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FAQ & BEGINNER'S GUIDE: JAPAN
1. Puroresu, was ist das?
Puroresu, "purofesshonaru resuringu" um genau zu sein, bedeutet Pro-Wrestling aus Japan. Erstmals tauchte der Begriff in der Zeit um 1990 auf, als "Great Hisa" Hisaharu Tanabe (www.puroresu.com) begann den Begriff im Internet zu verbreiten.

Puroresu ist eine athletischere, realistischere Form des Wrestlings, bei der wenig Wert auf Showeinlagen gelegt wird. Viel mehr zählt das Geschehen im Ring. Deshalb wird man kaum knapp bekleidete weibliche Ringbegleitungen sehen, auch ausgedehnte Interviewsegmente im Ring sind so gut wie nicht existent. Fehden werden nicht auf Belanglosigkeiten aufgebaut - wie oft in den USA -, sondern drehen sich um Ehre, Stolz und oftmals die Beschützung der Heimatpromotion vor Angreifern anderer Organisationen. Im Gegensatz zu Shows in den USA besteht eine Wrestling Show in Japan beinahe ausschließlich aus Wrestling Kämpfen, das ganze Drumherum, das mittlerweile zum Wrestling in den USA dazugehört, sucht man vergeblich.

Puroresu besteht allerdings nicht nur aus realistischem, intensiven Kampf. In den 90er Jahren wurden duzende Independent Organisationen wie Toryumon, DDT, WEW oder Osaka Pro geformt, die sich stark am westlichen Wrestling orientieren. Längere Interviews im Ring, lustige Comedy Segmente und abgefahrene Storylines sind seither fester Bestandteil der japanischen Indy-Szene - und somit auch des Puroresu.

2. Wie hat alles angefangen?
Schon viele Hundert Jahre vor Christus waren verschiedene Formen des Kampfsports Teil der japanischen Kultur. Über die Jahrhunderte hinweg sollten frühe Formen des Grapplings und des Sumo Fragen der Landverteilung klären oder dienten zur Unterhaltung der regierenden Familien.

Der erste japanische Pro-Wrestler war Sorakichi Matsuda, der Japan 1883 verließ, um in die Vereinigten Staaten zu gehen. Ihm folgte Shokichi Hamada (im Sumo-Wrestling als Sangokuyama bekannt).

Allerdings konnte keiner der damaligen Wrestler den Sport zu großen Erfolgen führen. Auch eine der ersten japanischen Pro-Wrestling Organisationen, Japan Pro-Wrestling Alliance, welche 1939 von Hikoo Shoji, Kiyoshi Kato und anderen Judokas gegründet wurde, fand bei den Japanern keinen Anklang.

Es sollte der Koreaner Kim Sin-Nak sein, der Pro-Wrestling zu einer der größten Sportarten Japans machte. Unter dem Namen Rikidozan gründete er am 30.07.1953 die JWA (Japan Pro Wrestling Alliance), die erste japanische Full-Time Pro-Wrestling Organisation, welche die erste große Boomphase des japanischen Wrestlings auslöste. Rikidozans Aufstieg zum größten Superstar der damaligen Zeit war eng mit dem Verlust des 2. Weltkrieges verknüpft. Rikidozan nahm es mit allen Ausländern auf, die sich ihm in den Weg stellten, um den Stolz und die Ehre des japanischen Volkes zu verteidigen, was ihm in der Nachkriegszeit Verehrung und Bewunderung einbrachte.

Im Jahr 1954 folgten zwei weitere Wrestling Organisationen. All Japan Pro-Wrestling Alliance, welche am 14.03.1954 von Toshio Yamaguchi in Osaka gegründet wurde, und die bekanntere IWE (International Pro-Wrestling Force), die von Masahiko Kimura am 10.05.1954 in Kumamoto ins Leben gerufen wurde.

3. Wie heißen die wichtigsten Promotions?
Die wichtigsten Promotions der heutigen Zeit sind NJPW (New Japan Pro-Wrestling), NOAH (Pro-Wrestling NOAH) und AJPW (All Japan Pro-Wrestling). Entscheidend für die Entwicklung des Puroresu waren zudem FMW (Frontier Martial-Arts Wrestling) und die verschiedenen UWF Promotions, die in den 80er und 90er Jahren enorme Erfolge verbuchten.

Die Gründer von New Japan und All Japan waren Antonio Inoki und Shohei "Giant" Baba, die 1960 von Rikidozan verpflichtet wurden. Beide debütierten nur 5 Monate nach ihrer Verpflichtung und sollten in den kommenden Jahren Erfolge als legitime Nachfolger Rikidozans einheimsen.

Inoki hatte jedoch schon früh andere Pläne und gründete 1966 seine eigene Promotion, Tokyo Pro-Wrestling. Die treibende Kraft bei dieser Neugründung war Toyonobori, einer der Stars der JWA. Die Promotion sollte sich jedoch nicht lange über Wasser halten, da Inoki schon 1967 zu JWA zurückkehrte.

Inoki & Baba waren wieder vereinigt und knüpften zusammen an ihre vorherigen Erfolge an. Doch 1971 gab es erneut Probleme, als Inoki einen Kampf um den von Baba gehaltenen NWA International Heavyweight Title forderte. Die Offiziellen der JWA waren der Meinung, dass es für einen Titelkampf der beiden zu früh sei und lehnten Inokis Bitte ab. Die internen Probleme, die sich daraus ergaben, führten letztlich zum Ausschluss Inokis aus der JWA. Nur drei Monate später (am 06.03.1972 im Ota Ward Gymnasium in Tokyo) hielt er unter dem Banner von New Japan Pro-Wrestling seine erste eigene Show ab. Toyonobori, mit dem er zuvor keinen Erfolg hatte, trat ebenfalls bei dem Debüt von New Japan in den Ring - er sollte jedoch später keine Rolle bei New Japan spielen.

Wenige Monate später - im Oktober - trennte sich auch Baba von der JWA, um ebenfalls eine eigene Promotion zu gründen. Das Debüt von All Japan Pro-Wrestling fand am 21.10.1972 im Machida City Gymnasium in Tokyo statt.

Knapp ein Jahr nach der Gründung von New Japan und dem Verlust der beiden wichtigsten Stars (Inoki und Baba) musste JWA den Betrieb am 20.04.1973 nach fast 20 Jahren an der Spitze des japanischen Wrestlings einstellen. Der Verlust von Inoki und Baba war der zweite ganz große Schlag für JWA. Ein größeres Übel ereignete sich am 08.12.1963 in einem Tokyoter Nachtclub. Rikidozan, der 1963 mehrere Nachtclubs und Apartmentkomplexe besaß, wurde von einem Kleingangster in einem Toilettenraum konfrontiert (bis heute ist es nicht eindeutig geklärt, ob es sich bei dem Angreifer lediglich um einen "kleinen Fisch" handelte, oder ob dieser Mann Verbindungen zur berüchtigten Yakuza, der japanischen Mafia, hatte). Mit seiner Expansion in die "Unterhaltungsindustrie" machte sich Rikidozan Feinde unter denen, die diesen Bereich bisher kontrollierten. Rikidozan schreckte vor den Drohungen des Kleingangster nicht zurück, woraufhin ein Kampf ausbrach, der durch ein Messerstich entschieden wurde. Rikidozan wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, wo seine Verletzung behandelt wurde. Entgegen der Ratschläge der Ärzte verließ Rikidozan das Krankenhaus kurz darauf wieder. Die Wunde entzündete sich, was wenige Tage später, am 15.12.1963, zum Tod des 39-jährige Rikidozan führte. Der Tod Rikidozans trat eine Welle des Entsetzens los. Denn eines seiner am besten gehüteten Geheimnise drang an die Öffentlichkeit: Die japanische Bevölkerung erfuhr, dass Rikidozan aus Korea stammte - Koreaner galten zur damaligen Zeit als Menschen zweiter Klasse. Da Rikidozan durch seine Siege gegen amerikanische Wrestler in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg vom Volksheld avancierte, war es für das japanische Volk ein schwerer Schlag, dass sie ausgerechnet einem Koreaner zujubelten. Dies, gepaart mit anderen bisher geheim gehaltenen Informationen über das Pro-Wrestling brachte den Wrestling Boom beinahe komplett zum Erliegen (Wrestling galt vor dem Zwischenfall als echte Sportart, jedoch erfuhren die Japaner kurz darauf, dass die Ausgänge abgesprochen sind). Im Gegensatz zum Verlust von Inoki und Baba erholte sich die JWA von dem Tod Rikidozans, der später als "Vater des Puroresu" in die Geschichte einging.

