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THE HISTORY OF ECW
Teil 1 (1992 - 1994) | Teil 2 (1994 - 1995) | Teil 3 (1996 - 1997) | Teil 4 (1997 - 1999) | Teil 5 (1999 - 2001)
Teil 4 - Just Another Victim (1997-99)
Mit dem PPV "Barely Legal" hatte die ECW im Frühjahr 1997 fünf Jahre nach ihrer Gründung alles auf eine Karte gesetzt. Bei einem finanziellen Mißerfolg des Events wäre die kleine Promotion wohl bankrott gewesen, so dass alle Wrestler äußerst konzentriert und angespannt in die Veranstaltung gingen. Doch an jenem 13. April meinte es das Schicksal gut mit Extreme Championship Wrestling. Erstklassiges Wrestling, spannende Matches und ein für den Geist der Promotion ungewöhnliches, doch dennoch angemessenes Happy-End - der 52jährige Terry Funk entthronte Raven als ECW World Champion - sorgten am Ende für die restlose Zufriedenheit der Fans in der ausverkauften Viking Hall. Während des Main Events wäre es für die TV-Zuschauer beinahe noch zum Super-Gau gekommen, als man sich der vorher beim PPV-Network InDemand gebuchten Zeit von drei Stunden gefährlich genau annäherte und es ungewiss schien, ob das Ende des World Title Matches überhaupt noch über die Bildschirme gehen würde. Doch in der allerletzten Minute vor 12 gelang dem Funker dann doch noch gerade rechtzeitig der entscheidende Pinfall gegen Raven. Mit einem aufgeregt schreienden Joey Styles und einem in der Crowd mit dem Titelgürtel feiernden, blutüberströmten Terry Funk ging "Barely Legal" OFF AIR ... Extreme Championship Wrestling hatte Geschichte geschrieben.

Nur zwei Sekunden später fiel in der ECW Arena nahezu der komplette Strom aus. Das Energie-Netzwerk in der Viking Hall war mit den Belastungen einer PPV-Übertragung schlichtweg überfordert gewesen und hatte den Geist aufgegeben. Doch am Ende hielt die Stromversorgung gerade so eben für den Event, so dass über der Promotion an diesem Abend wirklich ein guter Stern gestanden zu haben schien. Dies bestätigte kurz darauf auch noch die erzielte Buyrate für den Pay Per View, die bei 0.2 (ca. 200.000 Käufen) lag - respektable Zahl für eine Liga, die zu diesem Zeitpunkt über keinerlei nationale TV-Sendung im nordamerikanischen Kabelnetzwerk verfügte und immer noch in erster Linie von Mund-zu.Mund-Propaganda und dem aufkommenden Internet lebte. Doch der in den Vorjahren hart erarbeitete Ruf als "Underground"-Phänomen hatte sich wieder einmal ausgezahlt, so dass Paul Heyman nach dem finanziellen Erfolg von "Barely Legal" den beiden großen Promotions WCW und WWF den Kampf ansagte und weitere PPVs von Extreme Championship Wrestling ankündigte. Die ECW hatte damit den Höhepunkt ihrer Geschichte erreicht und war so populär wie nie zuvor - in den USA wie auf der ganzen Welt.

E C F'N W - das T'shirt mit dem aggressiven Markenspruch der Liga ging um die Welt und versinnbildlichte die wachsende Anti-Etablishment-Kultur der kleinen Promotion aus Philadelphia.

Doch der seit der Gründung der New World Order 1996 eingesetzte Wrestling-Boom in den USA hatte auch weiter seine Schattenseiten für die ECW und ihre treue Fan-Basis. Eric Bischoff und Vince McMahon schielten zwecks Aufrüstung ihrer jeweiligen Roster auch weiterhin regelmäßig in den Talent-Pool nach Philadelphia, was die Gefahr des Ausverkaufs wie ein ständiges Damoklesschwert über die Macher von Extreme Championship Wrestling hängen ließ. Je bekannter die Promotion wurde, desto berühmter wurden auch ihre Stars ... Was diese logischerweise zu beliebten Zielobjekten der Einkäufer von WWF und WCW machte. Viele der regulären ECW Main Eventer sollten in den Monaten nach Barely Legal zum Teil hochdatierte Vertragsangebote der BIG TWO erhalten, insbesondere Eric Bischoff - seines Zeichens Marktführer mit der WCW- schmiss mit dem Geld des Turner-Konzerns nur so um sich, um sich so im Zweikampf mit Vince McMahon mit einem besseren Roster noch weiter absetzen zu können. Schon bald sollten die nächsten ECW Main Eventer dem Lockruf des Geldes und der sozialen Absicherung erliegen und Paul Heyman damit großes Kopfzerbrechen zerbreiten.

Nur wenige Wochen nach "Barely Legal" informierte ausgerechnet Raven, der größte hauseigene Star der vergangenen zwei Jahre, seinen Boss, dass er Bischoffs Angebot angenommen und einen WCW Vertrag unterschrieben hätte. Ein herber Rückschlag für die Promotion und eine tiefe persönliche Enttäuschung für Paul Heyman, der von Anfang an in den "Raven"-Charakter verliebt gewesen war und noch große Pläne für Scott Levy in der nahen Zukunft geschmiedet hatte. Doch der Rabe flatterte nun Richtung Atlanta davon. Wieder einmal hatte ihm sein Intimfeind Eric Bischoff einen Strich durch die Rechnung gemacht, was seinen Hass auf World Championship Wrestling weiter verstärken sollte. Um in der Notlage eines sich verschärfenden Konkurrenzkampfes als kleine Promotion nicht zwischen zwei großen Mühlsteinen erdrückt zu werden, suchte er erneut das Bündnis mit Vince McMahon ...

Wie erst Jahre später bekannt werden sollte, konnte Paul Heyman 1997 den WWF Besitzer als Investor für Extreme Championship Wrestling gewinnen. Heimlich und vor der Öffentlichkeit verborgen halfen regelmäßige Finanzspritzen aus Stamford der ECW zu überleben. McMahon sah seine Investitionen offenbar als Aufbauhilfe für eine bessere Farmliga an und hoffte dadurch in der Zukunft Talente der kleinen Liga leichter für ein Engagement in der WWF gewinnen zu können. Eine Rechnung, die später in der Tat aufgehen sollte.

