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Während WCW Monday Nitro in ihren ersten vier Ausgaben hervorragende Quoten einfahren konnte, schmiedete Vice Executive President Eric Bischoff bereits an weiteren Expansions-Plänen für Ted Turners lange Zeit vernachlässigtes Baby. Nachdem er im Sommer die ECW nach Talenten abgegrast und dabei am Ende Chris Benoit, Dean Malenko und Eddie Guerrero verpflichten konnte, begann er nun auch die lose Kooperation mit New Japan Wrestling weiter voranzutreiben. Für den größten WCW.PPV des Jahres - Starrcade - sollte es im Dezember 1995 zum ersten Mal in der Geschichte der Veranstaltung zu einem „Länderkampf" USA-Japan kommen, sieben ausgewählte Stars von World Championship Wrestling auf sieben Hochkaräter von NJW treffen. Darüber hinaus hatten den ehrgeizigen Bischoff in der ECW die dort wrestlenden „Luchadors" derart begeistert, dass er seine Fühler nun auch nach Mexiko ausstreckte.
Keine Frage - die WCW gewann dadurch mehr und mehr an internationalem Flair sowie an verschiedensten Wrestling-Stilen und wurde dadurch auch für jüngere Fans - die Hulkamania reloaded in der Regel ablehnten - wieder attraktiv. In den eigenen TV-Shows warb man fortan verstärkt mit dem neuen Slogan: „WCW - where the BIG boys play …"
Auf der anderen Seite hatte der Fall Brawl PPV eine Buyrate von „nur" 0.5 eingefahren - zum damaligen Zeitpunkt die niedrigste Bestellquote aller Zeiten für einen PPV mit der Beteiligung von Hulk Hogan. An der dominierenden Rolle des Hulksters in der Promotion schieden sich daher weiterhin die Geister. Doch Bischoff hielt seinem Millioneneinkauf ohne zu Zögern auch in der Folgezeit bedingungslos die Treue und trieb die trashige Storyline gegen den „Monster"-Stable Dungeon of Doom zu neuen Höhen … und Tiefen.
WCW Monday Nitro 02.10.1995
Monday Nitro fand an diesem Montag vor einer Rekordkulisse statt. Ca. 6000 Freikarten und die Aussicht Hulk Hogan wrestlen zu sehen hatten am Ende 9000 Zuschauer in Denver zu Nitro gelockt, die für eine bis auf den letzten Platz besetzte Halle und eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgten. Die WCW präsentierte dann auch gleich einen Knüller als Opener:
Zum ersten Mal in seiner Karriere traf das „Total Package" Lex Luger in einem Single-Match auf Macho Man Randy Savage. Ein PPV-würdiges Aufeinandertreffen wurde hier also erneut im Free TV verheizt - noch dazu garniert mit einer Special Stipulation: Luger hatte in der Vorwoche angekündigt bei einer Niederlage die WCW für immer zu verlassen. Eine Stipulation, die den „smarten" Fans freilich das Ergebnis des Matches vorwegnahm. Interessanter als die Spekulation über den Kampfausgang war da schon eher die Frage, auf welcher Seite der neuerdings zwielichtige Luger denn nun wirklich stand. Die WCW hatte in den Vorwochen alles daran gesetzt ihn als eine Tweener darzustellen, was für 1995 eine höchst ungewohnte Rolle für einen Main Eventer darstellte. Stand er nun auf der Seite der Hulkamanicas, wie es sein bester Freund Sting Hulk Hogan immer wieder versichert hatte? Oder arbeitete er vielleicht doch heimlich mit dem Dungeon of Doom zusammen, wie es Savage misstrauisch vermutete? Die Szene aus der Vorwoche, als Kevin Sullivan den Giant für seine Attacke gegen Luger maßregelte, sprach plötzlich mehr für letztere Theorie. Dieser Verdacht sollte sich bei Nitro nun noch weiter erhärten.
