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THE HISTORY OF ECW
Teil 1 (1992 - 1994) | Teil 2 (1994 - 1995) | Teil 3 (1996 - 1997) | Teil 4 (1997 - 1999) | Teil 5 (1999 - 2001)
Teil 5 - Anarchy Rulz! (1999-2001)
1999 sollte ein schwieriges Jahr für Extreme Championship Wrestling werden, was in erster Linie dem immer härteren Konkurrenzkampf zwischen den beiden Marktführen WWF und WCW geschuldet war. Der „Monday Night War“ befand sich auf dem absoluten Höhepunkt – niemals zuvor und niemals danach schalteten derart viele amerikanische Fernsehzuschauer am Montagabend ein Wrestling-Programm ein: Die Einschaltquoten von „RAW is WAR“ und „Mondy Nitro“ brachen zusammenaddiert alle Rekorde und erinnerten von den Zahlen her an alte „Straßenfeger“-Serien aus den 60er Jahren, als es noch kein Kabel-Fernsehen in den USA gab. Beide Ligen setzten ihre Expansionsbestrebungen folglich weiterhin fort – die WCW mit weniger, die WWF mit mehr Geschick. Auf der Suche nach neuen Superstars, „Shocking Angles“ und innovativen Storylines schielten dabei beide Chefetagen auch weiterhin regelmäßig nach Philadephia zur ECW, bei der man sich schon seit den Tagen der „Hardcore-Revolution“ immer wieder regelmäßig bedient hatte, wenn es um neue Ideen und Stars für die eigenen Shows ging. Mittlerweile kopierte man einige Show-Elemente aus ECW PPVs sogar nur mit wenigen Wochen Zeitverzögerung in den eigenen Sendungen. Bestes Beispiel dürfte dafür der Main Event von „Living Dangerously 98“ gewesen sein, als Bam Bam Bigelow vor heimischem Publikum in Asbury Park Taz den ECW TV Title abnehmen konnte. In der Schlusssequenz des Kampfes nahm der Champion seinen Herausforderer in seinen gefürchteten Submission-Finisher . die „Tazmission“. Das „Beast from the East“ ließ sich daraufhin – mit Taz auf seinem Rücken geklammert – mit voller Wucht nach hinten fallen … KRACKS … und die anwesenden Fans trauten ihren Augen nicht: Der Ringboden hatte unter dem Gewicht der beiden Männer nachgegeben, so dass beide Wrestler in einem 2m breiten Loch verschwunden waren – dort wo beide gerade noch gestanden hatten, zierte nun ein Mini-Krater den Untergrund. So etwas hatte man im Professional Wrestling noch nie gesehen und entsprechend enthusiastische Reaktionen begleiteten die beiden Wrestler, als sie wieder aus dem Loch hervorgekrabbelt kamen und Bam Bam Bigelow kurz danach das Match siegreich für sich beenden konnte. Die Fans von Extreme Championship Wrestling waren Zeuge eines einmaligen Angles geworden - eines EINMALIGEN?

Nicht wirklich, denn nur wenige Monate später wurde auch das Millionenpublikum von „RAW is WAR“ Zeuge eines allzu ähnlichen Match-Endes: Als sich im Main Event der Show Neueinkauf Big Show zum ersten Mal den frisch zum Heel geturnten Undertaker widmete, wiederholten sich zum Schluss die Szenen von „Anarchy Rules“: Nach einem gewaltigen Chokeslam gegen den Taker gab der Ringboden nach und beide Riesen versanken effektreißerisch in einem riesigen Krater in der Mitte des Rings. So etwas hatten die Fans der World Wrestling Federation noch nie gesehen – jedenfalls nicht, wenn sie keine ECW verfolgt hatten. Und das war aufgrund einer fehlenden nationalen Kabel-TV-Show auch Anfang 1999 weiterhin äußerst schwierig, auch wenn das aufkommende Internet das „Tape-Trading“ unter interessierten Fans deutlich erleichterte.

Aber nicht nur kopierte Angles & Storylines bedrohten zu dieser Zeit die Orginalität und die Existenz von Extreme Championship Wrestling. Auch andere identitätsstiftende Elemente, die die ECW ausmachten, wurden von den beiden großen Ligen – zumeist in „weichgespülter“, modifizierter Form – für das eigene Programm übernommen. Mit dem gewaltigen Erfolg der WWF Attitude-Ära – angeführt und personifiziert durch Stone Cold Steve Austin – hatte sich 1998 auch ein neuer, härterer Wrestling-Stil im Mainstream durchgesetzt. Harte Chair Sots, zerbrechende Tische und den Einsatz von diversen „Foreign Objects konnte man nun auch regelmäßig bei RAW und Nitro beobachten. Die „Hardcore Revolution“ hatte nun auch die großen Ligen erreicht und wurde dort in „softerer“ Form auch immer wieder im TV thematisiert. Allen voran durch Mick Foley, der sich beim King of the Ring 1998 gleich zwei Mal von Undertaker vom Dach des riesigen „Hell in a Cell“-Käfigs herunterschmeißen ließ und auch sonst dankbar jeden nur erdenklichen Chair Shot gegen seinen Kopf zu nehmen schien. Aus Dankbarkeit für seine aufopferungsvollen Bumps krönte ihn Vince McMahon in einer Storyline bei RAW in einem spektakulär und eher Comedy-lastigen Angle zum ersten Hardcore Champion der World Wrestling Federation. Ironischerweise war diesem speziellen Moment gerade die Transformation von Hardcore-Mankind zu Comedy-Mankind vorausgegangen, nachdem er während eines spektakulären Krankenhausbesuchs den ans Bett gefesselten „Mr. McMahon“ mit einer auf seiner Hand gestülpten Socke aufzumuntern versucht hatte. Dennoch war das Wort „Hardcore“ damit endgültig bei RAW etabliert worden, und schon bald wrestleten diverse Undercard-Wrestler in Matches nach „ECW-Rules“ (also größtenteils ohne Regeln) in der Midcard von WWF-PPVs und TV-Shows.