Und auch vor den Kameras sollte sich die neue Partnerschaft bemerkbar machen, in einer aufregenden Storyline, die die ECW einmal mehr einem Mainstream-Publikum bekannt machen sollte. Denn trotz der finanziellen Hilfe aus Stamford war die WWF im TV natürlich auch weiterhin das große Übel, dass es mit allen Mitteln zu bekämpfen galt. Die Hardcore-Fanbasis hasste Vince McMahons Federation fast genauso fanatisch wie Ted Turners WCW, Mick Foleys Anti-ECW-Storyline 1995/96 hatte Heyman das eindrucksvoll bewiesen. Bei kaum einen anderem Thema reagierte die Crowd in Philadelphia so gereizt und emotional wie bei der Erwähnung der BIG TWO. Was lag also näher als diese feindselige Stimmung für eine weitere Storyline auszunutzen? Nachdem Ende 1996 ECW Wrestler immer wieder bei WWF Veranstaltungen im Publikum aufgetaucht waren und Paul Heyman bei der Call-In-Show "Live Wire" angerufen hatte um Vince McMahon zu beschimpfen , hatte die Federation im Februar 97 den Stars von Extreme Championship Wrestling für einen Abend die Hälfte von Monday Night RAW zur Verfügung gestellt um ihr Können unter Beweis zu stellen. (Siehe auch Teil3: Die Geschichte der ECW) Dabei war es zu einer heftigen Konfrontation zwischen Paul Heyman und Kommentator Jerry "The King" Lawler gekommen, die sich am Kommentatorentisch vor den Augen von Vince McMahon eine heftige Prügelei geliefert hatten und am Ende von Wrestlern getrennt werden mussten. Auf der Basis dieser Feindschaft wurde im Frühjahr 1997 ein Angle entwickelt, der den ECW-Fans den Atem stocken ließ. Jerry Lawler nutzte fortan jede Gelegenheit um bei RAW als Kommentator über "Extremely Crappy Wrestling" herzuziehen. Sah der King bei einer WWF-Veranstaltung ein ECW-T-shirt oder Schild, machte er sich mit loser Zunge in spöttischen Bemerkungen über Heymans kleine Promotion lustig. Die Abneigung war nicht gespielt, Lawler konnte als Vertreter des "Old-School"-Wrestlings so gut wie gar nichts mit dem extremen Stil in Philadelphia anfangen und kritisierte Vince McMahon offen dafür, dieser Ansammlung an "Garbage"-Wrestlern auch noch kostbare TV Zeit bei RAW zur Verfügung gestellt zu haben. So wurde der King innerhalb kürzester Zeit zu einer der größten Hassfiguren für die Hardcore-Fanbasis der ECW, was ihn zu der idealen Schachfigur für einen großen Angle machte, der Philadelphia schon bald erschüttern sollte ...

Am 12. Mai 1997 präsentierte Jerry Lawler beim mittlerweile zweistündigen RAW is WAR einen ECW Wrestler, der nach Aussagen des Kings angeblich lieber für die WWF arbeiten würde und deshalb sein Können gerne am Montagabend sein unter Beweis stellen wollte:

ROB VAN DAM

Robert Szatowski, so sein bürgerlicher Name, hatte im Januar 1996 in der ECW debütiert und dort durch seinen risikoreichen, extravaganten Kampfstil die Fans in seinen Bann geschlagen. Nach einem eher missglückten Run in der WCW Anfang der 90er Jahre (unter dem Namen Robbie V) hatte sich van Dam in Japan und beim National Wrestling Council erste Sporen verdient, so dass Paul Heyman schließlich auf ihn aufmerksam geworden war. Da er wie schon Sabu vom "Original Sheik" trainiert und für das Wrestling-Business ausgebildet worden war, bookte Paul E. Dangerously die beiden "Schüler" von einst in einer Fehde gegeneinander. Van Dam spielte von Anfang an einen arroganten und von sich eingenommenen Charakter, der sich selbst als etwas Besseres ansah und durch sein imposantes Arsenal an zerstörerischen Moves die Fans zum Staunen brachte. Dies brachte ihn auf der Stelle in einen Sympathie-Konflikt mit dem Mann, der bis dahin in erster Linie für halsbrecherische Aktionen in der ECW Arena bekannt war: Sabu. Heyman entwarf daraufhin eine aufregende Storyline für seine beiden High-Flying-Sensations, die ihre gemeinsame Trainingszeit beim "Original Sheik" thematisierte und in der es sich in erster Line um eines drehte: RESPEKT!

Denn obwohl Sabu bei ihrem ersten Single-Kampf die Oberhand behielt, verweigerte RVD ihm danach den Handshake und ließ ihn einfach im Ring stehen, was ihn als Heel weiter over brachte. Erst im August 1996 wurde der Konflikt in einem "Stretcher Match" endgültig beigelegt, als Sabu zum Abschluss siegreich blieb und van Dam schließlich einlenken und ihm die Hand schütteln musste. Beide bildeten daraufhin ein TagTeam, das sich spektakuläre Kämpfe gegen The Eliminators lieferte.

Ende des Jahres war van Dam dann aber mehr und mehr unzufrieden mit seiner Rolle in der Company und kokettierte offen mit Angeboten der WCW, weil er sich mittlerweile für etwas besseres als einen Indy-Wrestler hielt. Heyman überredete ihn am Ende dann noch einmal zu bleiben und gab ihm als Belohnung die Gelegenheit in der WWF bei RAW aufzutreten ...

... so dass er dort am 12. Mai 1997 in einem Match gegen Jobber Jeff Hardy sein Können zum besten gab. Nach wenigen Minuten pinnte er seinen Gegner und machte stolz seine Trademarke-Geste in eine WWF-Kamera: Dreimal mit beiden Daumen Richtung eigene Schultern gezeigt ...

R-V-D

In der ECW Arena verübelte man indessen van Dam seine offen bekundeten Wechselabsichten, so dass die Fans ihn wieder auszubuhen begannen. Heyman machte sich dies zunutze und kreierte einen neuen Heel-Stable: TEAM WWF - eine Ansammlung von ECW Wrestlern, die (angeblich) um jeden Preis einen Vertrag bei Vince McMahon ergattern wollten und dafür zum Verrat an der eigenen Company bereit waren. Wie zu erwarten bekam diese neue Allianz dann am Ende jede Menge Heat von den Fans in Philadelphia, den van Dam noch genüsslich weiter anheizte, als er sich den neuen Beinamen "Mr. Monday Night" gab. Er sei mittlerweile einfach zu gut für die ECW, erklärte RVD den zornigen Fans, und wolle in Zukunft in erster Linie am Montagabend wrestlen. Dies entsprach der Wahrheit, denn van Dams primäres Ziel war es zu diesem Zeitpunkt auch weiterhin so schnell wie möglich bei einer der beiden großen zwei Promotions anzutreten. Der Talentaustausch mit der WWF schien dafür der ideale Steigbügelhalter zu sein. So wurde der arrogant-lächelnde van Dam nach seinem Auftritt bei RAW und seiner offenen Allianz mit Jerry Lawler zur neuen Hassfigur Nr. 1 der ECW-Fans. Die Storyline sollte damit aber noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht haben, diesen gab es erst am 06. Juni 1997 bei "ECW Wrestlepalooza" in der ECW Arena zu bestaunen ...

