![[Lion's Take] Rise of Personality! Der WWE-Aufsteiger im Juli 2011 - und diesmal ist es CM Punk!](http://www.moonsault.de/newzboard/uploads/image-23906.jpg)
Letzten Monat führten wir im Rahmen der Kolumne "Lion's Take" die neue Rubrik
WWE-Aufsteiger des Monats für das Newsboard von MOONSAULT.DE ein. Für den Monat Juni wählte ich dann vor vier Wochen bewusst
Mark Henry als ersten Sieger dieser neuen Reihe aus und fühlte mich gleichzeitig genötigt, die Überschrift für den Eintrag auf der Hauptseite mit dem Zusatz "... und es ist nicht CM Punk" auszustatten, um die Leser neugierig auf den Inhalt der neuen Kategorie zu machen. Denn eigentlich war gerade der Straight Edge Superstar in der WWE-internen Hierachie Ende Juni 2011 gerade enorm aufgewertet worden. Nur wenige Tage vor der Veröffentlichung der damaligen Kolumne hatte CM Punk die globale Wrestling-Community mit einer brisanten fünfminütigen Wut-Promo aus einem jahrelangen Dornröschenschlaf erwecken können und nebenbei den Main Event des Juli-PPVs - WWE Money in the Bank 2011 - quasi im Vorbeigehen zum heißesten Wrestling-Match des Jahres aufgewertet. Dennoch entschied ich mich am Ende für Mark Henry, dessen Push bereits Anfang Juni voll ins Rollen gekommen und über vier Wochen konsequent - mit einer klaren Spannungskurve nach oben - durchgezogen worden war. Und außerdem: Würde CM Punk eigenen Aussagen zufolge nicht eh bald die WWE verlassen? War diese Storyline - allen Hype um die brisante Wutrede zum Trotz - nicht am Ende nur ein weiterer eleganter Booking-Trick, um John Cena einen kurzfristig erstarkten Widersacher beim letzten B-PPV vor dem Summer Slam zum Fraß vorzuwerfen? Sollte so ein Mann, kurz vor seinem anvisierten Ausstieg aus der Promotion, wirklich das Prädikat "Aufsteiger" verdient haben? Hatte Chris Jericho vor dem Summer Slam 2005 in seiner Rolle als No.1 Contender für John Cena, kurz vor seiner selbst gewollten WWE-Auszeit, nicht bereits den Weg für CM Punk im Jahr 2011 vorgelebt?
Vier Wochen später kann man nur bilanzieren: CM Punk ging einen anderen Weg als Chris Jericho. Einen völlig anderen Weg, der ihn binnen kürzester Zeit wieder in die Promotion zurückführte. Und viele Anzeichen deuten darauf hin, dass dieser Weg bereits jetzt eine kleine Revolution im WWE-Universe ausgelöst hat. Bei
Money in the Bank 2011 feierte der ehemalige ROH-Champion den wohl größten Triumph in seiner Wrestling-Karriere. Er durfte John Cena vor heimischen Publikum in Chicago die WWE Championship abnehmen, einen "Cash In"-Versuch von Alberto Del Rio im Keim ersticken und dann - durchs Hallen-Publikum flüchtend - die WWE an seinem (scheinbar) letzten Arbeitstag als ihr World Champion mit dem wichtigsten Titel der Liga verlassen. Nachdem er vier Wochen zuvor noch als eher lethargischer Heel in die Fehde gegen den Chaingang Commander gestartet war, verließ er die Promotion nach der Auseinandersetzung mit dem Vorzeigechampion und dem WWE Chairman am Ende tatsächlich als das größte Babyface in Nordamerika. Glaubt man den amerikanischen Wrestlingnews-Seiten im Internet, hat es CM Punk in seinen letzten Wochen in WWE am Ende tatsächlich doch noch irgendwie geschafft, eine besondere Beziehung zu Vince McMahon aufbauen und diesen (zusammen mit anderen Punk-Unterstützern im inneren Matchtzirkel des Unternehmens) in letzter Minute zum Booking des historischen Finish in Chicago animieren zu können. Denn es war am Ende in erster Linie das Booking dieses Matchausgangs (welches geschickt mit den bekannten Ängsten des Mr. McMahon vor einem Abgang eines Main Eventers mit "seinem" World Title spielte und (natürlich) sicherlich wieder an die legendäre Ausgangssitutation bei der Survivor Series 1997 erinnern sollte), das den ehemaligen "King of the Indies" auf eine neue Ebene katapultierte und ihn zum Gesprächsthema Nummer 1 unter Wrestling-Fans auf der ganzen Welt machte. Diesmal hatte man nach einem großen Hype im Vorfeld eines PPV Main Events das Momentum eines "Uprising Stars" also tatsächlich nicht wieder kurzfristig erstickt, sondern vielmehr noch weiter verstärkt und angeheizt. Acht Tage später wussten die Fans dann auch, warum die WWE dieses Finish bei "Money in the Bank" so einfach abgesegt hatte: CM Punk erschien wieder bei RAW und wenig später wurde verkündet, dass der neue COO der WWE - Triple H - ihn erneut unter Vertrag genommen hatte. Damit ist der Weg nun also frei für ein großes Re-Match gegen John Cena beim Summer Slam 2011 und damit steht auch für mich als Autor dieser Kolumne ohne längeres Überlegen fest:
CM Punk ist der
WWE-Aufsteiger Juli 2011!