Denn als sich das Total Package zu Beginn der Show zum Ring aufmachte, agierte er überraschend selbstverliebt und „heelish". Stolz wie ein Pfau präsentierte er den Fans in Denver seinen durch Bodybuilding gestählten Modellkörper. So viele Posen hatte man von ihm seit seinen WWF-Tagen als „Narcissist" nicht mehr gesehen. Sollte der Macho Man mit seinen Verdächtigungen am Ende doch Recht behalten? Die Fans waren verunsichert, doch im Match kämpfte das Total Package dann überwiegend fair und ohne schmutzige Tricks. Dennoch gewann nach acht Minuten Randy Savage die Oberhand und schien nach einem Top Rope Ellbow auch schon wie der sichere Sieger auszusehen. Doch leider war der Referee vorher KO gegangen, so dass niemand den Three-Count zählen konnte. Stattdessen rannte plötzlich der Giant zum Ring und verpasste Savage einen gewaltigen Chokeslam. Als der Referee sich wieder erholte, nahm der langsam wieder auf die Beine kommende Luger den Macho Man in sein Torture Reck, in dem Savage dann aufgeben musste …
Damit ging ein sehr spannender Opener zu Ende, der das Total Package weiter ins Zwielicht rückte und Luger (in der Storyline) weitere Auftritte in der WCW sicherte. Eric Bischoff fiel als Kommentator derweil in der Anfangssequenz wieder mit Shoots gegen die WWF auf. „Don't turn the channel" ermahnte er die Zuschauer. Die Ergebnisse der „anderen" Show könnten sie auch noch später aus Mike Tenays Hotline-Reports erfahren …
Bei Nitro folgte indessen nach dem aufregenden Eröffnungskampf ein wenig „Disco Fever" zur Zerstreuung der Fans. The Disco Inferno präsentierte sich im Ring um sich darüber zu beklagen für kein Match gebookt zu worden sein. Seine Jammerei hielt jedoch nicht lange an, da sich Eddy Guerrero und Dean Malenko zum Ring aufmachten um ihr erstes Match bei Monday Nitro zu bestreiten. Nachdem sie Disco verscheucht hatten, begann ein technisch ansehnlicher Kampf, der im TV zum Ärger vieler Fans dann ausgerechnet in der Mitte unterbrochen wurde, als die Kameras plötzlich in den Backstagebereich schalteten um live die Ankunft von Hulk Hogan vor der Halle einzufangen. Der Hulkster kündigte dabei gleich an dem Giant später noch Face-to-Face gegenüberstehen zu wollen … währenddessen pinnte Eddy Guerrero im Ring Dean Malenko erfolgreich zum Three Count. Der Iceman war damit aber nicht einverstanden und forderte für die kommende Woche ein Re-Match …
Danach kam es dann endlich zum groß angekündigten Auftritt des Hulksters. „Mean" Gene Okerlund begrüßte Hulk Hogan im Ring zu seinem ersten Live-Auftritt seit dem Fall Brawl-PPV. „He's American Made" spulte daraufhin sein bewährtes Standard-Programm ab. Die Hulkamaniacs auf der ganzen Welt hätten ihn die letzten Wochen unterstützt und Mut zugesprochen. Erst am letzten Wochenende hätte ihm ein kranker Junge und großer Fan von ihm zugeflüstert, wie er den Giant besiegen könnte. Er sei Hulk Hogan und stelle sich jeder Herausforderung, egal wie groß sie auch sei. Nun würde er den Riesen persönlich konfrontieren … und schon machte sich der Hulkster auf den Weg in Richtung Lockerroom. Doch nach nur einigen Metern attackierte ihn plötzlich eine „Frau" aus dem Publikum, die ihm Make-Up-Pulver in die Augen pustete. Ein geblendeter Hogan geriet so prompt in einen Hinterhalt. Die „Frau" entpuppte sich nämlich als Kevin Sullivan, der kurze Zeit später noch vom Zodiac und vom Giant Gesellschaft bekam. Gemeinsam bearbeiteten sie den Hulkster und schleppten ihn schließlich in den Ring zurück. Dort zauberte der Taskmaster zur allgemeinen Überraschung plötzlich einen Elektro-Rasierer aus der Tasche. Während der Dungeon den hilflosen Hogan am Boden hielt, begann Sullivan mit einer bis dahin unerhörten Tat des Frevels an der Hulkamania: Er rasierte dem Hulkster den Schnurbart ab!!!
Die Nasty Boys und die American Males, die eigentlich als nächstes gegeneinander ein Match bestreiten sollten, versuchten schließlich mit vereinten Kräften Hogan vor der Schande zu retten. Doch am Ende scheiterten sie an der Übermacht des Giants, der sie mit mehreren Chokeslams allesamt abfertigte. Auf seinem Kreuzzug gegen die Hulkamania hatte der Dungeon of Doom damit seinen bisher größten Triumph errungen …
Die Fans in Denver fanden das ihnen gebotene Schauspiel freilich gar nicht so lustig, weil ihnen im Vorfeld ein WRESTLENDER Hulk Hogan bei Nitro versprochen worden war. Folglich buhten sich viele von ihnen die Seele aus den Kehlen …
Da musste dann schon ein Nature Boy im Main Event her um die Fans etwas zu versöhnen. Ric Flair traf in einem Re-Match von Fall Brawl auf seinen einst besten Freund Arn Anderson. Und diesmal schien der Nature Boy das bessere Ende für sich zu haben, denn nach wenigen Minuten nahm er Double A in den Figure Four Leglock … doch bevor dieser aufgeben konnte, sorgte Brian Pillman für die Disqualifikation. Wieder wurde Flair Opfer eines 2 on 1 Beatdowns, wieder kam ihm am Ende kein anderer WCW Wrestler zur Hilfe. Der „dirtiest player in the game" stand auch weiter ohne Freunde da. Eric Bischoff kündigte zum Abschluss der Sendung ein Steel Cage Match zwischen Anderson und Flair für das nächste Nitro an - dies hätte ihm WCW Comissioner Nick Bockwinkel angeblich gerade über den Kopfhörer mitgeteilt. So war diese Show am Ende wirklich ein rabenschwarzer Tag für die drei größten Babyfaces der Promotion: Savage, Hogan und Flair - sie alle kassierten an diesem Abend auf zum Teil demütigende Art und Weise Prügel - und sorgten so für jede Menge Gesprächsstoff unter den Fans … Mit einer 2.5 in den Ratings kehrte man zudem auf das alte Einschaltquoten-Niveau der ersten drei Nitro-Ausgaben zurück.
Results:
Lex Luger besiegt Macho Man Randy Savage per Submission
Eddy Guerrero besiegt Dean Malenko
The American Males gegen die Nasty Boys endet in einem No Contest
Ric Flair besiegt Arn Anderson per DQ
Rating: 2.5 [+ 0.6]
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