Im Sommer 2005 ist eines der besten Wrestlingbücher aller Zeiten erschienen, nämlich die Biographie von Ric „the Nature Boy" Flair, einem der erfahrensten und bekanntesten Wrestler aller Zeiten. Ich war natürlich einer der ersten Besitzer dieses Werkes und habe es für euch rezensiert, damit ihr über den Inhalt bescheid wisst oder entscheiden könnt, ob ihr es kaufen wollt oder nicht. Ich kann es nur empfehlen und habe die wichtigsten Vorkommnisse im Buch für euch hier zusammengeschrieben.
Das Buch beginnt mit einleitenden Worten von Triple H, die recht persönlich sind und die Karriere des Nature Boy zusammenfassen. Normalerweise bin ich ja kein großer Triple H Fan, aber die Einleitung ist wirklich treffend. Er zählt alle wichtigen Gegner von Flair auf, von Bob Backlund bis Bill Goldberg und beschreibt Ric Flair als eine Art wandelndes Buch, da er in seinem Leben schon so viele Erfahrungen sammeln konnte.
Dann geht es auch schon voll los mit der Geschichte des „dirtiest player in the game". Wir steigen direkt mit der Geburt ein. am 25. Februar 1949 wurde Fred Phillips in Memphis geboren. Von der Familie Fliehr adoptiert, bekam er den Namen Richard Fliehr, den er später in Ric Flair umwandelte und bis heute benutzt. Er war ein furchtbar anstrengendes und lebhaftes Kind, doch seine Adoptiveltern waren sehr geduldig. Er vernachlässigte die Schule und war sehr sportlich. Parties, Alkohol und Sex waren in seinen Jugendzeiten Dinge, die sein Leben bestimmten. Football und Freunde waren ebenso sehr wichtig für ihn. Nach dem College verkaufte er zunächst Versicherungen und arbeitete als Rausschmeißer.
Er lernte den Gewichtheber Ken Patera kennen, der bei den olympischen Spielen 1972 für die USA antrat. Dieser trainierte mit ihm und half ihm bei der Entwicklung eines muskulösen Körpers. Nach Olympia wurde Patera von Verne Gagne trainiert, um professioneller Wrestler zu werden. Dies interessierte Ric Flair ebenso, und er beschloss mit zum Training zu kommen. Die Übungseinheiten waren laut dem Nature Boy unglaublich hart und anstrengend. Liegestütze, Situps, Läufe und Training im Ring machten ihn total fertig. Er hatte mehrere Male aufhören wollen, doch Verne Gagne überredete ihn jedesmal, wieder zu kommen.
Anfangs war Flair ein totaler Mark. Er wusste beim Beginn des Wrestlingtrainings nicht einmal, dass Wrestling 100% Show ist. Er dachte immer, die Wrestler würden den Sieg unter sich ausmachen. Nachdem er einige Zeit trainierte, stieg er schon bald in den Ring und man konnte sein Talent erkennen. 1972 feierte er sein Debüt. Er saugte alle Informationen von Leuten wie Dusty Rhodes oder Dick Murdoch auf und entwickelte sich schnell zum hoffnungsvollen Rookie. Er fuhr mit Leuten wie Wahoo McDaniel, den er immer am meisten bewunderte und bis heute als sein größtes Idol bezeichnet, durch die Staaten und lernte von Wrestlern wie Harley Race. Er wrestlete lange in Charlotte, dies ist auch der Grund, warum er diese Stadt als seine Heimatstadt angibt.
Ein bedeutender Einschnitt in seinem Leben war der große Flugzeugabsturz, bei dem er sich schwer am Rücken verletzte und monatelang eine Gipsschale tragen musste. Er verlor sehr viel Gewicht und wog nur noch circa 80 kg. Er konnte weder trainieren noch wrestlen und kann bis zu heutigen Tag nicht gerade auf den Rücken fallen. Er fällt immer zur Seite hin, da ihm die gebrochene Stelle an der Wirbelsäule große Probleme bereitet (achtet mal bei einem back body drop darauf!).
Als er am 31. Januar 1976 sein Comeback feierte, war er vor Ehrgeiz nicht zu halten und legte fortan voll los. Er arbeitete mit Terry Funk, den Briscos, Greg Valentine und Wahoo McDaniel. In diesem Teil des Buches schildert er u.a. die Fehde mit Ricky Steamboat und die tollen Matches, die die beiden hatten. Steamboat sei ein ganz großer Wrestler gewesen, der heute noch wrestlen könnte, schwärmt der Nature Boy. Die Fehden mit Piper seien auch sehr gut und intensiv gewesen. Sein Privatleben habe während dieser Zeit sehr gelitten, insbesondere seine Ehe. Die ständigen Reisen, seine Schwäche für Parties und die vielen Matches hätten es ihm zeitweise nicht erlaubt, seine kleinen Kinder zu sehen und er habe oft mit seiner Frau gestritten.