Ohne jede Konkurrenz um diesen Titel in den letzten vier Wochen.
Ob dieser Aufstieg am Ende noch in gänzlich andere Dimensionen, in denen in der Vergangenheit etwa auch ein Steve Austin oder The Rock angesiedelt waren, führen kann oder ob das so schnelle TV-Comeback bereits das Ende des Momentums um den Straight Edge Superstar eingeleitet hat, bleibt derweil abzuwarten. Beide Szenarien könnten in den nächsten Monaten Realität werden. Der plötzliche Punksche Backstage-Einfluss hat - Gerüchten zufolge - allerdings in den letzten Wochen bereits mehrfach sowohl bei RAW wie auch bei SD! für einige bedeutende Veränderungen im TV-Programm der WWE gesorgt, die wirklich auf eine kleine Revolution im Kreativbereich mit Breitenwirkung sowie eine grundlegende Richtungsänderung in der Booking-Philospohie hoffen lassen. Seit dem Tag nach WrestleMania X8 in Toronto (2002) hatte der McMahon-Konzern allen "Wrestling"-Newslettern (den oft geschmähten "Dirt Sheets") sowie "dem Internet" mehr oder weniger den Krieg erklärt und damit begonnen, den hauseigenen Superstars Kontakte mit der Internet-Wrestling-Community sowie vor allem mit unabhängigen Wrestling"-Journalisten" wie Dave Meltzer in fast jeder Hinsicht zu untersagen. Hatte man im Zeitalter der "Monday Night Wars" mit der von Medienmogul Ted Turner unterstützten WCW im Zeitraum 1995-2001 noch voll auf den neuen, "hippen" Trend des damals noch frischen World Wide Web gesetzt und seine eigenen Stars zwecks PR-Arbeit immer wieder großzügig den Kontakt zu den großen Wrestling-Newslettern, Radioshows und Zeitschriften gewährt, änderte sich diese Philosophie am Tag nach WrestleMania X8 schlagartig. Warum gerade zu diesem Zeitpunkt? Man kann nur darüber spekulieren. 2001 hatte Stephanie McMahon die Kontrolle über die WWE-Kreativabteilung übernommen und war in der Folge bereits binnen kürzester Zeit für einige seltsame Storyline-Kapriolen bei RAW und SmackDown! von der Internet-Wrestling-Community sowie den führenden "Insider"-Seiten unter Beschuss genommen worden. Insbesondere die völlige Demontage des ersten WWE Undisputed Champion - Chris Jericho - in den Wochen vor seinem großen WrestleMania-"Main Event" im heimischen Kanada gegen Rumble-Sieger Triple H kreidete man dort vermehrt der bookingpolitisch noch unerfahrenen McMahon-Tochter und ihren Helfershelfern im Kreativteam an. Erst 2001 hatte die Öffentlichkeit über die "Dirt Sheets" mitbekommen, dass Stephanie sich während ihrer großen Storyline mit "The Game" als Teil des "McMahon/Helmsley"-Regimes 1999/2000 tatsächlich in Triple H verliebt hatte und aus einer Storyline-Romanze mittlerweile hinter den Kulissen eine echte Beziehung zwischen dem neuen Top-Heel der Promotion und der neuen Herrin über das Booking-Team entstanden war. Diese Enthüllung öffnete natürlich entsprechend negativen "Hass"-Postings im Internet Tür und Tor, als der WrestleMania X8 Main Event bei RAW und SmackDown! Woche für Woche in erster Linie durch den "Scheidungskrieg" in der TV-Beziehung zwischen Triple H und Stephanie McMahon aufgebaut wurde, während der Undisputed WWE Champion Chris Jericho zu einem belanglosen Nebendarsteller in der Fehde "HHH vs. Stephanie" verkam. Ein Statist, der einmal sogar in einem Video-Einspieler bei RAW kurz vor WrestleMania für seine neuen Herrin (die er ironischerweise in den zwei Jahren zuvor im TV immer wieder auf übelste Art und Weise zur Freude der Fans als "Schlampe" verunglimpft hatte) die Hundescheiße ihres Lieblingstieres aufwischen "durfte".
Diese, aber auch andere Booking-Kapriolen 2001/2002 ließen viele Kommentatoren im Internet aufschreien und der böse Vorwurf der "Vetternwirtschaft" machte erstmals laut in den Weiten des World Wide Webs die Runde. In kaum einem anderen sport(ähn)lichen Business sind die Aktiven so abhängig von den Entscheidungen im Kreativbereich wie im modernen Professional Wrestling. Über Wohl und Wehe einer Karriere bestimmen die mächtigen Strippenzieher hinter den Kulissen, die idealerweise Stallgeruch besitzen sollten und das Konzept dieses Business verinnerlicht haben. So jedenfalls schien es die ungeschriebene Regel in der WWE zu sein, bevor man mit dem Unternehmen an die Börse ging. Nun saßen plötzlich Leute ohne größere Erfahrungswerte am Ruder und pushten scheinbar zudem noch die Leute besonders deutlich, die ihnen auch persönlich nahe standen. Triple H sollte dieses Stigma aufgrund seiner privaten Beziehung und späteren Heirat mit Stephanie dann auch folgerichtig noch viele Jahre bei Monday Night RAW begleiten.