Auch die zu diesem Zeitpunkt eher familienfreundlichere WCW konnte diesen populären Trend 1999 nicht länger ignorieren. Eric Bischoff setzte als Reaktion auf die WWF die Einführung einer eigenen „Hardcore Division“ durch. Um dort im Vergleich zu Foley bei RAW ebenfalls einige markante Wrestler im Programm zu haben, bediente er sich einmal mehr in Philadephia. Im Frühjahr 1999 konnte Bischoff die dortige Hardcore-Ikone schlechthin – den Sandman – für die WCW unter Vertrag nehmen. Dieser marschierte fortan als „Hardcore Hak“ durch die Midcard von „Nitro“ und „Thunder“, rauchte eine Zigarette (da Alkoholkonsum im TV auf TNT weiterhin verpönt war) und lieferte sich sehr schnell standardisierte „Hardcore“ Brawls mit Einkaufswagen, Stoppschildern und Mülleimern gegen andere Midcarder der Promotion. Nicht wenige ECW Fans waren danach der Meinung, dass der von ihnen und ihrer Liga in den Vorjahren so geprägte Begriff „Hardcore“ durch die Inflation an entsprechenden Matches bei Nitro und RAW regelmäßig im Mainstream besudelt und in die Lächerlichkeit gezogen wurde. Denn gerade die Sittenwächter von Turner Broadcasting achteten darauf, dass bei entsprechenden Kämpfen im Free TV kein Blut floss und die gezeigten Aktionen mit Foreign Objects nicht allzu brutal wirkten. Selbst der in der ECW so gefürchtete „Singapore Cane“-Schlagstock des Sandmans wirkte im Lichte von WCW Monday Nitro gleich eine Spur niedlicher und harmloser als noch in der Bingo Halle von Philadelphia. „Hardcore“ erschien daher dem Mainstream-Publikum, welches die ECW Mitte der 90er Jahre in der Regel nicht verfolgen konnte, nun oftmals eher wie eine wilde, sich wöchentlich wiederholende Spielplatz-Rauferei (was die WCW ironischerweise im Jahr 2000 dann tatsächlich als PPV-Kampf inszenierte) - ohne weitergehende Konsequenzen für Sieger und Verlierer. Der wichtigste Bestandteil der „Hardcore Revolution“ aus Philadelphia wurde dabei allzu oft fast völlig vergessen: Das „Drama“ und die großen „Stories“, die die härtesten Kämpfe der ECW Mitte der 90er Jahre ausgemacht und das Publikum so nachhaltig begeistert hatten. Der alte Sandman, der Tommy Dreamer einst auf dem Höhepunkt ihrer Fehde in einem dramatischen Angle 10 Schläge mit dem Singapore Cane auf den nackten Rücken verpasste, war nicht mehr zu vergleichen mit dem neuen „Hardcore Hak“ der WCW, der sich jede Woche ohne größeren Background gegen austauschbare Micarder durch den Ring prügelte. Dummerweise hatten die meisten Mainstream-Fans den alten Sandman nie auf seinem Höhepunkt kennenlernen können und zogen aufgrund seiner Neu-Inkarnation auch entsprechende Schlüsse über seine einstige Heimat. Statt ehrfurchtsvoll von der „Hardcore Revolution“ zu sprechen, zog man nun immer öfters über das angebliche „Garbage Wrestling“ in Philadelphia her.

Auf der anderen Seite sorgten der immer noch andauernde große Wrestling-Boom sowie die Verbreitung des Internets auch weiterhin für einen größeren Bekanntheitsgrad von Extreme Championship Wrestling. Die zahlreichen ECW-Alumni in WWF und WCW spielten mit dem Segen der Booker nur allzu oft gerne auf ihre Vergangenheit in der Bingo Hall an, da dem„EXTREME“ immer noch etwas besonders „cooles“, „hartes“ und vor allem rebellisches anhaftete. So stieg die Neuiger vieler Fans auf die etwas „andere“ Liga in Philadelphia auch 1999 immer noch weiter an. Und durch den Siegeszug des World Wide Webs war es nun auch einfacher geworden, an PPVs und Show-Aufnahmen zu kommen. Im nationalen Kabel-TV gab es „Extreme Championship“ Wrestling freilich auch weiterhin nicht zu sehen. Und so sehr man auch im Merchandising und bei den Buyrates für die PPVs zulegen konnte – finanziell gesehen war die Promotion nur selten profitabel und fuhr zumeist leichte Verluste ein. Der 1998 ausgebaute Houseshow-Terminplan führte nicht nur zu mehr Einnahmen, sondern auch zu mehr Kosten, in die eigene Bingo Hall passten zudem nur gut 1.100 Zuschauer. Zu wenig, um größere Gewinne zu erwirtschafteten. Der zunehmende Konkurrenzdruck durch WWF und WCW sorgte zudem für einen Preisdruck bei den Wrestler-Gagen. Immer mehr ECW-Main Eventer waren mit ihrer Bezahlung von einigen Hundert Dollars pro Auftritt unzufrieden und fühlten sich unterbezahlt – insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass sie zumeist zwei Mal pro Woche ihre Gesundheit für die Liga aufs Spiel setzen und sehr häufig schwerere Verletzungen davontrugen. So häuften sich die Konflikte zwischen Paul Heyman auf der einen und seinen Untergebenen auf der anderen Seite. Schlimmer noch: Sie bedrohten zudem immer mehr das Humankapital der Promotion. Denn dieses war 1999 so wechselwillig wie nie zuvor. Warum noch für 200 Dollar in der ECW auftreten, wenn man in der WCW garantierte 400.000 Dollar im Jahr für größeres TV-Exposure weniger Schmerzen bekommen kann?

Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der ECW im Vergleich zu den beiden Großen machte sich so sehr schnell auf nahezu wöchentlicher Basis für Heyman als Promoter bemerkbar. Denn mit den Angeboten aus WWF und WCW konnte er unmöglich mithalten, viel schlimmer noch: Die steigenden Kosten und ein akuter Personalmangel im Management sorgten nun sogar immer öfter dafür, dass er die Gagen seiner eigenen Wrestler nicht mehr pünktlich bezahlen konnte. So entstand 1999 die Legende der „geplatzten Schecks“, bei der manche Aktive wochenlang ohne Bezahlung für die Promotion antraten - und manchmal ihr Geld auch tatsächlich nie bekamen. Eine paradoxe Situation: Der eigene Ruhm tötete langsam die Grundpfeiler der Liga, weil man aufgrund von akuter Ressourcenknappheit und einem immer größer werdenden Kostendruck immer weniger im Teich der Großen mitschwimmen konnte. Während WCW und WWE Hunderte von Mitarbeitern in ihren Hauptquartieren in Stamford und Atlanta beschäftigten, wurden in Philadelphia die wichtigsten Aufgaben eines Wirtschaftsbetriebes ehrenamtlich von einigen Wrestlern abgewickelt. Tommy Dreamer und D-von Dudley organisierten den Fan-Artikel-Verkauf, Bubba Ray Dudley kümmerte sich um die Organisation und das Booking von Houseshow-Events, Stevie Richards übernahm unter einem Alter Ego Namen die ECW Hotline und Paul Heyman den Rest. „Der Rest“ bedeutete hier normalerweise drei-vier Fulltime Jobs zur gleichen Zeit (Außenkontakte, Buchhaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Personalmanagement, etc.), so dass Paul E. Dangerously folgerichtig im andauernden Existenzkampf seines „Babies“ kaum noch zum Schlafen kam und zunehmend ausgebrannt wirkte. Gerade Heymans Spezialität - das Booking - welches die Promotion Mitte der 90er Jahre noch so aufregend und vermehrt gemacht hatte, sollte nun vermehrt darunter leiden. Seine Wrestler machten ihm die Planung von langfristigen Storylines freilich auch nicht leicht – verließen viele der wichtigsten Akteure doch gerade in diesem Jahr haufenweise die Promotion.

Gerade der Abgang des Sandmans tat im Frühjahr 1999 vielen Fans in der Seele weh – verkörperte doch gerade er neben Tommy Dreamer seit 1992 gewissermaßen das Herz der Promotion. Bereits einige Monate zuvor hatte auch Bam Bam Bigelow die Liga verlassen. Das „Beast from the East“ war von der WCW mit einer Aussicht auf eine Fehde gegen Bill Goldberg geködert worden und ergriff die Gelegenheit prompt beim Schopf. 1995 noch eher ein gescheiterter WWF-Abgang, hatte er seine zwei Jahre in Philadelphia dazu genutzt, seiner Karriere noch einmal eine entscheidende Wende zu verschaffen. Sein Debüt in der WCW feierte er dann interessanterweise als (ECW-)„Outsider“, der Goldberg auf den Parkplätzen vor den Hallen zu einem Match herausforderte. Sein Abgang hinterließ in Philadelphia auf alle Fälle eine schmerzhafte Lücke. Immer mehr Druck lastete so auf dem neuen ECW World Heavyweight Champion – der „Human Suplex Machine“: Taz. Er war 1998 zum neuen Star der Promotion aufgestiegen und sollte sie nach Willen von Heyman ins neue Millenium führen. Mit seinem Titelgewinn durch KO gegen Shane Douglas schien so im Januar 1999 eine neue Ära bei „Extreme Championship Wrestling“ angebrochen zu sein. Der alte Champion – der 1994 beim NWA Titelturnier Geschichte geschrieben hatte - verließ dagegen nur wenige Monate später wutentbrannt die Promotion – für immer.

Nachdem Douglas 1998 noch einmal überraschend World Champion geworden war und er sich trotz diverser Verletzungen und großer Schmerzen durch einen längeren Title Run quälte (um sich dann schließlich für Taz hinzulegen), hatten die Spannungen zwischen ihm und Heyman weiter zugenommen. Der Franchise fühlte sich unterbezahlt und respektlos behandelt, so dass es unmittelbar vor dem großen PPV „Heat Wave 99“ zum Eklat kam:

Auf seiner Website erklärte ein äußerst selbstbewusster Douglas am 16. Mai 1999 seinen Rücktritt vom Professional Wrestling und erhob schwere Vorwürfe gegen Paul Heyman:

"You can all go home and tickle the keys and send ECW a message. I've never been a stranger to controversy, I've never strayed from it. I've stared it right in the eyes. I started by throwing down the NWA belt in this ring and built a f***ing company called Extreme Championship Wrestling. How many people want to hear the Franchise shoot? It's not something I planned on, but let's f***ing do it.
The money people in ECW that bust their balls every f***ing night, and are not appreciated because of the money problems. I can tell you this, I have broken my body in half to make sure that you fans get your money's worth, and I think you've gotten it out of the Franchise. You know, I knew there was a reason I loved this building, and its you motherf***ers. You've seen a lot of bulls*** in this sport today, but I can tell you this, on the night that I tried to take my belt back from Taz, you people showed me a respect and something I never believed existed in this sport anymore, a true love for what we do, and a true love back from me to you.
The rumors on the Internet are partially true, and mostly untrue, but I will tell you this, when I held those boots in the air in Queens, NY, everything about Shane Douglas, in my career has been a f***ing shoot. And that was true, people, I was on the verge of retirement. And tonight I will stand here, and I will tell you this, movements and action by Paul Heyman have pushed me just a bit further to that present. I never wanted this to be a retirement speech, but I will tell you this, I will walk away from the sport before I let anybody f*** me.
You people that have busted your asses, day in and day out, and buy a ticket at that front door, do not deserve to have your money go in somebody else's pocket. I think you buy a ticket because you want the people that bust their f***in' balls in this ring to get paid. Regardless of where the Franchise, and I will always be the Franchise, ends up, you can damn well bet, I will bust my ass every f***ing night in the ring. I will give you performances that other people, both in ECW and in other companies, dream they could have. I will bring dignity to any match and any belt around my waist that only Shane Douglas can do in 1999.
I threw a belt down in this ring, and I raised another belt and today that belt is recognized, worldwide, as the ECW World's Heavyweight Title. You're welcome, Paul Heyman. This was a tiny organization, with a crowd about half of what it is now, and we have sold this building out and turned people away because of the types of things that people like me have done in this ring. You're welcome Paul Heyman. Guys like New Jack have jumped off of things like that, and broken things in half and bruised their bodies. you're welcome Paul Heyman.
ECW has a show tomorrow called a Pay-per-view. They weren't on Pay-per-view until somebody, yours truly, came back from the World Wrestling Federation. It wasn't by coincidence, and you are f***ing welcome, Paul Heyman. To go with that, you cannot no show, what you've not been contracted to be at in the first place, Paul Heyman."