In der Mitte der Card trat Raven - unmittelbar vor seinem feststehenden Wechsel zur WCW - zu seinem (vorerst) letzten Match bei Extreme Championship Wrestling an. Sein Gegner hieß passender Weise einmal mehr Tommy Dreamer, der ihn seit seinem Debüt Anfang 1995 vergeblich versucht hatte in einem Single-Match zu besiegen. Diesmal wurde als besondere Stipulation noch eine "Loser must lease ECW"-Klausel hinzugefügt, die das Ende bereits vorwegnahm. Und tatsächlich, nach einem weiteren dramatischen Match, konnte Tommy Dreamer nach über 2 ½ Jahren Jagd auf den Raben seinen Erzrivalen endlich im Ring zum Three-Count pinnen!

"Tommy Dreamer has finally beat Raven!" kreischte Joey Styles am Mikrophon, während Scott Levy seinen Abschied von der Promotion nahm, die ihn groß gemacht hatte und still und heimlich Richtung Lockerrom verschwand. Ein in Tränen des Glücks aufgelöster Tommy Dreamer feierte derweil den größten Triumph seiner Wrestling-Laufbahn im Ring und genoss den Jubel der Fans ...

ALS PLÖTZLICH DAS LICHT AUSGING!

Als es wieder anging, stand ein den ECW Fans nur allzu gut bekannter Mann mit Krone im Ring:

JERRY "THE KING" LAWLER.

Damit hatte niemand gerechnet. Unter dem ungläubigen Staunen der anwesenden Zuschauer dirigierte Lawler "TEAM WWF" in den Ring und ließ sie zusammen auf den überraschten Tommy Dreamer losgehen. Derweil deckte er über das Hallenmikrophon die Fans mit Beleidigungen ein und verglich die "Bingo-Halle" mit Toilettenpapier... was die Crowd sichtbar zur Weißglut trieb. Zur Krönung schnappte sich der King dann auch noch das "Singapore Cane" des Sandmans und schlug damit den hilflosen Tommy Dreamer mit voller Wucht in den Genitalbereich - etwas zu feste als im Vorfeld abgesprochen, denn sein Opfer erlitt dabei einen gefährlichen Bluterguss in seinen Hoden und musste darauf - sich vor Schmerzen krümmend - mit einem Krankenwagen aus der Viking Hall abtransportiert werden. Dieser Schock saß tief, denn niemand hatte damit gerechnet, dass sich ein Jerry Lawler dazu herablassen würde bei einem ECW Event im Allerheiligsten aufzutauchen. Immer wieder versuchten einzelne Fans über die Absperrung zu springen und den King an den Kragen zu gehen, so dass dieser am Ende nur unter Polizeischutz die Halle verlassen konnte. Lawler gab später zu, dass er an diesem Abend zum erstenmal Angst um sein Leben gehabt hätte, was ihn in seiner langen Karriere als Heel bis dahin noch nie passiert wäre.

Der Konflikt zwischen ECW und WWF hatte damit einen neuen Höhepunkt erreicht und sollte auch im Sommer eine gewichtige Rolle bei den nächsten Großveranstaltungen von Extreme Championship Wrestling spielen. Diese wurden - wie schon zuvor „Barely Legal" - sowohl in den ECW wie auch in den WWF TV Shows mit aufgebaut, so dass sich Paul Heyman erneut über eine erfolgreiche Crosspromotion in den nationalen Kabelnetzwerken freuen konnte. Rob van Dam erschien fortan regelmäßig in Sendungen der WWF an der Seite von Jerry Lawler und wrestlete dort (zumeist im TagTeam) gegen Midcarder der Federation. Vince McMahon schickte im Gegenzug den deutschen Bodybuilder BRAKKUS, der in ersten Video-Einspielern durch geniale Sätze wie "Ich komme VON Deutschland!" oder "Ich werde sie zerbrechen!" für eher ungewollte Lacher bei den (deutschen) Zuschauern gesorgt hatte, in die ECW als Verstärkung für das TEAM WWF, da das Muskelpaket sich bei ersten Dark Matches in der Federation schlichtweg als zu grün im Ring erwiesen hatte. In Philadelphia stellten sich den WWF-Verrätern derweil eine Allianz aus loyalen Wrestlern unter Führung von Tommy Dreamer in den Weg, die dabei überraschend Verstärkung von einem Altstar der Federation erhielt: "Ravishing" Rick Rude. Damit gewann die Promotion erneut an "Name Value", was wenig später noch durch die Bereitschaft Jerry Lawlers getoppt wurde bei Großveranstaltungen der ECW aktiv als Wrestler anzutreten. (!!)

So kam es am 19. Juli 1997 in der ECW Arena zu einem denkwürdigen Main Event - bei "Heat Wave 97" traf „Team WWF" (Rob van Dam, Sabu & Jerry Lawler) auf „Team ECW" (Tommy Dreamer, The Sandman & Rick Rude), was am Ende in einem No Contest endete. Der finale Showdown in diesem Konflikt sollte dafür einen Monat später bei „Hardcore Heaven 97" steigen, den nächsten PPV der ECW:

Tommy Dreamer vs. Jerry Lawler wurde auf die Card gesetzt, nachdem Dreamer den King unaufhörlich zu einem Single-Match in der ECW Arena herausgefordert hatte. Lawler nahm schließlich an und machte sich fortan zum Vergnügen von Paul Heyman auch bei RAW is WAR beim Kommentieren über seinen Kontrahenten lustig, so dass erneut ein breiteres Publikum von dem anstehenden PPV erfuhr. Dennoch waren viele Fans bis zum Schluss skeptisch, ob der King am Ende wirklich zu der Veranstaltung erscheinen würde, nachdem er bei seinen letzten Auftritten nur mit Polizeischutz die Halle hatte verlassen können. Doch Lawler hielt Wort und erschien am 19. Juli 1997 tatsächlich pünktlich zum PPV in der Viking Hall um sich erst einmal das Mikrophon zu greifen und eine Runde die Fans sowie die Promotion an sich zu beleidigen. Beste Voraussetzungen also für Tommy Dreamer als Publikumsliebling in das Match zu gehen. Wenig später erhielt er dann auch wie erwartet Monster-Pops bei seinem Entrance. Es folgte ein von beiden Seiten harter Kampf, bei dem Dreamer zunehmend die Oberhand gewann und schon vor dem siegreichen Three Count zu stehen schien, als plötzlich das Licht ausging …

… als es wieder anging, stand plötzlich unter dem verblüfften Staunen des überwiegend männlichen Publikums die DIVA Nr. 1 der WWF im Ring:

SUNNY!

