Wie alt muss man sein, um Wrestlingtraining nehmen zu können?
Wrestling ist ein harter Sport, der dem Körper einiges abverlangt. Neben dem Training im Ring müssen Muskeln aufgebaut werden, um mit einem trainierten Körper das Verletzungsrisiko zu minimieren. Wird damit begonnen, während sich die Knochen noch im Wachstum befinden, können schwere Wachstumsschäden entstehen. Daher wird von einem Beginn unter 16 Jahren generell abgeraten. Ein weiterer Grund sind versicherungstechnische Gründe, schließlich ist die Verletzungsgefahr beim Training sehr groß.
Was kann ich tun, um mich auf mein erstes Training vorzubereiten?
Wrestling ist ein Sport, der vollen Körpereinsatz fordert. Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und auch das „Einstecken können" sind im Ring unverzichtbar. Eine gute Kondition kann man sich z.B. mit Joggen oder Fußballspielen auch schon in jüngeren Jahren aneignen. Wie man nach einem Wurf richtig fällt, ohne sich zu verletzen, kann man in der Fallschule vieler Kampfsportarten lernen. Judo, Karate und ähnliches haben sich in der Vergangenheit bewährt. Idealerweise ist auch Ringen eine gute Basis, um mit dem Wrestling zu beginnen. Krafttraining (das richtige Alter vorrausgesetzt), schadet ebenfalls nicht. Sicher muss man vor seiner ersten Schnupperstunde nicht alle diese Stationen durchlaufen, aber wer als konditionslose und verfettete Couchpotatoe in den Ring klettert, wird schon beim Aufwärmtraining kapitulieren.
Backyardwrestling ist eine denkbar schlechte Vorbereitung auf professionelles Training. Backyarden birgt für alle Beteiligten ein viel größeres Verletzungsrisiko als Wrestling von Profis, die wirklich alle Aspekte eines Moves kennen. Daher genießen Backyarder bei Profis einen denkbar schlechten Ruf. Wer also außer Matratzenmatches, bei denen man den kleinen Bruder vom Schrank auf's Bett wirft, nichts vorzuweisen hat, wird im Training die Meinung des Profis zu diesem Hobby am eigenen Leibe zu spüren bekommen.
Was sollte ich zum Training mitbringen?
Für den Anfang reichen eine Hose (keine Jeans), ein T-Shirt und Turnschuhe mit nicht zu dicker Sohle aus. Für den Schutz der Knie sollten unbedingt Knieschützer (ohne Plastikschale) mitgebracht werden (z.B. Volleyballschützer von „Trace" oder andere weiche Schützer). Schmuck wie Halsketten, Ringe oder Piercings sollte man vor dem Training unbedingt ablegen.
Ellenbogenschützer können weitere Schürfwunden verhindern. Ein Handtuch und ausreichend Wasser sollte ebenfalls im Gepäck sein. Ist man sich seiner Sache später sicher, sollte noch vor dem ersten Auftritt vor Publikum an eine ordentliche Ringgear gedacht werden, also Ringerstiefel und ein professionelles Outfit.
Wie läuft ein Wrestlingtraining ab?
Zu Beginn gibt es ein Aufwärmtraining. Was danach kommt, hängt natürlich von dem Fortschritt der Schüler ab. Am Anfang stehen unverzichtbare Dinge wie Fallschule, Orientierung im Ring, erste Griffe auf der Matte, einfache Würfe und dann erste kleine Kombinationen. Danach wird Schritt für Schritt fortgesetzt. Erst, wenn man weiß, wie man richtig fällt, kann man einen Wurf lernen, erst, wenn man weiß, wie man richtig in die Seile läuft, kann man eine Aktion aus den Seilen machen. Nebenbei ist immer wieder Kondition und Kraft gefragt (siehe Vorbereitung). Die wirklich spektakulären Dinge lernt man erst dann, wenn man die Grundtechniken beherrscht, und das kann je nach Trainingshäufigkeit Monate oder Jahre dauern. Erwartungen, nach wenigen Wochen publikumsreif zu sein und die Moves seines Lieblingswrestlers Rey Misterio zu beherrschen, sind vollkommen unrealistisch.
Wie finde ich eine gute Wrestlingschule?
Wirklich professionelles Training kann man logischerweise nur von professionellen Wrestlern bekommen, also Wrestlern, die über längere Zeit erfolgreich Erfahrungen bei verschiedenen Shows sammeln konnten und selber eine professionelle Ausbildung genossen haben. Bei selbsternannten Wrestlingschulen, bei denen der Trainer nicht mal Bookings bei professionellen europäischen Ligen vorweisen kann, sollte man sich Gedanken machen. Wenn der Trainer schon nicht gut genug ist, um im Eurowrestling Erfolg zu haben, wie weit mögen die Schüler dann wohl kommen?
