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Review: "De Wereld van Beau" - Sehenswerte Reportage ü. Wrestling in NL und Dory Funk |
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Review: "De Wereld van Beau"
Gestern gab es im niederländischen Fernsehen eine weitere Folge von "De Wereld van Beau (Die Welt von Beau)". In dieser Dokumentar-Serie untersucht Moderator Beau van Erven Dorens "Subkulturen" und taucht eine Weile in sie ein und nimmt daran teil. In der Folge vom 20. Februar 2012 ist diese "Subkultur" Wrestling, und die Reportage ist es allemal wert, hier Erwähnung zu finden.
Ich weiß, diejenigen, die niederländische Sender empfangen sind hier nicht gerade in der Mehrheit, daher ein paar kurze Worte zum Sendeformat. Der Sender SBS6 ist ein Sender, der vom Inhalt her mit Kabel 1 oder RTL2 vergleichbar ist. De Wereld van Beau hat einen Marktanteil von aktuell etwa 6%, was etwa einer halben Million Zuschauern entspricht. Der Moderator, Beau van Erven Dorens, ist 42 Jahre alt und bekannt aus Sendungen wie der NL-Version von Deal Or No Deal und anderen Formaten.
Nun untersucht Beau mit einem Dokuformat Szenen wie "Menschen, die histrorische Schlachten nachahmen", die Chippendales oder die chinesische Filmindustrie oder testet das Überleben auf einer einsamen Insel. Und nun sind wir also beim Wrestling.
Als ich hörte, dass ein TV-Moderator bei einer europäischen Liga vorbeischaut und dann auch noch im Ring aktiv wird, habe ich nicht viel erwartet. Es ist ja nicht das erste Mal, dass die europäische Wrestlingszene Besuch von einem Moderator bekommt, der nach kurzer Anwärmphase ein paar Klischee-Fragen stellt und dann in einem lächerlichen Kostüm einen kleinen Comedypart bekommt, aus dem anschließend ein 5-Minuten Beitrag für ein Vorabend-Boulevardmagazin wird, anmoderiert mit ein paar Schlagwörtern wie "muskelbepackte Kerle in knappen Hosen" oder "was martialisch aussieht, ist jedoch reine Show". Wir erinnern uns an die Theo Wests und Paul Panzers, die deutsche Ligen heimgesucht haben. Trotzdem ist man meistens dankbar, dass man überhaupt mediale Aufmerksamkeit erreicht hat und ist sich bestenfalls noch einig, dass es hätte schlimmer kommen können.
Am Montag Abend zur besten Sendezeit um 20:30 lief gestern "De Wereld van Beau", in der ich das erste Mal seit langem, wenn überhaupt, gesehen habe, dass es auch anders geht.
Beau van Erven Dorens recherchiert. Er geht offen und respektvoll an das Thema und die Beteiligten heran. Und was dabei herauskommt, ist eine Doku, die Wrestling als das präsentiert, was es ist: Unterhaltung, harter Sport und sehr vielseitig.
Beau erzählt als erstes, als Jugendlicher, wie so viele andere auch, Fan der WWF gewesen zu sein, von Hulk Hogan, Wrestlemania und all dem, was viele von uns damals Blut lecken lies. Er findet heraus, dass es auch in den Niederlanden eine Wrestlingszene gibt und besucht die Show der Dutch Pro Wrestling in Poeldijk im Oktober 2011. Zu dieser Show hatte die DPW hochkarätige und namhafte Wrestler wie Al Snow und Rob van Dam, aber natürlich auch einige etablierte einheimische Stars wie Emil Sitoci eingeladen, die vor vollem Haus (600 Zuschauer) eine gute Show bestritten. Auch aus Deutschland waren Fans anwesend.
Beau interviewt hier den Ringrichter und Mitorganisator Richard über die niederländische Wrestlingszene, trifft Backstage das erste Mal auf Emil und befragt ihn zu seinem Job. Man sieht ein paar Bilder aus der deutschen GSW, in der Emil Champion ist. Er stellt fest, dass Emil nicht nur ein netter Kerl ist, sondern sogar studiert hat. Es entsteht ein kleiner Plausch über Emil's Hintergrund und seinen Beginn in dem Sport. Es geht natürlich auch um den Show-Aspekt beim Wrestling, und die Antworten überzeugen: Ja, natürlich gibt es einen Show-Aspekt. Aber jeder Wrestler muss sich wirklich "prügeln" können. Emil bietet Beau an, mit ihm zum Ring zum kommen. Die Fans werden interviewt, was sie an der Show interessiert - ohne sie als tumbe Trottel oder geifernde Weiber darzustellen. Und anschließend steht Beau backstage und befragt offen und respektvoll RVD und Al Snow - mit vernünftigen Fragen. Und bekommt gute Antworten.
In der anschließenden Sequenz findet das Match von Emil Sitoci gegen den Troublemaker statt, in dem Moderator Beau Emil zur Seite steht und aus nächster Nähe einen Eindruck vom Geschehen bekommt.