Mit Tammy Lynn Sytch tauchte also ein weiterer großer Name der WWF in der ECW Arena auf. Dreamer schien sie aber kein Glück zu bringen, denn als er von Lawler abließ um sie ungläubig anzustarren, schmiss diese ihm prompt eine Prise Make-Up-Pulver ins Gesicht. Es schien die unvermeidliche Niederlage für den geblendeten Tommy zu folgen, als plötzlich Dreamers Valet Beulah McGuillycutty zum Ring stürmte, gegen Lawler eingriff und sich danach einen Catfight mit Sunny lieferte. Das Chaos im Ring nutzte der angeschlagene Tommy zum DDT und schließlich zum Three Count - die Viking Hall stand Kopf. Ein ECW Wrestler hatte also tatsächlich einen (semi-aktiven) WWF Wrestler im eigenen Haus schlagen können - zusätzlich die Vorzeigediva der eigenen Promotion die Vorzeigediva der Federation in die Flucht geschlagen - eine echte Sensation, denn die wenigsten hatten im Vorfeld damit gerechnet, dass Vince McMahon einem derartigen Finish zustimmen würde. Auch politisch gesehen war man so als Liga durch das finale Ergebnis dieses Kampfes also enorm aufgewertet worden.

Ein großer Erfolg für Extreme Championship Wrestling, der allerdings auch bitter nötig war, denn die Abwanderungswelle in der Uppercard setzte sich auch weiterhin fort und wurde mehr als je zuvor zu einer konstanten Bedrohung für die Promotion. Stevie Richards folgte Raven in die WCW, der dort erneut ein eigenes Nest aufbaute: Raven's Flock. Eric Bischoff suchte nach weiteren Mitstreitern für seinen neuen Underground-Heel und wurde prompt in der ECW fündig:

Perry Saturn, eine Hälfte des Vorzeige-TagTeams THE ELIMINATORS, folgte dem Lockruf aus Atlanta und verließ die ECW. Zu sehr hatte er sich in den Vormonaten mit seinem Partner John Kronos backstage in die Wolle bekommen als das er noch zusammen mit ihm hätte antreten wollen. So verlor Paul Heyman nach THE PUBLIC ENEMY 1996 nun sein zweites großes TagTeam, dass er in der eigenen Liga zu echten Stars aufgebaut hatte. Noch heute werden die ELIMINATORS von vielen Wrestling-Experten aufgrund ihres großen Arsenals an zerstörerischen Double Team Moves als das beste TagTeam der 90er Jahre genannt . Im Sommer 1997 waren sie Geschichte.

Andere Teams sollten dafür nun in den Vordergrund rücken, allen voran die …

DUDLEY BOYZ.

Ursprünglich 1995 als Comedy-Act gestartet, hatte sich das feste Team aus Buh Buh Ray und D-Von Dudley zu einer festen Größe in der Promotion etabliert. Sie sollten damit unerwartet zu den berühmtesten Mitgliedern des von Scott Levy (Raven) hinter den Kulissen kreierten DUDLEY-Clans werden. Anfangs wollte Paul Heyman nämlich nur einen kontroversen Comedy-Act im Programm haben, der eine Parodie auf die amerikanische Musterfamilie HANSON BROTHERS aus dem Kinofilm „Snapshot" mit Paul Newman darstellen sollte. So führte er auf der Basis von Ravens Idee in der ECW die DUDLEY BROTHERS ein, die - abgesehen von ihren seltsamen Papp-Brillen - so gut wie gar nichts mit der heilen Welt der Hansons gemeinsam hatten und in ihren lila-grauen Army-Tarnanzügen eher wie eine degenerierte Hinterwäldler-Bande aus einem zweit- oder drittklassigen Slasher-Horrorfilm wirkten. Nur die Kettensägen fehlten. Angekündigt wurden die seltsamen Brüder von nun an stets aus dem fiktiven Ort DUDLEYVILLE, während ihr Anführer folgerichtig den anzüglichen Namen

BIG DICK DUDLEY

erhielt.

Der große Schw… der Dudleyz, verkörpert von Alex Rizzo, hatte es als Familienoberhaupt offenbar quer durch die USA besonders heftig getrieben, denn im Verlaufe der Zeit gesellten sich immer mehr seiner „Kinder" oder „Geschwister" zu ihm um das Programm der ECW mit mehr oder weniger geschmackvollen Angles zu bereichern oder in gewalttätige Storylines verwickelt zu werden. Little Snot Dudley, Dudley Dudley, Sign Guy Dudley, der stotternde Buh Buh Ray Dudley, der zunächst außerhalb des Clans stehende D-Von Dudley, Dances with Dudley, Spike Dudley, Chubby Dudley und T.W. Dudley tauchten im Verlaufe der Jahre in der ECW Arena auf, um unter Beweis zu stellen, dass Big Dick wirklich keine amerikanische Ethnie bei seinen Sex-Touren ausgelassen hatte. Zwei bzw. drei (wenn man Spike mit einbezieht) seiner "Kinder" sollten am Ende Karriere machen und es bis in die WWE schaffen.

Der stotternde

BUH BUH RAY DUDLEY

… verkörpert von Mark Lamonica, fiel in seinen ersten Monaten vor allem durch seinen Sprachfehler auf, für den er von den restlichen Familienmitgliedern regelmäßig gehänselt und auf den Rücken geklopft wurde. Im Februar 97 stand er bei „Crossing the line again" zusammen mit Big Dick in einem TagTeam-Match gegen den Sandman und den Abtrünnigen

D-VON DUDLEY.

Der einzige dunkelhäutige Dudley verkörperte anfangs einen Charakter der an den von Samuel L. Jackson in „Pulp Fiction" gespielten Kopfgeldjäger „Jules Winnfield" anlehnte - einen Schurken mit religiösen Skrupeln, der mit dem Clan in einen Konflikt kommt. Bei jenem TagTeam-Match bei „Crossing the Line" kehrte der von Devon Hughes verkörperte D-VON dann aber wieder in den Kreis der Familie zurück und turnte überraschend gegen den Sandman. Von da an bildete er ein TagTeam mit Buh Buh Ray, welches sehr schnell zum am meisten gehassten und verachteten Team in der Geschichte der ECW aufstieg. Beide nahmen sich vor ihren Kämpfen immer wieder ausgiebig Zeit um das Publikum mit den übelsten Schimpfworten zu beleidigen und scheuten sich oftmals auch nicht davor zurück einzelne Fans an den Absperrungs-Gittern persönlich anzugehen. Immer wieder drohten bei ihren Auftritten Ausschreitungen im Publikum, immer wieder warteten von ihnen beleidigte „Fans" nach den Veranstaltungen vor den Hinterausgängen auf sie um sie vielleicht doch noch in die Finger zu kriegen. Lange Zeit von JOEL GERTNER als Manager begleitet, variierten sie ihren Kampfstil im Verlaufe der Jahre immer wieder um und arbeiteten mehr und mehr mit TABLES als Waffen gegen ihre Gegner. Nachdem man sich anfangs noch damit begnügte, die jeweiligen Opfer durch die Holztische krachen und letztere damit zerbrechen zu lassen, brachte man 1998 unter dem ungläubigen Staunen der Fans auch noch FEUER ins Spiel. Fortan zündete man regelmäßig Tische im Ring an um danach Wrestler oder auch Diven durch die Flammen zu powerbomben. Hochgefährlich und kontrovers - so brachte man die EXTREME Komponente der Promotion am Ende wieder in die Schlagzeilen. So sollten die DUDLYE BOYZ bis zu ihrem Abgang Mitte 1999 für die TagTeam-Division der ECW der unersetzliche Dreh- und Angelpunkt werden und die Tag Team Titles der Liga dabei insgesamt ACHTMAL gewinnen. Die ELIMINATORS waren da folglich schnell vergessen …