Wie so oft im Professional Wrestling hielt der Rücktritt am Ende nicht lange an - nur wenige Wochen später feierte Douglas ein überraschendes Comeback bei World Championship Wrestling. Die ECW verlor an diesem Tag allerdings einen weiteren wichtigen Eckpfeiler und zugleich einen der wenigen verbliebenen Main Eventer. Douglas hätte bei Heat Wave eigentlich gegen Shootingstar Justin Credible antreten sollen. Mit der kurzfristigen Verpflichtung von Sid Vicious als Ersatz konnte Heyman an diesem Abend aber einmal mehr sein Improvisationstalent unter Beweis stellen, denn mit Sycho Sid hatte bei diesem PPV wirklich niemand gerechnet. Trotz seines limitierten Wrestling-Können wurde der über 2m große Hüne von der ECW Crowd lautstark bejubelt.

Doch sein Auftritt war in erster Linie ein Gastgeschenk und nicht von langer Verweildauer. An echten Main Eventer mangelte es der Promotion auch weiterhin und damit auch an echten Gegnern für den World Champion, Taz. So durften ihn vorerst einige talentierte Midcarder um den Titel herausfordern, was am Ende sllerdings auch einige qualitativ hervorragende Kämpfe hervorbrachte, u.a. gegen Chris Candido, Buh Buh Ray Dudley und vor allem

YOSHIHIRO TAJIRI.

Der kleine Japaner – „The Japanese Buzzsaw“ – beeindruckte im Frühjahr die ECW Fans mit seinem außergewöhnlichem Kampfstil und seinem reichhaltigen Repertoire an Kicks und Submission Manövern. So etwas wie die „Tarantula“ hatte man schon lange nicht mehr gesehen, so dass Tajiri schnell zum Shooting Star aufstieg. Zum echten Main Eventer reichte es freilich noch nicht, nicht zuletzt auch aufgrund seiner mangelnden Sprachkenntnisse.

Dass der World Champion trotzdem nicht langweilig wurde, lag vor allem an seinem ausgeklügelten Gimmick als „Bad Ass“, der – ähnlich wie anno 2006 Samoa Joe bei TNA – Gegner für Gegner zur Aufgabe zwingt und dabei vor keiner Herausforderung zurückschreckt. Dafür baute man immer wieder seinen eigen-kreierten Titelgürtel – den „FTW“-Belt (F*** the world!)“ in aktuelle Stories ein und ließ ihn sogar einmal zu Sabu wechseln.

So bestand weiter Hoffnung für die Promotion, auch diesmal wieder mit neuen Stars und frischen Gesichtern an der Spitze die nächste Krise überwinden zu können. Wirtschaftlich musste man aber unbedingt weiter wachsen, um auf dem Markt gegen die beiden Großen überleben zu können - darin waren sich alle Verantwortlichen Mitte 1999 einig. Als Schlüssel zur Rettung wurde dabei sehr schnell eine bessere TV-Präsenz im nationalen Kabelnetzwerk ausgemacht. So legendär der Ruf der Promotion mittlerweile auch war – noch immer hatte die Mehrzahl der Amerikaner nicht die Gelegenheit, die ECW-Sendungen regelmäßig im Fernsehen verfolgen zu können, und wenn doch, dann meistens nur zu äußerst schlechten Sendezeiten. Die Platzierung einer wöchentlichen ECW Show im Kabel TV– so Heymans Kalkül – würde die Liga zwangsläufig für Sponsoren interessanter machen und mit etwas Glück PPV-Buyrates durch ein größeres „Exposure“ nach oben pushen können. So konzentrierte er sich 1999 immer mehr auf die Verhandlungen mit den großen Sendern und „Networks“ des Landes, was lange Zeit zu einem äußerst schwierigen Unterfangen geriet.

Der skandalöse Ruf, der der ECW anlastete und schon 1996 für die Verschiebung des ersten PPVs gesorgt hatte, war immer noch ein Haupthindernis für jede seriöse Partnerschaft mit einer großen TV Station. Wrestling war 1999 zwar ungemein angesagt und bescherte den Heimatsendern von RAW und Nitro, dem USA Network und TNT, jede Woche die besten Quoten im Kabelfernsehen, doch vor dem „extremen“ Stil mit all seinen vulgären Schattenseiten fürchteten sich dann die meisten potentiellen Partner in der TV-Landschaft doch zu sehr, als dass man eine Partnerschaft ernsthaft in Erwägung zog.