3.1. New Japan Pro-Wrestling
1972 gegründet etablierte sich New Japan Pro-Wrestling vom Start weg als treibende Kraft im japanischen Wrestling.

New Japan sollte Inoki die Möglichkeit geben, seine Vision des Pro-Wrestlings umzusetzen. Wie bereits das Motto von New Japan ("King of Sports") vermuten lässt, war es Inokis Ziel zu beweisen, dass Pro-Wrestling die höchste Form der Kampfkunst ist. Inoki verteidigte den Ruf des Pro-Wrestling in unzähligen Kämpfen gegen Martial Arts Kämpfer verschiedenster Sportarten (u.a. gegen Muhammad Ali) - die meisten dieser Kämpfe konnte er gewinnen. Wie Rikidozan in den 50er Jahren wurde Inoki zum Volksheld, der gegen Kämpfer aus allen Ländern antrat um die Ehre des Sports und seines Landes zu verteidigen. Inoki gilt nach Rikidozan als größter und erfolgreichster japanischer Wrestler aller Zeiten (in Bezug auf Erfolge und Drawing Power). 70,000 Fans im restlos ausverkauften Tokyo Dome wollten sich Inokis Abschied vom aktiven Pro-Wrestling im April 1998 nicht entgehen lassen - in der Geschichte der Tokyo Dome Events, die im April 1989 begann, wurde diese Zuschauerzahl kein zweites Mal erreicht. Auch bei der zuschauer-technisch gesehen größte Show in der Geschichte des Pro-Wrestling stand Inoki im Hauptkampf, als am 29.04.1995 sage und schreibe 170,000 Menschen im Pyong-yang Stadium in Nord Korea versammelten, um Inokis Kampf gegen Ric Flair zu verfolgen (hierbei sollte allerdings erwähnt werden, dass Kim Jong Il diese Show in nicht geringen Maße zu Propagandazecken nutze; sprich man kann davon ausgehen, dass er sein Volk dazu anhielt, die Show zu besuchen).

Weiterhin ist Inoki der Erfinder des "Strong Style". Dieser Stil ist auch mehr als 30 Jahre nach dem Debüt von New Japan der Standard aller New Japan Kämpfe. Vielen ist dieser Begriff sicherlich aus diversen amerikanischen Indy Promotions bekannt, die verschiedene Wrestler oder Matches als "Strong Style" bezeichnen. Allerdings handelt es sich dabei um einen eklatanten Fehler - kaum ein Begriff wird so häufig in einem so falschen Zusammenhang genannt. "Strong Style" ist das, was New Japan macht - selbst wenn New Japan seinen Stil komplett ändert ist es auch weiterhin "Strong Style".

Kleine Veränderungen im Stil von New Japan hat es in den letzten 30 Jahren gegeben. Die erste Form des "Strong Style", "Inoki's Strong Style", war der vorherrschende Stil in den 70er Jahren, als Inoki quasi der "Alleinherrscher" New Japans war. Seiner Vorstellung des Pro-Wrestlings entsprechend zeichnete "Inoki's Strong Style" einen starken Mix aus Pro-Wrestling und Shootfighting aus, der dem Pro-Wrestling eine glaubhaftere Erscheinung verleihen sollte. Inoki legte viel Wert auf Aufgabegriffe, die zuvor mit Power Moves vorbereitet wurden. Als Riki Choshu in den 80er und 90er Jahren zum festen Bestandteil der New Japan Hauptkämpfe wurde, änderte sich auch der Stil von New Japan - nun war von "Choshu's Strong Style" die Rede. Der "Revolution Fighter" ist für seine Lariats (Clotheslines) und seine allgemeine sehr "toughe" Kampfart bekannt. Lange und intensive Schlagduelle prägten seine Kämpfe und als Headbooker New Japans sorgte er von 1990 bis ins neue Jahrtausend hinein dafür, dass seine Vorstellung des Pro-Wrestling auch bei New Japan zum Standard wurde. Shinya Hashimoto, Kensuke Sasaki, Manabu Nakanishi und viele andere gehörten zu Choshus Favoriten, die, wie auch er selbst, als Symbole der "Toughness" gelten. Als Choshu seinen Posten als Headbooker verlor, änderte sich auch der Stil New Japans - zwar ist Choshus Stil auch weiterhin fest im New Japan Produkt integriert, allerdings wird wieder verstärkt auf Submissions und andere Aspekte Wert gelegt, die bei Choshus "Strinking Duellen" oftmals zu kurz kamen.

G1 und IWGP - Die Aushängeschilder New Japans

Der G1 Climax ist New Japans jährliches Singles Tournament, welches seit August 1991 zum jährlichen Terminkalender gehört. Seit dem All Japan/NOAH Split im Jahr 2000 (mehr dazu in 3.2 und 3.3) und dem damit verbundenen Qualitätsverlust des Champion Carnival, dem jährlichen All Japan Singles Turnier, gilt der G1 Climax als größtes und wichtigstes Wrestling Turnier der Welt, bei dem jedes Jahr aufs Neue der stärkste Wrestler von New Japan ermittelt wird. Vor dem G1 Climax gab es bereits andere jährliche Turniere, die denselben Zweck erfüllten. Dabei handelt es sich um die World League (1974-1977) die MSG League (1978-1982) und die IWGP League (1983-1984). Diese Turniere wurden in der Regel von Antonio Inoki gewonnen, der jedoch erstaunlicherweise nie am G1 Climax teilnahm.

Ebenfalls 1991 wurde die Super Grade Tag League eingeführt, die 1999 in G1 (Climax) Tag League umgetauft wurde. Statt dem stärksten Singles Wrestler wird bei diesem Turnier - wie der Name es schon sagt - das beste und stärkste Tag Team ermittelt.

Der wichtigste Titel von New Japan ist der IWGP (International Wrestling Grand Prix) Heavyweight Title, der am 12.06.1987 in ein Match zwischen Antonio Inoki und Masa Saito ausgekämpft wurde. Wrestling Legenden wie Antonio Inoki, Riki Choshu, Tatsumi Fujinami, Shinya Hashimoto, Keiji Muto (Great Muta), Vader, Kensuke Sasaki oder Masahiro Chono verliehen dem Titel eine herausragende Bedeutung in der heutigen Wrestling Landschaft. Neben dem IWGP Heavyweight Titel existieren noch weitere IWGP Titel. Darunter ist der älteste New Japan Titel, der IWGP Tag Team Title, der zum ersten Mal am 12.12.1985 ausgekämpft wurde. Am 06.02.1986 wurde der IWGP Jr. Heavyweight Title ins Leben gerufen. Die Jr. Heavyweight Version der Tag Team Title, der IWGP Jr. Heavyweight Tag Team Title, folgte am 08.08.1998. Der bis dato neuste IWGP Title ist der IWGP U-30 Openweight Title, der im November 2004 offiziell als IWGP Title anerkannt wurde. Zuvor war der im April 2003 eingeführte Titel, um den nur Wrestler unter 30 Jahren kämpfen dürfen, als U-30 Openweight Title bekannt.

Seit Anfang der 90er Jahre findet "WRESTLING WORLD" (oftmals auch als "japanische WrestleMania" bezeichnet), die wichtigste Show des jährlichen New Japan Kalender, am 04. Januar im Tokyo Dome statt. Weiterhin ist die so genannte Sumo Hall in Tokyo, Tokyo Ryogoku Kokugikan, regelmäßig Schauplatz der wichtigen New Japan Events. Neben Tokyo erfreut sich New Japan in den vielen anderen Präfekturen wie etwa Osaka, Aichi, Okinawa oder Hyogo größter Beliebtheit. New Japan hat einen der besten Roster Japans - sogar den größten -, scoutet und trainiert regelmäßig die hoffnungsvollsten Talente, veranstaltet die meisten Shows pro Jahr, erzielt den höchsten Zuschauerschnitt pro Show und besitzt die meiste TV-Zeit. New Japan ist die unangefochtene #1 in Japan.