Schwieriger als die Umstrukturierung bei den TagTeams gestaltete sich jedoch der Mangel an echten Main Eventern im Single-Bereich. Nach Ravens Abgang klaffte dort eine große Lücke, die es schleunigst zu füllen galt, zumal Terry Funk mit seinen 52 Jahren als ECW World Heavyweight Champion nicht unbedingt die Zukunft der Promotion verkörperte. Heyman konzentrierte sich vorerst auf bewährte Kräfte: Nachdem der Funker erfolgreiche Titelverteidigungen in einem Four Way gegen Raven, den Sandman und Stevie Richards sowie One on One gegen Chris Candito feiern konnte, nahmen ihn die zwei Männer ins Visier mit denen er bereits 1994 in jener spektakuläre Three Way Fehde verwickelt war, die die ECW zum ersten Mal landesweit bekannt gemacht hatte:

Sabu und der „Franchise" Shane Douglas, die neben dem Sandman letzten übrig gebliebenen Main Eventer der Promotion.

Beide Männer waren in der ersten Jahreshälfte 1997 wieder als Heels etabliert worden, was sie zu logischen Gegnern für den in Philadelphia immens populären Funk machte. Während Sabu im TEAM WWF an der Seite von Jerry Lawler und Rob van Dam geteamt hatte, konnte Douglas auf einen erfolgreichen Run als ECW Television Champion zurückblicken. Der Franchise hatte nach seinem Ausflug in die WWF 1995 lange um die Akzeptanz der Hardcore-Fanbasis der Liga kämpfen müssen und war während der langen Titelregentschaft von Raven überwiegend in der Midcard gebookt worden - ein leichter Abstieg für den Mann, der 1994 als Heel den NWA Gürtel verächtlich zu Boden geschmissen hatte um sich zum ersten ECW World Champion zu küren. War nun seine Zeit für einen dritten Run mit dem Gold gekommen (der zweite als „World" Champ)?

Zunächst sah es nicht unbedingt danach aus, denn bei „ECW Wrestlepalooza 97" verlor ein vorlauter Franchise in demütigender Weise seinen TV Title gegen die aufstrebende Human Suplex Machine: Taz. Doch ohne Midcard Title um die Hüften war Douglas natürlich auch wieder bereit größere Ziele in Angriff zu nehmen, zudem er mittlerweile wie schon 1994 wieder von einer Elite-Gruppierung abgesichert wurde: III - THE TRIPLE THREAT lebte wieder auf. Anstatt Chris Benoit und Dean Malenko sollten den Franchise diesmal jedoch zwei andere Männer absichern, die bereits mehr oder weniger erfolgreich in der WWF gewrestlet hatten. Zum einen …

CHRIS CANDIDO

… der als talentierter und technisch versierter Indy-Wrestler 1995 zusammen mit seiner Freundin Tammy Lynn Sytch (Sunny) in die WWF gekommen war, um dort als Body Donna „Skip" einen eher missglückten Run hinzulegen, von dem am Ende nur seine Managerin profitierte, während er selbst oftmals nicht über die Undercard hinaus kam. Somit teilte er ein wenig das Schicksal von Douglas, der ebenfalls durch ein schlechtes Gimmick bei seinem WWF Run Schiffbruch erlitten hatte. Ein frustrierter Candido tauchte daraufhin Ende 1996 in der ECW auf um ohne „Fitness-Guru"-Gimmick einen neuen Anfang zu starten. Zusammen mit seinem alten TagTeam-Partner aus Smoky Mountain Tagen, BRIAN LEE, schloss er sich dem Franchise an und sorgte so für die Wiederauferstehung der TRIPLE THREAT. Lee blieb am Ende aber nicht lange in der Gruppierung und turnte vor „Barely Legal" gegen Douglas, so dass die Gruppierung erneut ein neues Mitglied brauchte. Dieses sollte am Ende neben Terry Funk der größte etablierte Name sein, den die ECW jemals aktiv für ihr Roster gewinnen konnte, The Beast from the East …

BAM BAM BIGELOW

Der Mann der noch zwei Jahre zuvor im Main Event von Wrestlemania XI gegen Footballer Lawrence Taylor gestanden hatte, tauchte nach einem Ausflug nach Japan im Sommer 1997 plötzlich in der ECW Arena auf um sich Douglas und Candido anzuschließen. Scott Bigelow galt auch zu diesem Zeitpunkt noch als einer der besten BIG MEN im Wrestling Business, der trotz seines immensen Köpergewichtes u.a. einen Moonsault vom dritten Seil beherrschte und als Finisher in der Regel - wie Chris Benoit - einen Headbutt vom Top Rope zeigte. Trotz seines ohne Zweifel immens vorhandenen Talents war ihm der große Durchbruch in der WWF stets versagt geblieben. Zuletzt verzweifelte er an den Backstage-Intrigen der berühmten CLIQUE um Kevin Nash und Shawn Michaels, so dass er 1995 frustriert die Company verließ.

Die drei in der WWF Gedemütigten hatten den Wrestling-Fans also etwas zu beweisen und gaben sich daher im Sommer 97 alle Mühe die Fans durch ihr Leistungen im Ring von ihrer Klasse zu überzeugen. Gerade Bigelows Ankunft, mit der die wenigstens gerechnet hatten, versetzte viele Hardcore-Anhänger der Promotion in Euphorie und ließ sie schnell über Ravens Abgang hinwegkommen. Die Triple Threat, gemanagt von Shane Douglas' Valet FRANCINE, räumte fortan bei den Shows auf ... bei Heat Wave 97 rettete Terry Funk am Ende nur eine für ECW-Verhältnisse ungewöhnliche DQ vor dem Titelverlust in seinem Match gegen den Franchise. Drei Wochen später, am 09. August 1997 war es dann aber soweit. Der Funker musste sich im Main Event von „Born to be wired" in einem Stacheldraht Match dem Mann geschlagen, der wie kein zweiter für seinen halsbrecherischen, kein Risiko auslassenden Kampfstil bekannt war. Nach einer blutigen und brutalen Schlacht, bei der beide Männer durch das Barb Wire schwer gezeichnet wurden, hieß der neue ECW World Heavyweight Champion am Ende einmal mehr:

SABU.