Andererseits hatte sich nach dem Börsengang der WWE im Jahr 2000 und dem Ende der WCW im Jahr 2001 die nordamerikanische Wrestling-Landschaft auch so grundlegend verändert, dass man nicht mehr wirklich auf eine enge Kooperation mit den unabhängigen Wrestling-"Medien" angewiesen war. 2001 transformierte sich die vorher als Familienunternehmen geführte Promotion endgültig zu einem intern nach "Wall Street"-Regeln geführten Entertainment-Konzern, in der das Arbeits-Klima nun vor allem eines wurde: "Coporate". Die internen Hierarchien wie die Kommunikation nach außen wurden grundlegend professionalisiert, reorganisiert und schließlich komplett dem alten und doch nun gänzlich neuen Geist der Gewinnmaximierung im Auftrag der Aktionäre untergeordnet. Und da es fortan keinen großen Konkurrenten mehr auf dem US-Markt gab, nachdem der einstige Marktführer World Championship Wrestling als Teil des "AOL/Time Warner" - Konzerns 2001 von der Bildfläche verschwunden war, sah man in Stamford die ständigen Enthüllungen der "Dirt Sheets" über Geschehnisse aus dem eigenen Backstagebereich fortan immer mehr als geschäftsschädigendes Ärgernis an. So war es wohl nicht nur eine frustrierte und von der Kritik an ihrer Person im World Wide Web genervte Stephanie McMahon, sondern auch die ein Jahr zuvor in Gang gesetzten internen Trasformationsprozesse, die Ende März 2002 dafür sorgten, dass man in der Pressepolitik die Weichen grundlegend neu ausrichtete und die unabhängigen Wrestling-Medien wie auch den neuen Kampfbegriff "The Internet" (vermutlich) fortan als Feindbilder definierte, die es zu bekämpfen galt. Historisch gesehen schien man mit dieser Entscheidung zudem die heiligen Wurzeln der eigenen Industrie zu ehren. Schließlich setzte man mit dem plötzlichen "PR"-"Black Out" auch eine alte Tradition im Wrestling-Business fort, nach der man als Veranstalter entsprechender Events die Geschehnisse und Entscheidungsprozesse "hinter den Kulissen" um jeden Preis vor Außenstehenden geheimzuhalten hat, um die "Illusion" und damit auch die "Faszination" des zahlenden Publikums an den scheinbar "echten" Kämpfen unbedingt aufrecht erhalten zu können. So wurde es schließlich schon vor hundert Jahren auf den Markt- und Rummelplätzen Europas wie Nordamerikas praktiziert, wenn der Zirkus mit den "Catchern", "Ringern" oder "Kämpfern" seine Zelte in der nächsten Community aufschlug, um die Einwohner mit der Aussicht auf aufregende Matches zu den Veranstaltungen zu locken.
So änderte sich im Jahr 2002 die WWE in ihrem Verhältnis zur Presse, aber insbesondere in ihrem Verhältnis zu den "neuen Medien" grundlegend, was die Offenheit des Informationsflusses betraf. Interviews mit externen Medien mussten fortan vorher abgesegnet und hinterher von der eigenen PR-Abteilung Korrektur gelesen werden, Interviews mit "Dirt Sheets" wurden in der Regel komplett verboten, das Ausplaudern von Interna aus dem Backstagebereich mit der Androhung von harten Strafen weiter sanktioniert. Gewinnmaximierung in Zeiten des Monopols erfordert Planbarkeit, Kalkulierbarkeit und Berechenbarkeit. Kein "Dirt Sheet" sollte durch Enthüllungen von Backstage-Informationen mehr in der Lage sein, die Fans vor den heimischen Computern zu anderen Reaktionen auf die Storylines zu manipulieren als zu den eigentlich erwünschten Emotionen, die sich die professionellen "Writer", die dafür in Stamford mittlerweile in eigenen Büros für genau diesen Zweck angestellt wurden, im Vorfeld in ihren Skripts für das Finale einer großen Story ausgedacht hatten. Böse Zungen behaupteten, dass Spontanität in den Fanreaktionen nicht länger erwünscht waren, Berechenbarkeit und kontrollierte Steuerbarkeit der Massen fortan oberste Priorität bei Amerikas größtem (?) Entertainment-Konzern genoss. Das große "E" trug man zwei Monate nach WrestleMania X8 dann auch folgerichtig im Firmennamen. Aus der "World Wrestling Federation" wurde nach einem verlorenen Rechtsstreit mit dem "World Wildlife Fund" fortan "World Wrestling Entertainment". Aus dem Kürzel WWF so WWE, das altbekannte Firmenlogo aus der Attitude-Ära musste man dafür glücklicherweise nur marginal umändern.