Erschwerend kam hinzu, dass die Liga sich auch in dieser schwierigen Phase wieder selbst in verruchte Ecken rückte. Buh Buh Ray Dudley lebte sein Heel-Gimmick nach dem Geschmack vieler seiner Kollegen allzu extrem aus und sorgte beinahe jede Woche aufs Neue mit seinen Promos gegen die Fans für Ausschreitungen in den Hallen. Seine rassistischen und sexistischen Beleidigungen unter der Gürtellinie des guten Geschmacks missfielen da den TV-Verantwortlichen ebenso wie die Eskapaden von „Colour“-Kommentator Joel Gertner. Der langjährige Manager einiger ECW-Wrestler war mittlerweile als Unterstützung für Joey Styles an Kommentatorenpult gewechselt und sorgte dort mit schlechten Witzen im Sommer 99 für einen größeren Eklat, als er mitten in der Show plötzlich über den Sohn von Ex-Präsident John F. Kennedy herzog:

"For a story about an unfortunate death, this, unfortunately, is the story that just won't die. First they tell you all about the cockpit. Oh yes, it was a cock-pit indeed. Then they tell you about the size and how small it is, I personally am not here to attest to the size of John-John's cockpit or John-John's John John, but perhaps you could ask the Bessette sisters about that. After all, altitude wasn't the only thing going down on that flight. You know, a Piper Saratoga isn't really very small when the two passengers were both sitting in the pilot's lap.

If John F. Kennedy Jr. were found right now, he'd probably have his pants around his ankles and be covered by both Bessette sisters, the corpse of Marilyn Monroe, and the chick from the Chappaquidic River just because she was curious who the better Kennedy was. And if John F. Kennedy were found alive today he would echo all of these sentiments and praise my wisdom and he would say (Gertner began making a gurgling sound like he was talking under water) which translates to: I wish I had never dumped Darryl Hannah because in that movie "Splash," she had mermaid fins and I would have been able to grab on and swim my way to the top."

Definitiv auch eine “Night, the line was crossed”, die die Liga einmal mehr in negative Schlagzeilen brachte. Zu diesem Zeitpunkt stand aber glücklicherweise schon fest, dass man ab Herbst tatsächlich eine einstündige Show im National Cable TV bekommen würde. Das Kabel-Network TNN (heute Spike TV) unterlief gerade einem großen Image-Wandel und wollte von einem Spartenkanal zu einem Trendsender für junge Männer werden. Um dieses Ziell möglichst schnell erreichen zu können, brauchte man eine Wrestling-Show im Programm, da waren sich alle Verantwortlichen weitestgehend einig. Da Nitro fest bei Turner geparkt war, steckte man schon früh die Fühler nach Stamford aus, um Vince McMahon ein Angebot zu machen. Doch der war mit „RAW is WAR“ – zu diesem Zeitpunkt die Kabel-Show mit den meisten Einschaltquoten in den USA – vertraglich noch ein Jahr an das USA Network gebunden. Um trotzdem möglichst schnell Wrestling für die neue Zielgruppe anbieten zu können, entschied man sich im Sommer dann dazu, der ECW ein Angebot zu machen. Diese nahm den Strohhalm dankend an und willigte in den Deal ein. Skandal-Promos wie die von den Dudleyz oder eben Joel Gertner trugen da nicht unbedingt zu einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen den beiden neuen Partner bei. Gertner Tiraden gegen Kennedy wurden freilich in vielen Märkten auch erst gar nicht gesendet, da das lokale MGN Network die Ausstrahlung der Sequenz verweigerte. Das Skandal-Promo wurde hinterher sogar von der renommierten TV-Zeitschrift „TV Guide“ aufgearbeitet, während Heyman in Interviews danach die Shoots gegen Kennedy verteidigte („I think it's great. I don't believe the Kennedy family watches ECW and we don't have clearance in Hyannisport,") und zugab, Gertners Text mitverfasst zu haben. Ob schlechte Publicity immer gleich gute Publicity bedeutete, durfte man hier jedenfalls in Frage stellen. In gewisser Weise wurde die ECW auch hier wieder Opfer ihres eigenen Rufs: Um die eigenen Fanbase in einem härter werdenden Konkurrenzkampf zu befriedigen, musste man das Rebellen-Image mit weiteren inszenierten Skandalen und Shoots regelmäßig pflegen, womit man sich bei den TV-Partnern aber von Anfang in Misskredit brachte – als unseriös und unzuverlässig. Schon bald sollte Heyman für diese gewagte Politik die Quittung bekommen …

Eine viel schmerzhaftere Quittung erhielt die Promotion aber im Sommer erst einmal von Vince McMahon. Der Besitzer der WWF, der die ECW heimlich seit 1996 mit Finanzspritzen unterstützt hatte, streckte seine Fühler nach drei Top-Stars der Liga aus und machte ihnen am Ende „ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnten“. ECW World Heavyweight Champion Taz und die ECW World Tag Team Champions The Dudley Boyz erhielten Vertrags-Offerten aus Stamford, die sie dann alle drei auch annahmen. Ein Schock für Heyman, ein Schock für die Fans von Extreme Championship Wrestling. Nicht wenige unterstellten McMahon hinterher böses Kalkül in seiner Abwerbepolitik, denn einen ungünstigeren Zeitpunkt für den Abgang von gleich drei Top-Stars (noch dazu amtierende Champions) hätte es wohl kaum geben können, nur wenige Wochen vor dem Debüt der ECW TV-Show auf TNN. So hieß es nach vielen Jahren Abschied nehmen von einem der besten TagTeams im Business, Buh Buh Ray & D-von Dudley, die bei ihrem letzten Auftritt in der Promotion noch einmal für einen Knall sorgten:

Bei „The Last Show at the Madhouse“ konnten sie in ihrem (scheinbar) letzten Match ein weiteres Mal die ECW World Tag Team Titles gewinnen und drohten danach dem erzürnten Publikum an, die Gürtel mit in die WWF zu nehmen. Tommy Dreamer erschien darauf zur Ehrenrettung und forderte die beiden Brüder zu einem Titelmatch heraus. Nachdem er zunächst – hoffnungslos unterlegen – eine Abreibung erhielt – kam aus dem Publikum plötzlich Raven herausgestürmt und half seinem alten Erzfeind zum Sieg über die verhassten Dudleyz. Tommy Dreamer & Raven waren damit zusammen neue ECW World Tag Team Champions!