Im Ausland war das Wrestling laut Flair damals ziemlich gefährlich. In den Ring laufende Fans und Krawalle unter den Zuschauern seien an der Tagesordnung gewesen. Teilweise hätte man den World Title wechseln lassen können, ohne dass jemand in den USA davon Wind bekommen hätte, da das Wrestling noch kein großes Medieninteresse verursachte. Auch konnte man in einer Woche fünf Mal das gleiche Finish zeigen, da es keiner im Internet nachlesen konnte. Heute sei alles schneller und im Internet werde jedes Match von allen Seiten beleuchtet.
In den 80ern lernte er seine jetzige Frau Beth kennen, die ihn etwas ruhiger werden ließ, aber den Nature Boy und seine Parties konnte auch sie nicht stoppen. Einige sehr tolle Geschichten werden über die Anfänge der 4 Horsemen erzählt. Die Feten und Parties dieser vier müssen ja legendär gewesen sein und endeten selten vor dem Morgengrauen. Egal ob am anderen Tag ein Flug, ein Match oder sonst irgendetwas auf dem Programm stand- die Horsemen machten die Nacht zum Tag.
Besonders berührt hat mich die Geschichte, die Ric Flair über die von Erich- Familie erzählt. Vor allem die unglaublichen Dinge, die er über „Texas Tornado" Kerry von Erich bekannt gibt, machten mich sehr traurig. Dieser soll schwer drogenabhängig gewesen sein und immer total high zu den Events erschienen sein. Da sein Vater Fritz von Erich Booker war, konnte er sich alles erlauben. Da Kerry ein sehr netter Typ war und einen tollen Körper hatte, liebten ihn die Fans und jubelten ihm zu. Ric Flair hatte mit ihm 60minütige Matches, bei denen Kerry mehr als einmal das Finish vergessen hatte, da er total zugedröhnt war. Im Regelfall musste ihn Flair durch das gesamte Match ziehen und die Führung übernehmen. Als echter Wrestlingfan muss man sich diese Zeilen echt einmal im Original durchlesen, um zu erkennen, welch großes Problem Drogen im Wrestling sind. Kerry von Erich war mein größter Fave als 10- Jähriger und heute wird mir erst bewusst, welch riesige Probleme er hatte. Kein Wunder dass er Selbstmord beging.
In einem lebhaften und anschaulichen Erzählstil geht es bis zum Ende weiter. Besonders bewegend fand ich den Teil, in dem Flair auf die Lebensphase zu sprechen kommt, als er seine Selbstachtung und sein Selbstbewusstsein verlor. Dies war zum Ende der WCW. Er war zu dieser Zeit ziemlich depressiv und hielt sich für nicht mehr zu gebrauchen. Er wollte eigentlich seine Karriere an den Nagel hängen, aber Vince McMahon konnte ihn für die WWE gewinnen. Und das war ja bekanntlich ein guter Schachzug. Ich muss wiederholen, dass ich dieses Buch wirklich als eines der zwei oder drei besten Wrestlingbücher aller Zeiten bezeichnen würde. Es ist ehrlich geschrieben (siehe die Meinungen zu Bret Hart oder Mick Foley), durchgehend spannend und gibt einen sehr intimen Einblick in Flairs Vergangenheit und seine Lebensverhältnisse. Ich möchte keine weiteren Details mehr verraten, da Ihr Euch das Buch wirklich kaufen solltet, um selbst Spaß daran zu haben.
Nur noch ein letztes Beispiel, um Euch wirklich den Mund wässrig zu machen: Flair geht sehr genau auf die Saufeskapaden mit Terry Funk ein, der mit dem World Title um die Hüften splitternackt auf der Straße rumlief! Das muss man einfach selbst lesen...
Am Ende des Buches beleuchtet Flair noch die jetzige Situation im Wrestling. Er lobt Wrestler wie Shawn Michaels, den er für außergewöhnlich hält. Auch zu seiner Familie gibt es noch ein paar Zeilen und mit den Dankesworten geht das Buch zu Ende. Man kann während der gesamten Lesezeit durchgehend die Liebe dieses Mannes zum Wrestling spüren. Ric Flair (merkt Euch meine Worte!) wird meiner Meinung nach im Ring sterben, denn freiwillig wird man ihn nicht zum Aufhören zwingen können- und das ist nicht einmal negativ gemeint! Er hat sich mit Haut und Haaren dem Business verschrieben und dafür lieben wir Fans ihn ja auch so...
Na ja, das wars dann mal wieder vom lieben Onkel Medium! Schreibt mir mal wie ihr die Rezension so fandet. Natürlich würde mich auch von den Leuten, die das Buch schon gelesen haben, eine Meinung interessieren.
Ich hoffe ihr hattet viel Spaß!
Bis zur nächsten Rezension...
Euer Sebastian
a.k.a. Medium Sexy
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