Doch so gerne man die "Dirt Sheets" und Internet-"Insider"-Seiten auch trocken gelegt hätte, sie waren auch in der Folge nicht tot zu kriegen. Im Gegenteil: Das neue Informationszeitalter machte es für Newsletter-Veteranen wie Dave Meltzer und Wade Keller nur noch leichter, ihre Leser zu erreichen und potentielle Kunden über elektronische Zahlungsmethoden zu Abonnements zu animieren. 2004 entstand in den Weiten des World Wide Webs zudem die neue Internet-Präsenz PWInsider.com, die sich schon bald einen Namen im Veröffentlichen von exklusiven WWE-Backstage-News machte und wenige Tage vor WrestleMania XX ihre Leser darüber informierte, dass nach Bill Goldberg nun auch Brock Lesnar die Promotion sicher nach dem PPV verlassen würde. Pikanterweise hatten beide Männer noch einen über acht Wochen aufgebauten, großen WM-Kampf im Madison Square Garden vor sich, welcher als lange geplantes "Dream Match" die finale Card der Jubiläums-WrestleMania erheblich aufwerten sollte. Wie groß der Einfluss der unabhängigen Wrestling-Medien im Internet auf die "normalen" Wrestling-Fans zu diesem Zeitpunkt bereits angewachsen war, sollte sich dann im MSG von New York City Ende März 2004 auch eindrucksvoll auf der größtmöglichen Plattform im US-Wrestling in zuvor ungeahnten Publikumsreaktionen manifestieren. Als das Match zwischen den beiden Hünen begann, wurde sehr schnell klar, dass die Mehrheit im Publikum die Meldung der "Dirt Sheets" gelesen hatte und sich die Nachricht von Lesnars baldigem Abgang wie ein Lauffeuer in New York (wie wohl auch auf der ganzen Welt) verbreitet hatte. Denn kurz nach Kampfbeginn begann die Menge beide Männer mit Buhrufen einzudecken und mit "YOU SOLD OUT"-Chants zu malträtieren. Eine klare Face-/Heel-Verteilung war dadurch nicht mehr möglich, beide Männer wollten nicht schlecht aussehen, so dass der Kampf im Ring immer mehr zu einer Farce aus "LockUp"-Serien und "Stare Downs" verkam. Publikumsliebling wurde so kurzum der Special Referee für diesen Kampf - Stone Cold Steve Austin - den die Menge frenetisch anfeuerte. Diese Episode verdeutlichte letztendlich eindrucksvoll, dass das altehrwürdige Geheimhalten von Backstage-Information in der Tradition der alten Sitten und die völlige Verschwiegenheit gegenüber Außenstehenden im Zeitalter des Internets einfach nicht mehr aufrecht zu erhalten war - genausowenig wie der krampfhafte Versuch, die Fangemeinde in (gute) "Marks" und (böse) "Smarks" zu unterteilen. Die meisten Fans informieren sich heutzutage eben gerne über das Internet über die wichtigsten Geschehnisse in ihrer Liebling-Liga, so dass man die kollektive Informationsbeschaffung über die diversen "Insider"-Seiten auch durch Stigmatisierung der Kunden bzw. auch der Betreiber nicht länger verhindern konnte. Irgendjemand plaudert bei einem so großen Unternehmen dann halt doch immer mit den "Dirt Sheets" dieser Welt, so dass früher oder später vieles eben doch "unkontrolliert" an die Öffentlichkeit kommen kann. Nur wenige Wochen vor seinem letzten WM-Kampf hatte Brock Lesnar übrigens noch dem SD!-Lockerroom martialisch gedroht, dass er etwaige Maulwürfe, die beim Verkauf von Interna aus dem Backstagebereich erwischt würden, persönlich "töten" würde. Genutzt hatte es trotzdem nichts, wie sein Abschied aus der Promotion im MSG am Ende bewies.
Episoden wie diese schienen die Mächtigen in Stamford allerdings nur noch mehr dazu animieren, "The Internet" dem Kampf anzusagen und keinesfalls auf Ideen oder Verbesserungsvorschläge der führenden Wrestling-Journalisten Nordamerikas einzugehen. Je mehr Kritik es aus dem Internet und/oder über die "Dirt Sheets" am neuen Script-Writing-System der Company gab, desto härter schien das Team um Stephanie McMahon dagegen anzukämpfen.
Die neue "Philosophie" im Kreativbereich hatte zudem bereits Mitte 2002 zu einigen großen Konflikten hinter den Kulissen geführt. Stone Cold Steve Austin war mit der neuen Praxis des "Skripte einstudieren" sowie vielen der "Ideen" der aus Hollywood importierten "Drehbuchschreiber" nicht einverstanden. Nachdem es nach WrestleMania X8 bei der Vorbereitung seiner RAW-Promos immer wieder zu Streitigkeiten zwischen dem von Stephanie McMahon geleiteten Booking-Team und dem größten
Draw der Attitude-Ära gekommen war und RAW immer öfter wenige Minuten vor der Show noch einmal aufgrund von Interventionen von Austin umgeschrieben werden musste, beschloss man schließlich die "Texas Rattlesnake" durch eine anvisierte "King of the Ring"-Erstrundenniederlage im Free TV gegen WWE-Rookie Brock Lesnar zu bestrafen und zur Unterwerfung gegenüber dem neuen System zu zwingen. Doch Austin hielt in diesem Fall sturköpfig an seiner Position fest und dachte gar nicht daran (wie er später in Interviews enthüllte), sich aufgrund von "Backstage-Politics" zu einem TV-Match zwingen zu lassen, welches einige Monate später ein potentieller WrestleMania-"Main Event" und damit für beide beteiligten Wrestler ein großes "Money-Match" hätte sein können. Schon gar nicht zu einem seiner Ansicht nach zu diesem Zeitpunkt sinnlosen Job für einen Rookie, mit dem ihn in den Wochen vor der anvisierten Niederlage keine einzige Storyline verbunden hatte. So zog Stone Cold im Juni 2002 die Konsequenzen, zeigte der WWE symbolisch den Mittelfinger und legte bei RAW am 03. Juni 2002 eine "No-Show" hin, nachdem er von dem Plänen für sein Match gegen Brock Lesnar erfahren hatte. Es war nach dem RAW nach WrestleMania X8 bereits die zweite No-Show von Austin innerhalb von zwei Monaten, so dass Vince McMahon direkt danach die Notbremse zog und sich (vorerst) für acht Monate von seinem einstigen Top-Star trennte.