Etwas weniger spektakulär, dafür aber ebenfalls ungemein emotional, verlief wenige Wochen später der Abschied von Taz aus der Promotion. Die „Human Suplex Machine“ musste bei „Anarchy rulz“ seinen Titel in einem Three Way Dance gegen Mike Awesome und Masato Tanaka verteidigen und wurde nach wenigen Monaten bereits als erster aus dem Match eliminiert. Darauf schritt Taz langsam Richtung Lockerroom, worauf fast das gesamte Roster rauskam und ihn zusammen mit den anwesenden Zuschauern mit „Standing Ovations“ aus der Promotion verabschiedete – während Heyman seinen Ex-Champion noch einmal herzlich umarmte. Nur acht Monate nach seinem Titelgewinn gegen Shane Douglas war die Taz-Ära in der ECW damit schon wieder abgeschlossen, ins neue Milennium wurde Extreme Championship Wrestling dafür von einem anderen Mann geführt, den im Vorfeld eigentlich niemand so richtig als World Champion auf der Rechnung gehabt hatte:

MIKE AWESOME.

Seit 1994 hatte das 2m große Powerhouse in der ECW in der Midcard gewrestlet und die Promotion immer mal wieder für längere Ausflüge nach Japan verlassen. Im Gegensatz zu früheren ECW Champions, die entweder durch hervorragende Technik (Shane Douglas), ein ausgefeiltes Gimmick (Raven), einen legendären Ruf (Terry Funk) oder einen außergewöhnlichen Wrestling-Stil (Sabu, Taz) die Herzen der Crowd erobern konnten, war Awesome ein Zufallschampion. Am Mikrophon eher durchschnittlich, zog er die Fans vor allem durch seine zahlreichen Powermoves im Ring in den Bann, allen voran durch seinen imposanten Powerbomb-Finisher – die „Awesome Bomb“. Dass ausgerechnet er am 19. September 1999 neuer World Champion der Promotion wurde, war zum einen einem Mangel an Alternativen, zum anderen seiner intensiven Fehde gegen Masato Tanaka geschuldet.

Die Matches und die Storyline der beiden Männer, die sich zuvor bereits in Japan bekriegt hatten, zog die meisten ECW Fans in ihren Bann, was vor allem an den Nehmerqualitäten der beiden Wrestler lag. Beide fügten sich in ihren Kämpfen zumeist unglaublich harte Aktionen zu, so dass sich zumeist ein „Holy Shit!“-Moment an den anderen reihte und ihre Matches zu Bump-Festivals verkamen.. Zahlreiche ungeschützte & harte Chairshots sowie zerbrochene Tische später hieß der Sieger dann immer wieder Mike Awesome – doch Tanaka wollte einfach nicht aufgeben und stand immer wieder für eine neue Herausforderung parat. Die Fans liebten ihn dafür, so dass sich Heyman nach dem Abgang von Taz dazu entschloss, diese Storyline weiter um den World Title fortzusetzen. Hier zeigte sich in der Folge einmal mehr die Aufgeschlossenheit der ECW Fanbase für ausländische Wrestler: Die Fans nahmen Tanaka als Neuling relativ schnell als ernstzunehmenden Superstar an und akzeptierten ihn als Main Eventer, so dass Heyman sich im Dezember 99 sogar dazu entschloss, dem Japaner als ersten Nicht-Amerikaner den ECW Title auf dem Höhepunkt seiner Fehde gegen seiner Dauerrivalen gewinnen zu lassen. 10 Tage später konnte sich Awesome Mike Awesome dann aber den Titel zurückholen.

Dennoch traten sich die beiden Männer als Nachfolger von ECW-Ikonen wie Douglas oder Taz schwer, beim Start auf TNN wie die größten Stars der Promotion zu wirken. Der World Title schien stattdessen immer öfter hinter dem Television Title zurückstecken zu müssen, der auch im Herbst 1999 immer noch von „The Whole Fuckin’ Show“ – Rob van Dam – gehalten wurde. Er wurde nun von vielen Fans als der wahre Champion der Promotion akzeptiert, da er sich PPV für PPV in spektakulären Titelverteidigungen überbieten konnte. Die spektakulärste überhaupt ereignete sich dabei bei „Hardcore Heaven 1999“ gegen Jerry Lynn, ein Kampf, der von vielen Beobachtern auch heute noch als eines der besten Matches in der Geschichte der Promotion gilt. Beide Männer schenkten sich in diesem „No Time Limit Contest“ nichts und packten alles an Moves, was sie hatten, aus ihren reichhaltigen Repertoires aus. Lynn, einer der talentiertesten amerikanischen High-Flyer der 90er Jahre, schaffte es nach diversen Ausflügen nach Japan und in die WCW an diesem Abend doch noch, zu einem größeren Star im Busisness zu werden, auch wenn er diesen Kampf am Ende verlor. Die zuvor gezeigten akrobatischen Einlagen sowie die wilden Kick- und Flugmanöver in die Zuschauerreihen machten den früheren „Mr. JL“ zum neuen Publikumsliebling in Philadelphia. Rob van Dam – eigentlich ein Heel – war da schon längst als Star akzeptiert. Das Hardcore Heaven Match sorgte dann allerdings wenige Monate später für einen handfesten Skandal – pünktlich zum Debüt der neuen ECW Show on TNN …

Große Mühe gab sich der neue Sender bei der Promotion seines frisch eingekauften Produkts nämlich kaum: Die Show wurde in der Freitagnachtschiene platziert, wo die meisten potentiellen Zuschauern gerade nicht vor dem TV sitzen würden. Werbetrailer fehlten fast völlig, stattdessen drangsalierte man Heyman mit genauen Anweisungen, was im TV auf keinen Fall gezeigt werden sollte (Übertriebene Gewalt mit Gegenständen, Gewalt gegen Frauen, Blut, etc.). Schließlich forderte die Network-Verantwortlichen ihn sogar dazu auf, auf den legendären Theme Song „This is Extreme!“ zu verzichten, da dieser angeblich zu satanisch angehaucht wäre. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, denn Heyman entschloss sich von Episode 1 an, den Anweisungen des Networks Widerstand zu leisten. Zur Premiere gab es am 22. August auf TNN erst einmal nur diverse Charakter-Introduction-Promos zu sehen, der die Ausstrahlung des kompletten „Hardcore Heaven Matches“ zwischen Rob van Dam & Jerry Lynn folgte: Viel Blut, viel Hardcore-Action mit Foreign Objetcs inklusive. „This is what ECW is all about“ verkündete Heyman, was die TV-Oberen nach der Ausstrahlung dann aber weniger lustiger fanden.