3.2. Pro-Wrestling NOAH
Im Jahr 2000 gegründet hat sich Pro-Wrestling NOAH in wenigen Jahren zu einer der größten japanischen Promotions entwickelt. Allerdings ist der Aufstieg von NOAH nicht verwunderlich, wenn man sich die Entstehung der Promotion anschaut. Mit dem Gründer Mitsuharu Misawa und den Heavyweight Top Stars Kenta Kobashi, Jun Akiyama, Akira Taue, Yoshihiro Takayama, Takao Omori und Vader etablierte sich NOAH vom Start weg als #2 in Japan.

Bevor NOAH das Licht der Welt erblickte, wrestlete Misawa bei Giant Babas All Japan Pro-Wrestling, wo er sich in den 90er Jahren zum größten und erfolgreichsten Star der Promotion entwickelte. Als Baba am 31.01.1999 verstarb, übernahm Misawa den Posten des Präsidenten - Toshiaki Kawada und Mitsuo Momota fungierten als Vizepräsidenten. Im Mai 2000 spitzte sich die Situation zwischen Misawa und Motoko Baba, Babas Witwe und seit seinem Tod Eigentümerin der Promotion, immer mehr zu. Der Streit zwischen Headbooker Misawa und Motoko Baba drehte sich um Ausrichtung All Japans - Misawa schwebte eine moderne Aufmachung vor, die Motoko jedoch zurückwies und auf die Tradition ihres Mannes verwies. Am 28.05. wurde Misawa via Mehrheitsvotum vom Executive Board entmachtet, da es immer wahrscheinlicher wurde, dass Misawa seinen in Kürze auslaufenden Vertrag nicht verlängern würde. Am 13.06.2000 legten sechs weitere Offizielle ihre Ämter nieder, darunter Mitsuo Momota (Co-Vizepräsident, Member of Directory), Kenta Kobashi (Member of Directory), Akira Taue (Member of Directory, Chairman), Kenichi Oyagi (Member of Directory) und Yoshihiro Momota (Member of Directory). Drei Tage später, am 16.06. verkündeten 24 der 26 japanischen All Japan Wrestler, dass sie ihre auslaufenden Verträge nicht verlängern werden und Misawa bei seinem Versuch, eine neue Promotion auf die Beine zu stellen, unterstützen wollen. Die einzigen japanischen Wrestler, die Misawa nicht folgten, waren Toshiaki Kawada und Masanobu Fuchi.

Letztlich debütierte NOAH am 05. und 06. August im Tokyo Differ Ariake. Mit beinahe dem gesamten All Japan Roster, dem Nippon TV Sendeplatz und diversen Offiziellen übernahm NOAH quasi die Rolle von All Japan, die bis dato den #2 Platz im japanischen Wrestling inne hatten. Neben der gewohnten All Japan Qualität fügte Misawa einige der Neuerungen hinzu, die scheinbar bei Motokos All Japan nicht möglich waren. Beispielsweise baute Misawa eine konkurrenzfähige Jr. Heavyweight Division auf, in der einige der besten Jr. Heavyweight Wrestler der Welt kämpfen. Außerdem zieren bei wichtigen Shows große Entrance Ramps den Innenraum der Halle - Lasereffekte und Nebelmaschinen sorgen ebenfalls für eine besondere Atmosphäre.

Das wichtigste Gut NOAHs ist der GHC (Global Honored Crown) Heavyweight Title, der im April 2001 eingeführt wurde. Im Gegensatz zu den Top Titeln von New Japan und All Japan kann der GHC Heavyweight Title keine längere Tradition aufweisen, aber durch herausragende Titelkämpfe und eine rekordverdächtige Regentschaft von Kenta Kobashi hat sich der Titel binnen kürzester Zeit zu einem der wichtigsten Heavyweight Titel der Welt entwickelt und genießt auch Japan großes Ansehen. Dies rührt u.a. auch daher, dass der Titel seit September 2002 fast ausschließlich in langen, intensiven Matches ausgefochten wurde.

Neben dem GHC Heavyweight Title existieren weitere, hart umkämpfte GHC Titel. Darunter der GHC Jr. Heavyweight Title, der zum ersten Mal im Juni 2001 in einem Turnierfinale zwischen Yoshinobu Kanemaru und Juventud Guerrera ausgekämpft wurde, der im Oktober 2001 eingeführte GHC Tag Team Title und der GHC Jr. Heavyweight Tag Team Title, welcher im Juli 2003 zur GHC Kollektion hinzugefügt wurde. Der bis dato neuste GHC Title ist der GHC (Global Hardcore Crown) Openweight Title, der im April 2004 von Jun Akiyama ins Leben gerufen und ursprünglich als sein persönlicher Championship Gürtel geführt wurde, nachdem es ihm seit seinem GHC Heavyweight Title Verlust im April 2002 nicht mehr gelangt, den Top Titel der Promotion zu gewinnen. Um sich von den anderen Titel abzusetzen, wurde ein eigenes Regelwerk für den GHC Hardcore Openweight Title festgelegt. Wie der Name bereits vermuten lässt, gibt es kein Gewichtslimit, sodass Heavyweight und Jr. Heavyweight Wrestler gleichermaßen um den Titel kämpfen können. Die Bezeichnung "Hardcore" trifft auf den Titel allerdings nicht zu, denn Kämpfe um de Titel sind reguläre Singles Matches, bei denen keinerlei Hardcore-Stipulations hinzugefügt werden. Weiterhin haben alle Titelkämpfe ein 15-minütiges Zeitlimit - sollte dieses Zeitlimit erreicht werden, wird der Herausforderer zum Sieger erklärt.

3.3. All Japan Pro-Wrestling
All Japan Pro-Wrestling ist nach New Japan die zweitälteste Promotion Japans. Das erste Event fand am 21.10.1972 in der Korakuen Hall in Tokyo statt. Da der Gründer Giant Baba zwei Monate vor dem Debüt seiner neuen Promotion den NWA International Heavyweight Title, den er zuvor lange Zeit inne hielt, freigab, wurde ihm von der Momota Familie (Rikidozans Familie) der alte NWA International Heavyweight Belt überreicht, der als "World Heavyweight Title" bezeichnet wurde. Baba nannte den Titel später in PWF Heavyweight Title um. Somit hatte All Japan seine erste wichtige Championship.

Neben Championship Gürtel etablierte Baba den Champion Carnival, das jährliche Singles Turnier von All Japan, in dem der Titel des besten und stärksten Wrestlers der Promotion ausgekämpft wird. 1977 folgte das Tag Team Pendant, die Real World Tag League. Einen entscheidenden Einfluss auf den Stil der 80er Jahre sollte das letzte Match der Real World Tag League 1978 haben. Mit Dory Funk Jr. & Terry Funk sowie Abdullah The Butcher & The Sheik standen sich vier eigentlich ungeliebte Ausländer gegenüber. Ein absolutes Novum der japanischen Wrestling Geschichte stellte die unglaubliche Beliebtheit der Funks Brüder im Rahmen dieser Fehde dar. Nur sehr selten war es zuvor der Fall, dass Gaijins (Ausländer) einen "Super Face" Status einnahmen - der Standard war noch immer Japaner = Faces und Ausländer/Amerikaner = Heels. Die Funks waren extrem beliebt, wodurch diese Vorstellung ihre Gültigkeit verlor - deshalb wird diese Fehde heuten noch als eine der wichtigsten in der Geschichte All Japans bezeichnet.

Oudou, im englischen "Royal Road", bzw. "King's Road" ist der Name, den der Booking und In-Ring Stil All Japans erhielt. In den 70er und Anfang der 89er oftmals durch harte Brawls zwischen den japanischen Stars und den Gaijins (allen voran Abdullah und Sheik) bekannt, änderte sich der Stil in der zweiten Hälfte der 80er durch den steigenden Einfluss der Japaner Jumbo Tsuruta, Riki Choshu und Genichiro Tenryu, die einen schnelleren und kraftvolleren Stil wrestleten. Auch die Neulinge Mitsuharu Misawa, Toshiaki Kawada, Kenta Kobashi und Akira Taue machten früh auf sich aufmerksam.