Austins Widerstand gegen das neue System wurde danach in erster Linie als "Ego-Problem" eines in die Jahre gekommenen Main Eventers gewertet, der sein "Spotlight" nicht mit neuen Stars teilen will - die Praxis der Drehbuch- und "Entertainment"fixierung für jede Episode von RAW dagegen in der Folge noch weiter verfeinert und auf die Spitze getrieben. Schon im ersten Halbjahr 2002 hatte das RAW-Produkt deutliche Spuren der neuen Macher, ihrem geistigen Niveau sowie ihrem Verständnis von Entertainment widergespiegelt. Dies wurde 2003 dann noch weiter auf Spitze getrieben. In Zeiten, in denen Teenager-Komödien wie "American Pie" die US-Kinokassen zum Klingeln brachten, hielten einige der bizarrsten Aufhänger für Wrestling-Fehden aller Zeiten in der WWE (Post-"Vince Russo"-Ära) Einzug. Und die meisten dieser Ideen floppten dann in der Regel auch kolossal, wenn es darum ging, Wrestler für große (oder auch kleinere) Fehden "over" zu kriegen bzw. sie nachhaltig für eine längere Zeit zu größeren Stars zu machen. Insbesondere in der unteren Midcard. Wer erinnert sich nicht gerne an Tommy Dreamer, der öffentlich im TV Scheiße frisst, um noch einmal bei den Fans over zu werden; Lance Storm, der in ein "I am boring"-Gimmick gesteckt wurde und die Zuschauer zum "Boring"-Chanten zu animieren versucht (um kurz danach seine Karriere zu beenden) oder an Billy Gunn & Chuck Palumbo als Schwulen-TagTeam. Wer erinnert sich nicht gerne an Kane, der Jim Ross im TV anzünden und später Shane McMahon die Hoden elektrisieren durfte; Eric Bischoff, der Stephanie McMahon küssen uns später Linda McMahon (in einem Einspieler, der dies andeutete) "vergewaltigen" durfte oder die "White Boy Challenge" von Rodney Mack. Oh, ihr als Leser hättet Euch gar nicht mehr daran erinnert, wenn ich Euch nicht gerade darauf gestoßen hätte bzw. es nicht teilweise als Wrestlecrap in Euren Gehirnen hängengeblieben wäre? Macht Euch nichts daraus: All diese angesprochenen Angle führten am Ende nämlich ins Nichts und zerstörten in der Regel eher Karrieren von großartigen oder zumindestens einigermaßen talentierten Wrestlern als sie noch einmal neu zu beleben.
Kurzum: Bereits 2002/2003 zeigte sich mehrmals sehr deutlich, dass die neuen Drehbuchschreiber die Grundlagen des Wrestling-Geschäfts nicht zu verstehen schienen, da sie - trotz vieler aus Hollywood geklauter und kopierter Ideen - kaum neue Stars "over" bekamen. Es sollte sich aber ebenfalls sehr schnell zeigen, dass interne Kritik an dieser Booking-Philosophie relativ schnell im Keim erstickt wurde. Potentielle Gegner des neuen Systems um die Drehbuchschreiber, wie etwa Paul Heyman, der im zweiten Halbjahr 2002 die Booking-Kontrolle über SmackDown! bekam und binnen kürzester Zeit ein aufregendes
Wrestling-Produkt als Gegenentwurf zu "Hot Lesbian Action", "Three Minute Warning" oder "Nekrophilia" bei RAW auf die TV-Bildschirme zauberte, wurden nach wenigen Monaten kalt gestellt und aus dem Unternehmen "gemobbt". Ob es wohl Zufall war, dass fast alle neuen Stars in den Jahren 2002-2004 mit der Ausnahme von Randy Orton, der von Triple H bei RAW protegiert wurde, sich bei SmackDown! entfalten konnten, wo die "Abteilung Hollywood" teilweise noch nicht so einflussreich am Booking beteiligt war wie zur gleichen Zeit bei Monday Night RAW? Eddie Guerrero, Brock Lesnar, JBL, selbst Kurt Angle und nicht zu vergessen John Cena wurden alle in der "blauen Show" erst so richtig groß, während RAW gerade zu dieser Zeit für vielversprechende Midcarder als Karrierefriedhof galt.