Damit ging der Existenzkampf der Promotion in eine neue Runde, denn nun hatte man zwar endlich den lange herbeigesehnten TV-Platz im National Cable TV bekommen, wurde dafür aber ausgerechnet in den Elementen eingeschränkt, die die Promotion jahrelang ausgemacht hatten. Warum noch ECW auf TNN einschalten, wenn es „extreme“ Action auch am Montag bei „RAW is WAR“ zu sehen gibt, noch dazu unter sehr viel moderner wirkenden Produktionsbedingungen? Der legendäre Ruf und die allgemeine Neugier auf ihr Produkt halfen der Liga aber vorerst einen Absturz in tiefere Regionen zu verhindern, auch auf dem sehr undankbaren Sendeplatz am späten Freitagabend erreichte die Show regelmäßig Quoten zwischen 0.8 und 1.0, was sie immer noch zu den am meisten gesehenen Sendungen auf TNN überhaupt machte.

Leider zeigte sich der Sender trotz dieser stabilen Ratings schon sehr bald immer weniger kooperativ und ließ das Produkt weitestgehend im Stich. Man stellte der neuen Show nur ein äußerst geringes Budget zur Verfügung und schaltete so gut wie keine Werbung für die neue Sendung. Nach nur wenigen Monaten sollten die wahren Motive der TNN-Bosse für den Einkauf der ECW offen gelegt werden, als sie medienwirksam Verhandlungen mit Vince McMahon über den Einkauf von „RAW is WAR“ begannen. „Extreme Championship Wrestling“ hatte man ganz offensichtlich nur als Köder für den wirklich großen Fisch im Teich ins Programm genommen, um vorher auszutesten, ob Wrestling rentabel ist und um der WWF zu demonstrieren, dass man bereit war, ein Wrestling-Programm auszustrahlen und im Falle einer Absage noch eine Sicherheit zu haben. Hilflos und zähneknirschend musste Heyman mit ansehen, wie offen über seinen Kopf hinweg mit einem Konkurrenten über die Zukunft seiner Liga verhandelt wurde. Denn eins stand von vornherein fest: Sollte TNN „RAW is WAR“ einkaufen, würde „ECW on TNN“ sofort wieder Geschichte sein - denn weder die McMahons noch die TNN-Chefetage waren an der Ausstrahlung einer zweiten Wrestling-Liga im Programm interessiert. Ein hilfloser Heyman begann daraufhin sich auf seine Weise an TNN zu rächen: In den Shows führte er mit „Cyrus“ einen neuen Charakter in die Storylines eine, der angeblich vom „Network“ als Aufsichtsperson eingesetzt wurde. Der reale Hass vieler ECW Fans auf die TNN-Bosse manifestierte sich nun also auch in einer fiktiven Geschichte im Programm wieder. Immer wenn Matches oder Interview-Segmente drohten zu „extrem“ zu werden, erschien Cyrus auf der Bühne und machte dem ganzen ein Ende – angeblich im Namen des „Networks“. Womit er regelmäßig den größten Heel-Heat erntete. Mit solchen halbwahren Shoot-Einlagen blieb die Liga immerhin ihrem „rebellischen“ Image treu, auch wenn Heyman sich damit bei TNN nur noch weitere Feinde machte. Beworben wurde die Show auch weiterhin nicht, so dass man finanziell auch weiterhin große Probleme hatte, über die Runden zu kommen. Immerhin: Zusammen mit der Firman „Acclaim“ schaffte man es, ein erstes ECW Video Game auf den Markt zu bringen. Die Zahlungsschwierigkeiten, in denen Heyman weiter steckte, konnten aber auch mit dieser verkauften Lizenz nicht wirklich gemildert werden. Das sollte die Moral im Lockerroom mittelfristig noch weiter sinken lassen …

Ausgerechnet der eher farblose World Champion brachte die ins Schlingern geratene Promotion dann im April 2000 wieder zurück in aller Munde: Mike Awesome verhandelte heimlich mit World Championship Wrestling, eine Liga, die mittlerweile ebenfalls in einer große Krise steckte. Nach mehreren internen Machtkämpfen übernahm Eric Bischoff Ende März erneut das Ruder, allerdings mit eingeschränkten Kompetenzen – die Macht sollte er sich fortan mit Writer Vince Russo teilen. Für das erste WCW Monday Nitro unter ihrer Regie planten die beiden mehrere Knaller-Angles, die die Wrestling-Fans auf der ganzen Welt möglichst effektiv in einen Schockzustand versetzen sollten. Daher bat man Awesome, nach dem dieser signalisiert hatte, wechselbereit zu sein, mit seinem ECW World Title Belt in der Show aufzutauchen und diesen dort kunstgerecht zu entsorgen. Ein entsetzter Heyman bekam in letzter Minute Wind davon und drohte der WCW und Awesome mit juristischen Schritten, falls der Titelgürtel bei Nitro zu sehen sein sollte. Nach zahlreichen Telefongesprächen bis unmittelbar vor dem Sendebeginn der Show, entschied man sich in Atlanta schließlich dazu, kein Risiko einzugehen und Awesome OHNE den Belt in der Show zu präsentieren (Er attackierte im Verlauf der Sendung Kevin Nash und trat dem „New Blood“-Stable von Bischoff & Russo bei.). Trotzdem war er immer noch der ECW World Heavyweight Champion und vertraglich eigentlich dazu verpflichtet, den Gürtel noch in einem Match zu verlieren. Am 12. April 2000 kam es so während einer ECW Houseshow zu einem legendären Titelmatch: Heyman hatte es in Verhandlungen mit Vince McMahon geschafft, Tazz für einige Auftritte in der ECW zurückzugewinnen. So kam es an jenem Tag zu einem historischen Aufeinandertreffen: Mit Mike Awesome wrestlete zum ersten Mal ein unter WCW-Vertrag stehender Wrestler gegen einen unter WWF-Vertrag stehenden Wrestler – in einem ECW Ring, um den ECW World Title. Nach drei Minuten war dann Feierabend für den „Verräter“ und WWF & ECW hatten die Auseinadersetzung gewonnen – durch den zweiten Titelgewinn der „Human Suplex Machine“ – Taz. Aus einer Niederlage hatte Heyman wieder einmal einen Publicity-bringenden Sieg gemacht – es sollte sein vorerst letzter gewesen sein …