Einer der größten Coups in der Geschichte All Japans fand im April 1989 statt. Mit gleich drei Heavyweight Titeln hatte All Japan schlicht und ergreifend zu viele Championships. Es wurde entschieden, den NWA International Heavyweight Title, den PWF Heavyweight Title und den NWA United National Heavyweight Title zu einer Championship zu vereinigen. Die Triple Crown war geboren. Sowohl aufgrund der Bedeutung der drei Titel, als auch wegen der vielen unglaublichen Title Matches entwickelte sich die Triple Crown rasch zu einer der bedeutungsvollsten Championships der Welt.

Eben jene Triple Crown Matches in den 90er Jahren machten Misawa, Kobashi und Kawada zu absoluten Legenden, die zusammen mit Taue und den Gaijins Steve Williams und Stan Hansen eine unfassbare Vielzahl an herausragenden Kämpfen ablieferten. Ein jähes Ende fand diese sensationelle Zeit im Jahr 2000, als Misawa und alle anderen japanischen Wrestler außer Kawada und Masanobu Fuchi All Japan verließen.

Fortan konnte All Japan nie mehr an einstige Höhen anknüpfen. Die wohl größte Veränderung folgte im Januar des Jahres 2002, als Keiji Muto, Satoshi Kojima und Kendo Kashin New Japan verließen, um sich All Japan anzuschließen. Muto wurde im Herbst 2002 zum Präsidenten ernannt und später zum Mehrheitseigner, der die Liga nach seinen Vorstellungen "amerikanisierte". Was Motoko Baba zuvor Präsident Misawa nicht erlaubte, ließ sie bei Muto bereitwillig durchgehen, war Muto doch seit jeher ihr großer Liebling.

Die Championships

Neben der Triple Crown ist All Japan noch im Besitz weiterer Championships. Die AJPW World Tag Team Title, die im Juni 1988 aus den NWA International Tag Team und PWF Tag Team Title entstanden, der AJPW World Jr. Heavyweight Title, denn All Japan 1986 erstmals auskämpfte, um mit dem wachsenden Jr. Heavyweight Boom, den New Japan mit Tiger Mask, Dynamite Kid und dem IWGP Jr. Heavyweight Title auslöste, mitzuhalten. Einen sekundären Tag Team Titel stellen die All Asia Tag Team Title dar, die 1955 in der JWA als wichtigste Tag Team Gürtel geschaffen wurden. Nachdem die JWA 1973 ihre Pforten schloss, wurde der Titel zu All Japan transferiert.

3.4. Frontier Martial-Arts Wrestling
Eine der bekanntesten und revolutionärsten Promotions in der Geschichte des Puroresu ist die von Atsushi Onita gegründete FMW, die durch ihren Stil nicht nur in Japan für Furore sorgte, sondern auch einen enormen Einfluss auf den Wrestling Stil de 90er Jahre in den USA hatte. Wie bei New Japan und Inoki, sowie All Japan und Baba, ist auch die Geschichte der FMW sehr eng mit dem Gründer Atsushi Onita verflochten.

Onita begann seine Wrestling Karriere als Jr. Heavyweight Wrestler bei Babas All Japan, wo er 1982 zum Anführer der neu gegründeten Division auserkoren wurde. Doch schon 1985 musste sich Onita wegen schweren Verletzungen an den Knien vom Wrestling zurückziehen. Dem Wrestling blieb er allerdings nie fern. Gesteigertes Interesse zeigte Onita Ende der 80er Jahre für die Shootwrestling orientierte UWF Promotion, die er öffentlich herausforderte. Da Onitas Herausforderung abgelehnt wurde, entschloss er sich eine eigene Promotion zu gründen. Diese Ankündigung machte Onita am 28.07.1989. Das Debüt von FMW fand am 06.10.1989 in Nagoya statt, allerdings sollte die Ur-FMW nicht viel mit der FMW gemein haben, die Jahre später zum Kultphänomen aufstieg. Anstelle der brutalen Hardcoreschlachten präsentierte Onita - der für die Debüt Show gerade mal $400 zur Verfügung hatte - eine Serie von Indy Wrestler vs. Karate Fighter Kämpfen. Den Hauptkampf verlor Onita durch Handtuchwurf, nachdem er eine brutale Kickserie über sich ergehen lassen musste - dies war eines der Markenzeichen Onitas, der beinahe in jedem seiner Kämpfe brutal zusammengeschlagen wurde, bis er am Ende ein heroisches Comeback startete, um doch die Nase vorn zu haben. Schnell war klar, dass FMW kein One-Night-Deal bleibt - Zuschauerinteresse war vom Start weg vorhanden, woraufhin Onita begann Wrestler aus aller Welt zu kontaktieren. Neben den Karate Kämpfern und den Independent Wrestlern heuerte Onita Midgets an, buchte Ausländer und organisierte die ersten Wrestling Cards, die sowohl Männer- als auch Frauenkämpfe beinhalteten. Das Konzept der FMW stellte die bisherigen Standards für Wrestling in Japan auf den Kopf.

Da sich Onitas brutale Matches gegen die Karate Kämpfer großer Beliebtheit erfreuten, entschied er sich den Stil auf eine neue Ebene zu hieven. Street Fights ließen sich noch besser verkaufen als Kämpfe gegen Vertreter "echter Sportarten", was Onita dazu bewegte, seinen und somit auch den Stil der FMW zu ändern. Am 04.08.1990 präsentierte Onita sein erstes Death Match; ein No Ropes Explosive Barbed Wire Death Match. Fortan war der Boom der FMW nicht mehr aufzuhalten. Onita entwickelte sich binnen kürzester Zeit zu einem der größten Zuschauermagneten Japans, verdiente unglaublich viel Geld und entwickelte immer verrücktere Ideen. Ein in einem Pool schwimmender Pool, ein mit Stacheldraht umwickelter Käfig, in Brand gesetzte Ringseile, Kisten mit zerbrochenem Glass, Landminen, Zeitbomben und andere Einfallen gehörten zu den Attraktionen der FMW. Onita, der die FMW als klassischer Arbeitermann gründete, brach nach nur 4 Jahren einen uralten Zuschauerrekord nach dem andere. 30,000 bis 60,000 begeisterte Onita Fans im Kawasaki Stadium waren zwischen Anfang und Mitte der 90er keine Seltenheit.

1994/1995 erklärte Onita seinen erneuten Rücktritt vom Wrestling. Die mehrmonatige Abschiedstour war erneut ein Garant für großes Geld. Alles war auf die größte Show in der Geschichte der FMW am 05.05.1995 ausgerichtet, bei der Onita in seinem letzten Kampf den zukünftigen Ace der Promotion, Hayabusa, in einem Exploding Steel Cage Barbed Wire Death Match besiegte. Der 05. Mai hatte sich mittlerweile zum wichtigsten Tag im jährlichen Kalender der Promotion gemausert. Jedes Jahr am 05. Mai fanden im Kawasaki Stadium die größten Shows der Promotion statt. Der Verlust des einzigen wirklichen Stars schwächte die Promotion sehr, zumal Onita nicht bereit war, einen anderen Wrestler als klare Nr. 1 zu etablieren. Die neue FMW, die von Hayabusa, Masato Tanaka, The Gladiator (Mike Awesome) und Megumi Kudo angeführt wurde, hatte einen schweren Stand bei den Fans, die häufig eher Onita Fans als FMW Fans waren. Aber auch ohne Onita blieb die Promotion ihrer Hardcore Ausrichtung treu. Gleichzeitig wurde aber auch vermehrt Wert auf High Flying gelegt, um Hayabusas Stil gerecht zu werden.

1998 war es erneut Zeit für eine neue FMW. Ohne Onita stieg Kodo Fuyuki innerhalb der Promotion auf - allerdings deckten sich seine Pro-Wrestling Ansichten nicht mehr denen der FMW. Es gelang Fuyuki die Entscheidungsträger zu überzeugen einen neuen Weg einzuschlagen. Aus der Hardcore Promotion, die Street Fights und blutige Death Matches salonfähig machte, wurde ein amerikanisiertes Entertainment Pro Wrestling Produkt. Die gesamte Aufmachung der Pomotion wurde geändert, was allerdings auch positive Erscheinungen mit sich brachte. Hayabusa, Tanaka, Gladiator, Tetsuhiro Kuroda und andere lieferten sich fortan herausragende Kämpfe.