Offene Kritik an dem professionellen Skript-Writing für eine wöchentliche
Wrestling-Show galt intern schnell als verpönt bzw. als Karriereselbstmord, da Stephanie McMahon - protegiert von ihrem Vater sowie ihrem Ehemann Triple H - das neue System als neuen Standard mit aller Gewalt durchdrücken wollte und sich dabei potentiellen Kritikern an ihren Plänen hinter den Kulissen relativ schnell entledigte. So erging es eines Tages auch Veteran Pat Patterson, der nach einer Beschwerde bei Vince McMahon über das Kreativteam plötzlich kurzfristig und "freiwillig" "in den Ruhestand" ging. Wer blieb - glaubt man jedenfalls der Vielzahl von Aussagen von Aussteigern - waren vor allem die "Ja-Sager", die "Opportunisten", die "Speichellecker" und die "Karrieristen". Es ist diese "Generation der Arschkriecher" - die für viele Kritiker gerade durch den Aufstieg des John Laurinaitis zum Executuve Vice President symbolisiert wird - die CM Punk in seinen Promos eigentlich anprangern will, wenn er vordergründig über John Cena schimpft, den er backstage natürlich immens respektiert. Gerade Neuzugänge im Bookingteam, die sich bereits etwas mit der Geschichte des Business auskannten bzw. alte Storylines studiert hatten, galten intern schnell als unerwünschte Personen, weil sie sich de facto nicht mehr der gewünschten Gehirnwäsche durch die neu propagierte Entertainment-Philosophie unterziehen konnten. In den letzten zwei Jahren haben zahlreiche ehemalige "Writer", die in den Jahren 2003-2010 unter Stephanie McMahon im WWE-Kreativteam gearbeitet haben, in vielen verschiedenen Interviews oder Podcasts über ihre Erfahrungen als "Schreiber" für die beiden WWE-Hauptshows berichtet. Mit Dave Lagana hat gar ein ehemaliger "Head Writer" (von SmackDown! und ECW) seit letztem Jahr einen eigenen Podcast ins Internet gestellt, wo er Woche für Woche viele Hintergrundinformationen zu den größten Storylines der letzten 10 Jahre preisgibt. Und all diese Männer eint in ihren Berichten die immerwiederkehrende Enthüllung über die Verachtung der McMahons für das traditionelle "Wrestling-Booking" bzw. für die Mitarbeiter, die dieser Philosophie folgen wollen. Stets hört man aus den Zeitzeugenberichten heraus, dass die WWE sich irgendwann in der Mitte der letzten Dekade als reine"Entertainment"-Company definiert hat und die alten Wrestling-Wurzeln in den Diskussionen bei den Meetings oftmals nur noch verachtet - ohne dabei zu realisieren, dass das Kerngeschäft des Konzerns immer noch in vielerlei Hinsicht von diesen altbewährten Regeln im Business abhängt.
Es ist wohl kein Zufall, dass die spektakulärsten und emotionalsten Momente in den letzten acht Jahren bei den WWE-Shows immer dann entstanden, wenn das Kreativteam eigentlich ganz andere Dinge mit den beteiligten Aktiven vorhatte und durch glückliche Umstände oder Lobbyarbeit etablierter Stars das System "Coporate WWE" für eine kurze Zeit aufs Kreuz gelegt werden konnte. Batistas Push im Winter 2004/2005 entstand durch einen zufällig von einer TV-Kamera besonders schön eingefangenen Blick von "The Animal" auf den Titelgürtel von Triple H. Der (im Nachhinein so ungemein erfolgreiche) "Cash In" von Edge bei New Year's Revolution 2006 war aus der Not geboren, da bis zur nächsten WrestleMania kaum noch Zeit für das "Eincashen" mehr war und man neun Monate keine einzige richtige Idee für den großen World Title Shot des ersten Kofferträgers gehabt hatte. Die größten WrestleMania-Momente der jüngeren Vergangenheit bescherten uns Veteranen wie der Undertaker, Shawn Michaels oder Ric Flair, die teilweise dabei auch ihre Karriere beendeten. Die wirklich großen Fehden der letzten fünf Jahre, die bis heute noch in Erinnerung blieben, wurden dagegen in erster Linie maßgeblich von den verbliebenen Main Eventern mit großem Backstage-Einfluss mitgestaltet (wie etwa Chris Jericho vs. Shawn Michaels 2008). Großartige Ideen, um neue Stars over zu kriegen, kamen meistens eher von den Aktiven selbst, als von dem dafür bezahlten Team an Drehbuchschreibern. Und da über das Internet immer wieder tröpfchenweise die Hintergründe über die "Backstage Politics" und die generelle Situation im Booking-Team an die Öffentlichkeit gelangten, begann bald eine "smartere" Generation an Wrestlern aus der Independent-Szene sich bereits beim Eintritt in das Unternehmen auf perfide Weise darauf vorzubereiten, mit allen möglichen Tricks dem System zu entgehen und sich in jeder noch so kleinen Nische selbst zu entfalten. Die Generation Punk/Bryan/Barrett steht quasi für diese neue "Smartheit" der talentierteren bzw. intelligenteren Independent-Wrestler als Reaktion auf "Coporate WWE". Man kennt die (oftmals paradoxen) Hürden, die auf einen warten, bereits. Man ist sich bewusst, dass man sich den politischen Besonderheiten im McMahon-Konzern stellen und damit so gut wie möglich leben muss. Und man versucht am Ende trotzdem sein Glück und dabei das "System" so gut wie möglich auszutricksen, da es eben keine größere Wrestling-Organisation auf der Welt als die von Vince McMahon gibt. Wenn man sich regelmäßig gängige Podcasts von WWE-Aussteigern