auch um herauszufinden, was diese überhaupt gerade gut finden. Diese Einsicht – das „Internet“ nicht länger als Feindbild sowie als Ansammlung von zu smarten Fans einzustufen - ist eindeutig eine große Errungenschaft von Zack Ryder in den letzten 12 Monaten gewesen. Und kann in der nahen Zukunft vielleicht noch einer ganzen Menge anderer Youngsters neue Türen in der Promotion öffnen. Ted DiBiase versucht gerade mit seiner „Ted DiBiase Posse“ genau über diesen Weg, als Babyface beim WWE-Universe anzukommen. Und die Chancen auf einen erfolgreichen Push dürften dafür im Moment gut sein, denn Vince McMahon scheint seine Wrestler im Moment dazu geradezu ermutigen, die „Social Networks“ für mehr Faninteraktion auszunutzen. Und eben das zu versuchen, was (angeblich) lange Zeit verpönt war: „Over“ zu werden, ohne dass die Writer es vorher für den entsprechenden Wrestler per Storyline angeordnet hatten.
Freilich muss sich die Generation Ryder nun auch an der harten Realität der Einschaltquoten messen lassen. Diese waren leider im Dezember für den Internet Champion noch nicht wirklich vielversprechend. Und so kann man für ihn nur hoffen, dass das größere Spotlight bei RAW ihm am Ende dazu verhilft, auch beim Mainstream-Publikum zu einer echten Attraktion zu werden. Freilich: Wer im New Yorker Madison Square Garden derartige Pops wie Ryder im November bei der Survivor Series zieht, obwohl er eigentlich gar nicht auf der Card stand, sollte durchaus das Potenzial haben, auch dauerhaft im Mainstream anzukommen. 2012 wird zeigen, ob der Hype um den Internet-Champion am Ende nur eine Eintagsfliege war oder er dauerhaft zu einer Midcard-Attraktion werden kann. Im Dezember 2011 war jedenfalls kein anderer WWE-Superstar wirklich häufiger im TV in Action zu sehen und dabei erfolgreicher als Zack Ryder. Seine Bilanz im letzten Monat des Jahres:
Zack Ryder im Dezember 2011:
10 Matches on TV
8 Siege
2 Niederlagen
Keiner bekam im Dezember konstant ein so großes Spotlight in beiden Shows wie der neue WWE US Champion - auch nicht der neue World Champion Daniel Bryan. Daher ist Zack Ryder für den Autor dieser Kolumne der „WWE-Aufsteiger Dezember 2011“. Woo Woo Woo –you know it! Nicht wahr, Howard Finkel?
Lionheart
„Anderer Meinung? Für Feedback und konstruktive Kritik an seiner Kolumne sowie seiner Auswahl für den "Aufsteiger des Monats" ist der Autor wie immer sehr dankbar. Einfach eine eMail an lionheart@moonsault.de schreiben oder es direkt auf MOONSAULT.de im Feedback-Thread auf dem CyBoard ansprechen.“
Bisherige WWE-Aufsteiger des Monats:
Juni 2011: Mark Henry (Heiße Schokolade! Der WWE-Aufsteiger im Juni 2011 - und es ist nicht CM Punk!)
Juli 2011: CM Punk (Rise of Personality! Der WWE-Aufsteiger im Juli 2011 - und diesmal ist es CM Punk!)
August 2011: Kevin Nash (Zurück vom Schrottplatz: Diesel ist der WWE-Aufsteiger des Monats August 2011)
September 2011: Mark Henry, World Heavyweight Champion (Der WWE-Aufsteiger September 2011: Faszination Mark Henry – wie aus einem Edel-Jobber in drei Monaten der größte Heel im WWE-Universe wurde)
Oktober 2011: John Laurinaitis (Der steile Aufstieg eines Trittbrettfahrers!)
November 2011: Daniel Bryan (Inflationsgefahr abgewendet? Daniel Bryan hat noch Geld auf der Bank!)