Der vielleicht schlimmste Zwischenfall in der Geschichte der FMW ereignete sich am 22.10.2001 in der Korakuen Hall in Tokyo. Hayabusa, der seit dem Abschied Onitas der Star der Promotion war, zog sich in seinem Kampf gegen Mammoth Sasaki eine schwere Verletzung zu, die ihm beinahe das Leben gekostet hätte. Beim Versuch einen Asai Moonsault zu springen (Lionsault), rutschte Hayabusa vom Ringseil ab und landete fast senkrecht auf dem Kopf. Hayabusa lag regungslos am Boden, woraufhin der Kampf abgerochen wurde. Noch auf einer Trage liegend wandte sich Hayabusa an seine Fans und bat um weitere Unterstützung für die ohnehin schon ins Wanken geratene Promotion. Unter Tränen erklärte Hayabusa, dass er womöglich nicht mehr zurückkehren würde. Dieser tragische Unfall sollte das letzte Kapitel der FMW Geschichte aufschlagen. Ohne ihren Star war die Promotion nicht mehr lebensfähig. Hohe Schulden trieben Shoichi Arai am 15.02.2002 dazu die Promotion für Bankrott zu erklären. 1989 als One-Night-Only Idee gestartet, entwickelte sich die FMW zu einer der revolutionärsten und innovativsten Promotions in der Geschichte des Sports, zur "Mutter aller Garbage Wrestling Promotions“. Onitas Idee war nie für die Zukunft ausgelegt, es war ein Produkt für die Gegenwart, das keinerlei Langzeitpläne besaß. Ohne Onita und mit Fuyuki als Sports Entertainment Booker wurden selbst die loyalsten Fans vergrault. 1989 gründete Onita die FMW als armer Mann, der nichts besaß und sich kaum vom typischen Arbeiter unterschied. Ohne Onita endete die Promotion wieder dort, wo alles begann...in der Besitzlosigkeit.

3.5. Pro-Wrestling ZERO-ONE / Pro-Wrestling ZERO1-MAX
Pro-Wrestling ZERO-ONE wurde Im Jahr 2000 von New Japan Aushängeschild Shinya Hashimoto gegründet. In den Jahren 1997 bis 2000 lag Hashimotos Hauptaugenmerk auf einer Fehde gegen Judo Superstar Naoya Ogawa. Der fünfte Kampf dieser Serie im April 2000 sollte der entscheidende Kampf werden. Ogawa konnte 2 der bisherigen 4 Kämpfe gewinnen, ein Aufeinandertreffen endete in einem No Contest und eines entschied Hashimoto für sich. Hashimoto war sich seiner Sache so sicher, dass er im fünften Kampf seine Karriere aufs Spiel setzte. Nach 15 Minuten musste sich Hashimoto geschlagen geben, woraufhin er seinen Rücktritt vom Pro-Wrestling verkündete. Am 15.11.2000 wurde Hashimoto öffentlich gefeuert, was ihn dazu veranlasste, seine eigene Promotion zu gründen, die den Namen "ZERO" erhielt. "ZERO", kurze Zeit später in "ZERO-ONE" umgetauft, sollte Hashimoto die Möglichkeit geben, gegen andere Shootfighter anzutreten, um so seine Ehre wieder herzustellen. Finanziert und unterstützt von New Japan debütierte die Promotion am 02.03.2001 in Tokyo.

Auch die New Japan Jr. Heavyweights Tatsuhito Takaiwa und Shinjiro Otani verließen New Japan, letzterer stieg bei ZERO-ONE vom Jr. Heavyweight zum Heavyweight Wrestler auf. ZERO-ONE präsentierte fortan einen starken Mix aus Pro-Wrestling und Shootfighting; ein Stil, mit dem schon UWF, UWF-I und RINGS große Erfolge feierten. Selbst Hashimotos Erzfeind Naoya Ogawa war fester Bestandteil der neuen Promotion, die sich schnell in die amerikanische NWA eingliederte.

Im zweiten Jahr de Bestehens wurde aus ZERO-ONE eine Full-Time Promotion, die sich komplett von New Japan abkapselte. Zuvor bestand der Terminkalender aus großen Shows, die alle 2 Monate stattfanden. Ab dem zweiten Jahr wurden für das Puroresu typische Touren in den Kalender aufgenommen. Ein fester Roster bildete sich heraus; gleichzeitig fand eine Abkehr vom Shootfighting orientierten Stil statt. Independent Talente aus den USA gehörten genauso zum Alltagsbild wie ein ungewöhnliche Tag Team Namens OH Gun. Hinter den Initialen "OH" versteckten sich die ehemaligen Erzfeinde Ogawa und Hashimoto, die sich mittlerweile zu einem Team zusammentaten. Ogawa und Hashimoto waren die einzigen wirklichen Draws der Promotion. Versuche Shinjiro Otani und Masato Tanaka, der nach dem Ende der FMW über den Umweg All Japan zur ZERO-ONE kam, zu legitimen Superstars zu machen, wurden nur halbherzig angegangen, sodass Ogawa und Hashimoto allein an der Spitze der Promotion.

Der Supergau sollte im Sommer 2004 folgen, als Ogawa die Promotion in Richtung "Hustle" verließ und Hashimoto aufgrund einer schweren Schulterverletzung für ein ganzes Jahr außer Gefecht gesetzt wurde. Ohne ihre beiden Superstars konnte die Promotion kaum überleben und als sich Hashimoto im Herbst von der Liga, die er einst gründete, lossagte, stand die Promotion vor einem Scherbenhaufen - zur selben Zeit löste die NWA auch die Mitgliedschaft ZERO-ONEs auf. Allerdings sollte damit noch nicht das Ende der verschuldeten Promotion gekommen sein, denn neue Investoren und ein Namenswechsel (von "ZERO-ONE" zu "ZERO1-MAX") ermöglichten es Shinjiro Otani und Director Nakamura die Promotion am Leben zu erhalten. Mit einer neu geschaffenen Allianz mit der in den USA in der Versenkung verschwundenen AWA, dem selben Roster und den vielen amerikanischen Indy Wrestler, für die ZERO-ONE seit 2002 bekannt ist, leiten nun Otani und Nakamura die Geschicke der Promotion. Die dunklen Wolken am Horizont wollen aber dennoch nicht verschwinden - die Altlasten und das schwindende Zuschauerinteresse erschweren eine neuerliche Etablierung ZERO1s.

ZERO-ONE, ein Hybrid aus vielen verschiedenen Kampfstilen, mit Wrestlern aus allen Herren Ländern hat sich seit der Gründung 2000 immer wieder vor einer Kategorisierung gedrückt. Für westliche Fans vor allem aufgrund der vielen bekannten Gesichter aus der US-Indy Szene interessant, hat sich ZERO-ONE bis zum Abschied von Hashimoto und Ogawa zu einer ernstzunehmenden Promotion entwickelt, die zeitweise drauf und dran war, All Japan den Rang als #3 in Japan abzulaufen.

3.6. Die japanische Indy-Szene
Bunt, lustig, blutig, atemberaubend, für jeden Geschmack etwas dabei...die japanische Indy-Szene.

Obwohl Japan flächentechnisch gesehen verhältnismäßig klein ist, gibt es mittlerweile eine wahre Flut an Indy Promotions. Zu den ersten und heute noch bekanten Organisationen gehören u.a. die von Onita gegründete FMW oder Great Sasukes Michinoku Pro, aus der 1999 die in Osaka beheimatete Comedy Promotion Osaka Pro von Super Delfin hervorging. Sasukes North Eastern Wrestling (Michinoku Pro) war zudem die erste regional veranstaltende Liga in Japan. Die allererste Indy Promotion Japans hieß "Pioneer Senshi", welche am 15.11.1988 von Ryuma Go, Apollo Sugawara und Masahiko Takasugi gegründet wurde.

An und für sich unterscheiden sich gerade die großen Indy Promotions nicht sonderlich von den "3 Großen" (NJPW, NOAH & AJPW). Zwar ist der Stil nicht der gleiche, die Hallen kleiner und die öffentliche Aufmerksamkeit geringer, aber ansonsten sind die Strukturen oftmals die selben. Es gibt ähnliche Tourkalender, teilweise fest angestellte Wrestler und landesweite TV Präsenz.