wie Dave Lagana oder auch Colt Cabana anhört, in denen immer wieder frühere WWE-Stars als Gäste eingeladen werden, kommt man als Hörer schnell zu den Fazit, dass man als aufstrebender Wrestler im McMahon-Imperium vor allem eines gut können sollte: Um drei Ecken denken zu können bzw. sich rechtzeitig die richtigen Verbündeten im Writing-Team zu sichern. Irgendwie erstmal in die großen Shows zu kommen, um dann mit etwas Eigenständigen Aufmerksamkeit zu erregen, so scheint die "Basic Strategy" vieler ignorierter Talente heutzutage zu sein, da es den "geraden" Weg ins TV-Programm, wie es ihn vor zwanzig Jahren noch im Business gegeben hat - etwa über gut "geworkte" Matches - kaum noch zu geben scheint. Das Phänomen Zack Ryder und seine Internet-Kampagne in den letzten acht Monaten sind letztendlich die für jeden sichtbar gewordenden Folgen dieses Umdenkens im Lockerroom gewesen, in dem immer mehr aufstrebende Talente den "inoffiziellen" Weg über die Drehbuchschreiber hinweg wählen, um beim Publikum irgendwie over zu werden. Meistens scheitern sie aber daran, dass "Coporate WWE" ihre Absichten rechtzeitig durchschaut und ihnen Steine in den Weg legt, im schlimmsten Fall gar in demütigende Angles zwingt, um ihr Standing bei den Fans nachhaltig zu beschädigen. DON'T GET OVER WHEN YOU'RE NOT SUPPOSED TO! Manche wiederum, wie etwa The Miz und John Morrison, hatten am Ende mehr Glück und bekamen mit "The Dirt Sheet" sogar eine eigene Internet-Show auf wwe.com, um ihre Charaktere selbst zu promoten und in neue Dimensionen zu führen.
CM Punk ist indessen in vielerlei Hinsicht in den letzten fünf Jahren das Paradebeispiel des Wrestlers geworden, der sich "Coparate WWE" einfach nicht unterwerfen wollte und - trotz diverser Sanktionen durch seine Vorgesetzten - immer wieder zurückkam, um es erneut zu versuchen. Seine nie gespielte "Geradlinigkeit" machte ihn gerade in dieser Hinsicht zu einer einzigartigen Persönlichkeit im WWE-Universe, in der soviele andere Charaktere so ungeheuer künstlich, so erschreckend aufgesetzt und oftmals so fürchterlich zweidimensional sind, dass anno 2011 selbst mittelmäßig talentierte Undercarder wie Zack Ryder allein durch selbst gestaltete YOUTUBE-Clips zu größeren Stars als die regulären Midcarder bei RAW werden können, weil sie sich schon durch mäßige Witzeleien erfolgreich vom geskripteten Einheitsbrei bei RAW oder SD! absetzen und dadurch aus der Masse hervorstechen. CM Punk ist authentisch und wirkt daher - einmal ans Mic gelassen - sofort viel "realer", "plastischer" und "bedrohlicher" als der 08/15-Einheits-Heel der WWE vom Schlage eines Great Khali oder Mark Henry. Und obwohl er seine Fähigkeiten, eine Fehde "over" zu bekommen und damit "Money-Matches" zu generieren in seiner großen Auseinandersetzung mit Jeff Hardy 2009 erfolgreich demonstrieren konnte, stieß man ihn kurz danach wieder zurück in die Bedeutungslosigkeit. Sein rebellische Art im Backstage-Bereich hatte ihm hinter den Kulissen genug Feinde gemacht, die an einer grundlegenden Sabotage seiner Karriere interessiert waren und damit 2011 auch beinahe endgültig Erfolg gehabt hätten. Denn auch der hartnäckigste Rebell verlässt irgendwann einmal das Schlachtfeld, wenn er realisiert hat, dass er gegen Windmühlen kämpft. CM Punk hatte dieses Jahr den Entschluss gefasst, die Promotion zu verlassen, weil er für sich keine Zukunft mehr in ihr sah. Und es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet seine in ungeskripteten TV-Promos eingebaute Frustration und Resignation über das System "hinter den Kulissen" am Ende eine so große Breitenwirkung bei den Wrestling-Fans auf der ganzen Welt entfaltete, dass das System bzw. die Philosophie von "Coporate WWE" intern erstmals seit 10 Jahren wieder massiv in Frage gestellt wird. So erweckt es jedenfalls den Anschein, wenn man sich die letzten zwei Wochen RAW und SD! angeschaut hat. Plötzlich entdeckt man auch bei anderen Wrestlern wieder kleinere Anzeichen von "Persönlichkeit", es gibt bessere Interviews, einen längeren Aufbau von Storylines auf WrestleMania hin, eine neue Wertschätzung für "Continuity" (also ein besser auf einander aufbauendes Storytelling über einen längeren Zeitraum) und tatsächlich auch Bezugnahmen auf die Vergangenheit von Wrestlern, wenn es um ihre Gegenwart geht. Ein Teddy Long weiß, dass er mal mit Mark Henry zusammengearbeitet hat und baut es daher beiläufig in eine maßregelnde Rede gegenüber dem World Strongest Man ein. Ein Cody Rhodes weiß noch von seiner Legacy-Vergangenheit mit Ted DiBiase und nimmt daher in den aktuellen Shows Bezug darauf. Und ein Daniel Bryan weiß noch von seiner NXT-Vergangenheit mit Wade Barrett. Dies war nicht immer so in den letzten fünf Jahren. Oftmals betrug die Halbwertszeit für Erinnerungen an frühere Vorkommnisse bei den meisten Charakteren bei RAW und SD! oft nur sechs Monaten. Dies ist in letzter Zeit wieder anders und deutet auf ein Umdenken im Kreativbereich hin. Und schon gewinnen fast alle Wrestler immens an "Persönlichkeit". Wenn man genau hinschaut, erkennt man plötzlich einen
"Rise of Personality" in beiden Shows.