Denn mit dem Abgang von Awesome verlor man einen weiteren wichtigen Main Eventer. Ein weiterer schwerer Treffer für die Liga, nachdem kurz zuvor bereits Rob van Dam ausfallen war. Der TV Champion brach sich bei einer Titelverteidigung gegen Aufsteiger Rhino das linke Bein. Zwar konnte er aufgrund einer großen Energieleistung das Match doch noch zu Ende bringen, musste dann aber eine Woche darauf seinen geliebten Gürtel, den er beinahe über 2 Jahre verteidigt hatte, kampflos im TV abgeben. Zweifellos ein bitterer Moment in der Karriere des Rob van Dams, denn gerade er hätte 2000 zum neuen großen Star der Liga aufgebaut werden sollen.

So musste man das ganze Jahr 2000 über wieder einmal aus der Not eine Tugend machen und frische Gesichter etwas überhastet an die Spitze der Liga pushen. Wer ECW World Title verkam so leider etwas zu einem Wanderpokal. Paul Heyman erfüllte zunächst Tommy Dreamer seinen Lebenstraum und ließ ihn bei CyberSlam 2000 den Gürtel von Taz gewinnen. Zuvor war Dreamer sogar bei WWE SmackDown! aufgetaucht, um Taz ein WWE Titelmatch gegen Triple H zu kosten. Die Crosspromotion beider Ligen setzte sich somit nach dem erfolgreichen Awesome-Angle weiterhin effektiv fort. Dreamer durfte aber – wie immer – sein Glück nicht lange auskosten, denn unmittelbar nach seiner emotionalen Siegesserie forderte ihn Justin Credible von den „Impact Players“ ebenfalls zu einem Titelmatch heraus. Dreamer nahm natürlich an und verlor den Gürtel prompt wieder.

Credible war noch mehr als Mike Awesome eine Notlösung als Champion. Sein Run an der Seite von Lance Storm als sehr erfolgreiches Heel Tag Team hatten ihn 1999 zu einem Star gemacht – da Strom nun ebenfalls zur WCW wechselte, versuchte sich Heyman hier an einem Single’s Push. Credible musste nach einem stabilen Sommer-Run mit dem Belt und einer langen Fehde gegen Tommy Dreamer den Gürtel dann im Oktober an Jerry Lynn abgeben, der bei „Anarchy Rulz“ vor heimischem Publikum in Saint Paul, Minnesota seinen Platz im Business einnahm und einen World Title gewinnen konnte. Doch auch er wirkte eher wie eine Zwischenlösung. Beim letzten „November to Remember“ musste er gut 6 Wochen später den Gürtel an Steve Corino abgeben, der sich im Jahr 2000 als charismatischer Aufsteiger erweisen hatte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Liga aber bereits im letzten Todeskampf. TNN kaufte wie erwartet für eine unverschämt hohe Millionensummer für 5 Jahre „RAW is WAR“ ein und kippte – nach einer kurzen Gnadenfrist mit Einwilligung von McMahon – im Herbst die ECW-Show aus dem Programm. Ohne TV-Partner ging es nun rasant dem Ende entgegen. Zwar verhandelte Heyman angeblich noch mit anderen Interessenten, doch spätestens nachdem er bei RAW im Dezember 2000 als Nachfolger von Jerry Lawler neuer Co-Kommentator von Jim Ross wurde, zweifelten immer mehr Fans an einer Zukunft für Extreme Championship Wrestling. Zum letzten PPV der Promotion, „Guilty as charged“, schaffte man es im Januar 2001 noch einmal den Hammerstein Ballroom von New York auszuverkaufen und mit einer guten Show die Fans ein letztes Mal zu begeistern. TV Champion Rhino konnte dabei am Ende des Events auch noch den ECW World Title von Corino gewinnen. Es folgten noch einige Houseshows, bevor man im April offiziell den Bankrott anmelden musste. Mit 8 Millionen Dollar stand die Liga am Ende bei ihren Gläubigern in der Kreide, und viele Wrestler und Angestellte warten noch heute auf Geld von Paul Heyman, dass ihnen eigentlich vertraglich zugesagt worden war.

So endete im Frühjahr 2001 in eher leisen Tönen ein großes Stück Wrestling-Geschichte der Neuzeit. Die Hardcore Revolution hatte sich am Ende selbst ein Bein gestellt und ging danach in modifizierter Form in der WWE weiter. Und auch die ECW sollte in der Folgezeit noch mehrmals von den Toten wiederauferstehen, zuletzt im Juni 2006. Ihr legendärer Ruf wird sie wohl auch noch in 20 Jahren bei den Wrestling-Fans in Erinnerungen halten, denn auch heute gibt es noch weltweit bei besonders halsbrecherischen Manövern jene Chants zu hören, mit dem diese Serie einst begonnen hat:

E-C-DUB! E-C-DUB! E-C-DUB!

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