In der Indy-Szene wurde sich eigentlich nie an einen bestimmten Stil gehalten. Es gab, bzw. gibt wilde Hardcore Wrestling Promotions wie die FMW (die allerdings zeitweise zu den größten Promotions in Japan gehörte), W*ING (Wrestling International New Generation), IWA Japan, Atsushi Onita Pro-Wrestling oder aktuell Big Japan Pro-Wrestling, spektakuläre High Flying Akrobatik in Ligen wie Michinoku Pro, Toryumon (jetzt Dragon Gate), Kaientai Dojo oder Toryumon X, unterhaltsame Comedy bei Osaka Pro oder vollkommen bizarre Storylines bei DDT (Dramatic Dream Team).

Da die großen japanischen Ligen ihre eigenen Dojos haben, wo sie ihren Nachwuchs selbst trainieren, dient die japanische Indy-Szene nicht so stark als Sprungbrett wie es in den USA der Fall ist, wo alle jungen Wrestler über das gesamte Land verteilt trainiert werden und antreten. Zwar erhalten die Top Indy Wrestler oft die Möglichkeit, bei New Japan oder All Japan anzutreten, allerdings werden sie nur selten von den großen Organisationen verpflichtet. Da aber gerade die großen Indy Ligen einen stabilen Umsatz erzielen, können die Wrestler auch "in der zweiten Liga" verweilen und dabei ein geregeltes Einkommen verzeichnen.

4. Joshi Puroresu
Joshi Puroresu bedeutet Frauen Wrestling, welches genauso lange zur japanischen Wrestling Szene gehört wie das Wrestling der Männer. Joshi Puroresu besteht nicht aus plumpem Haareziehen oder anderen Lächerlichkeiten, sondern ist ebenso ernst zu nehmen wie die Kämpfe der männlichen Pendants. Besonders in den 90er Jahren - parallel zum herausragenden Niveau der All Japan Main Events - hat die Joshi Szene einige der besten Kämpfe der Wrestling Geschichte hervorgebracht - allen voran die Damen von All Japan Women's, der ältesten aktiven Wrestling Promotion Japans.

Die ersten organisierten Frauenkämpfe gab es zwar schon 1948, aber sechs Jahre später, im November 1954, folgte der erste größere Boom, als das Sankei Shinbun Newspaper zusammen mit der Women's World Champion Mildred Burke drei Mal in Folge die Kuramae Kokugikan (alte Sumo Hall) ausverkaufte. Aufgrund der anwachsenden Beliebtheit wurden im selben Jahr gleich sechs Joshi Promotions ins Leben gerufen - darunter auch die von den legendären Matsunaga Brüdern gegründete All Japan Women's Pro-Wrestling Association. Das öffentliche Interesse an Frauenkämpfen schwand allerdings schnell, sodass die 1955 geschaffene All Japan Women's Pro-Wrestling Alliance (ähnlich der alten NWA in den USA; eine Art Oberaufsicht des Frauen Wrestlings) schon 1957 aufgelöst wurde. 10 Jahre später wurde erneut eine "Oberaufsicht" erschaffen, diesmal unter dem Namen Japan Women's Pro-Wrestling Association, doch auch diese Organisation sollte nicht von langer Dauer sein, denn im April 1968 brach sie erneut auseinander. Daraus resultierte letztlich die Gründung von All Japan Women's Pro-Wrestling im selben Jahr.

Das vielleicht größte Jahr in der Historie des Joshi Puroresu stand 1993 an, als All Japan Women's innerhalb von 9 Tagen zwei Events anlässlich des 25. jährigen Bestehens präsentierte. Die beiden Events, "DREAMSLAM I" und "DREAMSLAM II", sollten sofort als zwei der besten Wrestling Cards aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Die erste Dreamslam Ausgabe am 02.04.1993 in der Yokohama Arena erhielt in vielen Magazinen die Bezeichnung "beste Wrestling Card aller Zeiten", während die zweite Ausgabe am 11.04.1993 im Osaka Prefectural Gymnasium vom "Wrestling Observer Match of the Year 1993" geheadlined wurde. Auf einem ähnlichen Level ist die erste Tokyo Dome Show von AJW am 20.11.1994 (die erste Tokyo Dome Show einer Joshi Promotion) anzusiedeln, die sage und schreibe 22 Kämpfe umfasste. Anlässlich dieser Supershow schickten alle Joshi Promotions ihre Top Talente (darunter LLPW, FMW Women's Division und JWP) in den Tokyo Dome, um diese Show zur größten ihrer Art zu machen. Neben vielen sehr guten Kämpfen lag das Hauptaugenmerk auf dem V*TOP Woman Tournament (Five Star Tournament), welches die beste Joshi Kämpferin der Welt krönen sollte. Yumiko Hotta, Akira Hokuto, Aja Kong, Kyoko Inoue, Dynamite Kansai und die wohl beste Wrestlerin aller Zeiten, Manami Toyota, waren in diesem fantastischen Turnier vertreten. Am Ende des Tages stand der Minutenzeiger der effektiven In-Ring Zeit auf unfassbaren ~270 Minuten - die gesamte Show dauerte 10 Stunden!

Den offiziellen Start für die dominierende Joshi Promotion des neuen Jahrtausends gab derweil Chigusa Nagayo im April 1995, die zusammen mit KAORU und Bomber Hikaru (Mitsuyo Mura) GAEA Japan ins Rollen brachte. Nachdem All Japan Women's in den 90er Jahren die mit Abstand erfolgreichste Joshi Promotion war, übernahm GAEA diese Rolle im neuen Jahrtausend, als die Main Event Szene AJW's auseinanderbrach (Toshiyo Yamada verließ die Liga im Juli 1997 wegen geplatzten Check(s?), ihr folgen andere Wrestlerinnen; Kyoko Inoue, WWWA Champion, verabschiedet sich im August um ihre eigene Promotion, Neo Ladies, zu gründen; Manami Toyota wechselte im Juni 2002 zu GAEA; im Mai 2003 beendete Yumiko Hotta ihre AJW Karriere; Momoe Nakanishi verlässt die Liga im Juli 2003) - All Japan Women's ist durch die vielen Abgänge kaum mehr mit der Glanzzeit Mitte der 90er zu vergleichen. Ebenfalls Ende der 90er (1998) betrat Aja Kongs "Hyper Visual Fighting ARSION" die Bildfläche, eine Promotion, in der sich einige alte AJW Gesichter wieder fanden. Im Sommer 2003 schloss ARSION seine Pforten, als Yumiko Hotta bei ARSIONs Tokyo Korakuen Hall Show auftauchte und erklärte, eine neue Promotion namens "Major Girls Fighting AtoZ" zu gründen, die alle Wrestlerinnen und Office Mitarbeiter von ARSION übernahm. Doch trotz großer Namen hat sich AtoZ nie an der Spitze etablieren können. Selbes Schicksal erlitt die 2004 von Momoe Nakanishi, Mariko Yoshida, AKINO & Michiko Ohmukai gegründete Promotion "M's Style", die dank Zusammenarbeit mit New Japan und vielen Top Joshi Wrestlerinnen auf dem Sprung zur neuen #1 schien. Es gelang allerdings nie GAEA den Rang als führende Joshi Promotion abzunehmen. Doch mit dem Chigusa Nagayos Abschied vom Pro-Wrestling im April 2005 ist auch die Zeit für GAEA gekommen.

Somit steht die Joshi Welt im Jahr 2005 ohne große Promotion da. Zwar sind AtoZ, M's Style und AJW noch am Leben, allerdings kränkeln alle drei "großen" Promotions. Um an die Höhen der Vergangenheit anzuknüpfen, bedarf es neuer Talente und vor allem einem Zusammenschluss der noch aktiven Stars der 90er, denn die letzten Jahre haben gezeigt, dass es den Sport nicht weiterbringt, wenn sich die großen Namen von den großen Ligen trennen, um ihr eigenes Ding zu machen.

Die wichtigsten Joshi Championships

- All Japan Women's:
Der WWWA World Singles Title von Mildred Burkes World Women's Wrestling Association gehört seit 1970 zu All Japan Women's und wird seither als wichtigster Singles Title anerkannt. Mit 5 Titelregentschaften in den 70er Jahren hält Jumbo Miyamoto (gefolgt von Manami Toyota mit 4 Regentschaften) den bisherigen Rekord. Weitere Singles Titel sind der All Pacific Title (seit 1977) und der All Japan Singles Title (seit 1980). Für die Tag Team Szene wurden 1971 der WWWA World Tag Team Title und 1986 der All Japan Tag Team Title erschaffen.