Doch für einen langen Run mit dem Titel hielt Heyman ihn aufgrund seiner oftmals demonstrierten Unzuverlässigkeit auch weiterhin nicht geeignet, so dass kurze Zeit später doch noch die Stunde von Douglas schlagen sollte. Im Main Event des durch die Lawler-Dreamer-Fehde gut beworbenen „Hardcore Heaven" PPVs setzte sich der Franchise in einem Three Way Dance gegen den Champion und Terry Funk am Ende durch. Shane Douglas war zum erstenmal seit Anfang 1995 wieder der ECW World Heavyweight Champion! Doch der Zusammenhalt in der TRIPLE THREAT, die ihn auf dem Weg zum Titel so maßgeblich unterstützt hatte, bröckelte kurz darauf schon wieder, da Bam Bam Bigelow ebenfalls auf das große Gold schielte und seine Ansprüche darauf wenig später auch deutlich aussprach. Douglas musste sich so erneut nach einem neuen dritten Mitglied umsehen, während Candido ihm weiterhin treu loyal zur Seite stand. Am Ende fiel die Wahl auf einen talentierten Newcomer, der Anfang 1997 in der ECW sein Debüt gegeben hatte:

LANCE STORM.

Der Kanadier Lance Evers, der im legendären Dungeon der Hart Family als Wrestler ausgebildet worden war, hatte sich zuvor bereits erste Sporen in Japan sowie bei Smokey Mountain Wrestling an der Seite von Chris Jericho im TagTeam THE THRILLSEEKERS verdient. Der eher ruhige und ernste Storm überzeugte dabei weniger durch Charisma am Mikrophon, sondern vielmehr durch erstklassiges, technisch ansehnliches Wrestling. Sein Move Arsenal beinhaltete u.a. einen Springboard Missile Dropkick sowie einen Top Rope Spinning Leg Lariat, womit er sich schnell in die Herzen der Fans in der Viking Hall wrestlete. Mit seinem Beitritt zur TRIPLE THREAT sollte er dann ab dem Herbst 97 auch in die großen Storylines der Promotion involviert werden und zusammen mit Chris Candido die TagTeam-Division aufmischen. Ihr Anführer hatte indessen auch weiterhin große Probleme mit BAM BAM BIGELOW, der um jeden Preis ECW World Heavyweight Champion werden wollte. Und am 16. Oktober 1997 war es dann tatsächlich soweit:

Bei einer Houseshow in Queens, New York pinnte „The Beast from the East" den Franchise zum Three-Count und war damit zum ersten und auch einzigen Mal in seiner Karriere ein HEAVYWEIGHT CHAMPION OF THE WORLD.

Paul Heyman belohnte am Ende seinen prominenten Neuzugang mit dem Titel, da er merkte, wie sehr die Fans auf ihn ansprangen. So erlebte Bigelow zweieinhalb Jahre nach der demütigenden Niederlage gegen Lawrence Taylor überraschend doch noch einen zweiten Frühling im Business und holte sich so verlorenen Respekt bei den Fans zurück. Die Fehde gegen Douglas und die neue TRIPLE THREAT sollte damit freilich noch lange nicht zu Ende sein und den kompletten Herbst in der Promotion dominieren. Der Franchise drängte mit aller Macht darauf sich „seinen" Titel zurückzuholen. Nachdem er bei „Ultimate Jeopardy" noch knapp den kürzeren zog, behielt er am 30. November bei der traditionell größten ECW Veranstaltung des Jahres - November to Remember - am Ende die Oberhand und beendete damit nach gut sechs Wochen Bigelows Titelregentschaft. So führte Shane Douglas danach die ECW zum insgesamt vierten Mal als Champion an. Die spannende Fehde gegen Bam Bam hatte ihn deutlich zu alter Overness verholfen, so dass die Promotion in den Main Events wieder etwas an Stabilität und Planungssicherheit gewann, da Douglas nach seinen schlechten Erfahrungen in der WWF Heyman (vorerst) absolute Treue versprochen hatte.

Die Angst vor dem Ausverkauf machte backstage indessen auch weiterhin die Runde und sorgte für Spannungen im Lockerroom, da der Konkurrenzkampf zwischen WWF und WCW immer größere Dimensionen annahm und dabei zwischen beiden Konkurrenten mit immer schmutzigeren Mitteln gekämpft wurde. Dies sorgte für eine zunehmende Paranoia in Philadelphia und brachte die Gerüchteküche teilweise zum Überlaufen. So geisterte plötzlich wochenlang die Story von einem „Maulwurf" im Lockerroom durch das Internet, der heimlich Wrestler für die WCW rekrutieren wolle. Die Story versetzte viele Wrestler in Unruhe und sorgte für wilde Verdächtigungen untereinander. Tommy Dreamer wurde schließlich sogar (laut eigener Angaben) von Paul Heyman ins Büro bestellt, wo sie zusammen die Mobilbox von ECW Besitzer TOD GORDON abhörten. Dort fanden sich Anrufe zahlreicher WCW Agents und Wrestler, die über eine geplante ECW Invasion bei WCW Monday Nitro fachsimpelten. Während Dreamer schockiert den Lockerroom mobilisierte, lachten sich Gordon und Heyman ins Fäustchen, denn in Wirklichkeit war die „Maulwurf"-Story nur eine gemeinsam ausgeheckte und verbreitete Idee gewesen um die Loyalität ihrer Wrestler zu überprüfen. Manche fielen auch prompt darauf rein. So behauptete Taz bei Gehaltsverhandlungen mit Heyman plötzlich von dem „Maulwurf" ein WCW Angebot erhalten zuhaben, ohne zu wissen, dass die Story von den beiden Promotern erfunden worden war. Referee und Manager Bill Alfonso, dem Kontakte zur WCW nachgesagt wurden, fing ebenfalls an mit dem Management zu pokern und konnte seinen Job am Ende nur durch ein brutales Match gegen Beulah McGillycutty retten, bei dem er sich von einer Frau blutig schlagen ließ.

Andere Wrestler hatten es wiederum schwer, nachdem sich ihre Karriere-Träume von WWF/WCW zerschlagen hatten. Rob van Dams Ausflug in die Federation endete im Spätsommer 97 in TagTeam-Kämpfen in der Undercard gegen die Headbangers, bei denen er sein großes Potential an Moves so gut wie wie gar nicht zeigen durfte. Mr. Monday Night schaffte es zudem nur noch selten bei RAW is WAR am Montagabend überhaupt auf der Card zu stehen, so dass er sich im Herbst schweren Herzens dazu entschloss „full time" zur ECW zurückzukehren. Dort erwartete ihn ein äußerst feindseliger Lockerroom, die ihn seine arrogant zur Schau gestellten Wechselabsichten lange Zeit nicht verzeihen wollte. Allen voran Tommy Dreamer, mit den nun auch vor den Kameras eine intensive Fehde begann, die RVD aber beim „November to Remember"-PPV nach zwei äußerst brutalen Kämpfen für sich entscheiden konnte.