So who's causing all this?
Wer ist für dieses offensichtliche Umdenken am Ende verantwortlich?
Sicherlich nicht nur CM Punk, da manche dieser Trends bereits seit Januar diesen Jahres erkennbar waren. Mancher munkelt, dass es vor allem der größer werdende Backstage-Einfluss von Triple H war. Andererseits kann man aber auch den Eindruck gewinnen, dass der Erfolg der "CM Punk"-Storyline Wasser auf die Mühlen derjenigen war, die seit Monaten für dieses Umdenken backstage Lobbyarbeit betreiben. Und endlich scheint man nun auch "The Internet" bzw. "The InternetFANS" nicht länger als das große Feindbild anzusehen, denen man allein der Tradition wegen unbedingt bei jeder Gelegenheit eine reindrücken muss, um der Welt zu zeigen, dass man noch die Kontrolle über das Produkt hat. Denn längst hat sich gezeigt, dass das World Wide Web zum großen Informationspool für nahezu alle Fans der WWE geworden ist. Sicher: Nicht jeder liest zwei Stunden die Insider-Nachrichten, um sich hinterher als besonders "smart" hinstelen zu können. Aber die Mehrheit tauscht sich dann eben doch über die Shows im Netz aus, so dass es allen Unkenrufen zum Trotz eben doch
sehr repräsentativ ist, was an Meinungsbildern über große Storylines in den diversen Foren und "Social Networks" nach großen WWE-Events entsteht. Der sensationelle Siegeszug von TWITTER und FACEBOOK in den letzten zwei Jahren scheinen am Ende auch die WWE davon überzeugt zu haben, die Internet-Wrestling-Community zu umarmen statt sie als Feindbild bewusst vom Produkt auszuschließen. Was im Internet an Feedback geschrieben wird REALLY DOES MATTER! Und durch die neuen Medien eröffnen sich zudem ganz neue Interaktionsmöglichkeiten zwischen Wrestlern und Fans. Diese Kommunikationskanäle zum Aufbau großer Fehden auch auszunutzen, hat die WWE dieses Jahr erstmals erstaunlich hartnäckig forciert und damit signalisiert, dass man sich den Plattformen von WEB 2.0 und den darauf publizierten Stimmungströmungen innerhalb der eigenen Fanszene nicht länger entziehen will. Dies könnte am Ende tatsächlich der finale Schritt in ein neues Zeitalter der Promotion gewesen sein. So sieht es jedenfalls CM Punk, der letzte Woche in einem Mainstream-Interview mit dem renommierten Journalisten Bill Simmons vom Sportsender ESPN folgendes Statement zur aktuellen Lage in der WWE abgab:
CM Punk:
"Ich glaube, dass sich viele [frühere Fans] mittlerweile für Pro Wrestling schämen [bzw. schämen Wrestling zu schauen]. Und ich bin der Meinung, dass sich niemand dafür schämen sollte. My goal is to make this shit cool again. Und das werde ich nicht alleine angehen. Für dieses Ziel arbeite ich zurzeit nicht alleine, sondern zusammen mit Leuten wie Cena, Miz und Rey Mysterio - das ist Teamarbeit! I wanna open this thing wide open again ... like it was in the late 90ties." [ab Minute 41:
http://espn.go.com/espnradio/play?id=6808291]
Und als er zuvor gefragt wurde, ob mit ihn nun die Attitute-Ära zurückkehren würde, stellte er klar:
CM Punk:
"This is a NEW ERA und nicht mit früheren Zeiten vergleichbar. Wenn ich es definieren sollte, würde ich sagen: "Welcome to the Reality-Era!"
Und die Hoffnung, die CM Punk bei vielen Fans in den letzten 6 Wochen durch eine simple Storyline auf so einen historischen Einschnitt, ja vielleicht sogar auf eine kleine Revolution geweckt hat, macht ihn am Ende klar zum "Aufsteiger des Monats Juli 2011".
Lionheart
» Was ist deine Meinung zu diesem Thema? Zum CyBoard mit 19.500 anderen Fans! 