- GAEA Japan:
Der AAAW (All Asia Athlete Women) Heavyweight Title wurde im November 1996 eingeführt und im Juli 1998 in AAAW Singles Title umbenannt, nachdem die Gewichtsklasse in GAEA aufgehoben wurden. Der AAAW Jr. Heavyweight Tag Team Title wurde am selben Tag wie der Heavyweight Title eingeführt und ebenfalls im Juli 1998 umgetauft - aus dem Jr. Tag Team Title wurde der AAAW Tag Team Title.

- ARSION:
Der 1998 eingeführte Titel von ARSION heißt Queen of ARSION und wurde zwischen Mariko Yoshida (ZION Tournament 1998 Siegerin) und Candy Okutsu (ARS Tournament 1998 Siegerin) ausgekämpft. Yoshida konnte sich insgesamt drei Mal Queen of ARSION nennen. Im Dezember 1998 wurde in einem 7 Team Round Robin Tournament das beste Tag Team ARSIONs im gesucht. Die Sieger des Turniers, Rie Tamada & Hiromi Yagi, wurden zu den "Twin Star of ARSION" gekürt. Der letzte Title war der 1999 eingeführte Sky High of ARSION Title.

5. UWF, Pancrase & Co. - Shootfighting und seine Bedeutung für das japanische Wrestling
Shootfighting ist heutzutage aus dem japanischen Wrestling nicht mehr wegzudenken. Begonnen hat alles mit Anonio Inokis "King of Sports" Philosophie, die seit der Gründung von New Japan im Jahre 1972 das Motto seiner Promotion ist.

Antonio Inoki, zu dieser Zeit neben Giant Baba der größte japanische Superstar des Wrestlings, begann ab Mitte der 70er Jahre Kämpfe gegen internationale weltklasse Fighter wie Willem Ruska (Judo Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in München), Chuck Wepner (Boxer), Willie Williams (World Kyokushin Karate Champion) und Muhammad Ali zu arrangieren, welche die Überlegenheit des Pro-Wrestling verdeutlichen sollten. Inspiriert von Inokis Mixed Style Matches schlossen sich am 10.04.1984 Akira Maeda (NJPW), Rusher Kimura (AJPW), Ryuma Go (AJPW; New Japan Dojo), Mach Hayato und Gran Hamada (AJPW; New Japan Dojo) zusammen, um eine eigene, mit einem realistischeren Stil ausgestatteten Promotion zu gründen. Kurze Zeit später stießen Yoshiaki Fujiwara (NJPW) und Nobuhiko Takada (NJPW) hinzu. Im Juni des selben Jahres folgen noch Kazuo Yamazaki (NJPW) und Satoru Sayama (NJPW). Sayama war zu dieser Zeit durch sein bei New Japan verkörpertes Tiger Mask Gimmick zum absoluten Superstar aufgestiegen. Die erste und originale UWF (Universal Wrestling Federation) war gegründet. Die UWF unterschied sich nicht sonderlich vom normalen Pro-Wrestling Japans, der Stil war allerdings "stiffer" als der der Wrestling Organisationen der damaligen Zeit.

Das Ende der ersten UWF kam am 02.09.1985, als sich Akira Maeda und Satoru Sayama gegenüberstanden. Maeda kickte Sayama absichtlich zwischen die Beine, woraufhin der Kampf eskalierte. Maeda wurde umgehend gefeuert, doch bei den Kämpfern machte sich Unmut über die eigensinnige Führung Sayamas breit, was letztlich zum Ende der Promotion im Oktober 1985 führte. Sayama gründete 1987 Shooto, eine reine "shoot" Organisation. Maeda, Takada, Fujiawara, Osamu Kido, und Kazuo Yamazaki schlossen sich wieder New Japan an. Inoki ergriff die Chance beim Schopfe und leitete eine riesige New Japan vs. UWF Fehde ein, die heute noch zu einer der besten Fehden der Pro-Wrestling Geschichte zählt. Ein weiterer Kick sollte allerdings auch diese Zusammenarbeit zunichte machen, als Maeda seinem Gegner Riki Choshu am 27.11.1987 so hart ins Gesicht trat, dass dieser mehrere Knochenbrüche erlitt. Im Januar des nächsten Jahres wurde Maeda gefeuert. Maeda entschied sich dazu, eine neue UWF zu gründe und konnte Nobuhiko Takada, Kazuo Yamazaki und andere für seine Idee gewinnen. Genau ein Jahr später einigten sich Maeda und New Japan Boss Inoki auf den Wechsel zweier New Japan Rookies, Masaharu (Masakatsu) Funaki und Minoru Suzuki. UWF #2 entwickelte sich zu einer der größten Promotions in ganz Japan, doch bereits im Dezember 1990 verkündete UWF Präsident Shinji Jin das Ende der Organisation - interne Probleme stoppten den Siegeszug der UWF.

Aus den Überresten der UWF entstanden drei neue Organisationen. Zusammen mit Masakatsu Funaki, Minoru Suzuki, Yusuke Fuke und American Bart Vale erschuf Yoshiaki Fujiwara am 04.03.1991 Professional Wrestling Fujiwaragumi (PWFG), Maeda formte sein RINGS Netzwerk in Holland, Russland und in Japan und Nobuhiko Takada errichtete mit allen ehemaligen UWF #2 Kämpfern (außer Maeda und PWFG) Union of Wrestling Forces International (UWF-I). Einen großen Coup konnte Takada landen, als er den originalen NWA Heavyweight Title Belt von seinem Mentor, Lou Thesz, erhielt und zum UWF-I World Title ernannte. 1992 verließ Wayne (Ken) Shamrock die UWF-I Promotion, um sich PWFG anzuschließen. Allerdings sollte sein Aufenthalt bei PWFG nur von kurzer Dauer sein, denn zusammen mit Masakatsu Funaki, Minoru Suzuki und Yusuke Fuke gründete Shamrock im Sommer 1993 ebenfalls eine eigene Promotion, Pancrase. RINGS hatte sich seit der Gründung zu einer der führenden Kampfsport Promotions in der gesamten Welt entwickelt, allerdings schaffte es Maeda nie einen zweiten Superstar nehmen ihm zu etablieren. Als er 1991/1992 zeitweise aufgrund einer schweren Knieverletzungen kürzer treten musste und der TV Sender (und Sponsor) WOWOW das Budget kürzte, konnte sich Maeda viele der europäischen Kickboxer, der er zuvor in sein Netzwerk integrierte, nicht mehr finanzieren. Kazuyoshi Ishii betrat die Bildfläche und versammelte erstmals 1993 unter dem Banner von K-1 die besten Kickboxer der Welt, um in Tokyo den World Champion zu küren. Geschwächt durch den Verlust der vier wichtigen Stars entschieden sich alle übrig gebliebenen Wrestler außer Yoshiaki Fujiwara PWFG im November 1995 aufzugeben, um unter dem Namen "BattlArts" eine neue Promotion zu eröffnen. Anfang 1995 war auch Takadas UWF-I in großen finanziellen Problemen, die beinahe das Ende der Promotion bedeutet hätten, sodass sich dazu Takada entschied eine Zusammenarbeit mit New Japan Pro-Wrestling einzugehen. Die zweite große New Japan vs. UWF(-I) Fehde war erneut und riesiger Erfolg und gilt bis heute als eine der erfolgreichsten interpromotionalen Fehden aller Zeiten. Verärgert über die Vermischung von Pro-Wrestling und Shootfighting meldete sich Lou Thesz zu Wort, der Takada dazu aufforderte, den NWA World Belt aufzugeben. Takada kam dieser Aufforderung im Oktober 1995 nach. Die finanziellen Schwierigkeiten sollten UWF-I Ende 1996 erneut vor große Probleme stellen. Im Dezember 1996 musste letztlich auch UWF-I den Betrieb einstellen. Im darauf folgenden Herbst (1997) startete KRS (später von Dream Stage Entertainment übernommen) die MMA Organisation PRIDE, in der Takada als erster japanischer Superstar etabliert wurde. PRIDE erkämpfte sich im neuen Jahrtausend die Krone des MMA Sports und entwickelte sich zu einem wahren Phänomen. PRIDE und K-1 sind zu den größten Kampfsportorganisationen der Welt aufgestiegen und beherrschen seit Jahren die japanische Kampfsportszene... zu der auch das japanische Wrestling gezählt wird.