So blickte die ECW am Ende des Jahres 1997 auf turbulente 12 Monate zurück, in denen man wie nie zuvor den Atem der BIG TWO im Business zu spüren bekommen hatte. Neben der ständigen Angst vor dem Ausverkauf an Talenten mussten Heyman und Co. nun zudem auch noch Woche für Woche miterleben, wie in WWF und WCW ihre Storyline-Ideen geklaut und kopiert wurden. In der WCW gab es nach der Gründung der nWo keine festen Heel-Face-Verteilungen mehr und einen stärkeren Hang zu kontroversen Angles und einer ausgebauten Cruiserweight Division. Die WWF konterte darauf ab dem Herbst 97 mit einem deutlich „erwachsenen" Produkt, bei dem plötzlich "extremere" Angles, Hardcore-Matches, halbnackte Frauen und eine vulgäre Sprache im Vordergrund standen, die unter dem neuen Logo ATTITUDE für jede Menge Gesprächsstoff in den Main-Stream-Medien sorgten. Stone Cold Steve Austin stieg als alles und jeden stunnernde Redneck zum neuen Superstar auf und zeigte immer wieder seinen Mittelfinger in die Kameras; Shawn Michaels und Triple H gründeten die D-Generation X und brachen in ihren Promos Woche für Woche die Regeln des guten Geschmacks; der Undertaker ging durch das allererste Hell in a Cell und wurde von seinem totgeglaubten Bruder Kane um den Sieg gebracht, während Bret Harts letztes Match in der WWF Kommentator Vince McMahon als neuen Oberbösewicht in Position brachte. Keine Frage: Die Zeiten hatten sich geändert, Family Entertainment war Vergangenheit. Etwas verspätet griffen die WWF Writer in Stamford um Vince Russo und Ed Ferrara ECW Ideen der „Hardcore Revolution" auf um damit ihre eigenen Liga zu modernisieren und neue Zuschauer für RAW is WAR zu gewinnen. Die Rechnung ging auf: 1998 setzte sich der Wrestling-Boom fort (wovon auch die ECW profitierte) und machte die WWF wieder zur Nr. 1.

Doch die neue Ausrichtung der Federation hatte auch ihre Schattenseiten für die ECW. Fortan wurde es immer schwieriger die eigene Einmaligkeit zu erhalten, da der extreme Hardcore-Stil neuerdings auch für ein Massenpublikum am Montagabend populär gemacht wurde. Der Einsatz von Waffen, Tischen und Catfights verlor so etwas von seinem Revolutions-Charakter, da es ähnliches mittlerweile auch auf der großen Bühne bei RAW zu sehen gab.

Nichtsdestotrotz war 1997 ein erfolgreiches Jahr für die ECW gewesen. Man hatte sich als Liga Nr. 3 mit eigenen PPVs endgültig in den USA etabliert und gewann durch das sich ausbreitende Internet auch international immer mehr Fans. Die Popularität der Promotion stieg aufgrund des nationalen Wrestling-Booms in ungeahnte Ausmaße. Die Veranstaltungen in Philadelphia waren in der Regel bereits Monate vorher ausverkauft, so dass man mehr und mehr auch in anderen Städten veranstaltete um neue Märkte zu erschließen. Fans nahmen lange Autofahrten in Kauf um nur ein einziges Mal LIVE bei einem ECW Event dabei gewesen zu sein. Der Ruhm der Liga ließ zudem auch weiterhin talentierte Indy-Wrestler Schlange stehen um einen Platz im Roster von Extreme Championship Wrestling zu ergattern. Und auch für etablierte Stars war die Promotion attraktiv geworden, wie die Auftritten von Rick Rude und Bam Bam Bigelow demonstriert hatten. Selbst den Abgang Ravens konnte man relativ gut aufgefangen und den Fans hatte danach abwechslungsreiche Main Events und Fehden um den World Title geboten. Heymans Stärke beim Booking die Schwächen seiner Wrestler zu verstecken und die Stärken hervorzuheben, sollten sich wieder einmal beweisen. Sein großes Improvisationstalent sorgte auch weiterhin für aufregende Storylines im TV, die die Fanbasis zufrieden stellte. Als Geschäftsmann sollte er dafür allerdings bald ins Straucheln geraten …

Zumal sich sein Arbeitspensum erneut erhöht hatte. Tod Gordon musste 1997 schweren Herzens die Führung der Promotion abgeben, die er einst 1992 ins Leben gerufen hatte. Seine Tätigkeit in seinem Familienunternehmen erforderte immer mehr von seiner Zeit, so dass er seine Anteile an der ECW an Heyman verkaufte. Nach einem kurzen Run als Comissioner und diversen Streitigkeiten mit seinem Nachfolger verschwand er Ende des Jahres für immer von der Bühne in Philadelphia. Nun hatte Heyman das alleinige Sagen, damit aber auch die alleinige Verantwortung. Und sein Job sollte in den nächsten Jahren nicht einfacher werden.

In der Main Event Szene gab es gleich zum Jahresanfang 1998 eine faustdicke Überraschung. Bei „Hostile City Showdown" turnte Bam Bam Bigelow in einem Tag-Match gegen Douglas & Candido plötzlich gegen seinen Partner Taz und schloss sich sensationeller Weise wieder der Triple Threat an. Lance Storm musste für Bam Bam Platz machen und wurde von seinem TagTeam-Partner Candido und dem Franchise aus der Gruppierung geschmissen. Damit begannen die Fehden Storm vs. Candido und Taz vs. Bigelow, die beide einige hochklassige Matches hervorbrachten und das Jahr 1998 prägen sollten.

Für den Champion sollte es indessen vorerst an adäquaten Herausforderern mangeln. So verteidigte Douglas seinen Titel zunächst gegen Midcarder und den aus der WWF zurückgekehrten AL SNOW. Dieser konnte seine schon tot geglaubte Karriere nach einem missglücktem Run als New Rocker "Leif Cassidy" wider Erwarten noch einmal wieder beleben, als er backstage Gespräche mit einem abgetrennten Puppenkopf zu führen begann. HEAD war geboren und sollte ihm später auch in der WWF zu spätem Ruhm verhelfen. Die zweideutige Catchphrase „What does everybody want? -HEAD!" war in aller Munde und brachte die Crowd bei jedem seiner Auftritte zum Ausflippen. Snows gute Wrestling-Skills sollten ihn in der ECW Arena am Ende ebenso over bringen wie Heymans Marketing-Idee im Publikum tausende von Styropor-Köpfen zu verteilen um so die Halle in Party-Stimmung zu versetzen. Für den World Title reichte es für Snow dann aber nicht.

Während der von Verletzungen geplagte World Champion eher ins Abseits rückte, fesselten andere Uppercard-Fehden die Fans und machten dabei insbesondere einen Wrestler zum Star, der sich seit seiner Nackenoperation zu einer festen Größe im Roster etabliert hatte:

TAZ.