Anschließend möchte er selbst aktiv an einem Match teilnehmen. Während Emil 2 Wochen in den USA ist, trainiert Beau im Studio. Als Emil wieder zurück ist, besucht Beau ihn zuhause und schaut sich bei ihm um. Wir sehen eine Vertikalstange, seine Freundin, den GSW-Titel und vieles mehr. Beau wird klar, dass Emil sein Leben auf das Wrestling ausgerichtet hat. 6x die Woche Training, abgestimmte Ernährung, Fahrten durch halb Europa. Auf Empfehlung von Emil fährt Beau nach Orlando zur Wrestlingschule von Dory Funk. (Welcher deutsche Reporter hätte sich diese Mühe gemacht?!) Dory Funk trainierte unter anderem den niederländischen Judo-Goldmedalliengewinner Anton Geesink, der nach der Judokarriere 1964 Wrestler wurde. Auch hier gibt es Videomaterial von damals. Dory zeigt Beau seine Wrestlingschule, Bilder von Rob Van Dam, den Beau ja bereits kennengelernt hat, Samoa Joe und der Aufnahme in die WWE Hall of Fame. Anschließend geht es zum Training mit Dory's Schülern, wo Beau ebenfalls keinen Promibonus bekommt. Abschließend gibt es noch einen Abstecher nach New York zur Survivor Series, diesmal nur als Zuschauer.
zurück in den Niederlanden trainiert Beau weiter mit Emil und den anderen. Und wie jeder Anfänger muss er reichlich einstecken. Diese Erfahrungen musste schließlich auch Hulk Hogan machen! Nach einer kleinen Sequenz mit Judokids geht es dann in das erwartete Tag Team Match. Zurück in Poeldijk, wo alles begann. Wir haben Ende Januar 2012. Beau als der Kakker from Hell, zusammen mit Emil Sitoci beweisen ihr Können gegen Kenzo Richards, Mark Kodiak und den Troublemaker im Main Event.
Die Reportage dauert netto ca. 45 Minuten und ich kann sie jedem empfehlen. Leider ist der größte Teil auf niederländisch (eben der, der nicht in den USA gedreht wurde oder in dem gerade RVD und Al Snow interviewt werden). Ich habe wirklich noch nie so eine offene und respektvolle Reportage zu dem Thema gesehen. Man kann also tatsächlich über Wrestling berichten, ohne das ganze zu belächeln oder als gewaltverherrlichende Show abzustempeln. Man kann interessiert feststellen, dass es sich nicht ausschließt, einen Studienabschluss zu haben und in Zuhälterjacke vor Publikum zu stehen. Man kann bemerken, dass es harte Arbeit ist, auch ohne dass alle Aktiven immer betonen, alles hier wäre echt und nur in Amerika wäre alles Show. Der DPW und Beau van Erven Dorens ist eine Reportage gelungen, die den Zuschauer unterhält, das Wrestling trotzdem gut dastehen lässt und vor der ich den Hut ziehe. Meinen Respekt an alle Mitwirkenden.
Der Sender SBS6 bietet ähnlich RTLNow und der ZDF Mediathek einen (zeitlich unbegrenzten) kostenlosen Videostream.
Wer die Reportage ebenfalls sehen möchte, kann dies unter folgendem Link tun:
http://www.sbs6.nl/programmas/de-we...eau-8-worstelen
Beitrag editiert von 2. Vorsitzende am 22.02.2012 um 08:07 Uhr
-------------------- Sollte man sich mal durchlesen: http://www.organspende-info.de/organspende/ausweis/
Was Sie schon immer über die Verwendung multipler Ausrufe- und Fragezeichen wissen wollten: http://www.sockenseite.de/usenet/ausruf.html
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Posted: 21.02.2012, 21:14 Uhr |
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2. Vorsitzende
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Was für mich beeindruckt hat, ist, dass ich bis gestern die These vertreten hätte, dass man am besten Kayfabe halten sollte, wenn ein aussenstehender Reporter kommt. Wenn man gleich am Anfang zugeben würde, was Fake ist, würden sie sich drauf stürzen und das Wrestling käme lächerlich rüber - was ja häufig auch so war. Andererseits war es eben oft ziemlich unglaubwürdig, wenn man versucht hat, wider besseren Wissens alles als echt zu verkaufen und backstage rumgebrüllt oder jemanden attackiert hat, um dieses zu betonen. Emil bleibt ruhig und freundlich, und er erklärt sachlich, wie es ist, ohne sich oder seine Kollegen auch nur ansatzweise zu demontieren. Niemand steht nach dieser Reportage schlechter da als vorher. Im Gegenteil. Eine halbe Million Niederländer und nun auch ein paar Deutsche sehen, dass Wrestling eine sportliche Unterhaltungsform ist, deren Aktive Respekt verdienen für das, was sie tun. Auch in Europa.
Mir ist bewusst, dass es ein glücklicher Umstand ist, dass Beau van Erven Dorens der Sache um einiges aufgeschlossener gegenübersteht als die meisten anderen. Es ist also kein Patentrezept, zukünftig jedem deutschen B-Promi, der an der Tür klopft, einen aktiven Part bei einer Show zu geben - um Gottes Willen! Wie sehr hätte es nach hinten losgehen können, einen leicht selbstverliebten, bekannten TV-Promi in den Mainevent einer Show zu stellen? Aber durch die Kombination, dass jemand mal Interesse zeigt, das über einen Abend hinausgeht, und einen erfahrenen Wrestler, der sich und seinen Sport souverän präsentiert, kann sich das Ergebnis in diesem Fall sehen lassen.
Es gab kein Fremdschämen in dieser Reportage.
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Posted: 22.02.2012, 07:49 Uhr |
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