Hier sind also nur die empfehlenswerten Ligen und Trainer aufgelistet, die ein lohnenswertes Training anbieten:
» EWP (Wrestling School) - www.wrestling-school.de (regelmäßiges Training in Hannover, Trainer sind Christian "Ecki" Eckstein und Leon van Gasteren).
» "The Wright Stuff" - Pro Wrestling School - www.prowrestlingschool.de (regelmäßiges Training in Nürnberg, Trainer ist Alex Wright)
» GWF (Wrestling School Berlin) - www.myspace.com/wrestlingschule (regelmäßiges Training in Berlin, Trainer sind Ahmed Chaer und Crazy Sexy Mike)
Bitte setzt euch selbst mit den Ligen in Verbindung, um mehr über das Training zu erfahren. Manche Ligen geben regelmäßiges Training in einer Halle, andere nutzen die Möglichkeit vor Shows und die Anwesenheit von Gasttrainern, andere haben feste Trainer. Oft gibt es spezielle Angebote für Fortgeschrittene oder Neueinsteiger, also informiert euch, was möglich ist.
"..aber ich hab von einer Schule gehört, die soll näher dran und viel billiger sein...!?"
Hier sind ja auch nur die Ligen aufgeführt, die regelmäßig professionelles Training anbieten. Werbung für unfähige Hobbytrainer, angehende Backyarder und nicht empfehlenswerte Schulen überlassen wir denen, die es nötig haben. Die einzig weitere Chance auf gutes Training ist, Pro-Ligen, die in der Nähe veranstalten, nach Möglichkeiten zu fragen (siehe Liste der europäischen Wrestlingligen), im Euroforum die Augen nach weiteren Angeboten offen zu halten oder Wrestler bei Shows anzusprechen.
Warum ist Wrestlingtraining so teuer?
Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist Wrestling kein Breitensport wie Fußball oder Volleyball, wo man mal eben zum Sportverein im Ort gehen kann, um beim örtlichen Trainer als einer von 30 Teilnehmern irgendeiner Körperertüchtigung nachzugehen. Ein erfahrener Ringprofi nimmt sich Zeit, um eine Handvoll Schüler oder sogar einem Einzelnen in die Geheimnisse der Technik und der anderen Aspekte des Wrestlings (Stichwort: „Sports Entertainment") einzuweisen. Er selbst hat viel für dieses Wissen investiert. Zahllose Trainingsstunden, Geld, Schweiß, Blessuren, Erfahrungen durch Fehler. All dies über einen langen Zeitraum hinweg. Jedem, der ebenso weit kommen will, sollte dies ebenso viel wert sein.
"...aber die Schule ist so weit weg, die Fahrt dahin dauert lange und ist teuer, und überhaupt, diese ganzen Umstände...!"
Eigentlich kann man die Antwort auf diesen Satz ganz knapp halten: Dann lass es. Mit dieser Einstellung wird man nie ein Pro-Wrestler werden. Für einen erfolgreichen Wrestler sind in Europa 1000km Strecke an einem Wochenende keine Seltenheit. Wem das Leben „on the Road" nicht gefällt, sollte einfach dem örtlichen Schützenverein beitreten. Es gehört zum Wrestling wie die Belts, der Ring und die Zuschauer, dass man unterwegs ist, schlechte teure Pommes an der Raststätte verdrückt und in Staus steht, während im Wagen voller verschwitzter Klamotten die Klimaanlage ausfällt.
Noch vor 10 Jahren gab es nur eine einzige professionelle Schule in Deutschland, und die hatte nur 3 Monate im Jahr überhaupt geöffnet. Die Kosten beliefen sich auf 100DM pro 60 Minuten. Damals sind Schüler teilweise nach England oder Kanada geflogen, um Training zu bekommen. Wer das miterlebt hat, kann über heutige Fans, die bei 200km Anfahrt zu einer ganzjährig geöffneten professionellen Trainingsmöglichkeit herummaulen nur den Kopf schütteln. Das Netz guter Möglichkeiten ist so gut wie nie zuvor (s.o.)!
Zusammenfassend sei gesagt: Gutes Training gibt es nicht zum Schnäppchenpreis. Pro-Wrestler wird nur, wer Zeit und Geld investiert und die Anforderungen im Training besteht. Dann aber hat man Chancen, dass sich sein Traum erfüllt.
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