Mixed Martial Arts (PRIDE, K-1 & Co.) ist mittlerweile der größte Feind des Pro-Wrestling, da nun nicht mehr die Wrestler von New Japan und Co. als die stärksten und besten Kämpfer der Welt angesehen werden. Das Wrestling, welches sich in Japan stets als "echt" präsentierte, steckt mitten in einer Identitätskrise. Erstaunlich ist die Tatsache, dass das Pro-Wrestling seine heutigen "Feinde" quasi selbst erschuf, als sich 1984 die erste UWF von All Japan und New Japan abspaltete. Gerade deshalb und aufgrund der vielen stilistischen Ähnlichkeiten handelt es sich bei japanischem Pro-Wrestling und Shootfighting nicht um zwei verschiedene Sportarten. Bei vielen Japanern gilt PRIDE - eine reine MMA Promotion - als das "neue Pro-Wrestling".

6. Veranstaltungskalender
Anders als die großen US Ligen (zur Zeit WWE, früher auch WCW) werden in Events Japan in der Regel nicht das ganze Jahr hindurch veranstaltet. WWF zeichnet das ganze Jahr über mindestens 2 TV Shows pro Woche auf und veranstaltet zudem noch mehrere Houseshows in der Woche. In Japan sieht der Veranstaltungskalender anders aus, da in einem so genannten Tour-System veranstaltet wird. Solch eine Tour kann zwischen einer und vier Wochen andauern (oder sogar auch länger). Dabei werden einzelne Shows für eine spätere TV Ausstrahlung aufgezeichnet, oder ggf. live übertragen, was allerdings kein Standard ist. Alle nicht fürs TV aufgezeichnete Shows sind - wie in den USA - Houseshows.

Nach einer Tour folgt eine Ruhepause, die ebenfalls in der Länge variieren kann. Zwei, drei oder vier Wochen sind dabei oftmals Standard. Gelegentlich finden zwischen solchen Pausen weitere Events statt, so genannte "Stand Alone Shows". Im Gegensatz zu einer Tour, die mehrere Shows umfasst, handelt es sich bei einer "Stand Alone Show" nur um ein einzelnes Event. Die Bedeutung der "Stand Alone Shows" ist unterschiedlich, so gibt es gelegentlich Shows, die nur vor einigen Hundert Zuschauern ausgetragen werden, aber auch welche, die in riesigen Domes veranstaltet werden (z.B. das New Japan Tokyo Dome Event im Januar eines jeden Jahres).

7. Wrestling in den japanischen Medien
Wrestling hat in den japanischen Sportzeitschriften seit jeher einen festen Platz. Die unzähligen Magazine berichten regelmäßig über die neusten Shows und das aktuelle Geschehen. Ob reines Wrestling Magazin oder allgemeine Sportzeitschrift spielt dabei keine Rolle - Pro-Wrestling ist überall vertreten. Obwohl den Japanern bewusst ist, dass es sich beim Pro-Wrestling um eine "abgesprochene Sportart" handelt, wird das Wrestling trotzdem so behandelt, wie alle anderen Sportarten auch. Wrestling wird von der breiten Masse akzeptiert und respektiert - was in der westlichen Medienlandschaft fast undenkbar wäre, ist in Japan Normalität.

Die starke Medienpräsenz des Pro-Wrestling wird jedoch nicht nur die die Berichterstattung in der Tageszeitung verdeutlicht, sondern auch bei den Veranstaltungen selbst. Eine Vielzahl mit Fotoapparaten ausgestatteter Journalisten flitzen bei den Veranstaltungen um den Ring, um die besten Schnappschüsse für ihre Zeitschrift/Webseite zu machen. So etwas kennt man aus dem amerikanischen Wrestling so gut wie gar nicht. Ebenso gut besucht sind die regelmäßig stattfindenden Pressekonferenzen (die man in gewisser Weise mit den In-Ring Statements im amerikanischen Wrestling vergleichen kann, da solche Pressekonferenzen u.a. auch für Herausforderungen und dergleichen genutzt werden); so besuchten beispielsweise über 100 Reporter und Fotographen die Pressekonferenz von Mitsuharu Misawa am 16.06.2000, als er bekannt gab, dass er zusammen mit dem Großteil des All Japan Rosters eine neue Promotion gründen wird.

8. Die Bedeutung japanischer Wrestling Gürtel
Wrestling Championships haben in Japan eine hohe Bedeutung. Die wichtigen Titel werden von ihren Champions in der Regel alle 4 bis 8 Wochen verteidigt (manchmal liegen sogar noch längere Abstände zwischen zwei Title Matches). Da die großen Titel wie NOAHs GHC Heavyweight Title, All Japans Triple Crown oder New Japans IWGP Heavyweight Title nur rund 5-10 Mal pro Jahr ausgekämpft werden, sind die Matches sowohl für die Zuschauer, als auch für die Wrestler selbst, sehr wichtig. Die Fans bekommen ein Spektakel wie ein Heavyweight Title Match nicht alle Tage geboten, sondern eben nur eine handvoll Mal pro Jahr (auf eine Promotion bezogen) und auch die Wrestler sind stark gefordert, da eine Niederlage in einem Title Match bedeutet, dass sie viele Monate auf einen neuerlichen Championship Kampf warten müssen.

Teilweise wird die Bedeutung der Championship durch riesige Trophäen unterstützt, die der Sieger eines Title Matches neben dem Championship Gürtel und einem schriftlichen Dokument des Kampfes erhält. Solche Zusätze verleihen einem Title Kampf einen noch besonderes Erscheinen.

Auffällig ist zudem, dass viele Ligen ihre Titel nicht nach dem Namen der Promotion benennen. IWGP (New Japan), GHC (NOAH), AAAW (AJW), WWWA (GAEA), ODG (Open the Dream Gate; Dragon Gate), WMG (World Magma the Greatest; World Japan) um nur ein paar zu nennen. Diese Tradition hat verschiedene Hintergründe. Zum einen haben viele Promotions seit jeher eigene Komitees gegründet - ähnlich dem NWA Championship Komitee -, um ihren Championships eine größere Glaubwürdigkeit zu verleihen (z.B. New Japan und NOAH). Zum anderen sind aufgrund der großen Vergangenheit des NWA Heavyweight Title die Championships der NWA in Japan sehr hoch angesehen. Auch der NWA International Title, den Rikidozan in Japan etablierte und der später von Giant Baba verteidigt wurde, hat den Mythos NWA in Japan den letzten Schliff verliehen, sodass selbst heute noch viele Organisationen NWA Championships auskämpfen und regelmäßig neu erschaffene NWA Gürtel einführen. Besonders interessant ist die Situation bei All Japan Pro-Wrestling, wo im März 1973 der PWF (Pacific Wrestling Federation) Heavyweight Title (heute Teil der Triple Crown) und im April 1984 die PWF Tag Team Title (heute Teil der AJPW World Tag Team Title) eingeführt wurden. Obwohl es die PWF als Liga nie gegeben hat, wird sie von All Japan als solche behandelt. Seit seinem Rücktritt vom aktiven Wrestling 2001 bekleidet Wrestling Legende Stan Hansen das Amt des PWF Präsidenten, der im Rahmen seines Amtes jedes Triple Crown Match sanktioniert.

Allgemein haben amerikanische Titel einen sehr hohen Stellenwert in Japan. Nicht nur die Gürtel der NWA oder der WWF/E werden als wichtige Titel anerkannt, sondern auch kleinere Independent Titel wie der Heavyweight Title von WLW (World League Wrestling), der Promotion von Harley Race, der vom Dezember 2003 bis zum Juni 2004 bei NOAH "beheimatet" war, oder auch der MLW Heavyweight Title, den All Japans Satoshi Kojima zwischen September 2002 und Juni 2003 gleich mehrfach in Japan verteidigte, werden von der Öffentlichkeit anerkannt.

Ansprechpartner bei Fragen, Ergänzungen, Korrekturen oder Feedback jeglicher Art
Zuständig für diesen Bereich: Sternness

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