Nach seiner siegreichen Fehde gegen Sabu und dem Gewinn des ECW TV Titles 1997 sollte ihn nun seine Auseinandersetzung mit Bam Bam Bigelow endgültig zum neuen Superstar der Promotion machen. Die „Human Suplex Machine" musste dabei aber zunächst einen Rückschlag einstecken. Am 01.03.1998 beendete Bigelow als Lokalmatador vor heimischem Publikum in Asbury Park bei „Living Dangerously" Taz' gut 9 Monate andauernde Regentschaft als TV Champion sowie seine noch länger bestehende Siegesserie. Der Kampf ging dabei in die Annalen der Promotion ein, als während der Finishsequenz Taz seinen Gegner in die Tazmission nahm und dieser sich darauf einfach mit voller Wucht nach hinten auf den Ringboden fallen ließ … dieser gab unter der Wucht des Aufpralls aber nach, so dass beide unter dem verblüffen Raunen der Zuschauer in einem Loch unter dem Ring verschwanden. E-C_DUB! E-C_DUB! (Eine Szene, die später von der WWF mit The Big Show bei RAW kopiert wurde.) Nachdem beide wieder rausgekraxelt waren, konnte Bigelow Taz pinnen und damit als Champion entthronen.

Die über den Titelverlust frustrierte Human Suplex Machine präsentierte darauf wenige Wochen spätern einen eigens für ihn kreierten Titelgürtel und erklärte sich offiziell zum ersten „FTW Champion" der ECW. Mit FTW war „F*** the World" gemeint, was den Straßenkämpfer-Charakter von Taz weiter hervorheben sollte. Die Fans nahmen die Idee begeistert an und bastelten ihrerseits FTW-Belts, was Heyman davon überzeugte, Taz seinen eigentlich als Gag kreierten Fantasy-Gürtel auch bei Großveranstaltungen verteidigen zu lassen. (Sabu schaffte es später tatsächlich ihn für kurze Zeit den Belt abzuluchsen.) Seine Fehde gegen Bam Bam Bigelow zog sich indessen weiter durch das ganze Jahr, bei der Taz am Ende schließlich siegreich blieb. Bigelow verließ darauf im Herbst 1998 die ECW für immer, nachdem Paul Heyman in Zahlungsschwierigkeiten gekommen war und er ein Angebot der WCW erhalten hatte - für eine Fehde gegen GOLDBERG.

Sein 16monatiger Run in Philadelphia hatte den Marktwerkt des "Beast from the East" also schlagartig erhöht, was für die gewonnene Bedeutung der Promotion sprach.

So verlor Extreme Championship Wrestling allerdings auch einen weiteren Main Eventer, und Bigelow sollte dabei am Ende nicht der einzige bleiben. The Sandman James Fullington, in vielerlei Hinsicht das Herz der Promotion, entschied sich im Sommer ebenfalls dazu nach Atlanta zu gehen um dort als „Hardcore Hak" die neue Hardcore-Division der WCW zu bereichern. So wurde es an der Spitze der ECW wieder einmal dünn. Da Shane Douglas zudem immer wieder mit Verletzungssorgen zu kämpfen hatte, wurde der Ruf nach einem neuen World Heavyweight Champion immer lauter. Ende des Jahres 1998 entschied man sich schließlich dazu, Taz den finalen Push an die Spitze zu geben, da er wie kein anderer Star im Roster over bei den Fans war. Am 16. Januar 1999 war es dann soweit, bei „House Party" in der ECW Arena:

Taz konnte mit seinem gefürchteten Submission-Move „Tazmission" Shane Douglas zur Aufgabe zwingen und wurde somit neuer ECW World Heavyweight Champion. Für den nur knapp über 1,70 großen Peter Senerca erfüllte sich so ein Lebenstraum, an dessen Erfüllung lange Zeit nur wenige Experten geglaubt hatten. Aus dem „tollwütigen Irrwisch" von einst war eine unbezwingbare Submission Machine geworden, die man als Champion ohne zu zögern ernst nahm. „Beat me if you can, survive if I let you!" schleuderte er seinen Gegner entgegen und am ENde war auch der Franchise JUST ANOTHER VICTIM, nur ein weiteres Opfer auf seinem Siegeszug geworden.

Die ECW hatte einen neuen Top-Star, während sich ein zweiter Mann auf dem besten Weg dorthin befand:

ROB VAN DAM.

Nach seiner gewonnen Fehde gegen Tommy Dreamer Ende 1997 hatte RVD sich auf Titeljagd begeben und war dabei in doppelter Hinsicht erfolgreich. Zusammen mit Sabu konnte er sich zweimal die ECW TagTeam Titles sichern. Wichtiger für seine Karriere sollte aber am Ende der Gewinn des ECW Television Titles werden, den er am 04. April 1998 Bam Bam Bigelow abnehmen konnte. Unter der Betreuung von Bill Alfonso als Manager startete van Dam eine beeindruckende Siegesserie und verteidigte seinen Titel in jeder Show gegen nahezu jeden Gegner des Rosters - zumeist auf ungemein spektakuläre Art und Weise, so dass die Fans oftmals aus dem Staunen über seine waghalsigen Aktionen nicht herauskamen. Schon bald setzte sich in Philadelphia die Erkenntnis durch, dass van Dam regelmäßig das beste Wrestling-Match auf einer Card bot - egal, ober er dabei im Opener oder Main Event stand. Dafür erhielt der einst so verhasste Mr. Monday Night prompt einen neuen Spitznamen:

THE WHOLE F'N SHOW!

Womit man seine hervorstechende Eigenschaft als Showstealer auf den Punkt brachte. Paul Heyman bookte van Dams Siegesserie schließlich als Teil seines Gimmicks und ließ Bill Alfonso regelmäßig in der Halle auf die Sekunde genau die Länge von RvDs Titelregentschaft ins Mikrophon brüllen. Da der TV Champion zudem noch auf eine makellose Bilanz bei den ECW PPVs zurückblicken konnte - er gewann bei jedem Großevent seit Barely Legal seine jeweiligen Matches - erhielt er zudem den Beinamen

MR. PPV.

Die außergewöhnliche Qualität seiner Matches machten ihn Ende 1998 so neben Taz zum zweiten großen Star der Promotion. Diese ging derweil schweren Zeiten entgegen. Der Kosten- und Arbeitsdruck auf Paul Heyman nahm immer mehr zu, so dass dieser immer wieder in Zahlungsschwierigkeiten bei den Gagen für seine Wrestler geriet. Alleine der legendäre Ruf als UNDERGROUND PHÄNOMEN hielt die meisten Aktiven bei der Stange. Dennoch schien eine Expansion in ein nationales Kabelnetzwerk zum Überleben unausweichlich um weiter „gesund" als Promotion wachsen zu können und neue Vermarktungsmöglichkeiten zu erschließen. Im Sommer 1999 sollte diese Gelegenheit tatsächlich kommen, als TNN der ECW eine Stunde ihrer Freitagabendschiene anbot … wie dieser Deal am Ende für die Liga und Paul Heyman ausging, erfahrt ihr in der fünften Folge unserer Geschichte über die ECW.

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